Die Gattung Ornithogalum in Deutschland (Gregor Stolley)

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Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Gregor Stolley beschränkt. Auf der Diskussionseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge jedoch sehr willkommen! Es existiert zudem eine frei veränderliche Version in offener Zusammenarbeit: Ornithogalum (Deutschland).
Zitiervorschlag: Teil von: Stolley, Gregor 2010. Die wilden, verwildernden und das ökologische Potenzial zu verwildern besitzenden Hyazinthengewächse (Hyacinthaceae) in Deutschland. http:/​/​offene-naturfuehrer.​de/​wiki/​Die_​wilden,_​verwildernden_​und_​das_​ökologische_​Potenzial_​zu_​verwildern_​besitzenden_​Hyazinthengewächse_​(Hyacinthaceae)_​in_​Deutschland_​(Gregor_​Stolley) Diese Arbeit ist eine Originalarbeit, die erstmalig hier publiziert ist.

Anmerkung: Im Subgenus Ornithogalum werden nur Arten der Dolden-Milchstern-Artengruppe behandelt. Dies ist eine noch nicht ausreichend erforschte, sehr schwierige Verwandtschaftsgruppe. Daher kann der Bestimmungsschlüssel nur ein vorläufiges Provisorium sein. Sicher muss der Schlüssel in Zukunft noch ausgebaut und verbessert werden.


Inhaltsverzeichnis

Ornithogalum brevistylum Wolfner 1857 – Kurzgriffliger Milchstern

(= Loncomelos brevistylus (Wolfner) Dostál 1984 – Kurzgriffliger Schaftmilchstern)

[Synonym: Ornithogalum pyramidale L. 1753 nomen ambiguum]

Die Art wird bereits seit 1752 als Gartenpflanze kultiviert, sie gehört im Gartenhandel zum gängigen Sortiment und erträgt Temperaturen bis zu –15 °C. Allerdings wird sie fälschlicherweise immer noch unter dem Handelsnamen „Ornithogalum pyramidale“ vertrieben. Wittmann (1985) hat ausführlich und nachvollziehbar begründet warum der Name „Ornithogalum pyramidale L. 1753“ zu verwerfen ist. Dies wurde von Haeupler & Muer (2007) auch bereits anerkannt und umgesetzt. In ihrer Heimat wächst sie in Halbtrockenrasen, Gebüschsäumen und Getreideäckern in bis zu 1200 m Höhe (Jäger 2008).

Ornithogalum boucheanum (Kunth) Ascherson 1866 – Bouchés Milchstern

(= Honorius boucheanus (Kunth) Holub 1976 – Bouchés Honoriusmilchstern)

[Basionym: Myogalum boucheanum Kunth 1843; Synonyma: Ornithogalum chloranthum Sauter in Koch 1844, Ornithogalum nutans var. boucheanum (Kunth) Baker 1873]

Die Art wurde zu Ehren des Gärtners und Inspektors des Botanischen Gartens Berlin Carl David Bouché (* 4.6.1809 in Berlin, † 27.9.1881 in Berlin) benannt. Es ist derzeit unklar ob sich diese Sippe möglicherweise unerkannt im Gartenhandel befindet und eventuell vermischt mit Ornithogalum nutans L. 1753, dem Nickenden Milchstern, vertrieben wird. Nach den bisherigen Erfahrungen mit anderen Sippen liegt das aber durchaus im Bereich des Möglichen und sollte eingehend und sorgfältig überprüft werden.

Ornithogalum divergens Boreau 1847 sensu Speta (2000) – Spreizender Dolden-Milchstern

[Synonyma: Ornithogalum declinatum Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum etruscum Parlatore 1857, Ornithogalum hortense Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum paterfamilias Godron 1854, Ornithogalum proliferum Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum rusticum Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum umbellatum auctorum, Ornithogalum umbellatum hort., Ornithogalum umbellatum subsp. campestre ‘Rasse’ paterfamilias (Godron) Rouy 1910, Ornithogalum umbellatum subsp. campestre var. hortense (Jordan & Fourreau) Rouy 1910, Ornithogalum umbellatum subsp. divergens (Boreau) Ascherson & Graebner 1905, Ornithogalum umbellatum subsp. divergens var. declinatum (Jordan & Fourreau) Rouy 1910, Ornithogalum umbellatum subsp. paterfamilias (Godron) Ascherson & Graebner 1905, Ornithogalum umbellatum subsp. umbellatum sensu Stace 2010, Ornithogalum umbellatum var. divergens (Boreau) Beck 1903]

Die Art wird bereits seit 1594 als Gartenpflanze kultiviert, sie gehört im Gartenhandel zum gängigen Sortiment und erträgt Temperaturen bis zu –15 °C. Sie wird dort unter dem Handelsnamen „Ornithogalum umbellatum“ vertrieben. Dies ist die Sippe die in der Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von Wisskirchen & Haeupler (1998) und in den Bildatlanten der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von Haeupler & Muer (2000 & 2007) als „Ornithogalum umbellatum L.“ geführt wird! Entsprechend ist dies auch in alle deutschen Standardfloren übernommen worden. Speta (2000) konnte zeigen das der Bearbeiter der Gattung, Raamsdonk, den Typus für „Ornithogalum umbellatum L.“ unglücklich und letztendlich nicht akzeptabel gewählt hat. Raamsdonk hatte einen Typus gewählt der nur aus einem Blütenstand besteht und zudem noch aus Mittelasien stammt. Dies ist auch schon von anderer Seite kritisiert worden (Stearn 1983). Speta (2000) hat den Typus für Ornithogalum umbellatum L. neu auf die triploide Sippe mit wenigen Nebenzwiebeln festgelegt und konnte dies nachvollziehbar belegen. Eine Folge davon ist das die bisher als Ornithogalum umbellatum L. bezeichnete Sippe jetzt Ornithogalum divergens Boreau 1847 heißen muss. Die Sichtweise Spetas hat in neuester Zeit bereits Anerkennung erfahren (vgl. Martínez-Azorín et al. 2010). In ihrer Heimat wächst diese Art in lichten Wäldern, Gebüschen und Obst- und Weingärten in bis zu 1500 m Höhe (Jäger 2008). In West- und Zentral-Europa gilt diese Art als eingebürgert. Meierott (2008) gibt diese Sippe sensu Speta (2000) aus Bayern an.

Ornithogalum kochii Parlatore 1857 sensu lato – Kochs Dolden-Milchstern im weiteren Sinne

[Ausgewähltes Synonym:Ornithogalum angustifolium“ sensu Herrmann non auctorum]

Die Art wurde zu Ehren des deutschen Botanikers, Arztes und Direktors des Botanischen Gartens Erlangen Wilhelm Daniel Joseph Koch (* 5.3.1771 in Kusel bei Zweibrücken, † 14.11.1849 in Erlangen) benannt. Es ist derzeit nicht klar wie diese Sippe heißen muss, daher die Angabe im weiteren Sinne. Die in Deutschland wachsende diploide Sippe dürfte wohl nicht mit der aus Italien beschriebenen diploiden Ornithogalum kochii Parlatore 1857 sensu stricto, also im engeren Sinne, übereinstimmen. Auf jeden Fall ist hier die diploide Sippe gemeint, die in Deutschland entlang der Elbe wächst und von Nick Herrmann (2008) bis nach Schleswig-Holstein hinauf nachgewiesen wurde.

Ornithogalum nutans L. 1753 – Nickender Milchstern

(= Honorius nutans (L.) S. F. Gray 1821 – Nickender Honoriusmilchstern)

[Synonym: Myogalum nutans (L.) Link 1829]

Die Art wird bereits seit 1594 als Gartenpflanze kultiviert, sie gehört im Gartenhandel zum gängigen Sortiment und erträgt Temperaturen bis zu –15 °C. Sie verwildert bei uns des Öfteren.

Ornithogalum orbelicum Velenovsky 1890 sensu Speta (2008) – Steirischer Dolden-Milchstern

Ob diese Art aus der Dolden-Milchstern-Gruppe in Deutschland überhaupt vorkommt müsste geprüft werden. Ihr Hauptverbreitungsgebiet soll sie laut Speta (2008) auf der Balkanhalbinsel haben. Andererseits sind unsere Kenntnisse oder besser Unkenntnisse über die Dolden-Milchstern-Gruppe nicht gerade berauschend.

Ornithogalum pyrenaicum L. 1753 subsp. pyrenaicum – Gelber Pyrenäen-Milchstern

(= Loncomelos pyrenaicus (L.) Hrouda ex Holub 1988 subsp. p. – G. P.-Schaftmilchstern)

Nur diese Nominatunterart kommt in Deutschland vor (vgl. Haeupler & Muer 2000 & 2007).

Ornithogalum umbellatum L. 1753 sensu stricto sensu Speta (2000) – Echter Dolden-Milchstern

[Synonyma:Ornithogalum affine Boreau 1857, Ornithogalum angustifolium auctorum non Herrmann, Ornithogalum angustifolium Boreau 1847, Ornithogalum cespititium Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum minus L. 1771 nomen invalidum (nomen nudum), Ornithogalum parviflorum Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum tardans Jordan & Fourreau 1866, Ornithogalum umbellatum subsp. angustifolium (Boreau) P. D. Sell 1996, Ornithogalum umbellatum subsp. campestre Rouy 1910 sensu Stace 2010]

Durch die Arbeit von Speta (2000) muss die in der Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von Wisskirchen & Haeupler (1998) und in den Bildatlanten der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von Haeupler & Muer (2000 & 2007) als „Ornithogalum angustifolium Boreau“ geführte Sippe nun Ornithogalum umbellatum L. 1753 sensu stricto heißen! Meierott (2008) gibt diese Sippe sensu Speta (2000) aus Bayern an.

Ornithogalum × vigeneri Ciferri & Giacomini 1950 – Vigeners Bastard-Milchstern

(Elter: Ornithogalum boucheanum × Ornithogalum nutans)

Die Hybride wurde zu Ehren des Wiesbadener Floristen und Apothekers Anton Vigener (* 29.2.18–40, † 15.9.1921) benannt. Es ist derzeit unklar ob sich der Bastard möglicherweise unerkannt im Gartenhandel befindet und eventuell vermischt mit Ornithogalum nutans L. 1753, dem Nickenden Milchstern, und vielleicht auch Ornithogalum boucheanum (Kunth) Ascherson 1866, Bouchés Milchstern, vertrieben wird. Nach den bisherigen Erfahrungen mit anderen Sippen liegt das aber durchaus im Bereich des Möglichen und sollte eingehend und sorgfältig überprüft werden. Ausführlich mit dem Bastard auseinandergesetzt haben sich Ludwig & Lenski (1969).

Ornithogalum vulgare Sailer 1841 sensu Speta (2000) – Gewöhnlicher Dolden-Milchstern

Meierott (2008) gibt diese Sippe sensu Speta (2000) aus Bayern an. Sie ist also für Deutschland bereits nachgewiesen. Wie weit sie innerhalb Deutschlands verbreitet ist derzeit unklar.

Literatur

  • Haeupler, H. & Muer, T. (2000): Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – 759 S., Ulmer, Stuttgart.
  • Haeupler, H. & Muer, T. (2007): Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – 2. Auflage, 789 S., Ulmer, Stuttgart.
  • Herrmann, N. (2008): Erstnachweis einer diploiden Sippe aus dem Ornithogalum umbellatum-Aggregat in Schleswig-Holstein. – Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 36: 7–8.
  • Jäger, E. J. (2008): Familie Hyazinthengewächse – Hyacinthaceae Batsch ex Borkh. In: Jäger, E. J.; Ebel, F.; Hanelt, P. & Müller, G. K. (eds.): Exkursionsflora von Deutschland Band 5 – Krautige Zier- und Nutzpflanzen: 740–751, Springer, Berlin.
  • Ludwig, W. & Lenski, I. (1969): Zur Kenntnis der hessischen Flora. – Jahrbücher des nassauischen Vereins für Naturkunde 100: 112–133, Wiesbaden.
  • Martínez-Azorín, M.; Crespo, M. B. & Juan, A. (2010): Taxonomic revision of Ornithogalum subg. Ornithogalum (Hyacinthaceae) in the Iberian Peninsula and the Balearic Islands. – Plant Systematics and Evolution 289: 181–211.
  • Meierott, L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfelds. Neue Flora von Schweinfurt. Band 1 & 2. – 1448 S., IHW, Eching.
  • Speta, F. (2000): Beitrag zur Kenntnis von Ornithogalum s. l. (Hyacinthaceae) in Oberösterreich. – Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs 9: 743–792.
  • Speta, F. (2008): 145. Familie: Hyazinthengewächse / Hyacinthaceae (Liliaceae-Scilloideae). In: Fischer, M. A.; Oswald, K. & Adler, W. (Hrsg.): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol: 1069–1077, 3. verbesserte Auflage der „Exkursionsflora von Österreich“ (19–94), Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.
  • Stearn, W. T. (1983): The Linnaean species of Ornithogalum (Liliaceae). – Annales Musei Goulandris 6: 139–170.
  • Wisskirchen, R. & Haeupler, H. (1998): Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – 765 S., Ulmer, Stuttgart.
  • Wittmann, H. (1985): Beitrag zur Systematik der Ornithogalum-Arten mit verlängert-traubiger Infloreszenz. – Stapfia 13: 1–117, Linz.
Quelle: http://offene-naturfuehrer.de/web/Die_Gattung_Ornithogalum_in_Deutschland_(Gregor_Stolley)
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