Fallopia sachalinensis – Sachalin-Staudenknöterich (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers, JKI)

Fallopia sachalinensis (= Reynoutria sachalinensis, Polygonum sachalinense), der Sachalin-Staudenknöterich gehört zur Familie der Polygonaceae (Knöterichgewächse). Der englische Name ist Giant Knotweed. EPPO-Code REYSA.

Der Sachalin-Staudenknöterich kam Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aus Ostasien, von der Halbinsel Sachalin und Nordjapan, und verbreitete sich ziemlich rasch, meistens entlang von Flüssen. Er ist heute in ganz Europa mit Ausnahme des Mittelmeerraums zu finden. Auch in Canada und den USA wächst er heute in vielen Staaten. Durch sein starkes Wachstum und seine hohe Konkurrenzfähigkeit in dichten Beständen unterdrückt er einheimische Pflanzen und ändert das Habitat erheblich. Durch seine unterirdischen Wurzelausläufer schädigt er auch Gleise und Uferbefestigungen.

Die mehrjährige Pflanze überwintert als Rhizom. Die oberirdischen Teile sind frostempfindlich und sterben daher in jedem Winter ab. Er treibt im späten Frühjahr aus. Der Stängel ist durch Knoten, durch Nodien geteilt und kann 4 m hoch werden, zumindest der Hauptstängel, die Seitentriebe bleiben kürzer. Die Blätter können 40 cm lang und 30 cm breit sein und sind charakteristisch herzförmig. Die Blüten sind unscheinbar und weiß. Die Früchte tragen die für die Gattung Fallopia typischen Flügel: die Flügelknöteriche.

Seit den achtziger Jahren gab es viele Forschungsprojekte, bei denen die Stärkung der Kulturpflanzen durch verschiedene Stoffe erhöht werden sollte. Ergebnis ist, dass die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten induziert werden kann. Eine der induzierenden Stoffe kommt aus dem Sachalin-Staudenknöterich. Der Extrakt gegen Mehltaupilze kann selbst hergestellt werden, man kann ihn aber auch kaufen. Die getrockneten Blätter des Sachalin-Staudenknöterichs werden mit heißem Wasser übergossen, zehn Gramm auf einen Liter Wasser. Diesen Tee lässt man wenige Stunden ziehen und besprüht damit die zu schützenden Kulturpflanzen. Innerhalb weniger Tage reagieren sie darauf, indem sie Abwehrstoffe bilden und widerstandsfähig werden. Es wirkt beispielsweise hervorragend gegen Mehltau an Gurken. Auch Begonien, Tomaten, Rosen und viele andere Pflanzen werden resistent gegen den Echten Mehltaupilz. Der Wasserauszug kann den Pilz selbst nicht bekämpfen. Botaniker wehren sich gegen den Vergleich, aber es handelt sich wohl doch um eine Art Impfung. Wie die Pflanzen gestärkt werden, ist nicht ganz geklärt. Beim Staudenknöterich konnte zumindest ein Stoff, ein Antrachinon, chemisch identifiziert werden. Aber dieser ist nur eine von mehreren Substanzen, die die Widerstandsfähigkeit fördern.

Mehr Informationen über den Sachalin-Staudenknöterich als Neophyten siehe Floraweb des Bundesamts für Naturschutz.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. September 2011