Blutwurz (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)

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Pflanzentafel von Natura Miriquidica e.V. (kammbegegnungen.de) aus Offene Naturführer (offene-naturfuehrer.de) erarbeitet von Plank, A. u.a. (7/2019)
Pflanzenfamilie: Rosengewächse
Blutwurz Portraitbild mit oberem Teil der Pflanze, Kronblatt, Unterseite der Blüte und Samen z.T. stark vergrößert (von Boswell u.a. aus English Botany (1864, Bd. 3); vergrößerte Blüte links aus Masclef u.a. aus Atlas des plantes de France (1891, Bd. 2)
Blüte JFMAMJJASOND

Blutwurz, Birkwurz, Tormentill, Mooreckel, Ruhrwurz and Rotwurz (Potentilla erecta (L.) Räuschel, Familie Rosengewächse = Rosaceae. Synonyme: Potentilla tormentilla Necker; Potentilla silvestris Necker; Tormentilla erecta L. and Tormentilla officinalis Curtis) Wortherkunft: Potentilla, „Mächtling“ von potens mächtig gebildete Verkleinerungsform, soll wahrscheinlich auf große Heilkraft kleiner Pflanzen deuten (Martin 1851), erecta bedeutet aufrecht (Hegi u.a. 1921)

Merkmale

Wurzelstaude mit gelben Blüten mit „nur“ 4 Kronblättern, Stengel aufsteigend nicht wurzelnd, Blätter erscheinen 5-fingerig wie eine „Hand“, meist ungestielt (Hegi; Sturm u.a. 1904)

Größe: (5) 10 bis 50 (72) cm Stengel: nicht wurzelnd, behaart, aufrecht-aufsteigend oder niederliegend; Blütenstiele lang und dünn, einzelne scheinbar blattgegenständig, andere scheinbar aus den Verzweigungsstellen der Stengel entspringend. Blüte: gelb, innen dunkler, meist 4-zählig, selten einzelne 3-, 5- oder 6-zählig, mehr oder weniger 10 (6 bis 15) mm breit; Kronblätter verkehrt-herzförmig oder länglich verkehrt-eiförmig, meist so lang wie die Kelchblätter oder wenig länger; Außenkelchblätter länglich-eiförmig bis lineallänglich, stumpflich, Kelchblätter meist kürzer, breiter, eilanzettlich bis eiförmig, locker behaart; Staubblätter 15 bis 20. Blütenboden fast kahl. Früchte: Früchtchen eiförmig, runzelig gefurcht, seltener fast glatt. Blätter: Grundblätter über dem Erdboden lang und dünn gestielt, frühzeitig verwelkend, erscheinen 5-fingerig (3 Blättchen + 2 Nebenblättchen am Blattgrunde; selten einzelne 6- oder 7-fingerig inkl. NebenBl.). Stengelblätter sitzend oder kurz gestielt, 5-fingerig (inkl. NebenBl.), nur die obersten manchmal 3-fingerig (1 Blättchen + 2 NebenBl.). Alle Blättchen beiderseits fast kahl und frisch grün, seltener (besonders unterseits) etwas angedrückt behaart oder von dicht stehenden und längeren Haaren grau. Wurzel: Wurzelstock aufrecht, schief oder fast waagerecht, 1 bis 3 cm dick, verholzend, unregelmäßig knollig, außen dunkelbraun, innen mehr oder weniger blutrot.

Vorkommen, Verbreitung

Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen, Hochgebirge (auch in der Ebene) — Hegi schreibt, allgemein verbreitet und häufig auf nassen bis ziemlich trockenen Wiesen (auch Sumpfwiesen und in Röhrichten), Heiden (auch auf Mooren) und in Gehölzen (auch in ziemlich schattigen Wäldern) vom Tiefland bis in die alpine Stufe von 2500 m aufsteigend, vorzugsweise auf saurem bis mildem Humus, doch auch auf kalkreichen Böden. Die Blutwurz hat ein breites Lebensspektrum und ist daher auch die häufigste aller unserer Potentilla-Arten. Nur in den trockensten und in den üppigsten Wiesentypen vermag sie sich nicht zu halten; in Mähwiesen kann sie als ausgesprochener Magerkeitszeiger gelten. — Verbreitung: Eurasien — Zum Schutz: kein besonderer Schutzstatus nach Bundesartenschutzverordnung; nach älteren Datenerhebungen aus 1992 bis etwa 2000 aber eingestuft als gefährdet in Mecklenburg-Vorpommern, im Land Hamburg und als Bestände zurückgehend in Nordrhein-Westfalen (Floraweb 2019)

Wissenswertes

Die ziemlich honigreichen Blüten werden hauptsächlich von Fliegen, Bienen, Schmetterlingen und Käfern besucht, und die Früchtchen werden auch über die Verdauung von Tieren durch verschiedene Wiederkäuer, vielleicht aber auch durch Wind und Wasser verbreitet (Hegi). Zum Namen schreibt Hegi, der Name Blutwurz rührt von der inneren blutroten Farbe des Wurzelstockes her, der wohl daraufhin auch als Mittel gegen die „rote Ruhr“ längst im Volke Verwendung fand. Ebenso dient er als Heilmittel gegen Bauchschmerzen, Durchfall und verschiedene andere Leiden, daher Namen wie Ruhrwurz (Kärnten), Bauchwehwurz’n, Scheisswurz (Böhmerwald), Zentgros [Zahngras] (Böhmerwald), Heil aus’m Grunde, Herztrösterli u.a.m.. Auf die Gestalt des schlangenähnlichen, wie abgebissen aussehenden Wurzelstockes gehen Schlangenblume (Baden: Rastatt), Duvelsabbess (rheinisch), Tüfelsabbiss (Schweiz: Waldstätten), während Fingerkraut (Riesengebirge) auf die Blätter, Christuskrone (Schwäbische Alb) auf die Blüten (oder Früchte) sich beziehen. Die niederdeutschen Bezeichnungen Mooreckel (Ostfriesland), Heidecker beziehen sich wohl auf den Standort der Pflanze, ebenso wie Birkwürz (Eifel) auf ihr Vorkommen in Birkenbeständen hinweisen soll. Durch Vermittlung aus Apotheken usw. ist auch vielfach das lateinische „Tormentilla“ in Namen übergegangen und hat hier arge Verunstaltungen erfahren, z.B. Turmentill (Aargau), Turbatill (St. Gallen), Darmtille (früher Glatz), Terpentinkräutl (Oberösterreich) u.v.a.m..

Verwendung

Stichworte: Heil- und Teepflanze; Durchfallerkrankungen; Mundraumentzündungen; gurgeln; Färberpflanze; rot färben; gerben — Hegi schreibt, der ehedem als „Radix vel Rhizoma Tormentillae“ arzneilich verwendete Wurzelstock enthält reichlich Gerbsäuren, sowie das aus der Tormentillgerbsäure sich ableitende Tormentillrot. Frischgeschnittene Wurzeln sollen nach Beckhaus im Dunkeln leuchten, was, falls die Beobachtung zutrifft, neben der Blutfarbe den Glauben an die nach Tabernaemontanus „nicht auszugründende noch zu beschreibende“ Wunderkraft erhöht haben wird. Wirksam sind wohl v.a. die Gerbsäuren. Nach alten Vorschriften sammelt man die Wurzel im Mai und Juni vor der Blüte oder aber im Spätherbst, die in Form von Tee, Aufguss, Tinktur usw. gegen chronischen Darmkartarrh (auch der Haustiere), Ruhr, Schleimhauteiterungen, sowie als Mundwasser gegen Entzündungen gebraucht wird. Der als besonders heilsam geltende rote Branntweinauszug galt u.a. auch als magenstärkend. Außerdem wurde die Blutwurz angewandt gegen Kopfweh, Fallsucht (Epilepsie), Eingeweidewürmer, die Geschlechtskrankheit Syphilis und andere Infektionskrankheiten, vor allem auch gegen die Pest, z.B. in Verbindung mit Sauerampfer, Bibernell und Große Sterndolde. Destilliertes Blutwurzwasser wurde gegen Ruhr, Infektionen und sonstige Vergiftungen, verordnet, gegen Blutungen ist es allerdings heute umstritten (Latté 2006: unterdrückt Blutgerinnung). — Außerdem sollen die Wurzeln auch als Schweinefutter, zum Gerben und Rotfärben (zuweilen mit den Beeren vom Gewöhnlichen Schneeball) Verwendung finden. Die gleiche kräftig adstringierende und zusammenziehende Wirkung hat auch das Kraut (Herba Tormentillae). Nebenwirkungen: bei empfindlichen Personen Vorsicht(!) es können Magenreizungen und Erbrechen auftreten; Zubereitung und Anwendungen siehe v.a. Ennet u.a. (1990), alternativ Köhler & Müller (1887); Losch (1903); Latté.

Inhaltsstoffe

Gerbstoffe (Tormentillgerbsäure), Pflanzensäuren (Chinovin, Chinovasäure, Ellagsäure), Harz, sehr wenig ätherisches Öl, Tormentosid u.a.m. (Ennet; Hegi; Latté)

Umseitige Bildtafel: A gesamte Pflanze; 1 Blüte, vergrößert; 2 dieselbe im Längsschnitt; 3 Kronblatt; 4 Staubgefässe; 5 Pollen; 6 Stempel; 7, 8 einzelne Stempel; 9 Frucht; 10, 11 einzelnes Früchtchen von verschiedenen Seiten, natürl. Größe und vergrößert; 12, 13 dasselbe im Quer- und Längsschnitt. — Abbildung aus Köhler & Müller 1887

 

A gesamte Pflanze; 1 Blüte, vergrößert; 2 dieselbe im Längsschnitt; 3 Kronblatt; 4 Staubgefässe; 5 Pollen; 6 Stempel; 7, 8 einzelne Stempel; 9 Frucht; 10, 11 einzelnes Früchtchen von verschiedenen Seiten, natürl. Größe und vergrößert; 12, 13 dasselbe im Quer- und Längsschnitt. — Abbildung aus Köhler & Müller 1887; Blutwurz, Birkwurz, Tormentill, Mooreckel, Ruhrwurz and Rotwurz
A gesamte Pflanze; 1 Blüte, vergrößert; 2 dieselbe im Längsschnitt; 3 Kronblatt; 4 Staubgefässe; 5 Pollen; 6 Stempel; 7, 8 einzelne Stempel; 9 Frucht; 10, 11 einzelnes Früchtchen von verschiedenen Seiten, natürl. Größe und vergrößert; 12, 13 dasselbe im Quer- und Längsschnitt. — Abbildung aus Köhler & Müller 1887
Gemüsepflanze
Heilpflanze
Pflanze zum Färben geeignet
Standort: Bergwiesen
Standort: Feuchtwiesen, Niedermoore, Hochmoore
Standort: Magerrasen
Standort: Wälder, Waldränder und Gebüsche
Zeigerwert Lichtzahl
Lichtzahl (4 bis 6)Lichtzahl (4 bis 6)
Zeigerwert Feuchtezahl
Feuchte indifferent, keine Angabe möglich
Zeigerwert Nährstoffzahl
Nährstoffzahl (1 bis 3)

Zeichnung zum Ausmalen

28cm Lineal
Hallo und einen Guten Tag! Darf ich mich vorstellen: Blutwurz

Die Menschen nennen mich auch Birkwurz, Tormentill, Mooreckel, Ruhrwurz and Rotwurz oder Potentilla erecta (L.) Räuschel, wie sie es auch hoch wissenschaftlich auszudrücken pflegen. Vielleicht findest Du mich in Deiner Welt und möchtest mich einmal genauer kennenlernen?

Suche mich und wenn Du mich gefunden hast, zeichne mich und male mich in Farbe ODER falls Du umseitig eine schwarz/weiß Zeichnung vor Dir hast, gib ihr einmal die Farbenpracht, die sie auch verdient. Hier möchte Ich Dir noch ein paar Hinweise mit auf den Weg geben:

  • meine Blütenfarbe beschreiben die Menschen mit: gelb und meine Blütezeit ist Mai bis August (…Oktober)
  • nach menschlichen Maßstäben bin ich (5) 10 bis 50 (72) cm groß
  • mein Vorkommen – wo ich am liebsten wohne – beschreiben die Menschen so: Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen, Hochgebirge (auch in der Ebene)
28cm Lineal
Hallo und einen Guten Tag! Darf ich mich vorstellen: Blutwurz

Die Menschen nennen mich auch Birkwurz, Tormentill, Mooreckel, Ruhrwurz and Rotwurz oder Potentilla erecta (L.) Räuschel, wie sie es auch hoch wissenschaftlich auszudrücken pflegen. Vielleicht findest Du mich in Deiner Welt und möchtest mich einmal genauer kennenlernen?

Suche mich und wenn Du mich gefunden hast, zeichne mich und male mich in Farbe ODER falls Du umseitig eine schwarz/weiß Zeichnung vor Dir hast, gib ihr einmal die Farbenpracht, die sie auch verdient. Hier möchte Ich Dir noch ein paar Hinweise mit auf den Weg geben:

  • meine Blütenfarbe beschreiben die Menschen mit: gelb und meine Blütezeit ist Mai bis August (…Oktober)
  • nach menschlichen Maßstäben bin ich (5) 10 bis 50 (72) cm groß
  • mein Vorkommen – wo ich am liebsten wohne – beschreiben die Menschen so: Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen, Hochgebirge (auch in der Ebene)

FlowerC Ornament Black.svg

Wenn Du mich gefunden hast, helfen Dir vielleicht die Fragen, um mich näher kennenzulernen:
Piktogramm/Logo
  • Wo hast Du mich gefunden? Bin ich alleine? Bin ich größer oder kleiner als die anderen Pflanzen?
  • Was fällt Dir an mir auf? Habe ich auffallende Haare?
  • Kannst Du an mir riechen, ohne mich rauszureißen? Komm gerne auf meine Augenhöhe und rieche an meinen Blüten und Blättern. Vielleicht dufte ich sogar – wonach denn?
  • Wie fühlt sich Dir mein Körper an?
Piktogramm/Logo Piktogramm/Logo Piktogramm/Logo
  • Welche Tiere entdeckst Du an meinen Blüten oder Früchten? Was machen sie?
  • Kann man meine Blüten essen? Koste behutsam, wie schmeckt sie Dir?
  • Habe ich schon Früchte? Falls ja, koste behutsam davon, wie schmecken sie Dir?
Piktogramm/Logo
  • Welche Tiere entdeckst Du an meinen Blättern? Was machen sie?
  • Wie fühlen sich Dir meine Blätter an?
  • Zerreibe eines meiner Blätter. Wonach riecht es?
  • Kann man sie essen? Koste behutsam davon, wonach schmeckt es?
  • Stehen sich meine Blätter genau gegenüber oder abwechselnd gegenüber?
  • Sehen sie alle gleich aus oder verschieden? Wie sieht der Rand meiner Blätter aus?
  • Welche Form haben meine Blätter?



    • Was ist Deine Lieblingspflanze?
    • Wie würdest Du meine Lebensgeschichte erzählen?
      Wer weiß: es kommt ein Gedicht
      daher und Dir in den Sinn …
      Hm, sooo schwer ist’s eigentlich nicht
      und schon fließen die Worte dahin …
Anregungen zur Weiterbeschäftigung, Mitempfindung (Synästhesie), zum kreativen Umgang usw.
Da Du ein Mensch bist und die Natur
Dir einen kreativen Geist geschenkt hat,
vermagst Du ja sogar noch mehr …
  • Fällt Dir an mir sonst noch etwas auf? Oder kann ich Dir vielleicht gar von Nutzen sein? Kommen Dir Ideen?
Abbildung aus Naše škodljive rastline (1892); Blutwurz, Birkwurz, Tormentill, Mooreckel, Ruhrwurz and Rotwurz
Abbildung aus Naše škodljive rastline (1892)