Bestimmung der in Deutschland heimischen und heimisch gewordenen Crataegus Arten und häufiger Bastarde (F. Mang)

Aus Offene Naturführer
Wechseln zu: Navigation, Suche
Quelle: Mang, F. 1968. Crataegus L. in Sp. pl. (1753), p. 475 - Weißdorn-Schlüssel zur Bestimmung der in Deutschland heimischen und heimisch gewordenen Arten und häufiger Bastarde nach vegetativen und generativen Merkmalen. Göttinger Floristische Rundbriefe (Heft 4), 3–13.[1] (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Friedrich Mang beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Crataegus monogyna
Crataegus monogyna
Crataegus monogyna

Vorbemerkungen

Der fachliche Inhalt dieser Seite stammt aus einem Beitrag der Göttinger floristischen Rundbriefe. Man beachte bei Weiterverwendung des Inhaltes auf die richtige Quellenangabe mit dem entsprechenden Verweis.

Der Originaltext ist zu finden unter: Mang, F.W.C. (1968). Crataegus L. in Sp. pl. (1753), p. 475 - Weißdorn-Schlüssel zur Bestimmung der in Deutschland heimischen und heimisch gewordenen Arten und häufiger Bastarde nach vegetativen und generativen Merkmalen. Göttinger Floristische Rundbriefe (Heft 4), 3 – 13.


Die Nomenklatur richtet sich im Wesentlichen nach J. do Amaral Franko in: Flora Europaea, Bd. II, Cambridge (1969); Abweichungen sind gekennzeichnet.

Auf das Aufzeigen der komplizierten Synonymik ist absichtlich weitgehend verzichtet worden.

Da die Blätter an den Kurz- (Blüten) und Lang- (Blatt-) Trieben sehr unterschiedlich ausgebildet sind und darüber hinaus die Blattformen der Langtriebe erheblich variieren, bezieht sich der nachstehende Schlüssel nur auf Blattform der Kurztriebe. Nicht zu berücksichtigen sind dabei die letzten Blätter der Kurztriebe am Ansatz der Doldenrispen, die meist sehr klein bleiben und wenig gelappt wiederum erheblich abweichen. Insgesamt gesehen sind die Blattformen also äußerst polymorph ausgebildet.

Darüber hinaus werden in Gebieten, in denen sich Arten überschneiden, mehr oder weniger häufig Hybridformen gefunden; häufige sind im nachstehenden Schlüssel aufgenommen worden. Apomixis ist ebenfalls bekannt, sie ist jedoch in ihrem Umfang noch nicht ausreichend erforscht.



Bestimmungsschlüssel

Crataegus Bestimmungsschlüssel
Von: Friedrich Mang
Geographischer Geltungsbereich: Deutschland — Quelle: F. Mang (1968): Crataegus L. in Sp. pl. (1753), p. 475 - Weißdorn-Schlüssel zur Bestimmung der in Deutschland heimischen und heimisch gewordenen Arten und häufiger Bastarde nach vegetativen und generativen Merkmalen. Göttinger Floristische Rundbriefe (Heft 4), 3–13. — Zielgruppe: Studenten — Zusammenarbeit: offen — Stand: fertigBisherige Koautoren: J. Homberg, S. v. Mering
1
Bestimmung nach den Früchten oder Blütendolden   ► 2
1*
Bestimmung nach den Blättern und weiteren Merkmalen   ► 7
2
Früchte mit einem Kern (Stein) und einem Griffel   ► 3
2*
Früchte mit 2 (-3) Steinen und – selten einem Y-förmig verwachsenen {Griffel}– oder 2-3 Griffeln   ► 4
3
Blütenstand kahl 
  ▼▼ a  –     
a
Kelchblätter deutlich länger als breit, dreikantig-pfriemenförmig bis länglich-lanzettlich, ganzrandig, zurückgebogen, Frucht elliptisch länglich bis nahezu rundlich, dunkelrot bis schwarzrot. 
  Crataegus curvisepala Lindman
a
Kelchblätter lang zugespitzt, wenigstens doppelt so lang wie breit, aufgerichtet. Frucht länglich walzenförmig, häufig leicht (4-) kantig, hellrot. 
  Crataegus calycina Petermann
3*
Blütenstand mehr oder weniger behaart bis schwach flaumig 
  ▼▼ b  –     
b
Kelchblätter kurz dreieckig bis rundlich, aufgerichtet bis stehend. Frucht fast kugelig, leuchtend rot. 
  Crataegus microphylla C.Koch
Durch Baumschulpflanzen eingebürgert, Heimat SO-Russland.
b
Unterkelch (Hypanthium) rauhaarig, Kelchblätter länglich, mehr oder weniger anliegend, Frucht fast kugelig, dunkelrot 
  Crataegus monogyna subsp. nordica Franco
b’’
{Unterkelch (Hypanthium) rauhaarig, Kelchblätter länglich, mehr oder weniger anliegend,} Frucht kugelig-länglich, braungrün bis bräunlich-rot. 
  Crataegus monogyna subsp. azarella (Griseb.) Franco
Durch Baumschulpflanzen eingebürgert seit ca. 1900, Heimat Mittelmeerraum.
b’’’
Unterkelch kahl, selten mit wenigen Haaren besetzt, Kelchblätter länglich-schmal, wenig länger als breit, anliegend. Frucht kugelig bis birnförmig, dunkelrot. 
  Crataegus monogyna subsp. monogyna
b’’’’
Unterkelch kahl, selten mit wenigen Haaren besetzt, Kelchblätter länglich-schmal, wenig länger als breit, anliegend. Frucht kugelig bis birnförmig, dunkelrot. 
  Crataegus monogyna subsp. brevispina (G.Kunze) Franco
4
Unterkelch kahl   ► 5
4*
Unterkelch rauhaarig   ► 6
5
Früchte am Grunde ohne Protuberanzen (Auswüchse) 
  ▼▼ a  –     
a
Blütendolden kahl, Kelchblätter gleich lang wie breit, dreieckig, ganzrandig, mehr oder weniger anliegend. Frucht kugelförmig, dunkel- bis schwarzrot. 2-3 Griffel, 2 Steine. 
  Crataegus laevigata subsp. laevigata
a
Kelchblätter breit-dreieckig, ganzrandig, mehr oder weniger anliegend. Frucht rundlich oval, dunkelrot. 1-2 Griffel, 2 Steine. 
  Crataegus × calciphila Hrabátová
a’’
Kelchblätter kantig-dreieckig, fast pfriemenförmig, ganzrandig, aufgerichtet bis bogig, zurückgekrümmt. Frucht länglich, leuchtend rot. 2 Griffel, 2 Steine. 
  Crataegus × schumacheri Raunkiaer sensu Mang
a’’’
Kelchblätter lanzettförmig-länglich, verschmälernd, mehr oder weniger abstehend. Frucht kugelig bis eirund, am Grunde stumpf (5-) eckig. 1-3 Griffel, 2 Steine, Fruchtstand reichblütig (12-20 Blüten). 
  Crataegus ucrainica Pojarkova
5*
Früchte am Grunde mit (4-5) Protuberanzen. Kelchblätter länger als breit, mehr oder weniger abstehend oder vorgestreckt. Frucht oval bis rund oval, groß, rot bis dunkelrot. 2 Griffel, 2 Steine. 
  Crataegus macrocarpa Hegetschweiler sensu Rothmaler
6 (4)
Kelchblätter lang, fast doppelt so lang wie breit, ganzrandig, aufgerichtet bis abstehend, Frucht kugelförmig, leuchtend bis dunkelrot. 2-3 Griffel, 2-(3) Steine. 
  Crataegus palmstruchii Lindman sensu auct scand.
6*
Kelchblätter kurz, dreikantig-spitz, etwas länger als breit, ganzrandig, mehr oder weniger anliegend. Frucht dick-kugelig, häufig breiter als lang scheinend, dunkel bis braunrot. 1-2 Griffel, (1-) 2 Steine, Griffel auch bis zu 2/3 Y-förmig verwachsen. 
  Crataegus × media Bechstein
7 (1)
Die Seitenadern der Blätter enden in der Spitze der Lappen und Zähne, jedoch auch in den Buchten.   ► 8
7*
Die Seitenadern enden nur in den Spitzen der Lappen und Zähne. Fremdländische, z. T. häufig kultivierte, kaum verwilderte Arten aus Asien und Amerika, wie z. B.: 
  ▼▼ a  –     
a
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus crus-galli L.
a
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus intricata Lange
(= Crataegus coccinea auct. plur.)
a’’
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus prunifolia (Lam.) Pers.
a’’’
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus sanguinea Pallas
8
Die jungen Zweige, Blätter, Blütendoldenstiele und der Unterkelch sind unbehaart oder mit locker stehenden. Gerade abstehenden Haaren besetzt.   ► 9
8*
Die jungen Zweige, Blätter, Blütenstiele und der Unterkelch sind filzig-wollig oder auch seidig behaart. Arten des Mittel- und Schwarzmeerraums sowie vom Balkan, die kaum kultiviert werden, wie z. B.: 
  ▼▼ a  –     
a
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus azarolus L.
a
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus laciniata Ucria
(= Crataegus orientalis Pallas ex Bieberstein)
a’’
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus nigra Waldstein et Kitaibel
a’’’
{nicht weiter ausgeschlüsselt} 
  Crataegus pentagyna Waldstein et Kitaibel
9
Rand der Blattlappen klein gezähnt, Rand der Nebenblätter gesägt.   ► 10
9*
Rand der Blattlappen glattrandig oder mit wenigen spitzen Zähnchen besetzt, Rand der Nebenblätter glattrandig. 
  ▼▼ a  –    Crataegus monogyna Jacquin s.l.
Die Art ist sehr veränderlich. 4 Unterarten:
a
Zweige und Blätter dicht flaumig behaart 
  Crataegus monogyna subsp. azarella
a
Zweige und Blätter unbehaart oder spärlich flaumig   ► b
b
Blätter leicht lederig, unten gräulich bis hellgrün   ► c
b
Blätter (hart)-ledrig, unten bläulich-grün (glauk)   ► c'
c
Blätter über 30 mm lang, Blüten 10-15 mm Ø   ► d
c
Blätter 10-30 mm, Blattstiele 3-15 mm, Blüten 12-20 mm Ø, Frucht leuchtend rot, zuerst bereift 
  Crataegus monogyna subsp. brevispina
d
Blätter tief 3-lappig und schmal, Blattstiele 5-15 mm, Unterkelch unbehaart 
  Crataegus monogyna subsp. monogyna
d
Blätter 3-5-7-lappig und groß, Blattstiele 20-25 mm, Unterkelch rauhaarig 
  Crataegus monogyna subsp. nordica
10
Blattunterseite hellgrün, leicht bis – besonders an den Adern – dichter behaart   ► 11
10*
Blattunterseite hellgrün, kahl   ► 12
11
Blattlappen mehr oder weniger abgerundet, kurz, also nur bis ½ gelappt, teilweise etwas zugespitzt. 
  ▼▼ a  –     
a
3-5 (-7) eirunde Blattlappen fast bis zum Grunde klein gezähnt, Buchten stark zugespitzt. Behaarung nur unten an den Adern. Frucht länglich walzenförmig, häufig leicht (4-)kantig, hellrot, Kelchblätter aufgerichtet. 1 Griffel, 1 Stein. 
  Crataegus calycina Petermann
a
Pflanze sehr ähnlich {wie vorige Art}, Blätter jedoch keilförmig, Lappen länglich, spitz, nur wenige Zähnchen, Kelchblätter zurückgebogen. 
  Crataegus × kyrtostyla Fingerhut
a’’
wie die zwei vorherigen; Behaarung flächig, dünn, bald verkahlend, Frucht kugelig-eirund, am Grunde 5-kantig, dunkelrot. Kelchblätter vorgestreckt. Griffel 2, Steine 2, Blütenstand reichblütig (12-20). 
  Crataegus ucrainica Pojarkova
a’’’
3-5 kurze, breite Blattlappen, Buchten bis zu 1/3, Rand stumpf gesägt. Blattoberseite glänzend, fast ledrig, Behaarung unten flächig, dünn, bald verkahlend, Blattaderwinkel unbehaart. Frucht kugelförmig, dunkel bis schwarzrot, Kelchblätter mehr oder weniger anliegend. Griffel 2-3, Steine 2. 
  Crataegus laevigata subsp. laevigata
a’’’’
wie a'''; Blattoberseite derb, mattglänzend, Behaarung besonders an den unteren Adern flaumig, Blattaderwinkel mit Haarbüschel. Frucht kugelförmig, leuchtend bis dunkelrot, Kelchblätter aufgerichtet bis abstehend. Griffel 2-3, Steine 2 (-3). 
  Crataegus palmstruchii Lindman sensu auct. scand.
a’’’’’
wie a'''; jedoch kleingezackt, etwas zugespitzt gelappt, Blattoberseite matt, derb, Behaarung unten flächig, schwach, besonders an den unteren Adern dichter, dort kaum verkahlend, Blattaderwinkel mit dünnen Haarbüscheln. Frucht länglich, leuchtend rot, Kelchblätter mehr oder weniger abstehend. Griffel 2, Steine 2. 
  Crataegus × schumacheri Raunkiaer sensu Mang
11*
Blattlappen mehr oder weniger zugespitzt, lang, also mindestens zu ½ gelappt, immer zugespitzt 
  ▼▼ b  –     
b
3-5 lange, breite Blattlappen Buchten lang, bis zu 3/5 eingeschnitten, zugespitzt. Blattoberseite glänzend, fast ledrig. Unten schwach flächig behaart, früh verkahlend, Blattaderwinkel kahl. Frucht oval bis rundoval, groß, rot bis dunkelrot, Kelchblätter mehr oder weniger abstehend. Griffel 2, Steine 2. 
  Crataegus macrocarpa Hegetschweiler sensu Rothmaler
b
Pflanze ähnlich gestaltet {wie vorherige}. Blätter größer 40-60 x 30 x 40; Lappen nicht zugespitzt, Frucht kurz-walzlich, häufig kantig. 
  Crataegus helvetica W.Koch sensu Rothmaler
b’’
3-5 (-7) breite, mittellange Blattlappen, Buchten bis zu 1/2 eingeschnitten, mehr oder weniger ganzrandig, zugespitzt. Blattoberseite derb,

mattglänzend, unten gleichmäßig behaart, nie dichter an den Adern, Blattaderwinkel behaart, jedoch nicht bürstig. Frucht rundlich oval, dunkelrot,

Kelchblätter mehr oder weniger anliegend. Griffel 1-2, Steine 2. 
  Crataegus × calciphila Hrabátová
b’’’
wie 11*b; jedoch lange Blattlappen, Buchten tief, bis zu 2/3 eingeschnitten, mehr oder weniger ganzrandig, zugespitzt. Blattoberseite derb, matt glänzend, unten flächig behaart, an den Adern zum Stiel hin häufig kahl. Frucht dick-kugelig, dunkel bis braunrot, Kelchblätter mehr oder weniger anliegend. Griffel 1-2. Steine (1-) 2. 
  Crataegus × media Bechstein
12 (10)
Blattlappen mehr oder weniger zugespitzt, lang, breit-eirund zugespitzt, nur an der Spitze klein gezackt, Frucht elliptisch länglich bis fast rundlich, dunkelrot, Kelchblätter zurückgebogen. Griffel 1, Stein 1. 
  Crataegus curvisepala Lindman
12*
Blattlappen mehr oder weniger abgerundet, kurz, bis zu 2/3 eingeschnitten, gebuchtet, fast stumpf, vollständig klein gesägt, Frucht kugelrund, leuchtend rot, Kelchblätter abstehend. Griffel 1, Stein 1. 
  Crataegus microphylla C.Koch

Literatur

  • Fitschen, J., 1935: Gehölzflora. Leipzig, 149-152.
  • Franco, J.d.A., 1969: Crataegus, in: Flora Europaea, Bd. II, Cambridge.
  • Hegi, G., 1923: III. Flora von Mitteleuropa, Bd. IV/2, München, 725-739.
  • Hermann, F., 1965: Flora von Nord- und Mitteleuropa, Stuttgart, 547-548.
  • Koch, K., 1869: Dendrologie, Bd. I, Erlangen, 127-164.
  • Kruessmann, G., 1960: Handbuch der Laubgehölze, Bd. I. Berlin und Hamburg, 366-373.
  • Lid, J., 1963: Norsk og svensk Flora. Oslo, 395-396.
  • Lindman, C.A., 1918/1926: Svensk Fanerogamflora, Stockholm, 306-310.
  • Utile, L.E., 1953: Check list of the trees of the United States, Bd. 1, Aufl. 2, Boston, 124-168.
  • Mang, F., 1962: Merkblatt Arge Floristik (mskr. u.v.) Kiel.
  • Mang, F., 1969: Beitrag zur Kenntnis der Verbreitung der Dorne im nord-deutsch-cymbrisch-südskandinavischen Raum. Kiel / København (in Vorbereitung)
  • Pojarkova, A., 1939: Crataegus, in: Flora URSS, Bd. 9, Moskau, 416-468 und 498-510.
  • Rothmaler, W., 1963: Exkursionsflora, kritischer Ergänzungsband, Berlin, 165-166.

Fußnote

  1. Auszug aus einer Arbeit über die Verbreitung der Dorne in Norddeutschland und Südskandinavien (Vgl. Literaturverzeichnis).
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Bestimmung der in Deutschland heimischen und heimisch gewordenen Crataegus Arten und häufiger Bastarde (F. Mang) (Zuletzt geändert:
Dieses Attribut ist ein Spezialattribut in diesem Wiki.
18 Oktober 2012 12:36:36). Abgerufen am 23. September 2017, 03:54 von http://offene-naturfuehrer.de/web/Bestimmung_der_in_Deutschland_heimischen_und_heimisch_gewordenen_Crataegus_Arten_und_häufiger_Bastarde_(F._Mang)