Cichorium intybus – Wegwarte (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W.Wohlers)

Cichorium intybus L., die Wegwarte, als Kulturpflanze entweder Zichorie (C. i. var. sativum) oder Chicorée (C. i. var. foliosum) genannt, gehört zur Familie der Asteraceae oder Compositae (Korbblütler). In Italien werden mehrere Kultursorten angebaut, unter anderem eine rote, der Radicchio. Die englischen Namen sind Blue Dandylion, Wild Chicory, Wild Succory, die Kulturpflanze heißt nur Chicory, in Australien auch Belgian Endive. Die Endivie ist wohl die gleiche Pflanze, manchmal auch als Chichorium endivia geführt . EPPO-Code CICIN.

Die Wegwarte ist eines der häufigen Pflanzen an mitteleuropäischen Wegrändern, die mit ihren hellblauen Blüten besonders auffällt. In Deutschland wächst sie fast überall, ebenso wie im übrigen Europa, vom Mittelmeer bis nach Mittelschweden, aber nicht mehr in Finnland. Nach Nordamerika wurde sie verschleppt, bzw. wohl absichtlich eingeführt, ebenso nach Australien und Neuseeland. Sie kann auf verdichteten Böden wachsen, aber besser auf nährstoffreichen, lockeren Böden, an die sie keine großen Ansprüche stellt. Auch in Wiesen kann sie sich halten, wenn diese so spät gemäht werden, dass sie aussamen können. Und deswegen ist die Wegwarte hier aufgeführt.

Die mehrjährige Pflanze kann fast 1,5 m hoch werden und hat eine tiefreichende Pfahlwurzel. Die straff aufrecht wachsende Wegwarte hat einen bis zu 5 cm großen Blütenkorb mit Zungenblüten.

Die verdickte Wurzel von Cichorium intybus var. sativum wurde ab dem 18ten Jahrhundert vor allem viel im Braunschweiger Raum angebaut, aber auch in Belgien, und geröstet als Ersatz für Kaffee verwendet mit dem schönen Namen Muckefuck, umgangssprachlich für Mocca faux, falscher Mokka. Beim Rösten wird Inulin in Hydroxymethylfurfural umgewandelt, das den Aromen des Kaffees ähnelt. Im Dunkeln angezogen, enthalten die bleichen Blätter des Chicorée, C. intybus var. foliosum, wenig Bitterstoffe und werden in der Regel roh gegessen. So wurde die Wegwarte erstmals in Belgien im 19ten Jahrhundert kultiviert. Weitere Salatformen sind roter Radicchio, dann der krausblättrige Frisée, der aber auch als eigene Art Cichorium endivia angesehen wird. Auch Zuckerhut-förmige Sorten sind in Italien auf dem Markt. Außerdem der wild wachsende, in Italien in der Natur gesammelte ‚radicchio selvatica‘, der gekocht wird und ziemlich hart ist. Die Wegwarte ist also eine sehr variable Kulturpflanze, die erst neuerdings in Wiesen zu finden ist. Die Kulturformen haben meistens einen verdoppelten Chromosomensatz, statt 2n = 18 dann = 36. Im Mittelalter wurde sie als schweißtreibende Heilpflanze verwendet, heute in der Naturmedizin zur Stimulierung von Leber und Galle.

Verfasser: Wohlert Wohlers, März 2020.

Fotos vom Pollen der Wegwarte gibt es bei PalDat, einer palynologischen Datenbank, zu sehen.