Geranium robertianum – Ruprechtskraut (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers, JKI)

Geranium robertianum, das Ruprechtskraut oder der Stinkende Storchschnabel, gehört zur Familie der Geraniaceae (Storchschnabelgewächse). Der englische Name ist Herb Robert. EPPO-Code GERRO.

Das Ruprechtskraut tritt häufig auf und ist in Asien und Europa verbreitet. Auch in Nordamerika ist es in einigen Gebieten heimisch geworden. Es keimt auf feuchtem Boden, auch im Schatten unter Sträuchern und an Nordwänden und ist viel in Gärten, auch Obstgärten zuhause.

Die ein- oder auch zweijährige Pflanze wird selten höher als 40 cm, verzweigt sich aber viel und wächst in die Breite. Das Ruprechtskraut hat ein typisch dreiteiliges Blatt, das gefiedert ist und durchaus 5 cm oder mehr groß werden kann. Die Pflanze ist stark behaart. Die rosa Blüten haben einen Durchmesser von etwa 1 cm. Der Samen ist 3 mm lang und typisch runzlig mit einer Doppellinie, die in die beiden Fanghaare ausläuft. Diese sind etwas klebrig. Der Samen wird von einem Teil der Mittellamelle wegkatapultiert. Die fünf Katapulte fliegen ca 40 cm weit, die Samen mindestens das Doppelte.

Das Ruprechtskraut wurde früher in der Medizin als Herba roberti aufgrund seiner Gerb- und anderer Inhaltstoffe bei vielen Indikationen verwendet: Zahnschmerzen, Fieber, Nasenbluten, Magen-Darmerkrankungen, heute noch in der Homöopathie. Zerreibt man die Blätter, verbreitet sich ein typischer, würziger Geruch, der unter anderem auf Geraniol, Geraniin, Gallo- und Ellagitannine zurückzuführen ist. „Stinken“ kann man eigentlich nicht sagen, ebenso wenig wie Unkraut.

Woher der Name stammt ist nicht klar. Eventuell wurde es nach dem Heiligen Ruprecht benannt, dessen Name eine Variante von Robert ist. Auch die häufige Rotfärbung der Pflanze könnte eine Erklärung sein. Nett ist eine Geschichte zur Herkunft des lateinischen und damit auch des deutschen Namens. Gottfried Briemle schreibt 1997 in seinem Kräuteratlas, dass es an einen Mitarbeiter Linnés mit Namen Robert erinnert. Dieser roch immer etwas streng, weil er sich ungern wusch. So benannte der Meister die Pflanze nach ihm. Sein Nachname wird verschwiegen!

Man sollte das Ruprechtskraut im Garten ruhig in Maßen stehen lassen, da es im Schatten kaum Konkurrenz macht, nützliche Insekten fördert und damit zur biologischen Vielfalt im Garten beiträgt, was dazu führt, dass man weniger Probleme mit Blattläusen hat. Und besser als nackter Boden ist es allemal!

Literatur: Briemle, Gottfried (1997) Farbatlas Kräuter und Gräser. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. Juli 2015.