Bunias orientalis - Orientalisches Zackenschötchen (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
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(Bild: W. Wohlers, JKI)

Bunias orientalis, das Orientalische Zackenschötchen, auch Türkische Rauke genannt, gehört zur Familie der Brassicaceae, ehemals Cruciferae. Der englische Name ist Warty Cabbage. EPPO-Code BUNOR.

Das Orientalische Zackenschötchen ist in Westasien und Südosteuropa heimisch. Es trat bereits im 17ten Jahrhundert in Deutschland auf, verbreitete sich nur wenig und wuchs in großen Mengen erst in den letzten Jahren. So wächst es beispielsweise seit 2006 vermehrt im Lahn-Dill-Kreis, aber auch in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit seinen schwefelgelben Blüten, die auffallend in kugelförmigen Blütengruppen stehen, fällt es am Straßenrand sofort auf. Bisher wuchs es auf Ruderalflächen, aber auch in Weinbergen. Auf dem Acker tritt es in letzter Zeit vor allem im Raps häufiger auf. Bei der Saatgutreinigung lassen sich seine Samen schwer von den Rapssamen trennen. In Trockenrasen kann es naturschutzwürdigen Pflanzen ein großer Konkurrent sein. Das Orientalische Zackenschötchen bevorzugt kalkreiche Böden, die sowohl lehmig als auch sandig sein können, aber gut durchlüftet sein müssen.

Die Pflanze ist zwei-, kann aber auch mehrjährig sein. Aus einer dichten Rosette mit anfangs lanzettförmigen Blättern wächst im April der Blütenstängel, der bis zu 4 cm dick und 1,20 m hoch wird. Er verzweigt sich oben. Die unteren Stängelblätter sind gelappt, manchmal gefiedert mit einem großen dreieckigen Endlappen. Die oberen Stängelblätter sind lanzettförmig. Die ganze Pflanze kann behaart sein. Der Stängel trägt, ebenso wie die Mittelrippe auf der Blattunterseite, zusätzlich drüsige, meist rot gefärbte Haare. Die Pflanze blüht in Abhängigkeit von der Temperatur mehrere Wochen. Blütezeit ist je nach Lage April bis Juni. Die rundliche Schote hat warzige Auswüchse, daher der deutsche wie auch der englische Name.

Das Orientalische Zackenschötchen soll früher im Kaukasusgebiet als Futterpflanze angebaut worden sein. Der hohe Rohproteingehalt im Knospen- und Blütenstadium spricht auf jeden Fall nicht dagegen. Allerdings führt der hohe Gehalt an Sinapinen und Glucosinolaten dazu, dass nicht alle Tiere die Pflanze mögen. Salaten geben Blätter des Orientalischen Zackenschötchen eine besonders herbe Note. In der Literatur kann man lesen, dass sich die Pfahlwurzel wie Meerrettich zum Würzen eignet. Bei einem Versuch kam mir der Geschmack aber nicht wesentlich schärfer als der von Rettich vor.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. Mai 2011