Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Süßwasserfische Mitteleuropas nach äußeren Merkmalen (Sven Gemballa)

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Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Sven Gemballa (Zoologisches Institut, Universität Tübingen) beschränkt. Auf der Diskussionseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen! Direkte Verbesserungen und Illustrationen sind insbesondere in der frei veränderlichen Version in offener Zusammenarbeit erwünscht: Häufige Süßwasserfische Mitteleuropas nach äußeren Merkmalen.
Diese Arbeit ist eine Originalarbeit, die erstmalig hier publiziert ist.
Zitiervorschlag: Gemballa, Sven 2011. Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Süßwasserfische Mitteleuropas nach äußeren Merkmalen. http:/​/​offene-naturfuehrer.​de/​wiki/​Bestimmungsschlüssel_​für_​die_​häufigsten_​Arten_​der_​Süßwasserfische_​Mitteleuropas_​nach_​äußeren_​Merkmalen_​(Sven_​Gemballa)
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Süßwasserfische Mitteleuropas nach äußeren Merkmalen (Fische)
Von: Sven Gemballa
In Baden-Württemberg sind im Verlauf der letzten 100 Jahre 61 Fischarten und Neunaugen aus 19 Familien nachgewiesen worden. Von diesen gehören 5 Arten (Sonnenbarsch, Regenbogenforelle, Bachsaibling, Blaubandbärbling, Zwergwels) nicht zur ursprünglichen Fischfauna des Gebietes. Die Bestände dieser eingebürgerten Arten haben sich aber sehr stabil entwickelt, so dass sie hier berücksichtigt sind. Andere eingeführte Arten (Gras-, Marmor- und Spiegelkarpfen) sind nach ihrer Einfuhr gezielt wieder zurückgedrängt worden und nur noch in Restbeständen präsent. Sie finden hier keine Berücksichtigung. Einige einheimische Arten hingegen sind aus verschiedenen Gründen verschwunden oder verschollen und werden daher nicht mehr berücksichtigt (Stör, Maifisch, Finte, Flunder). Andere verschollene, extrem seltene und nur lokal verbreitete Arten (Atlantischer Lachs, Nordseeschnäpel, Frauennerfling, Zobel, Huchen, Schrätzer, Zingel) finden ebenfalls keine Berücksichtigung.

Die verbleibenden 47 Arten werden aufgeschlüsselt. Dabei erfolgt konsequent zunächst eine Aufschlüsselung bis auf Familienniveau, im Anschluss auf Artniveau. Die Weißfische sind in einem separaten Schlüssel angehängt. Der Gebrauch des Schlüssels soll es in der Regel ermöglichen, Fische auch im Aquarium oder nach einem Tauchgang zu bestimmen. In einigen Fällen ist das jedoch nur mit viel Erfahrung sicher möglich. Zum Erlernen der einheimischen Fischfauna bleibt es unerlässlich, die Bestimmung mit Handexemplaren einzuüben.

Als aktuelle Literatur zum baden-württembergischen Fischbestand wird Dubling & Berg (2001) [Fische in BW, Min. f. Ernährung und Ländl. Raum, Stuttgart] empfohlen.

Abkürzungen: A= Analis, Afterflosse; C= Caudalis, Schwanzflosse; D= Dorsalis, Rückenflosse; P= Pectoralis, -ia, Brustflosse(n); V= Ventralis, -ia, Bauchflosse(n), K= Körper; NÖ= Nasenöffnung, S= Schnorcheln; T= Tauchen
Geographischer Geltungsbereich: Mitteleuropa — Quelle: Älterer Schlüssel von S. Gemballa, Stand Dezember 2001 — Zielgruppe: Allgemein • insbesondere auch Taucher und Schnorchler — Mitarbeit begrenzt auf: Sven Gemballa
1a
Tiere aalartig langgestreckt, niemals mit Barteln   ► 2
1b
Tiere mit anderer Merkmalskombination. Falls aalartig langgestreckt, dann kleinwüchsig (< 20 cm) und mit Barteln   ► 3
2a
Seitlich mit 7 Kiemenporen. Mit dem Auge und der unpaaren NÖ zusammen neun „Augen“, keine Paarflossen, Rundmaul 
  ▼▼ a  –    Neunaugen (Petromyzontidae) 3 Arten
a
kleine Tiere bis 20cm, max. bleistiftdick; Tiere einfarbig grau, in Bächen, Flüssen und Seen mit Fliessgewässeranbindung im lockeren sandigen Substraten; L: III-V (Abb. 1 a) 
  Bachneunauge (Lampetra planeri)
a*
größere Tiere, etwa daumendick, Tiere einfarbig grau, nur in großen Strömen; L: III-V (2001: nur Rhein, Abb. 1 b) 
  Flussneunauge (Lampetra fluviatilis)
a**
große Tiere, bis 1m, fast Unterarmdicke, Haut marmoriert, nur in großen Strömen;, L: IV-V (2001: nur Rhein, Abb. 1c) 
  Meerneunauge (Petromyzon marinus)
2b
Kiemenspalten von knöchernem Kiemendeckel bedeckt, Kiefermaul, paarige Brustflossen, durch Besatzmaßnahmen verbreitet, im Donausystem eingeführt (Abb. 2) 
  Aale (Anguillidae) nur Anguilla anguilla
3a
mit Fettflosse (Rückenflösselchen am Schwanzstiel; ohne eigene Flossenstrahlen); Habitus forellenartig (dann ohne Barteln) oder welsartig (dann mit mind. 6 langen Barteln)   ► 4
3b
ohne Fettflosse, Habitus anders   ► 8
4a
Tiere ohne Barteln, forellenartig   ► 5
4b
Tiere mit mind. 6 auffällig langen Barteln, welsartig   ► 7
5a
Tiere von dunkler oder silbriger Grundfärbung, immer mit deutlichen Punkten entlang des gesamten Rumpfes 
  ▼▼ a  –    Forellen (Salmonidae) 4 Arten
a
dunkle Grundfärbung mit hellen Punkten, P und V weiß gesäumt, P, V, A meist rötlich   ► b
a*
silbrige Grundfärbung mit dunklen Punkten, P und V nicht gesäumt   ► c
b
P, V, A mit doppeltem Saum: weiß, dahinter schwarz; Art fließender Gewässer, aus Nordamerika eingeführt; Besatz stagniert, Bestände rückläufig; anspruchsvolle Art; L: Winter (Abb. 3 a) 
  Bachsaibling (Salvelinus fontinalis)
b*
P und V mit einfachem weißen Saum; stark gefährdet, im Bodensee „Flachwasser-“ und „Tiefenform“, sonst nur lokal in einigen größeren Schwarzwaldseen; L: Winter (Abb. 3 b) 
  Seesaibling (Salvelinus alpinus)
c
vereinzelte Punkte, Kopf weitgehend und C ganz ohne Punkte; Leitform strukturreicher sauerstoffreicher, sommerkühler Bäche, durch Besatz aber weiter verbreitet; L: Winter (Abb. 3c) 
  Bachforelle (Salmo trutta)
c*
zahlreiche Punkte auch auf Kopf und C; eingeführt aus Nordamerika, Besatz kritisch, da Konkurrenz mit heimischer Bachforelle (Abb. 3d) 
  Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss)
5b
Tiere von silbriger Grundfärbung, meist ohne, höchstens mit vereinzelten unauffälligen Punkten am Vorderkörper   ► 6
6a
segelartig vergrößerte D mit langer Basis, die fast 1/4 der Gesamtlänge einnimmt; Leitfisch der „Äschenregion“ in Fließgewässern, bevorzugt saubere, struktur- und sauerstoffreiche Abschnitte mit geringen Bewuchs; L: III-V (Abb. 4) 
  Äschen (Thymallidae) nur Thymallus thymallus
6b
normal ausgebildete D mit kurzer Basis; Bodenseefisch, durch Besatz auch im Schluch-, Titi- und Mindelsee; nicht gefährdet (Abb. 5) 
  Felchen, Maränen (Coregonidae) nur Coregonus sp.
7a
2 Barteln am oberen Mundrand und 4 am Kinn; anspruchsloser nachtaktiver Bewohner weichgründiger ruhiger Gewässer, nicht gefährdet; Räuber, bis 2m Länge; L: V-VII (Abb. 6) 
  Wels, Waller (Siluridae) nur Silurus glanis
7b
4 Barteln am oberen Mundrand und 4 am Kinn; eingeführte Art stehende, weichgründiger Gewässer mit geringen Ansprüchen; Besatz gestoppt, daher Bestände rückläufig; L: V-VII (Abb. 7) 
  Zwergwels, Katzenwels (Ictaluridae) nur Ameiurus nebulosus
8a
kleine Tiere von silbriger Grundfärbung, vorderer Teil von D mit drei freistehenden Flossenstrahlen (meist eingeklappt), Körperseiten mit länglichen Knochenplatten versehen; häufig in pflanzenreichen schlammgründigen Flachwasserbereichen; L: III-VII (Abb. 8) 
  Dreistachliger Stichling (Gasterosteidae) nur Gasterostues aculaetus
8b
andere Merkmalskombination   ► 9
9a
Tiere mit entenschnabelartigem Maul, D und A weit hinten stehend, häufiger Lauerjäger strukturreicher, ruhiger Gewässerabschnitte; oft eingesetzt; L: II-V (Abb. 9) 
  Hecht (Esocidae) nur Esox lucius
9b
andere Merkmalskombination   ► 10
10a
ein unpaarer Bartfaden am Kinn, Tiere länglich, vordere kurze und hintere lange D; einziger Süßwasservertreter der Dorsche; nachtaktive Räuber, in strukturreichen Flussoberläufen und kühlen durchflossenen Seen. Vom Aussterben bedroht, nur im Bodensee stabile Populationen; L: XI-III (Abb. 10) 
  Quappe, Trüsche (Gadidae) nur Lota lota
10b
andere Merkmalskombination   ► 11
11a
Tiere immer mit Barteln, immer mit dunkelbrauner Zeichnung auf hellbraunem Grund; kleinwüchsige Tiere   ► 12
11b
andere Merkmalskombination; wenn mit Bartel (2 oder 4), dann nie mit dunkelbrauner Zeichnung auf hellbraunem Grund   ► 13
12a
deutliche Längsreihen von dunkelbraunen Punkten oder dunkelbraune Längsstreifen 
  ▼▼ a  –    Schmerlen (Cobitidae) 2 Arten
a
Längsreihen dunkelbrauner Punkte; ruhige bis mäßig fließende Bereiche mit lockeren Feinsedimenten; tagsüber oft bis auf den Kopf eingegraben, nachts aktiv; stark gefährdet bis vom Aussterben bedroht; L: IV-VI (Abb. 11 a) 
  Steinbeißer (Cobitis taenia)
a*
dunkelbraune Längsstreifen; schlammige bis sumpfige Flachwasserbereiche oft mit starkem Pflanzenwuchs, vom Aussterben bedroht, vielerorts bereits verschollen; L: IV-VI (Abb. 11 b) 
  Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)
12b
keine Punkt- oder Linienzeichnung, große unregelmäßige braune Fleckung; unverschlammte, kiesige bis steinige Flachwasserabschnitte; nicht gefährdet; L: III-VI (Abb. 12) 
  Schmerle (Balitoridae) nur Barbatula barbatula
13a
V brustständig (ihr Ansatz liegt nicht hinter dem Ende der zurückgelegten P)   ► 14
13b
V bauchständig (ihr Ansatz liegt hinter dem Ende der zurückgelegten P) 
  Karpfenfische, Weißfische (Cyprinidae)
Hierher 28 nicht leicht unterscheidbare Arten. Zur Unterscheidung der 23 wichtigsten Arten in Baden-Württemberg steht ein Schlüssel vom gleichen Autor zur Verfügung
14a
Tiere mit bulligem Kopf auf spindelförmigem Körper, Haut unbeschuppt; Grundfisch struktur-, strömungs- und sauerstoffreicher Bäche, verbreitet aber gefährdet; L: II-V (Abb. 13) 
  Groppe, Mühlkoppe (Cottidae) nur Cottus gobio
14b
K hochrückig oder von normaler Gestalt, wenn spindelförmig, dann Kopf schlank, Haut beschuppt   ► 15
15a
K hochrückig, dunkler Fleck auf Kiemendeckel, vorderer hartstrahliger Teil von D in den hinteren weichstrahligen Teil übergehend, D nicht tief eingekerbt; aus Nordamerika eingebürgert, träge bis mäßig fließende Gewässerabschnitte, Konkurrent einheimischer Arten, daher wird Zurückdrängung empfohlen. L: V-VI (ab 20 °C Wassertemperatur (Abb. 14) 
  Sonnenbarsche (Centrarchidae) nur Lepomis gibbosus
15b
K nicht hochrückig, Kiemendeckel ohne Fleck, vorderer hartstrahliger und hinterer weichstrahliger Teil von D zumindest durch tiefe Kerbe getrennt 
  ▼▼ a  –    Barsche (Percidae) 4 (6) Arten
Die nur im Donaugebiet heimischen, aber verschollenen Arten Schrätzer (Gymnocephalus schraetser) und Zingel (Zingel zingel) sind hier nicht berücksichtigt.
a
vorderer hartstrahliger und hinterer weichstrahliger Teil von D durch eine deutliche Lücke getrennt; K spindelförmig, regelmäßige breite dunkelbraune Querbinden; stark gefährdet, nur im Donaugebiet; strömende strukturreiche Abschnitte, L: III-IV auf Kiesbänken (Abb. 15 a) 
  Streber (Zingel streber)
a*
vorderer hartstrahliger und hinterer weichstrahliger Teil von D fast aneinander stoßend, K nicht deutlich spindelförmig   ► b
b
dunkle Querbinden, V und A rötlich, schwarzer Fleck vor der Kerbe in D, in stehenden bis schwach strömenden Bereichen, fast immer in Trupps; nur große Tiere als Einzelgänger, Pionierart, ubiquitär, nicht gefährdet, L: III-VI (Abb. 15 b) 
  Flussbarsch (Perca fluviatilis)
b*
ohne dunkle Querbinden, V und A nie rötlich, kein schwarzer Fleck vor der Kerbe in D   ► c
c
Maulspalte klein, reicht nicht bis unter das Auge, grundnaher Schwarmfisch, stehende oder langsam fließende Gewässer, nicht gefährdet; im Bodenseesystem eingesetzt, L: III-V (Abb. 15c) 
  Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua)
c*
Maulspalte tief, reicht bis unter das Auge, Lauerjäger, Einzelgänger in trüben, aber strukturierten Seen mit wenig Pflanzenwuchs, heimisch eigentlich nur im Donausystem, andernorts eingesetzt, nicht gefährdet, L: IV-V (Abb. 15d) 
  Zander (Sander lucioperca)
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Süßwasserfische Mitteleuropas nach äußeren Merkmalen (Sven Gemballa) (Zuletzt geändert:
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5 September 2011 01:58:19). Abgerufen am 29. September 2016, 16:14 von https://offene-naturfuehrer.de/web/Bestimmungsschlüssel_für_die_häufigsten_Arten_der_Süßwasserfische_Mitteleuropas_nach_äußeren_Merkmalen_(Sven_Gemballa)