Das Ranunculus polyanthemos-Aggregat in Sachsen-Anhalt (Heiko Korsch)
| Quelle: | Korsch, H. 1996. Das Ranunculus polyanthemos-Aggregat in Sachsen-Anhalt. Mitt. florist. Kart. Sachsen-Anhalt (Halle) 1: 18-21. PDF-Datei beim Botanischen Verein Sachsen-Anhalt (Autorisierte Zweitpublikation) |
| Hinweis: | Dieser Artikel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Heiko Korsch beschränkt. Auf der Diskussionseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge jedoch sehr willkommen. |
Die Bestimmung von Vertretern der zu dieser Gruppe gehörenden Hahnenfüße bereitet große Probleme. Aus diesem Grunde sollen die Unterschiede der in Sachsen-Anhalt nachgewiesenen bzw. zu erwartenden Arten kurz dargestellt und ihre Verbreitung charakterisiert werden.
In Sachsen-Anhalt wurden bisher die Sippen R. polyanthemophyllus W. Koch & H. Hess, R. polyanthemos L. und R. tuberosus Lapeyr. (= R. nemorosus DC.) nachgewiesen. R. polyanthemoides Boraeu und R. serpens Schrank sind aus unmittelbar angrenzenden Gebieten Thüringens (Korsch 1995) bzw. Niedersachsens (Garve 1994) bekannt. Da aus diesem Grunde ein Vorkommen in Sachsen-Anhalt recht wahrscheinlich ist, wurden sie in den Schlüssel mit aufgenommen. Dies ist als Anregung zu verstehen, gezielt auf die Arten zu achten.
Die Schwierigkeiten der Trennung der Arten des Aggregates liegen zum einen in der hybridogenen Entstehung von R. polyanthemoides (aus R. polyanthemos und R. tuberosus, Baltisberger 1980, Baltisberger & Hess 1986) und zum anderen in der unbeschränkten Kreuzbarkeit aller Sippen untereinander (Baltisberger 1980) begründet. Dort, wo mehrere Sippen auftreten, kann es zur Ausbildung von Formenschwärmen kommen. Nicht bei jedem Exemplar ist eine klare Zuordnung möglich Garve 1994). Baltisberger (1988) vertritt inzwischen die Meinung, daß die Sippen alle als Unterarten bei R. polyanthemos L. einzuordnen sind. Viele ältere Angaben sind aus diesen Gründen sehr unsicher.
In der Streichliste Sachsen-Anhalts sind das R. polyanthemos-Aggregat und als Kleinarten R. polyanthemos und R. nemorosus (muß jetzt R. tuberosus heißen) enthalten. Die anderen Kleinarten müssen auf der Vorderseite erfaßt werden. Aufgrund der bei dieser Gruppe sehr schwierigen Abgrenzung soll hier nochmals auf die Bedeutung von Herbarbelegen hingewiesen werden.
Unterscheidung der Sippen
Als erstes muß auf die Notwendigkeit ausgebildeter Früchte hingewiesen werden. Ohne diese ist eine Bestimmung von vornherein in den allermeisten Fällen nicht möglich. Günstig ist es, Früchte unterschiedlichen Entwicklungszustandes zur Verfügung zu haben, da sich vor allem der Schnabel im Laufe der Reifung erheblich verändern kann. Der Schlüssel beruht auf der Auswertung verschiedener Quellen (vor allem Baltisberger 1980, 1983; Oberdorfer 1990; Rothmaler 1994) und auf eigenen Beobachtungen.
Am besten ist noch R. serpens zu erkennen. Die Pflanzen sind, sowohl was die Laubblätter als auch was die Früchte betrifft, R. tuberosus sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich von diesem durch die dunkelgelben bis orangen Honigblätter und den schief aufrechten bis niederliegenden Stengel mit Blattrosetten, welche sich bewurzeln.
Für die anderen Sippen läßt sich folgende Gliederung vornehmen:
| Art | Blätter | Schnabel der Frucht |
|---|---|---|
| R. polyanthemos | 5teilig, mit linealischen Zipfeln | sehr kurz |
| R. polyanthemoides | 3teilig, mit breiten Lappen | kurz |
| R. polyanthemophyllus | 5teilig, mit linealischen Zipfeln | länger, an der Spitze etwas eingerollt |
| R. tuberosus | 3teilig, mit breiten Lappen länger | an der Spitze eingerollt |
- Umrisse der Blätter und Früchte
Verbreitung in Sachsen-Anhalt
Auf Grundlage einer Auswertung der in den Herbarien der Universität Halle, des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben und im Herbarium Haussknecht Jena vorhandenen Belege und eigener Beobachtungen wurden Verbreitungskarten erstellt. Andere Angaben wurden wegen der oben geschilderten Problematik bewußt nicht berücksichtigt. Die Karten geben aus diesem Grunde die Verbreitung der einzelnen Arten nur sehr unvollständig wieder. Sie vermitteln aber doch schon einen Eindruck, wo die einzelnen Sippen zu erwarten sind und regen hoffentlich dazu an, weitere Vorkommen zu belegen. Am häufigsten und weitesten verbreitet ist R. polyanthemos. Er besiedelt Wiesen im Saale- und Elbetal, geht aber auch ins Nordharzvorland.
Von R. tuberosus liegen Belege aus dem Nordharz, dessen Vorland (”in Gebüschen am Kleinen Fallstein” leg. F. W. Sporleder 15.6.1828 JE), der Umgebung von Haldensleben (”bei Neuhaldensleben: im Walde beim Forsthause Beese unweit Altenhausen” leg. W. Vatke 13.7.1869 JE) und dem Gebiet zwischen Naumburg und Zeitz (”Gebüsche bei Waldau” leg. C. Haussknecht 18.7.1879 JE) vor.
Belege von R. polyanthemophyllus gibt es bisher nur vom Nordharzrand (”Wernigerode, zwischen Blockshorn und Capitelberg” leg. Woitkowitz 7.7.1902 HAL; ”Wernigerode, an Hecken hinter Bremerhöhe” leg. Woitkowitz 30.6.1900 HAL; ”Tülfskopf ” leg. F. W. Sporleder 1.6.1861 JE) und aus der Umgebung von Stendal (”Wiesen zwischen Rochau und Schinne im Kr. Stendal” leg. P. Schuster 7.1912 GAT).
Danksagung
Ich danke Frau H. Zech (Halle) für die Anfertigung der Zeichnungen der Früchte, Herrn Dr. D. Frank (LAU Halle), Herrn Dr. K. Pistrick (Gatersleben) sowie den Mitarbeitern des Herbarium der Universität Halle und des Herbarium Haussknecht Jena für die Unterstützung bei der Durchsicht der Belege.
Verbreitungskarten
Die Verbreitungskarten wurden mit Hilfe des Computerprogrammes FLOREIN angefertigt. Die Nachweise wurden nicht zeitlich differenziert.
Literatur
Baltisberger, M. (1980): Die Artengruppe des Ranunculus polyanthemos L. in Europa. Ber. Schweiz. Bot. Ges. 90: 143-188.
Baltisberger, M. (1981): Die Artengruppe des Ranunculus polyanthemos L., insbesondere Ranunculus polyanthemoides Bor., im Göttinger Wald (BRD). Ber. Bayer. Bot. Ges. 52: 29-30.
Baltisberger, M. (1988): Atlas Florae Europaeae notes. 8. New nomenclatural combinations within Ranunculus polyanthemos. Ann. Bot. Fennici 25: 293-294.
Baltisberger, M. & Hess, H. E. (1986): Zur Verbreitung von Ranunculus polyanthemoides Boreau und R. nemorosus DC. Veröff. Geobot. Inst. ETH, Stiftung Rübel, Zürich 87: 79-90.
Garve, E. (1994): Atlas der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. 2. Teil: L-Z. Naturschutz Landschaftspflege Niedersachsen 30 (2): 479-895.
Korsch, H. (1995): Die Arten der Ranunculus polyanthemos-Gruppe in Thüringen. Inform. Florist. Kart. Thüringen 8: 9-15.
Oberdorfer, E. (1990): Pflanzensoziologische Exkursionsflora. 6. Aufl., Stuttgart: 1050 S.
Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland. 3. Gefäßpflanzen: Atlasband (Hrsg. Jäger, E. J. & Werner, K.) 9. Aufl., Jena, Stuttgart: 753 S.
Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland. 4. Kritischer Band (Hrsg. Schubert, R., Jäger, E. J. & Werner, K.) 8. Aufl., Jena, Stuttgart: 811 S.