Bestimmungsschlüssel der Geranium-Arten in Deutschland nach Blattmerkmalen (Henning Haeupler 1976)

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Quelle: Haeupler, H. 1976: Bestimmungsschlüssel der Geranium-Arten in Deutschland nach Blattmerkmalen. Göttinger Floristische Rundbriefe, 10. Jahrg., Heft 3, Beiblatt Nr. 4. (Die Arbeit liegt auch als PDF-Datei vor.) (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Henning Haeupler beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Dieser Beitrag stammt von einem Mitglied der Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands (GEFD).
Hinweis: Der vorliegende Artikel wird unverändert bereit gestellt. Bei älteren Arbeiten ist zu beachten, dass unter Umständen neuere Erkenntnisse zum Thema vorliegen!

Die Blattumrisse unserer Geranium-Arten und insbesondere deren Behaarung (v. a. am Blattstiel) sind derart charakteristisch, dass eine Unterscheidung der Arten allein nach diesen Merkmalen im vegetativen Zustand möglich ist (s. GFR 69/4 69-76). Bei der Unterscheidung von Arten nach der Behaarung muss man sehr kritisch vorgehen, da v. a. der Grad der Behaarung in weiten Grenzen schwankt und von verschiedenen Außenfaktoren beeinflusst werden kann, also kein arttypisches Merkmal zu sein braucht. In diesem Fall gelingt uns aber eine Trennung durch die verschiedenen Haartypen und deren Kombination und Anordnung, während Grad und Dichte der Behaarung auch hier stark variieren. Abbildungen und Schlüssel beziehen sich jeweils auf ein Grund- seltener auch auf eines der unteren Stängelblätter (in jenen Fällen, wo sich die unteren Stängelblätter von den rasch vergänglichen Rosettenblättern nur wenig unterscheiden) von "durchschnittlicher" Größe und Entwicklung. Die Behaarung ist jeweils in einem Bereich von 3-5 cm unterhalb des Blattansatzes mit einer guten Lupe zu betrachten. Diese Festlegung der Region ist notwendig, da die Blattstiele nach unten zu häufig verkahlen und umgekehrt zum Blattansatz hin dichter behaart sind. Die Behaarung am Spross und v. a. in der Blütenstandsregion weicht nicht unerheblich ab, weswegen wir diese Bereiche, wenn nicht im Schlüssel besonders darauf hingewiesen wird, außer Acht lassen wollen. Am Blattstiel ist bei fast allen Arten oft eine ± einzeilig gehäufte Behaarung zu beobachten, ohne dass dies im Schlüssel besonders ausgedrückt wird. Geranium-Blätter sind von ähnlichen handförmigen Grundblättern anderer Gattungen der deutschen Flora durch kleine spitzovale Nebenblätter und gegenständige Blattstellung am Spross gekennzeichnet. Diese Merkmale finden sich z. B. nicht bei ähnlichen Ranunculaceen-Blättern (Trollius, Ranunculus div. spec.).

Bestimmungsschlüssel

(H = Merkmale nach Herbar gewonnen [übrige Abkürzungen gegenüber Originalpublikation hier aufgelöst]) (Ausschließlich nach Blatt- und Blattstielmerkmalen der Rosetten-, seltener der unteren Stängelblätter).

Bestimmungsschlüssel der Geranium-Arten in Deutschland nach Blattmerkmalen (Geraniaceae)
Von: Henning Haeupler
Geographischer Geltungsbereich: Deutschland — Quelle: Haeupler, H. 1976: Bestimmungsschlüssel der Geranium-Arten in Deutschland nach Blattmerkmalen. Göttinger Floristische Rundbriefe, 10. Jahrg., Heft 3, Beiblatt Nr. 4. — Zielgruppe: Allgemein — Mitarbeit begrenzt auf: Henning Haeupler
1
Blätter und deren Stiele kahl, nur z. T. vereinzelte einfache Haare auf der Blattoberseite. Blatt klein (um 3 cm), glänzend, ganze Pflanze zerbrechlich. 5-(7) Blattlappen. 
  G. lucidum L.
1
Blattstiele (und oft auch Blätter) ± reichlich behaart, am Grunde jedoch manchmal verkahlend.   ► 2
2
Blattstielbehaarung deutlich rückwärts gerichtet   ► 3
2
Blattstielbehaarung abstehend und/oder aufrecht anliegend, nie auffallend rückwärts gerichtet.   ► 8
3
Nur ein Typ dicht anliegender einfacher Haare vorhanden. Blätter mit 5-(7) schmalen, tiefgeteilten Blattlappen, Zipfel einnervig, Rosettenblätter langlebig. 
  G. columbinum L.
3
Neben anliegenden auch noch rückwärts abstehende kurze und längere Haare vorhanden.   ► 4
4
Zwei Haartypen: eng anliegende und rückwärts abstehende einfache Haare. 5-(7) Blattlappen, Blattstiel nach unten leicht verkahlend. Rosettenblätter früh vergehend. 
  G. sibiricum L.
4
Nur rückwärts abstehende kurze und längere Haare vorhanden, keine anliegenden.   ► 5
5
Kurze und lange einfache Haare, Blätter 3-5 cm im Durchmesser, bis fast zum Grunde geteilt, (5)-7 Blattlappen, Zipfel linear, einnervig, Rosettenblätter früh absterbend. 
  G. dissectum L.
5
Nur eine Länge einfacher Borstenhaare oder mit Drüsen unterschiedlicher Menge dazwischen, Blätter netznervig und meist über 10 cm im Durchmesser.   ► 6
6
Ganze Pflanze (auch in der Blütenstandsregion) drüsenlos. 5-7 Blattlappen, Rosettenblätter früh vertrocknend. Die Blattnerven 2. Ordnung sind nur schwer zu erkennen (Blatt dadurch nicht sonderlich netznervig erscheinend) und sind nicht durchscheinend. Nerven 3. Ordnung selten. Behaarung der Blattunterseite ± gleichmäßig. Blattzipfel stumpflich, ohne deutlich aufgesetzte Spitze. Nebenblätter kahl 
  G. palustre L.
6
Pflanze zumindest oberhalb der 2. Verzweigung reich drüsig. Blattnerven 3. und 4. Ordnung reichlich vorhanden (Blatt stark netznervig erscheinend) und meist deutlich durchscheinend. Blattzipfel spitz, mit deutlich aufgesetzter Knorpelspitze.   ► 7
7
Ausschließlich rückwärts abstehende einfache Borstenhaare, nie mit Drüsen am Stiel der Grundblätter. 5-7 Blattlappen, Rosettenblätter ausdauernd. Nebenblätter dicht fein anliegend behaart (verkahlend?). (Die Trennung von drüsenlosen Formen (betrifft nur Blattstiel!) der folgenden Art ist rein beschreibend oft nicht leicht und bedarf weiterer Beobachtungen an Frischmaterial). 
  G. sylvaticum L.
7
Neben Exemplaren mit ausschließlich rückwärts abstehender Borstenbehaarung auch solche mit eingestreuten ± reichlichen Stieldrüsen, ja auch solche, wo die Drüsenhaare gegenüber den immer rückwärts gebogenen Borstenhaaren zahlenmäßig überwiegen. 7 Blattlappen, Rosettenblätter ausdauernd. Nebenblätter locker behaart (v. a. an den Rändern und zur Spitze hin) bis kahl. 
  G. pratense L.
8 (2)
Nur ganz kurze (unter 0,5 mm) weiche abstehende Haare vorhanden. Blattstiel z. T. verkahlend. Rosettenblätter ausdauernd bei überwinternden Exemplaren. 7-9 Blattlappen. 
  G. pusillum BURM. f.
8
Immer mit längeren abstehenden Haaren, daneben verschiedene andere Haartypen   ► 9
9
Völlig ohne Stieldrüsen (zuweilen aber mit schwer durch Lupe erkennbaren Knopfdrüsen)   ► 10
9
Mit ± reichlich Stieldrüsen   ► 12
10
Nur ein Typ längerer Borstenhaare, oft ± rückwärts abstehend. 5-7 Blattlappen, Durchmesser meist über 10 cm. 
  G. palustre L.
10
Weiche Haare unterschiedlicher Länge, Blätter unter 10 cm Durchmesser.   ► 11
11
7 Blattlappen, Zipfel mehrzähnig, netznervig, Blatt 5-10 cm im Durchmesser. Stiel mit ± zerstreuten langen abstehenden Haaren und vielen kurzen abstehenden Unterhaaren. 
  G. phaeum L.
Anmerkung: var. lividum (L’HER.) PERS. scheint stärker behaart zu sein.
11
7 Blattlappen, Zipfel schmallineal, meist einnervig, Blatt unter 5 cm. Behaarung des Stiels v. a. in der Dichte sehr wechselnd (von fast kahl bis sehr dicht behaart). Grundsätzlich aber einfache Haare von 5-6 verschiedenen Längen, dazwischen vereinzelte Knopfdrüsen. Rosettenblätter früh vertrocknend, im Herbst neu erscheinend und dann meist blutrot verfärbt. 
  G. sanguineum L.
12 (9)
Ganze Pflanze von auffallend aromatischem Geruch. Jeweils Drüsen von unterschiedlicher Länge vorhanden (allein bei G. rotundifolium findet man nur eine Länge), oft rötliche Drüsenknöpfe, meist sehr klebrig (vgl. aber 18 und 18’).   ► 13
12
Pflanze ± geruchlos (beim Zerreiben nur ± „krautig“, Drüsen jeweils nur in einer Länge.   ► 16
13
Fast ausschließlich Drüsenhaare, nur sehr vereinzelte längere Deck- oder kürzere Unterhaare, diese meist nur ± einzeilig   ► 14
13
Neben Drüsenhaaren ebenso viele (oder mehr) längere und/oder kürzere einfache Haare.   ► 15
14
Blatt um 5 cm Durchmesser, zart, zerbrechlich, 3-(5) Blattlappen bis auf den Grund gespalten, Drüsen von 2-3 verschiedenen Längen ± zerstreut. Nur einzeilig auf der Oberseite des Blattstiels zarte aufwärts gebogene Haare. Arttypischer Geruch. 
  G. robertianum Agg.
14
Blatt um 10 cm Durchmesser, robust, 7 Blattlappen bis zu 2/3 gespalten, Drüsen ± dicht, neben längeren Stieldrüsen auch viele Knopfdrüsen, angeblich sehr vereinzelte längere Deckhaare (nur Drüsenköpfe abgebrochen?). Fast unerträglich starker Geruch. Mit dickem, z. T. oberirdisch kriechenden Rhizom. 
  G. macrorrhizum L.
15
Unterhaare (kürzer als die Drüsen!) waagerecht abstehend, Drüsen oft rot, stark klebrig, in verschiedenen Längen. Auch längere Deckhaare vorhanden. 
  G. bohemicum L.
15
Unterhaare (s. o.) aufrecht abstehend, stark einzeilig verstärkt. Nur eine Drüsenlänge. Längere Deckhaare vorhanden. Soll wie G. robertianum riechen. 
  G. rotundifolium L.
16
Sehr große Blätter, über 10 cm Durchmesser. Neben vereinzelten oder gehäuften längeren feinen Wimpernhaaren nur sehr kurze Stieldrüsen (z. T. auch mit fast gleichlangen einfachen Haaren untermischt). 7 Blattlappen, netznervig, Rosettenblätter ausdauernd. Gepflanzte Art, nur hin und wieder verwildert, jedoch dann im Habitus G. pratense äußerst ähnlich. 
  Anmerkung: inklusive var. platypetalum (FISCHER et MEY.) BOISS.)
16
Kleinere Blätter, um 5 cm Blattdurchmesser, meist darunter (bei G. pyrenaicum bis 8 cm) 
17
Blattdurchmesser um 3 cm (nur bei mastigen Exemplaren größer; Vorsicht z. B. bei kümmerlichen G. pyrenaicum!)   ► 18
17
Blattdurchmesser größer (um 5 cm, nie über 10 cm)   ► 19
18
Reichlich Drüsen in einer Länge, daneben zerstreute längere Deckhaare und viele kurze, oft einzeilig verstärkte, aufrecht abstehende Unterhaare. 7-9 Blattlappen, Rosettenblätter früh absterbend. 
  G. rotundifolium L.
18
± zerstreute Drüsen einer Länge, daneben nur längere Deckhaare vorhanden, (evtl. auch gleichlange einfache Haare? Aber Drüsenköpfe leicht abbrechend). 7-9 Blattlappen, Rosettenblätter langlebig. Angeblich mit Moschusgeruch. 
  G. molle BURM. f.
19
Spreite fast rund und geschlossen, 7-9 nur zu 1/3 eingeschnittene Blattlappen. Längere Deckhaare oft sehr zerstreut, z. T. verkahlend. Stängel kräftig. 
  G. pyrenaicum BURM. f.
19
Spreite deutlich handförmig, 5 bis zu 2/3 eingeschnittene Blattlappen. Lange Deckhaare meist stark einzeilig verstärkt und gegen den Spreitengrund stark zunehmend, Stängel schlaff. 
  G. divaricatum EHRH.


Abbildungen



Siehe auch die ältere Arbeit: Ein Beitrag zum Bestimmen der deutschen Geranium-Arten nach Blattmerkmalen (Henning Haeupler 1969), dort auch stärker geteilte Abbildungen.

Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Bestimmungsschlüssel der Geranium-Arten in Deutschland nach Blattmerkmalen (Henning Haeupler 1976) (Zuletzt geändert:
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28 Dezember 2010 00:06:50). Abgerufen am 14. November 2017, 15:08 von http://offene-naturfuehrer.de/web/Bestimmungsschlüssel_der_Geranium-Arten_in_Deutschland_nach_Blattmerkmalen_(Henning_Haeupler_1976)