Campanula (Mitteleuropa)

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Campanula (Glockenblumen; Campanulaceae)
Von: Peter Hein
Der Bestimmungsschlüssel umfasst die Arten aus folgenden Ländern: Belgien, Dänemark, Deutschland, Liechtenstein, Luxembourg, Niederlande, Österreich, Polen (westliche und nördliche Gebiete), Schweiz, Südtirol, Tschechien (westliche und nördliche Gebiete). Das entspricht den kombinierten Arealen des aktuellen „Schmeil-Fitschen“ (Seybold 2009), des „Rothmalers“ (Jäger & Werner 2005), sowie der Exkursionsflora von Österreich (Fischer & al. 2008).
Geographischer Geltungsbereich: Mitteleuropa — Quelle: Überarbeitet nach Fischer et al. (2008), Garcke (1972), Haeupler & Muer (2000), Jäger & Werner (2005), Lauber & Wagner (1996), Oberdorfer (1983), Rosenbauer (1996), Schmeil-Fitschen (2009), Wißkirchen & Haeupler (1998) sowie eigenen Daten. — Zusammenarbeit: offenBisherige Koautoren: Peter Hein
1
Pflanzen besonders der Alpen (v. a. der subalpinen und alpinen Höhenstufen), manchmal auch der höheren Lagen der Mittelgebirge, meist in Habitaten wie Mager- und Weiderasen, Felspalten, Steinschuttfluren etc.; vorwiegend kleinere Pflanzen mit einer Wuchshöhe bis 20-25(40) cm   ► 2
1*
Pflanzen des Tief- und Hügellandes; wenn im Gebirge, dann oft in tieferen Lagen oder Pflanzen deutlich größer (oft bis zu 60 cm und grösser)   ► 12
2
Pflanzen meist vielblütig; Blütenstand ährenförmig, Pflanzen robust und höherwüchsig, bis 60(100) cm; Blütenkrone blassgelb bis weiß oder hell-violettblau   ► 3
2*
Blüten gestielt, meist in Rispen, Trauben, oder einzeln gestielt, wenig- bis vielblütig   ► 4
3
Blütenkrone hell-violettblau, 17-30 mm; in langer unterbrochener Ähre; Blätter schmal-lanzettlich, mit wellig-krausem Rand; Sprossblätter halbstängelumfassend 
 Ähren-Glockenblume  –  Campanula spicata L.
Morphologie: behaarte Ausdauernde, 15-70(100) cm hoch; Laubblätter schmal-lanzettlich, mit wellig-krausem Rand; Sprossblätter halbstängelumfassend; Blütenstand eine lange unterbrochene Ähre; Blütenkrone hell-violettblau, 17-30 mm; Blütezeit: Juni, Juli. Ökologie: Magerrasen und Trockenrasen, Fels- und Felsschuttfluren. Allgemeine Verbreitung: Alpen, südlich bis Mittel-Italien bzw. der Crna Gora. Verbreitung im Gebiet: Österreich, Schweiz, Südtirol.
3*
Blüten blassgelb, 17-22 mm, in dichter kolbenförmiger Ähre; Pflanze steifhaarig; Grundblätter länglich, in den Blattstiel verschmälert; Sprossblätter sitzend 
  ▼▼ a  –   Strauß-Glockenblume  –  Campanula thyrsoides L.
Morphologie: Kräftige steifhaarige Staude, 30 bis 120 cm hoch, Blütenstand eine dichte kolbenförmige Ähre mit zahlreichen blassgelben Blüten, diese 17-22 mm lang; Grundblätter länglich, in den Blattstiel verschmälert; Sprossblätter sitzend; Blütezeit: Juli, August. Ökologie: sonnige frische, kalkreiche Rasen, v. a. Rostseggenrasen. Allgemeine Verbreitung: Alpen, Jura und Berge der Balkanhalbinsel. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol.
a
Pflanze 30-60 cm hoch; Blütenstand dichtblütig, eiförmig-walzlich meist 8-20 cm lang; Krone blassgelb 
 Gewöhnliche Strauß-Glockenblume  –  C. thyrsoides subsp. thyrsoides
Morphologie: Pflanze 30-60 cm hoch; Blütenstand dichtblütig eiförmig-walzlich, meist 8-20 cm lang; Krone blassgelb. Allgemeine Verbreitung: wie die Art.
a*
Pflanze 50-120 cm hoch; Blütenstand lockerblütig, länglich-walzlich, meist 20-60 cm lang; Krone gelblich weiß bis fast rein weiß 
 Krainer Strauß-Glockenblume  –  C. thyrsoides subsp. carniolica (Sünd.) Podl.
Morphologie: Pflanze 50-120 cm hoch; Blütenstand lockerblütig, länglich-walzlich, meist 20-60 cm lang; Blütenkrone gelblich weiß bis fast rein weiß. Allgemeine Verbreitung: Ostalpen, Berge in Slowenien und Kroatien (z. B. Velebit). Verbreitung im Gebiet: Österreich (Kärnten).
4
Kelch zwischen den Kelchblättern ohne Anhängsel   ► 5
4*
Anhängsel zwischen den Kelchblättern vorhanden (doch sehr klein, ca. 0,5-1 mm); Blütenstand eine (2)6-20-blütige Traube, die Blüten lang gestielt, nickend, 10-20 mm lang 
 Alpen-Glockenblume, Ostalpen-Glockenblume  –  Campanula alpina Jacq.
Morphologie: Staude, 5-15(25) cm hoch; Pflanze mehr oder weniger wollig oder zottig behaart, die Blüten auffallend hellblau, lang gestielt, 10-20 mm lang; Kelchblätter viel länger als die halbe Krone; die Anhängsel zwischen den Kelchblättern sehr klein (0,5-1 mm); Blütezeit: Juli, August. Ökologie: Zwergstrauchheiden und Magerrasen (sowohl bodensauer als auch über Kalkstein), 1250-2300 m. Allgemeine Verbreitung:Alpen, Karpaten. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien.
Bemerkung: Im Gebiet dieses Schlüssels in der typischen Unterart (subsp. alpina).
4**
Anhängsel zwischen den Kelchblättern deutlich grösser (ca. 1,5-3 mm); Blütenstand eine einseitswendige Traube (manchmal am Grunde etwas verzweigt); Blütenkrone becherförmig-glockig, 20-30 mm lang, die Kronzipfel innen kraushaarig (Name!) 
  ▼▼ a  –   Bärtige Glockenblume  –  Campanula barbata L.
Morphologie: Staude (Hemikryptophyt); (10)20-40 cm Höhe erreichend; der Blütenstand eine einseitswendige, selten am Grund etwas verzweigte Traube; Blütenkrone becherförmig-glockig, 20-30 mm lang, hellblau (selten tief violettblau oder weiß), die Kronzipfel sind innen kraushaarig; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: Frische bis feuchte Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Weiderasen, kalkmeidend (eine Kennart der Borstgrasmatten), subalpine und alpine Höhenstufe (800-2500 m). Allgemeine Verbreitung: Alpen, außerdem selten in den östlichen Sudeten und in einem kleinen Gebiet im südlichen Norwegen. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich, Polen, Schweiz, Tschechien.
a
Blüten nickend 
 Nickende Bärtige Glockenblume  –  C. barbata subsp. barbata
Morphologie: wie die Art, doch mit nickenden Blüten. Allgemeine Verbreitung: wie die Art.
a*
Blüten aufrecht 
 Aufrechte Bärtige Glockenblume  –  C. barbata subsp. strictopedunculata
Morphologie: wie die Art, doch mit aufrechten Blüten. Verbreitung im Gebiet: Italien (Südtirol); Österreich (Osttirol).
5
Blütenkronzipfel sich zusammenneigend, einen auffallenden 5-zackigen Stern bildend, innen dicht weißhaarig, Blüten engglockig, hell-lilablau, 16-22 mm lang, Blütenstand eine 1-4-blütige Traube 
 Krainer Glockenblume  –  Campanula zoysii Wulfen
(= Favratia zoysii (Wulfen) Podlech)
Morphologie: Lockerrasige Staude (Hemikryptophyt), mit sterilen Laubblattt-Rosetten; Blütenstand eine 1- bis 4-blütige Traube; die Blütenkrone 16-22 mm lang, ihre Kronzipfel zusammenneigend, die Krone dadurch charakteristisch engglockig; Blütezeit: Juli, August.. Ökologie: Fels- und Steinschuttfluren, stets auf Kalk. Allgemeine Verbreitung: Südost-Alpen. Verbreitung im Gebiet: Österreich (Kärnten: Sarntaler Alpen, Karawanken).
Bemerkungen: mit der engen Blütenkronröhre und den sich zusammenneigenden Blütenkronzipfeln, die – von vorne gesehen – einen auffallenden 5-zackigen Stern bilden, eine besondere Erscheinung der Südalpen. Die Art wird auch als eigene Gattung von Campanula abgetrennt (Fischer, Oswald, Adler 2008: 857).
5*
Blütenkronzipfel frei, innen nicht dicht weißhaarig, Spross 1-blütig (immer gut entwickelte Individuen untersuchen)   ► 6
5**
Blütenkronzipfel frei, innen nicht dicht weißhaarig, Blütenstand eine 2- bis vielblütige Traube   ► 7
6
Blütenkrone bis zur Mitte geteilt, die Kronzipfel etwas länger als die Kronröhre, weit trichterförmig geöffnet, Blüten hell-blau, ca. 15 mm lang, aufrecht 
 Mont-Cenis-Glockenblume, Französische Glockenblume  –  Campanula cenisia L.
Morphologie: ausdauernde Staude; nur 3-5 cm hoch, Rosettenblätter ganzrandig, die Blütenkrone ca. bis zur Mitte geteilt (Kronzipfel oft etwas länger als die Kronröhre), Krone hellblau, ca. 15 mm lang, ausgebreitet-glockig; Blütezeit: Juli, August. Ökologie: Auf Möränen und Steinschuttfluren, kalkliebend. Allgemeine Verbreitung: Alpen. Verbreitung im Gebiet: Italien (Südtirol), Österreich (Nordtirol, Vorarlberg), Schweiz (Wallis, Tessin, Graubünden).
6*
Blütenkrone bis höchstens zu einem Drittel geteilt, ihre Zipfel weit ausgebreitet, Blüten dunkel-blau bis purpurviolett (selten), 20-30 mm lang, Blüten nicht nickend 
 Moretti-Glockenblume  –  Campanula morettiana Rchb.
Morphologie: Kleinwüchsige Staude, 3-6 cm hoch; basale Blätter lang gestielt, ihre Spreite rundlich, Sprossblätter schmaler werdend, fast sitzend; Blütenkrone bis höchstens zu einem Drittel geteilt, ihre Zipfel weit ausgebreitet, Blüten dunkel-blau bis purpurviolett (selten), 20-30 mm lang, Blüten nicht nickend; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: Felspalten. Allgemeine Verbreitung: Südalpen. Verbreitung im Gebiet: Südtirol (Dolomiten).
6**
Blütenkrone bis höchstens zu einem Drittel geteilt, Blüten dunkel-blau, 15-25 mm lang, Blüten nickend 
 Dunkle Glockenblume  –  Campanula pulla L.
Morphologie: Ausdauernde Pflanze, 5-15 cm hoch; Stängelblätter rundlich, elliptisch bis eilanzettlich; Spross 1-blütig; Blütenkrone nickend, bis höchstens zu einem Drittel geteilt, Blüten dunkel-blau, 15-25 mm lang; Blütezeit: Juli August. Ökologie: feuchte Fels- und Steinschuttfluren, Schneeböden, stets auf Kalk. Allgemeine Verbreitung: Nordöstliche Alpen, westlich bis 12°45´ ö.Länge. Verbreitung im Gebiet: Österreich (v. a. nordöstliche Kalkalpen).
7
Zarte lockerrasige Stauden mit dünnen, oft ausgebreitet liegend Sprossen; Blüten einzeln oder Blütenstand eher einseitswendig   ► 8
7*
Meist kräftigere Stauden (auch wenn kleinwüchsig), mit aufsteigenden Sprossen, Blütenstand meist mehrblütig, allseitswendig   ► 9
8
Zarte ausdauernde Pflanze mit dünnen, fast fadenförmigen Sprossen, diese ausgebreitet bis leicht aufsteigend, Blütenstand (1)3-15(25) -blütig, meist einseitswendig; Blütenkrone hellblau mit zarten etwas dunkleren Längsnerven (je drei zu einem Kronzipfel führend), 10-15(18) mm lang 
 Rasen-Glockenblume  –  Campanula cespitosa Scop.
Morphologie: ausdauernde Staude, 10-20(30) cm hoch, mit dünnen, fast fadenförmigen Sprossen, ausgebreit bis leicht aufsteigend; Blütenstand (1)3-15(25)-blütig, oft etwas einseitswendig, Blütenkrone 10-15(18) mm lang; Juli bis September. Ökologie: Fels- und Steinschuttfluren, Kiefernwälder, ausschliesslich auf Kalk und Dolomit. Allgemeine Verbreitung: östliche Alpen. Verbreitung im Gebiet: Österreich, Südtirol.
8*
Ausdauernde rasige Staude, 5-15 cm hoch, Blüten meist einzeln oder in armblütigen Trauben (einseits- bis allseitswendig), Blütenkrone hellblau bis lilablau, 10-20 mm lang; 
 Zwerg-Glockenblume, Zierliche Glockenblume  –  Campanula cochleariifolia Lam.
(= Campanula pusilla Haenke)
Morphologie: ausdauernde rasige Staude, 5-15 cm hoch, Stängel unten dichter, oben entfernter beblättert, die grundständigen Blätter breit eiförmig bis rundlich, Blüten meist einzeln oder in armblütigen Trauben, hellblau bis lilablau, 10-20 mm lang; Blütezeit: Juni bis August. Ökologie: Fels- und Steinschuttfluren, auch in Bach- und Flussaufschüttungen (Alpenschwemmling), v. a. montane und subalpine Höhenstufen. Allgemeine Verbreitung: Europäische Gebirge, von den Vogesen und Karpathen südlich bis nach Nordspanien, zum Appenin bzw. bis Bulgarien. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich, Polen, Schweiz, Tschechien.
9
Stängel meist vielblütig, Kelchblätter 3-15 mm, meist krallenartig nach außen gebogen 
 Auffällige Glockenblume  –  Campanula praesignis G.Beck
(= Campanula breynina G.Beck)
Morphologie: vielblütige Staude, 15-40 cm hoch; Stängel mindestens unten dicht kurzhaarig; Blütenkrone 10-18 mm lang; Kelchblätter 3-15 mm, meist krallenartig nach außen gebogen; Blütezeit Juni bis September. Ökologie: Kalkfelsfluren, Felsspalten. Allgemeine Verbreitung: nordöstliche Alpen und ihr Vorland. Verbreitung im Gebiet: Österreich, am Alpen-Ostrand.
9*
Stängel meist ein- bis wenigblütig, Kelchblätter anders angeordnet   ► 10
10
Blüten meist einzeln, nickend, 15-25 mm, länger als ihr Durchmesser (eng glockenförmig); mit rund ausgeschnitten Buchten zwischen den Blütenzipfeln 
 Aufgeschnittene Glockenblume  –  Campanula excisa Murith
Morphologie: mehrstängelige ausdauernde Staude, 5-12(20) cm hoch, die Stängel aufsteigend und unverzweigt; Sprossblätter schmal-lanzettlich bis lineal; die Blüten meist einzeln, auffallend eng-glockenförmig, nickend, 15-25 mm lang; Blütezeit: Juli, August. Ökologie: Felschutt und Felsspalten auf silikatischem Substrat (v. a. subalpin-alpine Höhenstufe). Allgemeine Verbreitung: Alpen (südwestlicher und südlich-zentraler Bereich). Verbreitung im Gebiet: Schweiz (östliches Wallis, westliches Tessin).
10*
Pflanze ein- bis wenigblütig; Blütenkrone anders geformt   ► 11
11
Kelchblätter deutlich länger als die Krone, um 90-180 Grad zurückgebogen; Fruchtknoten dicht mit Papillen besetzt (eine Pflanze der Südalpen) 
 Karnische Glockenblume, Leinblättrige Glockenblume  –  Campanula carnica Schiede ex Mert. & Koch
(= Campanula linifolia Scop.)
Morphologie: ausdauernde Staude, (12)20-40 cm hoch; basale Blätter rundlich bis herzförmig, ihr Grund herzförmig eingeschnitten, die Sprossblätter linealisch; Blütenstand ein- bis wenigblütig, Krone 15-25(30) mm lang; Kelchblätter deutlich länger als die Krone, um 90-180 Grad zurückgebogen; Fruchtknoten dicht mit Papillen besetzt; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: in Kalkfelsspalten und Kalkschuttfluren. Allgemeine Verbreitung: Südalpen (Italien, Slowenien, Österreich), westlich bis 9°30´ö.Länge. Verbreitung im Gebiet: Italien (Südtirol östlich des Lago d`Idro); Österreich (südliches Kärnten: Karawanken, Karnische Alpen).
11*
Kelchblattzipfel meist nur wenig länger als die halbe Blütenkrone, abstehend bis zurückgeschlagen (aus Tschechien bekannte Pflanze) 
 Siebenbürgische Glockenblume  –  Campanula kladniana (Schur) Wit.
Morphologie: eine ausdauernde wenigblütige Art (ähnlich der Campanula carnica); mit abstehenden bis zurückgeschlagenen Kelchzipfeln, die meist nur wenig länger als die halbe Blütenkrone sind; Blütezeit: August bis Oktober. Ökologie: Felsfluren. Allgemeine Verbreitung: südliche Karpaten. Verbreitung im Gebiet: Tschechien (Sudeten bis Gesenke).
11**
Kelchblätter kürzer als die Krone, wie die Kronblätter nach vorne gestreckt; Fruchtknoten nicht mit Papillen besetzt 
 Scheuchzer-Glockenblume  –  Campanula scheuchzeri Vill.
(= Campanula kerneri Witasek; Campanula scheuchzeri subsp. kerneri (Witasek) Witasek; Campanula hegetschweileri Beck.)
Morphologie: Staude (Hemikryptophyt) (5)10-25(35) cm hoch, Stängel ein- bis wenigblütig; Blütenkrone 16-25(30) mm, intensiv tief violettblau; Blütezeit: Juni bis August. Ökologie: Wiesen, Magerrasen, Felsfluren; montane, vor allem subalpine und alpine Höhenstufe. Allgemeine Verbreitung: zentrales und südliches Europa, von den Pyrenäen bis zu den östlichen Karpaten. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Italien (Südtirol), Österreich, Polen, Schweiz.
12
Pflanzen vielblütig, die Blüten sitzend, in dichten Ähren oder Köpfchen (knäuelig gehäuft); Pflanzen meist robust, wenig oder nicht verzweigt   ► 13
12*
Blüten gestielt, meist in Rispen, Trauben oder einzeln (endständig) gestielt, wenig- bis vielblütig, Pflanzen vielgestaltig, meist zarter und verzweigt   ► 15
13
Blütenstand ährenförmig; Blütenkrone blassgelb bis weiß oder violettblau   ► 3
13*
Blüten an der Stängelspitze knäuelig oder kopfig gehäuft (meist noch weitere mehrblütige Knäuel darunter in den Blattachseln); Blütenkrone immer bläulich-lila   ► 14
14
Pflanze borstenhaarig (besonders der Spross); unterste Sprossblätter länglich bis lanzettlich, Blattspreite am Grund keilig; Kelchblätter stumpf bis abgerundet 
 Borstige Glockenblume  –  Campanula cervicaria L.
Morphologie: Zweijähriger Hemikryptophyt, 30-70(90) cm Höhe erreichend, besonders der Stängel der Pflanze ist borstenhaarig; die Blüten sind köpfchenförmig gebüschelt (end- und achselständig), hellblau bis lila, 13-25 mm lang; Blütezeit: Juni, Juli. Ökologie: Feuchte bis nasse Wiesen, magere Wälder. Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa bis 64°n. Breite in Skandinavien.
14*
Pflanze kahl bis steifhaarig (nicht borstig); unterste Sprossblätter eiförmig bis eilanzettlich, Blattspreite am Grund herzförmig bis abgerundet; Kelchblätter spitz bis zugespitzt 
  ▼▼ a  –   Knäuel-Glockenblume  –  Campanula glomerata L.
(= Campanula aggregata Willd.)
Morphologie: Ausdauernde Pflanze, 20-60(90) cm Höhe erreichend, kahl bis steifhaarig; unterste Laubblätter eiförmig bis lanzettlich, ihre Spreite am Grund herzförmig bis abgerundet; Kelchblätter schmal drei-eckig bis pfriemlich, spitz bis zugespitzt; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: Halbtrockenrasen, Frischwiesen, Waldsäume von Trockengebüschen und Trockenwäldern, kalkliebend. Allgemeine Verbreitung: im grössten Teil Europas vorkommend, ausgenommen im äußersten Norden und Süden, ebenso auf vielen Inseln fehlend.
Bemerkungen: Dies ist eine sehr formenreiche Art, eventuell sollten die folgenden Unterarten lediglich als Varietäten betrachtet werden.
a
Pflanze 5-15 cm erreichend, Spross aufsteigend, der Blütenstand ohne seitenständige Bereicherungszweige 
 Späte Knäuel-Glockenblume  –  C. glomerata subsp. serotina (Wettst.) O.Schwarz
Morphologie: wie die Art, doch nur 5-15 cm erreichend, der Blütenstand ohne seitenständige Bereicherungszweige; Blütezeit: August bis Oktober. Ökologie: Trockenrasen. Allgemeine Verbreitung: Südost-Europa; Alpen und Balkan-Halbinsel. Verbreitung im Gebiet: Österreich, Südtirol, eventuell weiter verbreitet.
a*
Pflanze 20-60 cm hoch, der Blütenstand meistens ohne seitenständige Bereicherungszweige, Laubblätter unterseits graufilzig 
 Mehlige Knäuel-Glockenblume  –  C. glomerata subsp. farinosa (Andrz.) Kirschl.
Morphologie: Pflanze 20-60 cm, meist ohne seitliche Bereicherungszweige; mittlere Stängelblätter höchstens 5 cm lang, die Laubblätter an der Unterseite graufilzig; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: Felsrasen, lichte Kiefernwälder. Allgemeine Verbreitung: Östliches und östlich-zentrales Europa. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Südtirol, Österreich, Schweiz, eventuell weiter verbreitet.
a**
Pflanze bis 90 cm hoch erreichend, der Blütenstand meistens mit seitenständigen Bereicherungszweigen, Laubblätter kahl bis flaumhaarig (eine sehr variable Unterart) 
 Gewöhnliche Knäuel-Glockenblume  –  C. glomerata subsp. glomerata
Morphologie: Pflanze bis 90 cm hoch erreichend, der Blütenstand meistens mit seitenständigen Bereicherungszweigen, Laubblätter kahl bis flaumhaarig (eine sehr variable Unterart); Blütezeit: Juli bis September(Oktober). Ökologie: Halbtrocken- und Trockenrasen, Säume. Allgemeine Verbreitung: Wie die Art.
15
Blüten in (meist) einseitswendigen lockeren bis dichteren Blütenständen   ► 16
15*
Blüten in allseitswendigen Blütenständen (Trauben oder Rispen), oder einzeln bzw. in kleinen Gruppen   ► 21
16
Blüten weiß, violettblau oder (selten) rosa; Blüten auffallend gross, (20)30-50(60) mm lang   ► 17
16*
Blüten fast immer blau oder violettblau; Blütenkrone 10-20(35) mm lang   ► 19
17
Pflanze eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze, Blütenkrone weitröhrig-glockig, 30-50 mm lang, blau, weiß oder rosa; Kronzipfel deutlich umgebogen, an der Spitze abgerundet 
 Marien-Glockenblume  –  Campanula medium L.
Morphologie: ein- bis zweijährige kräftige Pflanze, 60-80 cm hoch; Blütenkrone weitröhrig, 30-50 mm lang, blau, weiß oder rosa; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: selten verwildert an Mauern und in Ruderalfluren (auf Schutt). Allgemeine Verbreitung: natürliches Areal bzw. Herkunft: westliches Mittelmeergebiet (Frankreich, Italien). Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich.
17*
Pflanze eine ausdauernde Staude, Blütenkrone anders geformt   ► 18
18
Grundblätter kurz gestielt; Blütenstiele 5-10 mm lang; Blüten violettblau oder weiß, am Rand gewimpert, die Kronzipfel spreizend 
 Breitblättrige Glockenblume  –  Campanula latifolia L.
Morphologie: Kräftige Staude, 60-150 cm Höhe erreichend; Grundblätter kurz gestielt, beiderseits weichhaarig; Blütenstiele 5-10 mm lang, mit zwei Vorblättern in ihrer Mitte; Kelchblätter ca. 15–20 mm lang, am Grunde 6-9 mm breit; die Blüten violettblau oder weiß, 30-60 mm lang; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: Hochstaudenfluren, frische nährstoffreiche Edellaubwälder (bis 1500 m). Allgemeine Verbreitung: in fast ganz Europa, doch nicht im einigen nördlichen und südwestlichen Regionen.
18*
Grundblätter lang gestielt; Blütenstiele kurz, Krone weiß bis cremefarben, Zipfel leicht nach aussen gebogen 
 Knoblauchraukenblättrige Glockenblume, Lauchblättrige Glockenblume  –  Campanula alliariifolia Willd.
Morphologie: Aufrechte mehrjährige Staude 30-60 cm hoch; Grundblätter lang gestielt; ihre Spreite breit dreieckig-herzförmig, so lang wie breit; Krone weiß bis cremefarben, 20-50 mm lang; Blütezeit: Juli, August. Allgemeine Verbreitung: Kaukasus, Türkei. Verbreitung im Gebiet: fest eingebürgerter Neophyt in Deutschland (bei Lüneburg) und Österreich (Graz).
19
Blütenkronen mehr als 20 mm lang, bis fast zur Mitte gespalten 
 Acker-Glockenblume  –  Campanula rapunculoides L.
Morphologie: aufrechte Staude, 30-80 cm hoch; Stängel stumpfkantig, kahl bis kurz-rauhaarig; untere Stängelblätter eiförmig, gestielt, die folgenden kurzgestielt bis sitzend, Blütenstand eine meist unverzweigte Traube, Kelchblätter lineal-lanzettlich, waagrecht abstehend bis zurückgekrümmt; Blütenkronen nickend, bis fast zur Mitte gespalten, 20-35 mm lang; Blütezeit Juni bis Oktober. Ökologie: Waldschläge, Lehmige Äcker, Ruderalfluren (die Pflanze ist sehr konkurrenzfähiger Wurzelkriechpionier). Allgemeine Verbreitung: in ganz Europa, abgesehen von den arktischen Gebieten und den Inseln.
19*
Blütenkronen weniger als 20 mm lang, zu etwa einem Drittel gespalten   ► 20
20
Laubblätter unterseits samtig behaart; Blütenkronen violett-blau, 10-20 mm lang, Blüten kurzgestielt, mit 2-5 mm langen Stielchen, diese kürzer als der Kelch 
 Bologneser Glockenblume, Filzige Glockenblume  –  Campanula bononiensis L.
Morphologie: ausdauernde Staude; 30-100(120) cm hoch; Laubblätter unterseits graufilzig; Blütenstand eine meist allseitswendige schmale Traube, Blüten violett-blau, 10-20 mm lang, an 2-5 mm langen Stielchen; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: Halbtrockenrasen, trockenwarme Säume, Hartauwälder, kalkliebend. Allgemeine Verbreitung: Zentrales und östliches Europa, im Westen bis ins südöstliche Frankreich, im Süden bis Albanien. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Italien (Südtirol), Österreich, Polen, Schweiz, Tschechien.
20*
Laubblätter unterseits nicht samtig behaart; Blüten langgestielt, Blütenstiele länger als der Kelch 
 Rautenblättrige Glockenblume, Rhomben-Glockenblume  –  Campanula rhomboidalis L.
Morphologie: aufrechte unverzweigte reichblättrige Staude 20-60 cm hoch, mittlere Stängelblätter eiförmig bis breit-lanzettlich, fast sitzend, grob und spitz gezähnt, Blütenstand eine meist einseitswendige lockere Traube, Blütenkronen weit glockenförmig, blau, 12-20 mm lang; Blütezeit Juni bis August. Ökologie: montane bis subalpine frische Fettwiesen und Weiderasen. Allgemeine Verbreitung: südwestliche und zentrale Alpen, Jura. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Österreich (in beiden Ländern als ein fest eingebürgerter Neophyt), Schweiz.
21
keine zurückgeschlagenen lappenförmigen Anhängseln zwischen den Kelchblättern; Stängelblätter nicht kraus   ► 22
21*
Buchten zwischen den Kelchblättern mit zurückgeschlagenen lappenförmigen, spitzen Anhängseln; Stängelblätter oft etwas kraus, halbstängelumfassend 
  ▼▼ a  –   Steppen-Glockenblume, Sibirische Glockenblume  –  Campanula sibirica L.
Morphologie: Staude (10)20-40 cm hoch; Stängelblätter oft etwas kraus, halbstängelumfassend, Buchten zwischen den Kelchblättern mit zurückgeschlagenen lappenförmigen, spitzen Anhängseln; Blütenkrone meist blaulila, trichterförmig – glockig, 15-22 mm lang; Blütezeit: Mai, Juni(bis August). Ökologie: Fels- und Rasensteppen, Lücken in Trockenrasen, immer auf Kalk. Allgemeine Verbreitung: Südost-Europa, im Süden bis zur Balkanhalbinsel und Italien. erbreitung im Gebiet: Deutschland (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern), Österreich, Polen, Tschechien.
a
die zurückgeschlagenen Anhängseln in den Buchten zwischen den Kelchblättern lanzettlich, ciliat, kürzer als der Fruchtknoten, Blütenkrone 17-25 mm lang 
 Gewöhnliche Sibirische Glockenblume  –  C. sibirica subsp. sibirica
Morphologie: die zurückgeschlagenen Anhängseln in den Buchten zwischen den Kelchblättern sind lanzettlich, ciliat, kürzer als der Fruchtknoten, Blütenkrone 17-25 mm lang. Allgemeine Verbreitung: im ganzen Areal der Art.
a*
die zurückgeschlagenen Anhängseln in den Buchten zwischen den Kelchblättern breit lanzettlich, so lang oder länger wie der Fruchtknoten, Blütenkrone (20)30–40 mm lang 
  C. sibirica subsp. divergentiformis (Jav.) Domin
Morphologie: die zurückgeschlagenen Anhängseln in den Buchten zwischen den Kelchblättern sind breit lanzettlich, so lang oder länger wie der Fruchtknoten; Blütenkrone (20)30-40 mm lang. Allgemeine Verbreitung: Balkanhalbinsel, Italien, Ungarn Tschechien. Verbreitung im Gebiet: im Gebiet nicht nachgewiesen.
22
Pflanze mit deutlich verdicktem, kräftigen Rhizom (dieses Merkmal an lebenden Pflanzen bitte nur vorsichtig untersuchen)   ► 23
22*
Wurzel meist mit rübchenartigen Verdickungen (Wurzelrübchen)   ► 24
22**
Pflanze mit schwachem Rhizomen bzw. nicht verdickten Wurzeln   ► 26
23
Staude mit dickem verholztem Rhizom; Grundblätter herzförmig, alle Stängelblätter sehr schmal-linealisch, weniger als 1 mm breit; Blütenstand eine lockere bis zusammengezogene Rispe; Blütenkrone 12-22 mm lang 
 Bertolas Glockenblume  –  Campanula bertolae Colla
(= Campanula rotundifolia subsp. bertolae (Colla) Vaccari.)
Morphologie: Staude mit dickem verholztem Rhizom, ohne sterile Blattrosetten, Pflanze völlig kahl oder völlig behaart, alle Stängelblätter sehr schmal-linealisch, weniger als 1 mm breit; Blütezeit: Juni bis August. Ökologie: Kastanienwälder, Zwergstrauchheiden, (collin)montan(alpin). Allgemeine Verbreitung: Südwestliche Alpen und Appenin. Verbreitung im Gebiet: Schweiz (südliches Tessin).
23*
Pflanze mit auffallend dickem Rhizom (3-15 mm Durchmesser); Stängelblätter im unteren Drittel gehäuft; Blütenstand schmal, meist vielblütig; Krone 12(15)-25 mm lang 
 Mährische Glockenblume  –  Campanula moravica (Spitzner) Kovanda subsp. xylorrhiza (O.Schwartz) Kovanda
(= Campanula bertolae subsp. xylorrhiza, Campanula rotundifolia subsp. xylorrhiza)
Morphologie: Ausdauernde Pflanze mit auffallend dickem Rhizom; bis 50(70) cm gross werdend; der Blütenstand schmal und meist vielblütig; Krone 12(15)-25 mm lang; Fruchtknoten meist papillös; Blütezeit: Juni bis September (Oktober). Ökologie: trockenwarme Magerrasen, Kiefernwälder, auch auf Bahngleisschotter. Allgemeine Verbreitung: Zentrales Europa: z. B. Österreich, Rumänien, Tschechien (Mähren), Ungarn. Verbreitung im Gebiet: Österreich.
24
Zweijährige Pflanze, bis 100 cm hoch; Blütenstand eine schmale Rispe mit straff aufrecht-abstehenden Rispenästen, die Blüten stets aufrecht 
 Rapunzel-Glockenblume  –  Campanula rapunculus L.
Morphologie: zweijährige Pflanze, 30-100 cm hoch; Blütenstand eine schmale Rispe mit straff aufrecht abstehenden Rispenästen, die Blüten stets aufrecht; nur wenig kürzer als die Krone; Blütenkronen nur wenig (ca. zu einem Drittel) geteilt, 15-25 mm lang; die Wurzel oft mit Verdickungen (Wurzelrübchen); Blütezeit Mai bis Juli. Ökologie: trockenwarme Magerrasen. Allgemeine Verbreitung: Europa, nur südlich der Niederlande und dem südlich-zentralen Russland, im Norden und auf den meisten Inseln fehlend.
Anmerkung: eine ehemals als Wurzelgemüse weitverbreitete Kulturpflanze, im heutigen Areal deshalb oft ein Kulturrelikt.
24*
Mehrjährige Pflanze; Blütenstand und Blüten anders   ► 25
25
Sprossblätter linealisch bis linear-lanzettlich (15-40-mal so lang wie breit) 
 Witasek-Glockenblume  –  Campanula witasekiana Vierh.
(= Campanula scheuchzeri subsp. witasekiana (Vierh.) Hay.)
Morphologie: Lockerwüchsige Staude, 20-50(60) cm hoch, Sprossblätter linealisch bis linear-lanzettlich; Blütenstand eine ein- bis armblütige Traube; die Blütenkrone 12-15 mm lang, Wurzel meist mit rübchenartigen Verdickungen; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: Wiesen, Weiderasen, offene Kiefernwälder, Waldsäume, Latschengebüsche. Allgemeine Verbreitung: Areal: Östliche Alpen und anschliessende Gebirge. Verbreitung im Gebiet: Österreich.
25*
Ausdauernde Staude, Sprossblätter schmal-elliptisch bis schmal-lanzettlich (3-10-mal so lang wie breit) 
 Vielblütige Glockenblume  –  Campanula beckiana Hayek
(= Campanula hostii Baumg., Campanula baumgartenii subsp. beckiana (Hay.) Podl.)
Morphologie: Staude, 15(25)-80 cm hoch; Wurzel meist mit Verdickungen (Wurzelrübchen); Sprossblätter schmal-elliptisch bis schmal-lanzettlich, deutlich länger wie breit, zugespitzt; Blütenkrone 15-18 mm lang; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: Wiesen, Weiden, Wälder, Säume, Hochstaudenfluren. Allgemeine Verbreitung: Nordöstliche Alpen, ein Fundort in Südwest-Slowenien (hier eventuell nicht autochton). Verbreitung im Gebiet: Österreich.
26
Blütenstand wenigblütig (3-5-blütig) oder 1-blütig   ► 27
26*
Blütenstand meist mehrblütig   ► 28
27
Blütenkrone 12-18 mm lang 
 Edle Glockenblume  –  Campanula gentilis Kovanda
Morphologie: Staude 15-35 cm hoch, Stängel wenig- oder 1-blütig, die Sprossblätter im unteren Drittel des Sprosses gehäuft, linealisch bis schmal linealisch, im oberen Teil fadenförmig; Blütenkrone 12-18 mm; Blütezeit: Juni bis September. Ökologie: Trockene Felsspalten und –bänder, stets auf Kalk oder Dolomit. Allgemeine Verbreitung: Westliches Tschechien und Südost Deutschland. Verbreitung im Gebiet: Deutschland (Bayern), Westliches Tschechien (Böhmen).
27*
Blütenkrone (25)30-50 mm lang 
  ▼▼ a  –   Pfirsichblättrige Glockenblume, Wald-Glockenblume  –  Campanula persicifolia L.
Morphologie: ausdauernde Pflanze, 30-80 cm hoch; Laubblätter derb, oberseits dunkelgrün, Grund- und Stängelblätter meist verkehrt-eilanzettlich, obere Stängelblätter schmaler und sitzend; Stängel meist mit 3-5-blütiger Traube, Blütenkrone lila-blau, (25)30-50 mm lang; Blütezeit: Juni bis September(Oktober). Ökologie: Lichte Wälder, Gebüsche, in warmen halbschattigen Lagen. Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa, außer dem extremsten Norden, den Inseln und Gebieten im Westen.
a
Kelch und Fruchtknoten kahl 
  C. persicifolia subsp. persicifolia
a*
Kelch und Fruchtknoten dicht weißlich abstehend behaart 
 Wollfrüchtige Pfirsichblättrige Glockenblume  –  C. persicifolia var. eriocarpa (C.Koch) U.Dettm. & Rothm.
Morphologie: Von der typischen Unterart (subsp. persicifolia) durch den dicht weißlich abstehend behaarten Kelch und Fruchtknoten unterschieden. Verbreitung im Gebiet: Österreich.
28
Blütenkrone 30-50 mm lang; untere Sprossblätter mit tief herzförmigen Spreitengrund; Blütenstand meist verzweigt, allseitswendig 
 Nesselblättrige Glockenblume  –  Campanula trachelium L.
Morphologie: Staude, 30-80(110) cm hoch; Stängel scharfkantig, steifhaarig; untere Sprossblätter mit tief herzförmigen Spreitengrund; Blütenkrone blaulila, 30-40(50) mm lang, Blütezeit: Juni bis September (Oktober). Ökologie: frische nährstoffreiche Laubmischwälder, an Waldschlägen, Waldwegen und Hecken. Allgemeine Verbreitung: in ganz Europa bis 62°30´nördliche Breite.
28*
Blütenkrone weniger als 30 mm lang; Stängelblätter anders; Blütenstand anders   ► 29
29
Laubblätter unterseits graufilzig; Blütenstand eine meist allseitswendige schmale Traube; Blüten meist waagrecht abstehend 
 Bologneser Glockenblume, Filzige Glockenblume  –  Campanula bononiensis L.
Morphologie: ausdauernde Staude; 30-100(120) cm hoch; Laubblätter unterseits graufilzig; Blütenstand eine meist allseitswendige schmale Traube, Blüten violett-blau, 10-20 mm lang, an 2-5 mm langen Stielchen; Blütezeit: Juli bis September. Ökologie: Halbtrockenrasen, trockenwarme Säume, Hartauwälder, kalkliebend. Allgemeine Verbreitung: Zentrales und östliches Europa, im Westen bis ins südöstliche Frankreich, im Süden bis Albanien. Verbreitung im Gebiet: Deutschland, Italien (Südtirol), Österreich, Polen, Schweiz, Tschechien.
29*
Laubblätter ± kahl; Blütenstand eine meist locker ausgebreitete Rispe; Blüten verschiedenartig angeordnet (nickend, aufgerichtet)   ► 30
30
Blütenkrone blau bis blauviolett, weniger als bis zur Hälfte, meist nur zu einem Drittel geteilt, klassisch glockenförmig, meist nickend   ► 31
30*
Blütenkrone rötlich lila, oft bis zur Mitte oder tiefer geteilt, ihre Zipfel weit ausgebreitet, offen trichterförmig, aufgerichtet und oft etwas nickend 
  ▼▼ a  –   Wiesen-Glockenblume  –  Campanula patula L.
Morphologie: Staude mit locker ausgebreitetem rispigem Blütenstand, 30-60(70) cm hoch; Blütenkrone oft bis zur Mitte oder tiefer geteilt, ihre Zipfel weit ausgebreitet, trichterförmig, rötlich lila, oft etwas nickend, 15-25 mm lang; Blütezeit: Mai bis Juli. Ökologie: Frische, meist extensiv genutzte Wiesen, Gebüschränder, Ruderalstellen und Brachen, Wegränder, Bahndämme. Allgemeine Verbreitung: Fast in ganz Europa lebend, doch nur lokal im Nordwesten und auch im Süden des Kontinents.
a
Kelchblätter 19-22 mm, mindestens eines deutlich länger als die halbe Krone; Blütenkrone 16-34 mm lang 
 Südwestliche Wiesen-Glockenblume  –  C. patula subsp. costae (Willk.) Nym.
(= Campanula costae Willk.)
Morphologie: wie die Art, doch Kelchblätter am Grunde gezähnt, 19-22 mm, mindestens eines davon deutlich länger als die halbe Krone; Blütenkrone 16-34 mm lang. Ökologie: trockene, sandige, schottrige sonnig-warme Böden. Allgemeine Verbreitung: Südwestliches Europa. Verbreitung im Gebiet: Österreich, Schweiz, Südtirol.
a*
Kelchblätter (7)10-11 mm; Krone 14-29 mm lang 
 Gewöhnliche Wiesen-Glockenblume  –  C. patula subsp. patula
Morphologie: wie die Art, doch Kelchblätter ganzrandig, (7)10-11 mm; Krone 14-29 mm lang. Ökologie: frische Fettwiesen, auch Niedermoorwiesen. Allgemeine Verbreitung: im Areal der Art.
a**
Kelchblätter 13-18 mm lang, Blütenkrone 20–37 mm lang 
 Bosnische Wiesen-Glockenblume  –  C. patula subsp. jahorinae (K.Malý) Greuter & Burdet
Morphologie: wie die Art, doch Kelchblätter 13–18 mm lang, Blütenkrone 20–37 mm lang. Ökologie: trockene bis feuchte, auch anmoorige Wiesen. Allgemeine Verbreitung: Südost-Europa. Verbreitung im Gebiet: Österreich.
31
Völlig kahle Staude (nur am Grund sehr kurz behaart), Stängel spärlich bis in den Blütenstand hinein beblättert, alle Stängelblätter schmal-linealisch, ca. 2 mm breit 
 Eigentliche Rundblättrige Glockenblume  –  Campanula rotundifolia L. s. str.
Morphologie: völlig kahle Staude (nur am Grund sehr kurz behaart), 5-40(70) cm hoch; mit dünnem Rhizom und sterilen Blattrosetten; alle Stängelblätter schmal-linealisch, ca. 2 mm breit; Blütenstand ein- bis vielblütig (wenn Seitenzweige vorhanden seind, stehen sie meist in einem Winkel von 30-50° ab); Blütezeit Juni bis Oktober. Ökologie: Trockene bis frische, meist bodensaure Magerwiesen, Trockenrasen, Säume und Felsfluren. Allgemeine Verbreitung: in ganz Europa, im Süden selten.
Bemerkungen: Dies ist eine formenreiche Artengruppe, welche di-, tetra- und hexaploide Taxa umfasst. Eine noch unzureichend erforschte Verwandtschaftsgruppe, bei der einzelne Exemplare oft kaum bestimmbar sind.

In die viel weitergefasste Campanula rotundifolia-Artengruppe werden eingeschlossen: Campanula polymorpha Witasek; Campanula racemosa (Krasan) Witasek; Campanula baumgartenii Becker, Campanula gentilis Kovanda; Campanula carnica Schiede ex Mert. & Koch (C. linifolia Scop.); Campanula praesignis G.Beck (C. breynina G.Beck); C. beckiana Hayek (C. hostii Baumg., C. baumgartenii subsp. beckiana (Hay.) Podl.); Campanula moravica (Spitzner) Kovanda subsp. xylorrhiza (O.Schwartz) Kovanda; Campanula scheuchzeri Vill.; Campanula witasekiana Vierh. (C. scheuchzeri subsp. witasekiana (Vierh.)Hayek).

31*
Stängel unten zottig behaart, bis in den rispigen Blütenstand gleichmäßig beblättert; Stängelblätter lanzettlich, 4-11 mm breit 
 Lanzettblättrige Glockenblume  –  Campanula baumgartenii J.Becker
(= Campanula lancifolia (Mert. ex Koch) Witasek.)
Morphologie: ausdauernde Staude; 20-90 cm hoch; Stängel aufsteigend bis aufrecht, kantig, unten zottig behaart, bis in den rispigen Blütenstand hin beblättert, Blüten blau, lang gestielt, breit trichterförmig; Blütezeit: Juli, August. Ökologie: Bergwiesen, frische Waldlichtungen, an Waldrändern und Waldwegen, kalkmeidend,. Allgemeine Verbreitung: südwestliches Deutschland und benachbartes Frankreich (nördliche Vogesen). Verbreitung im Gebiet: im Südwesten Deutschlands (Verbreitungsschwerpunkt im Pfälzer Wald, auch südlicher Taunus und westlicher Odenwald).


Anmerkungen: Bestimmungen einiger Arten sind durch Besonderheiten erschwert. In vielgestaltigen Arten und Artengruppen sollten mehrere und gut entwickelte Individuen untersucht werden (z. B. bei Campanula rotundifolia). Hin und wieder treten Hybriden mit intermediären Merkmalen auf.

Bei allen Campanula-Arten kommen gelegentlich weißblühende Individuen vor. Immer und ausschliesslich weiß bis cremefarben blühend sind nur Campanula alliarifolia und Campanula thyrsoides.

Einige der im Gebiet wildwachsenden Glockenblumen wurden bereits seit dem 16ten Jahrhundert als Zierpflanzen in die Gärten geholt. Durch Auslesen und züchterische Bearbeitung wurden im Lauf der Zeit eine Vielzahl von Sorten gefunden. Besonders die Blütenfarben wurden verändert, außerdem gibt es oft gefüllte Formen (mehrere Blütenblattkreise). Als Gartenzierpflanzen, die auch wild im Gebiet leben, können genannt werden: Campanula glomerata, Campanula persicifolia, Campanula latifolia, Campanula trachelium und Campanula rapunculoides (mehr darüber in Krausch, H.-D.: „Kaiserkron und Päonien rot...“ Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen 2003: 84-89). Auch von Campanula zoysii gibt es Farbvarianten für den Steingarten.

Andere als Zierpflanzen kultivierte Glockenblumenarten, die im Gebiet hin und wieder verwildern können, sind:

  • Campanula alliarifolia Willd., die Knoblauchraukenblättrige Glockenblume, ursprünglich aus dem Kaukasus und der Türkei, nun verwildert in Deutschland und Österreich;
  • Campanula carpatica Jacq., die Karpaten-Glockenblume;
  • Campanula garganica Ten., die Monte Gargano-Glockenblume aus Italien;
  • Campanula medium L., die Marien-Glockenblume aus dem Westlichen Mittelmeergebiet;
  • Campanula portenschlagiana Roem. & Schult., die Dalmatische Glockenblume;
  • Campanula poscharskyana Degen, die Hängepolster–Glockenblume, eine weitverbreitete Steingartenpflanze, ursprünglich aus Dalmatien, nun verwildert in Österreich (Graz);
  • Campanula rhomboidalis L., die Rautenblättrige Glockenblume, eine Art der südwestlichen und zentralen Alpen, die in Deutschland und Österreich inzwischen fest eingebürgert ist.



Natürliche Hybriden (siehe Garcke: 1372 und Rothmaler: 517)

Man muss damit rechen, das Arten (selten) hybridisieren; eine Reihe von natürlichen Hybriden ist beschrieben worden:

  • Campanula × digena Fr.Wettstein (C. barbata × C. glomerata);
  • Campanula × murrii Dalla Torre & Sarnth. (C. cochleariifolia × C. scheuchzeri);
  • Campanula × truedingeri J.Murr (C. cochleariifolia × C. rotundifolia);
  • Campanula glomerata × Campanula cervicaria;
  • Campanula glomerata × Campanula rapunculoides;
  • Campanula glomerata × Campanula trachelium;
  • Campanula rapunculoides × Campanula trachelium;
  • Campanula rotundifolia × Campanula scheuchzeri;
  • Campanula scheuchzeri × Campanula trachelium.



Artenliste der Gattung Campanula L.

  • Campanula alliariifolia
  • Campanula alpina
  • Campanula barbata
    • Campanula barbata subsp. barbata
    • Campanula barbata subsp. strictopedunculata
  • Campanula baumgartenii
  • Campanula beckiana
  • Campanula bertolae
  • Campanula bononiensis
  • Campanula carnica
  • Campanula cenisia
  • Campanula cervicaria
  • Campanula cespitosa
  • Campanula cochleariifolia
  • Campanula excisa
  • Campanula gentilis
  • Campanula glomerata
    • Campanula glomerata subsp. farinosa
    • Campanula glomerata subsp. glomerata
    • Campanula glomerata subsp. serotina
  • Campanula kladniana
  • Campanula latifolia
  • Campanula medium
  • Campanula moravica
    • Campanula moravica subsp. xylorrhiza
  • Campanula morettiana
  • Campanula patula
    • Campanula patula subsp. patula
    • Campanula patula subsp. costae
    • Campanula patula subsp. jahorinae
  • Campanula persicifolia
    • Campanula persicifolia subsp. persicifolia
    • Campanula persicifolia var. eriocarpa
  • Campanula praesignis
  • Campanula pulla
  • Campanula rapunculoides
  • Campanula rapunculus
  • Campanula rhomboidalis
  • Campanula rotundifolia
  • Campanula scheuchzeri
  • Campanula sibirica
    • Campanula sibirica subsp. divergentiformis
    • Campanula sibirica subsp. sibirica
  • Campanula spicata
  • Campanula thyrsoides
    • Campanula thyrsoides subsp. thyrsoides
    • Campanula thyrsoides subsp. carniolica
  • Campanula trachelium
  • Campanula witasekiana
  • Campanula zoysii
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Campanula (Mitteleuropa) (Zuletzt geändert:
Dieses Attribut ist ein Spezialattribut in diesem Wiki.
24 September 2012 13:38:27). Abgerufen am 19. November 2017, 08:33 von http://offene-naturfuehrer.de/web/Campanula_(Mitteleuropa)