Gemeine Schafgarbe (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Wissenswertes

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Stichwort Teil der Pflanze Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes
Etymologie des Artnamens; umgangssprachliche Artnamengesamte PflanzeKöhler & Müller 1887, S.70: »Name und. Geschichtliches. Der Name Garbe (althochdeutsch garawa, garva‚, harwe, angelsächsissh gearve, mittelhochdeutsch Gärwel, Gahel, Garb, Garwe, Gertel, Gabl, Barbune, Grausinc, Schofgarb, bei Tabernaemontanus Wilder Bienenpfeffer, Schapfgerwe, bei Cordus Garbe, Feldgarbe, Grünsingkraut, Relicken, bei Hildegard Garwa, bei Fuchs Gerbel, Schafgarbe, bei Bock und Gessner Schafrippe, Gerwel, Jungfrauaugbroen) ist nach Grassmann ein uralter Name und wird von ihm auf das Altnordische zurückgeführt. Nach dem Angelsächsischen heisst gearve (fem.) unsere Schafgarbe, gearva (masc.) das Kleid, der Umwurf, gearva (Adv.) fertig, vollendet, schön, altnordisch gerva, gjörva fertig, gervi, gjörvi die Bekleidung, überhaupt alles was zur vollständigen Ausrüstung von Zugthieren, Schiffen, Reisenden gehört. Der Name würde demnach auf den Eindruck des Schönen, Fertigen, vollständig Ausgerüsteten zurückzuführen sein, den die Pflanze bezüglich der Zierlichkeit und Form ihrer Blätter macht. Achillea (ἀχιλλεια) soll nach Plinius von Achilles, dem Schüler des Chiron abgeleitet sein, welcher die Heilkräfte der Schafgarbe zuerst erkannte und zur Heilung von Wunden verwendet haben soll. Millefolium, Tausendblatt, wegen der fiedertheiligen Blätter.

Achillea ist ein sehr altes und zur Heilung von Wunden äusserlich längst benutztes Arzneimittel. Obgleich schon Dioscorides von der Anwendung gegen Profluvien spricht, so ist die innerliche Benutzung der Garben doch erst seit vorigem Jahrhundert und zwar auf die Empfehlungen von Stahl im Gebrauch. Millefolium des Plinius und Herba foliis mille des Serenus Samonicus (3. Jahrhundert) ist nach Flückiger wahrscheinlich unsere Achillea Millefolium. In früheren Zeiten wurde die Schafgarbe in Scandinavien an Stelle des Hopfens zur Bierbrauerei verwendet.«

umgangssprachliche Artnamenoberirdische PflanzenteileHegi u.a. Bd. 6.2 (1929), S. 569f.: »Der Name Schafgarbe (hier und da auch volkstümlich) bezieht sich in seinem ersten Bestandteil wohl darauf, dass die Pflanze gern von Schafen gefressen wird und häufig auf Schafweiden wächst, der zweite Bestandteil „Garbe“ (althochdeutsch garwa, angels. gearewe, engl, yarrow) ist nach seiner Bedeutung unsicher; er begegnet uns auch als Garbe (Gotha), Garbakraut (Schwäbische Alb), Garbe-Chrut (Schweiz). Gerreworzel (Nahegebiet) gehört wohl auch hierher. Den niederdeutschen Mundarten gehören an (vgl. dänisch röllike, schwedisch rölleka): Rölk, Relek, Rählk (plattdeutsch); Rolegg'n, Rulk (Münsterland), Relitz (Altmark), Rėls, Rils, Rüls, Rėdlse (Braunschweig), Reuelk (Alte Land), Reelergen (Achim), Releppe, Rolepper (Bassum in Hannover). Unsicher ist die Herkunft der bayerisch-österreichischen Benennungen Kachel, Kach'lkraut (Kärnten), Gachelkraut (Niederösterreich) und Schowo, Schab'ab (Böhmerwald). Die besonders im Mitteldeutschen gebrauchte Benennung Grensing (z.B. Nordthüringen, auch braunschweigisches Wesergebiet, Göttingen) kommt bereits im Althochdeutschen als grensinc vor, bedeutet aber hier meist Potentilla Anserina (vgl. Bd. IV/2, pag. 889), mit der die Schafgarbe entfernt ähnlich gefiederte Blätter gemeinsam hat; auch Gränsing, Gränseng, Gränsel (Gotha), Krinsing (Nordthüringen) gehören hierher. Auf die Gestalt der Blätter (Umriss, zarte Fiederung, leiter- oder rippenähnliche Anordnung der Fiedern) nehmen Bezug: Schafzunge (Eifel), Gänsezunge (Schmalkalden), Lämmlizunge (St. Gallen), Dusendblad (Oldenburg, Ostfriesland), Dusendtacken (Westfalen), Tausendblättche (Eifel), Ripplichrut (Aargau), Schåpsribbe, Schaoprippken (Westfalen), Schafrippe (rheinisch), Schoprebben (Elberfeld), Hunderribbe (Anhalt), Leiterlichrut (Schweiz), Mausleiterl (bayerisch-österreichisch). Auch die Namen Katzenzohl (Eifel), Katzenschwanzl (Egerland) beziehen sich wohl auf die zarten Blätter (vgl. Equisetum Bd. I, pag. 53). Die weissen Blüten haben wahrscheinlich die Namen Grüttblöm (Mecklenburg), Grützblume (Danzig) veranlasst. Da sich an den sonnigen Standorten der Schafgarbe oft Grillen aufhalten, heisst sie im Salzburgischen und in Niederösterreich auch Grillenkrautgras. Bibhennerlkraut nennt das Volk in Niederbayern unsere Pflanze, weil mit ihr die jungen „Bibhennen“ (Truthühner) gefüttert werden. In der Volksmedizin erfreut sich die Schafgarbe grosser Beliebtheit (pag. 572); daher wird sie auch Thee, Theekrout (Nördliches Braunschweig), Bauchwehkraut (Steiermark, Niederösterreich), Blut-, Blutstellkraut (Steiermark) genannt. Im Allgäu kommt die Pflanze in die „Sang“ (der an Mariä Himmelfahrt geweihte Kräuterbüschel) und heisst dort daher Zangebluma. Weiss Zangekraut. — Im romanischen Graubünden heisst die Schafgarbe puleg signuria (Engadin), flours–tgaval (Bravuogn), im Puschlav trementina, erba trementina, in Gröden cautes, millefoliè, in Pieve i ciari mac, im Friaul jerbe tajadore, jerbe tajaròle, im Tessin erba del tai, zerla (Losone), erba de foenj, cent foenj, im Wallis Quavuvaz atzsa, vibja (Zermatt), miefer (Unterwallis).«
Namensherkunft; umgangssprachliche Artnamengesamte PflanzeReling & Bohnhorst (1889), S. 175 f.: »61. Die Schafgarbe.
(Achillea millefolium)

Wie Plinius erzählt, erinnert der botanische Name Achillea an Achilles, einen Schüler des heilkundigen Centauren Chiron, welcher zuerst diese Pflanze als ein Heilmittel bei Wunden in Anwendung brachte. Der deutsche Name Garbe wird in verschiedener Weise abgeleitet. Nach Wiärda soll er von carmen abstammen, welches so viel wie einschneiden, kerben bedeutet, weil die Blätter fein gekerbt sind. Schwenk deutet ihn auf den Geschmack der Pflanze und meint, Garbe käme her von herb (altd. garbe) und bezeichne ein herbes Gewächs. Eine dritte Erklärung nimmt auf den garbenförmig zusammengestellten Blütenstand Rücksicht. Weil dieses Kraut ein Lieblingsfutter der Schafe ist, hat es den Namen Schafgarbe bekommen. Andere Volksnamen der Pflanze sind: Rölleke, Relek, Röhlk, Relitz, Rels und viele ähnliche. Remnich vermutet, daß der Name Rölleke seine Erklärung in dem Umstande findet, daß die Blätter in der Knospenlage gerollt erscheinen.«

Weiterführende Literatur

Hegi, G., Gams, H., Haynek, A. v., Zahn, H. & Marzell, H. 1929: Illustrierte Flora von Mitteleuropa: mit besonderer Berücksichtigung von Deutschland, Österreich und der Schweiz: zum Gebrauche in den Schulen und zum Selbstunterricht. Dicotyledones (V. Teil). Sympetalae (Schluss der Compositae). Bd. 6. 2. Hälfte, J. F. Lehmanns Verlag, München, S. VI, 561 S. : III (http:/​/​nbn-resolving.​de/​urn:nbn:de:hbz:061:2-170729, abgerufen am 30. Oktober 2018).
Köhler, F. E. & Müller, W.; Pabst, G. (Hrsg.) 1887: Köhler’s Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Atlas zur Pharmacopoea germanica, austriaca, belgica, danica, helvetica, hungaria, rossia, suecica, Neederlandica, British pharmacopoeia, zum Codex medicamentarius, sowie zur Pharmacopoeia of the United States of America. Bd. 1, Gera-Untermhaus, Verlag von Franz Eugen Köhler, Gera (Mit 88 Tafeln in Farbendruck nach Originalzeichnungen von Walther Müller in Gera. Druck des Textes von Herrn J. Ramm, Leipzig. Die Pflanzen und Bildtafeln sind nach Erscheinungsnummern sortiert (1-84)http:/​/​biodiversitylibrary.​org/​page/​303332, abgerufen am 7. August 2017).
Reling, H. & Bohnhorst, J. 1889: Unsere Pflanzen nach ihren deutſchen Volksnamen, ihrer Stellung in Mythologie und Volksglauben, in Sitte und Sage, in Geſchichte und Litteratur. Beiträge zur Belebung des botaniſchen Unterrichts und zur Pflege ſinniger Freude in und an der Natur für Schule und Haus. 2. Auflage. Verlag von E F. Thienemanns Hofbuchhandlung, Gotha, S. I–XVI, 1–408 (http:/​/​archive.​org/​details/​unserepflanzenna00reli, abgerufen am 28. Februar 2021).