Häufige Gehölze im Winter bestimmen (Kurs „Pflanzen im Winter“, Universität Tübingen)

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Autoren: Tamara Ayoub, Linda Eichner, Vanessa Mögle, Sina Siedler

Abb. 1. Schemazeichnung eines Triebes. (Zeichnung & Bearbeitung: T. Ayoub)

Welche Merkmale stehen im Winter zur Verfügung?

Im Sommer erkennt man die meisten Bäume und Sträucher oftmals leicht anhand ihrer Blüten und Blätter. Im Winter findet man diese leider nicht mehr am Gehölz vor, oder nur noch teilweise und vertrocknet. Daher dienen zur kalten Jahreszeit andere Merkmale zum Bestimmen, wie etwa Wuchsform und -höhe, Stammdurchmesser und -anzahl, Farbe und Beschaffenheit der Borke („Rinde“), eventuell vorhandenes, altes Blattlaub oder Früchte unterhalb der Pflanze. Es bieten sich vielfältige Erkennungsmerkmale nur durch Betrachtung der Pflanze und ihrer Umgebung am Standort. Aber auch ein einzelner Zweig kann einiges über seine Art verraten und bietet ausreichend viele Unterscheidungsmerkmale und Untersuchungspunkte. Dazu gehören etwa die Zweigrinde (Farbe/Beschaffenheit), Knospen (Farbe/Größe/Anzahl), Knospenschuppen (Farbe/Anzahl/Vorhandensein), Knospenstellung (gegenständig/wechselständig), Blattnarben (Erscheinungsform/Größe), aber auch Eigenheiten wie etwa Dornen oder auffällige Lenticellen (Korkporen) können hilfreiche Besonderheiten darstellen. [Abb. 1]

Abb. 2. Schemazeichnung eines Sprossendes mit Knospe. (Zeichnung & Bearbeitung: T. Ayoub)
Abb. 3. Auszug der Knospenvielfalt (von oben links nach unten rechts): Ahornblättrige Platane, Esche, Walnuss, Rosskastanie. (Fotos & Bearbeitung: T. Ayoub)

Begriffsklärungen:

Knospe: In einer Knospe verbirgt sich der junge Spross des nächsten Jahrestriebes [Abb. 2]. Das heißt ein Baum oder Strauch legt den „Grundbausatz“ für die Blüten und Blätter, welche im nächsten Jahr austreiben sollen bereits im Vorjahr, etwa im Herbst, an. Knospen variieren teilweise sehr in ihrem Erscheinungsbild [Abb. 3]. In den meisten Fällen werden die Knospen von schuppenartigen, dicht aneinander liegenden Plättchen, den sogenannten Knospenschuppen bedeckt [Abb. 4]. Durch diese Knospenschuppen sind die empfindlichen Blüten- und Blattanlagen den Winter über gut geschützt. Form, Farbe und Anzahl der Knospenschuppen variieren von Art zu Art und können daher als Bestimmungsmerkmal dienen. Nicht immer müssen Knospenschuppen vorhanden sein, eine „nackte Knospe“ kann auch geschützt werden durch andere Mechanismen, wie etwa unentfaltete Laubblätter (Bsp.: Roter Hartriegel – Cornus sanguinea). Es kann aber auch sein, dass die Knospe zum Beispiel in den Blattnarben verborgen liegt und somit keinen äußeren Schutzmantel benötigt, dann ist sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen, von außen scheint der Zweig knospenlos (Bsp.: Robinie – Robinia pseudoacacia [Abb. 5]). Bei einer Knospe handelt es sich also um einen gestauchten Spross, in welchem die Blattanlagen bzw. Blütenanlagen dicht gedrängt beieinander liegen, bis die Knospe sich im Frühjahr öffnet. Man unterscheidet zwischen Blütenknospen (= generative Knospen) und Blattknospen (= vegetative Knospen); diese sind nicht immer so gut wie beim wolligen Schneeball voneinander zu unterscheiden [Abb. 6]. Ein weiteres Merkmal bezieht sich auf die unterschiedlichen Größen von Endknospe und Seitenknospen. Dabei entsteht eine echte Endknospe (Terminalknospe) [Abb. 7] nicht in der Achsel eines Blattes und tragt somit an der Basis keine Blattnarbe. „Falsche“ Endknospen können entstehen, wenn zum Beispiel zwei gegenständige Seitenknospen das vermeintliche Ende des Triebes bilden (Bsp.: Flieder – Syringa vulgaris [Abb. 7]).

Abb. 8. Links: Gegenständige Knospenstellung (hier: kreuz-gegenständig) wie beispielsweise bei der Rosskastanie; rechts: Wechselständige Knospenstellung, typisch für z.B. Linde oder Buche. (Zeichnungen: S. Siedler, Bearbeitung: T. Ayoub)

Knospenanordnung: Die Blatt- und Knospenstellung dient im Bestimmen von holzigen Laubpflanzen als Schlüsselmerkmal und steht deshalb häufig sehr weit am Anfang eines Bestimmungsschlüssels. Man unterscheidet unter anderem zwischen gegenständiger, kreuz-gegenständiger, wechselständiger oder wirteliger Stellung. Zur Vereinfachung soll in diesem Schlüssel lediglich eine Unterscheidung zwischen gegenständig (dazu zählt auch kreuz-gegenständig) und wechselständig stattfinden.

Bei Pflanzen mit gegenständiger Blattstellung (Knospenstellung) stehen immer zwei Knospen (sofern es sich nicht um eine echte Endknospe handelt) einander gegenüber [Abb. 8]. Dabei können diese Knospenpaare entweder parallel (direkt) untereinander stehen (Bezeichnung: gegenständig) oder jeweils um 90° versetzt zueinander (Bezeichnung: kreuz-gegenständig). Bei einer wechselständigen Anordnung, steht jeweils nur ein Blatt/Knospe an einem Knotenpunkt [Abb. 8].

Blattnarbe: Unterhalb der Knospen, dort wo am Trieb die Laubblätter, im letzten Herbst, abgeworfen wurden, findet man eine Abbruchstelle, die sogenannte „Blattnarbe“. Da sich Form und Größe, aber auch Anzahl und Anordnung der Blattspuren (kleine punktartige Erscheinungen auf der Blattnarbe) unterscheiden, eignet sie sich auch als Bestimmungsmerkmal. Bei diesen erwähnten Blattspuren handelt es sich um Leitbündel im Querschnitt (= “Adern“ der Pflanze, für Wasser- und Nährstofftransport) welche im Sommer das Blatt mit Wasser versorgen [Abb. 9].

Lenticellen: Lenticellen – auch Korkporen oder Korkwarzen genannt – sind kleine Bereiche im toten Gewebe der Rinde oder Borke eines Zweiges oder Stammes die den Gasaustausch zwischen der Umgebungsluft und dem lebenden Gewebe unterhalb der Lenticelle ermöglichen. Mit bloßem Auge sind sie als kleine punktförmige Erhebungen zu erkennen [Abb. 10].

Abb. 12. Viele unserer einheimischen Laubbäume tragen Kätzchen (ährenartiger Blütenstand), darunter die Birke (oben) oder etwa die Hasel (unten). (Fotos & Bearbeitung: T. Ayoub)

Blattadern: Blattadern werden häufig auch Blattnerven genannt und bezeichnen die Leitbündel, die „Adern“ der Pflanze, die die Blätter mit Wasser und Nährstoffen/Salzen versorgen. Blattadern können zum Beispiel parallel verlaufen oder netzartig [Abb. 11].

Kätzchen: Unter dem Begriff „Kätzchen“ versteht man einen meist männlichen, ährenartigen Blütenstand, welcher aus vielen kleinen, unscheinbaren Blüten, welche dicht beieinander stehen, gebildet wird. Kätzchen verdanken ihren Namen ihrem weichen Äußeren, welches bei Berührung an weiches Fell junger Katzen erinnern konnte. Viele unserer einheimischen Laubbäume tragen Kätzchen, darunter die Birke oder etwa die Hasel [Abb. 12].

Quellen:

  • Godet, Jean-Denis (2008): Knospen und Zweige – Einheimische Bäume und Sträucher. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart. 432 Seiten.
  • Humphries, Press und Sutton (1981): Der Kosmos Baumführer: Über 400 europäische Bäume in Farbe. Kosmos – Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh'sche Verlagshandlung – Stuttgart
  • Schauer, Dr. Thomas und Claus Caspari (2008): Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. 3. Auflage, BLV Buchverlag GmbH & Co. KG
  • Zimmer, Ute E. (Text) und Dorothee Eisenreich (Gesamtüberarbeitung) (2012): Bäume und Sträucher – Zweige, Blätter, Nadeln. Neuer Kaiser Verlag (Erstauflage und Copyright BLV Verlagsgesellschaft mbH,1986, München).
  • Zimmer, Ute E. (Text) und Dorothee Eisenreich (Gesamtüberarbeitung) (2012): Früchte der Bäume und Sträucher. Neuer Kaiser Verlag (Erstauflage und Copyright BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1986, München).
  • Hecker, Ulrich (2008): Einheimische Laubgehölze. 2. Auflage, Quelle und Meyer GmbH und Co., Wiebelsheim
  • Haller, Berthold und Wilfried Probst (1979): Botanische Exkursionen Band I – Exkursionen im

Winterhalbjahr. Gustav-Fischer Verlag, Stuttgart

  • Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (2002): Gebietsheimische Gehölze in Baden-Württemberg. Greiserdruck, Rastatt.

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Häufige Gehölze im Winter bestimmen (Kurs „Pflanzen im Winter“, Universität Tübingen)
Von: Tamara Ayoub, Linda Eichner, Vanessa Mögle, Sina Siedler
Geographischer Geltungsbereich: Deutschland, Baden-Württemberg — Zusammenarbeit: offen
1
Triebe mit Dornen   ► 2
1*
Triebe ohne Dornen   ► 3
2
Knospen verborgen 
  Robinie – Robinia pseudoacacia L.
Sommergrüner Laubbaum, ≤ 25 m hoch; Knospen unter Blattnarben verborgen, umgeben von bis 3 cm langen rot-braunen Dornen am Zweig [Abb. 1]. Blatt-/Knospenstellung: wechselständig. Früchte: mehrsamige Hülsen.
14 Robinia pseudoacacia 01 (Gehölze im Winter).png
Abb. 1: Robinie: Unter den Blattnarben verborgene Knospe, geschützt durch Härchen und Dornen. (Foto & Zeichnung: T. Ayoub)
2*
Knospen sichtbar 
  Schlehe – Prunus spinosa L.
Strauchig wachsende, etwa 3 m hohe Pflanze mit stark verzweigtem Erscheinungsbild (Langtriebe und Kurztriebe). Knospen: relativ klein, braun, kugelig-zugespitzt, gebündelt [Abb. 2, 3]. Dominantes Merkmal: Sprossdorne (zu Dornen umgewandelte Kurztriebe) [Abb. 4]. Blattanordnung: spiralig.
Abb. 3: Gebündelte Knospen der Schlehe. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 3: Gebündelte Knospen der Schlehe. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 4: Schlehen-Knospen mit behaarten Knospenschuppen. (Foto: PIW- Kurs)
Abb. 4: Schlehen-Knospen mit behaarten Knospenschuppen. (Foto: PIW- Kurs)
15 Prunus spinosa 3 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 2: Typische Sprossdorne der Schlehe. (Foto: T. Ayoub)
3
Knospenschuppen vorhanden   ► 4
3*
Knospenschuppen fehlen   ► 5
4
Anordnung der Knospen: wechselständig   ► 14
4*
Anordnung der Knospen: gegenständig   ► 6
5
Zweigrinde deutlich rötlich, auffällige Lenticellen 
  Roter Hartriegel – Cornus sanguinea L.
Strauchig wachsendes 3-5 m hohes Gehölz mit gegenständig angeordneten Blättern/Knospen. Knospen ohne Knospenschuppen, geschützt durch braune, filzig behaarte Blätter, spitzig [Abb. 5]. Zweig: Rinde rot, schattenseits evtl. grünlich, kahl bis leicht behaart, Lenticellen [Abb. 6]. Knoten verdickt, Blattnarben dreispurig. Frucht: schwarzblaue Steinfrucht mit zweisamigem Kern.
Abb. 6: Roter Hartriegel: Typisch roter Zweig mit Behaarung. (Foto: Muriel Bendel)
Abb. 6: Roter Hartriegel: Typisch roter Zweig mit Behaarung. (Foto: Muriel Bendel)
20140227Cornus sanguinea.jpg
Abb. 5: Roter Hartriegel: Roter, Behaarter Zweig mit Knospen. Knospen ohne Schuppen, geschützt durch filzige Blätter. (Foto: AnRo0002)
5*
Zweigrinde nicht so 
  Wolliger Schneeball – Viburnum lantana L.
Strauchig wachsendes, 1-5 m hohes Gehölz mit gegenständiger Blatt-/Knospenstellung. Dominantes Merkmal: Knospen hellgrün/gelblich blass, nackt, d.h. ohne Knospenschuppen [Abb. 7,8]. Frucht: rote/schwarze, beerenartige Steinfrüchte.
Abb. 8: Vegetative Knospe des wolligen Schneeballs. (Foto: PIW- Kurs)
Abb. 8: Vegetative Knospe des wolligen Schneeballs. (Foto: PIW- Kurs)
18 Viburnum lantana 01 (Gehölze im Winter).png
Abb. 7: Blütenknospe des wolligen Schneeballs. Man beachte das Fehlen der Knospenschuppen. (Foto: T. Ayoub)
6
Mit einzelner Endknospe   ► 7
6*
Ohne einzelne Endknospe, Zweig endet in zwei gegenständigen Knospen   ► 8
7
Knospenfarbe: schwarz 
  Esche – Fraxinus excelsior L.
Sommergrüner Laubbaum, bis 40 m hoch. Blatt-/Knospenstellung: kreuz-gegenständig [Abb. 9], häufig leicht versetzt an einem Knoten [Abb. 10]. Dominantes Merkmal: schwarze Knospen; Endknospe größer als Seitenknospen [Abb. 11]. Junger Trieb: gräulich-olivgrün, kahl mit auffälligen Lenticellen (Korkporen) [Abb. 10].
Abb. 10: Esche: Olivgrüner, kahler Trieb mit auffälligen Korkporen (Lenticellen) und leicht versetzter Knospenstellung. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 10: Esche: Olivgrüner, kahler Trieb mit auffälligen Korkporen (Lenticellen) und leicht versetzter Knospenstellung. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 11: Links: Typisch Schwarze Knospe der Esche mit Blattnarbe. Rechts: Endknospe mit kleineren seitlich stehenden Nebenknospen. (Fotos: PIW-Kurs)
Abb. 11: Links: Typisch Schwarze Knospe der Esche mit Blattnarbe. Rechts: Endknospe mit kleineren seitlich stehenden Nebenknospen. (Fotos: PIW-Kurs)
20 Fraxinus excelsior 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 9: Eschenzweig mit kreuzgegenständiger Knospenanordnung. (Foto: T. Ayoub)
7*
Knospenfarbe anders   ► 9
8
Zweig endet in zwei gegenständigen Seitenknospen, keine Terminalknospe 
  Flieder – Syringa vulgaris L.
Bis 7 m hohes Gehölz mit gegenständiger Blatt-/Knospenstellung. Knospen: mehrschuppig, spitz-eiförmig. Knospenschuppen grünlich gefärbt (oftmals mit rot-braunem Schuppenrand, behaart). Häufig gepaarte (unechte) Endknospe [Abb. 12].
23 Syringa vulgaris 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 12: Gepaarte Endknospe des Flieders mit grünlichen Knospenschuppen und rot-braunem Rand. (Foto: PIW-Kurs)
8*
Zweig endet in paarweisen Endknospen; Zweig mit weißem Mark 
  Schwarzer Holunder – Sambucus nigra L.
Etwa 7-11 m kleiner, kurzstämmiger Strauch oder Baum mit grauer Borke und vielen Korkwarzen [Abb. 13]. Zweige: olivgrün (bis bräunlich) mit auffälligen Lenticellen und weißem Mark. Knospen: eiförmig zugespitzt, mit rot-braunen, kahlen Knospenschuppen, welche eher locker schließen [Abb. 13]. Meist mit zwei Endknospen (selten unpaarig); Blattnarben dreispurig.
Sambucus nigra buds.jpg
Abb. 13: Flieder: Zweig mit zahlreichen Lenticellen und roten Knospen mit locker schließenden Knospenschuppen. (Foto: El Grafo)
9
Knospen: groß, dunkelbraun-rötlich, breit-kegelförmig, klebrig 
  Rosskastanie – Aesculus hippocastanum L.
Bis 30 m hoher Baum mit gegenständiger Blatt-/Knospenstellung [Abb. 14]. Dominates Merkmal: relativ große (≤ 4 cm) Endknospen [Abb. 15], breit-kegelförmig, rötlich-braun, mehrschuppig, glänzend-klebrig, deutlich größer als Seitenknospen [Abb. 16]. Auffallend große Blattnarbe [Abb. 17]. Kahler, grau-brauner Zweig mit Lenticellen [Abb. 14].
Abb. 15: Rosskastanie: Typische, große, braun-rote Knospe mit glänzend-klebrigem Sekret an der Spitze. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 15: Rosskastanie: Typische, große, braun-rote Knospe mit glänzend-klebrigem Sekret an der Spitze. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 16: Rosskastanie: Endknospe mit deutlich kleinerer Seitenknospe und glänzend-klebriger Haube. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 16: Rosskastanie: Endknospe mit deutlich kleinerer Seitenknospe und glänzend-klebriger Haube. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 17: Rosskastanie: Auffallend große Blattnarbe mit charakteristischer Leitbündelanordnung. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 17: Rosskastanie: Auffallend große Blattnarbe mit charakteristischer Leitbündelanordnung. (Foto: PIW-Kurs)
24 Aesculus hippocastanum 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 14: Gegenständige Knospenanordnung bei der Rosskastanie. (Foto: T. Ayoub)
9*
Knospen anders   ► 10
10
Knospen mehrschuppig, grün mit dunklem, bewimpertem Rand und zentraler, einzelner Blattspur; Zweijährige Zweige häufig vierkantig aufgrund von Korkleisten 
  Gewöhnliches Pfaffenhütchen – Euonymus europaeus L.
Bis 6 m hohes Gehölz mit längsrissiger grau-brauner Borke (junge Zweige grünlich). Zweige und Knospen lichtseits bräunlich, schattenseits grünlich. Knospen spitz-eiförmig, mehrschuppig. Knospenschuppen dunkel berandet und bewimpert [Abb. 18]. Seitenknospen häufig anliegend und kleiner als Endknospe. Blattnarben mit nur einer Blattspur.
Euonymus europaeus buds.jpg
Abb. 18: Gegenständig angeordnete grünlich-bräunliche Knospen des Pfaffenhütchens mit dunkel berandeten Knospenschuppen. (Foto: Muriel Bendel)
10*
Knospen anders   ► 11
11
Knospen hellbraun bis braun mit deutlichen weißen Härchen an den Knospenschuppenrändern; häufig Korkleisten an den Zweigen 
  Feld-Ahorn – Acer campestre L.
Sommergrünes Gehölz, das über 20 m hoch werden kann. Blatt-/Knospenstellung: gegenständig. Knospen: braun, behaart, Endknospe größer als Seitenknospen [Abb. 20]. Rinde: graubraun. Dominantes Merkmal: häufig auftretende, auffällige Korkleisten an den Zweigen [Abb. 19]. Frucht: geflügelte Nussfrucht (zweigeteilt).
Abb. 19: Braune Knospen mit behaarten Knospenschuppenrändern. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 19: Braune Knospen mit behaarten Knospenschuppenrändern. (Foto: PIW-Kurs)
28 Acer campestre 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 20: Ausgeprägte Korkleisten an den Feld-Ahorn-Zweigen. (Foto: T. Ayoub)
11*
Knospen anders   ► 12
12
Knospen hellgrün; Knospenschuppen am Rand braun-schwärzlich, oft mit kurzen weißen Härchen bewimperter Rand; Dreispurige Blattnarbe 
  Berg-Ahorn – Acer pseudoplatanus L.
Bis über 30 m hohes Gehölz mit gräulich-hellbrauner Rinde und gegenständiger Blatt-/Knospenstellung. Knospen: hellgrün-grün, mehrschuppig, wirken am Schuppenrand abgestorben (dunkle Umrandung), Knospenschuppenrand weiß behaart [Abb. 21]. Abstehende Seitenknospen.
30 Acer pseudoplatanus 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 21: Knospe mit hellgrünen, bewimperten Knospenschuppen und Blattnarbe. (Foto: PIW-Kurs)
12*
Knospen anders   ► 13
13
Knospen weinrot (dunkel); oft mit kleinen weißen Härchen an den Knospenschuppenrändern 
  Spitz-Ahorn – Acer platanoides L.
Sommergrüner Laubbaum, mit Wuchshöhen von 20-30 m. Knospen: gegenständig, weinrot gefärbt [Abb. 22]. Seitenknospen kleiner als Endknospe und eng am Zweig anliegend. Frucht: geflügelte Nussfrucht (zweigeteilt).
31 Acer platanoides 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 22: Weinrote Knospe mit kurz-behaartem Knospenschuppenrand und eng anliegenden Seitenknospen. (Foto: PIW-Kurs)
13*
Knospen anders   ► 14
14
Nur eine Knospenschuppe   ► 15
14*
Mehr als eine Knospenschuppe   ► 17
15
Nur eine längs gerillte Knospenschuppe, Zweig kahl 
  Platane – Platanus sp. L.
Bis 30 m hoher Laubbaum mit schuppenartig abblätternder Rinde (hinterlässt weiß-grün-braunes Mosaik) [Abb. 23]. Blatt-/Knospenstellung: wechselständig. Knospe mit nur einer Knospenschuppe (senkrecht gerillt), meist auf einer Seite grünlich, auf der anderen rötlich [Abb. 24]. Auffällige Fruchtstände: kugelig, aus vielen einsamigen Nüsschen.
Abb. 24: Platane: Eine einzelne, senkrecht-gerillte Knospenschuppe umgibt die Knospe. (Foto: PIW Kurs)
Abb. 24: Platane: Eine einzelne, senkrecht-gerillte Knospenschuppe umgibt die Knospe. (Foto: PIW Kurs)
32 Platanus acerifolia 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 23: Charakteristisch gefleckte Rinde der Platane. (Foto: PIW-Kurs)
15*
Nur eine ungerillte Knospenschuppe, Zweig deutlich behaart   ► 16
16
Knospe filzig behaart, Seitenknospen meist anliegend 
  Silber-Weide – Salix alba L.
Bis etwa 30 m hoher Baum (selten strauchig wachsend) mit grauer tiefgefurchter Borke. Knospen wie Zweige behaart, Knospenschuppe rötlich bis rotbraun [Abb. 25]. Knospe länglich eiförmig, oftmals mit „Zipfel“ an der Spitze [Abb. 25]. Keine echte Endknospe; Blattnarben halbmondförmig mit drei Blattspuren.
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Abb. 25: Silber-Weide: Zweig mit rötlichen, eiförmigen Knospen, welche nur eine einzelne Knospenschuppe tragen. (Foto: AnRo0002)
16*
Knospe unbehaart, Seitenknospen meist abstehend 
  Sal-Weide – Salix caprea L.
Etwa 3-9 m erreichendes Gehölz mit graubrauner bis schwarzbrauner, längsrissiger Borke. Junge Zweige olivgrün, lichtseits oft rötlich. Blattnarben sichelförmig bis V-förmig und dreispurig. Knospe: einschuppig („Kapuzenschuppe“, abziehbar wie eine Kapuze), ei-kegelförmig [Abb. 26]. Knospenschuppe gelbbraun bis rötlich-braun; keine echte Endknospe.
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Abb. 26: Sal-Weide: Zweig mit wechselständigen Knospen. Die einzelne Knospenschuppe, welche die Knospe umgibt ist wie eine Kapuze abziehbar. (Foto: AnRo0002)
17
Knospe mit zwei Knospenschuppen 
  Linde – Tilia sp. L.
Sommergrüner Laubbaum mit Wuchshöhen von bis zu 40 m. Die spitz-eiförmigen, kahlen Knospen stehen wechselständig am Zweig. Sie sind grünlich-rot bis rötlich-braun und besitzen seitlich zusätzlich eine einzelne Knospenschuppe [Abb. 27]. Endknospe nicht größer als Seitenknospe. Junge Zweige mit auffälligen Lenticellen.
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Abb. 27: Linde: Knospe mit typischer seitlich anliegender Knospenschuppe und Zweig mit Lenticellen. (Foto: PIW-Kurs)
17*
Knospe mit mehr als zwei Knospenschuppen   ► 18
18
Zweige mit gekammertem Mark (dazu die Triebe vorsichtig schräg anschneiden) 
  Walnuss – Juglans regia L.
Bis 30 m hoher Baum mit wechselständiger Blatt-/Knospenstellung. Knospen: kugelig, grau-braun; Seitenknospen kleiner als Endknospen [Abb. 28]. Auffallend: Triebe mit gekammertem Mark [Abb. 29], relativ große, herzförmige Blattnarben [Abb. 30].
Abb. 29: Walnusszweig mit Kammerung. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 30: Walnusszweig: Typisch herzförmige Blattnarbe mit charakteristischer Leitbündelanordnung. (Foto: PIW-Kurs)
35 Juglans regia 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 28: Walnussbaum: Endknospe mit kleineren seitlich stehenden Nebenknospen. (Foto: PIW-Kurs)
18*
Zweige ohne gekammertes Mark   ► 19
19
Zweige mit Zapfen 
  Schwarz-Erle – Alnus glutinosa (L.) GAERTN.
Bis 25 m hoher Baum mit wechselständiger Blattanordnung. Auch Roterle genannt (NICHT: Alnus rubra!) da sich frisch geschnittenes Holz durch Oxidation rot färbt. Auffälliges Merkmal: Zweige mit Kätzchen (männlich: walzenförmig, länglich) und Zapfen (verholzte weibliche Kätzchen) [Abb. 31]. Knospen: gestielt, dunkelviolett, grau punktiert [Abb. 32]. Zwei Knospenschuppen: oval, oben abgerundet, klebrig. Zweige: grünlich bis braun, Lenticellen [Abb. 33]. Junge Zweige dreikantig.
Abb. 32: Typisch dunkelviolette Knospe der Schwarz-Erle. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 33: Schwarz-Erle: Zweig mit gestielten Knospen und Lenticellen. (Foto: PIW-Kurs)
37.1 Alnus glutinosa 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 31: Schwarz-Erle: Zweig mit männlichen Kätzchen und weiblichen Zapfen. (Foto: PIW-Kurs)
19*
Zweige ohne Zapfen   ► 20
20
Knospen behaart (Lupe!)   ► 21
20*
Knospen nicht behaart   ► 22
21
Knospenschuppen weiß filzig behaart, Knospen kegelförmig, dunkelrot bis braunrot 
  Kulturapfel – Malus domestica BORKH.
Bis 15 m hoher sommergrüner Laubbaum Baum mit graubrauner Schuppenborke. Zweig: oft rotbraun bis dunkelbraun berindet; Kurztriebe. Knospen: rötlich-braun, weiß-filzig behaart mit wechselständiger Anordnung; echte Endknospe, Seitenknospen dem Zweig anliegend, Blattnarben dreispurig.
21*
Knospenschuppenränder weiß bewimpert, Knospen eher abgerundet, grünlich; häufig männliche Kätzchen 
  Gemeine Hasel – Corylus avellana L.
Bis 5 m hoher, sommergrüner Strauch mit wechselständiger Blatt-/Knospenstellung. Knospen: hellgrün, eiförmig-abgerundet, mehrschuppig [Abb. 34]. Knospenschuppenränder und Zweig behaart. Häufig männliche, gelb-grünliche Kätzchen am winterlichen Zweig vorhanden [Abb. 35, 36, 37]. Rinde: braun.
Abb. 35: Männliche Blütenstände der Hasel im Frühjahr (bereits geöffnet). (Foto: T. Ayoub)
Abb. 36: Grünliche, länglich-dicke, männliche Blütenstände (noch nicht geöffnet). (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 37: Weibliche und männliche Blütenstände im Frühjahr. (Foto & Bearbeitung: T. Ayoub)
Abb. 37: Weibliche und männliche Blütenstände im Frühjahr. (Foto & Bearbeitung: T. Ayoub)
38 Corylus avellana 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 34: Gemeine Hasel: Behaarter Zweig mit grünlicher, abgerundeter Knospe und leicht behaarten Knospenschuppenrändern. (Foto: PIW-Kurs)
22
Knospe schmal-eiförmig; Knospenschuppen braun (evtl. im Ansatz mit gelber oder grüner Färbung) [pp]; häufig mit männlichen Kätzchen 
  Hängebirke – Betula pendula ROTH
Etwa 20 m hoher sommergrüner Baum mit charakteristisch weißer Borke [Abb. 38]. Knospen: wechselständig, leicht behaart, länglich spitz-eiförmig, mit bräunlichen Knospenschuppen und dreispurigen Blattnarben [Abb. 39]. Zweig: braunrot glänzend [Abb. 39]. Häufig am winterlichen Zweig zu finden: längliche, dünne, braune, männliche Kätzchen [Abb. 40].
Abb. 38: Charakteristisch weiße Borke der Birke. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 38: Charakteristisch weiße Borke der Birke. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 39: Hängebirke: Länglich spitz-eiförmig zulaufende, rötliche Knospe an braunrot glänzendem Zweig. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 39: Hängebirke: Länglich spitz-eiförmig zulaufende, rötliche Knospe an braunrot glänzendem Zweig. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 40: Hängebirke: Längliche, dunkle, männliche Kätzchen mit Zweig und Knospe. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 40: Hängebirke: Längliche, dunkle, männliche Kätzchen mit Zweig und Knospe. (Foto: T. Ayoub)
42 Betula pendula 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 41: Hängebirke: Sehr junge, grünliche Knospe mit Kätzchen. (Foto: PIW-Kurs)
22*
Merkmale anders   ► 23
23
Knospen braunrot, zugespitzt, glänzend(-klebrig); Endknospe > Seitenknospe; Laubknospe schmaler als gedrungene Blütenknospe 
  Zitter-Pappel – Populus tremula L.
Bis 30 m (selten) hoher Baum mit brauner bis grauer Rinde. Knospe mit ungleichgroßen, braunroten Knospenschuppen, die häufig hart und glänzend erscheinen, da sie über ein Sekret miteinander verklebt sind [Abb. 42]. Blütenknospen rundlicher, gedrungener als eher schmale, spitze Laubknospen. Zweig: kahl (jung), viele Kurztriebe, Blattnarbe dreispurig.
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Abb. 42: Braunrote, zugespitzte Knospen am Zitter-Pappel Zweig mit offenem Kätzchen. (Foto: PIW-Kurs)
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Merkmale nicht so   ► 24
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Seitenknospen eines Langtriebs anliegend 
  Hainbuche – Carpinus betulus L.
Bis etwa 20 m hoch wachsendes Gehölz mit wechselständiger Blatt-/Knospenstellung und (rötlich-)brauner Rinde. Knospen: länglich, spitz, braun(-rötlich), bei jüngeren Trieben teilweise grünlich. Knospen eng am Trieb anliegend [Abb. 43]. Knospenschuppenrand behaart. Zweig mit relativ auffallenden Lenticellen.
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Abb. 43: Hainbuche: Rötlich-braune, länglich-spitze Knospen, welche eng am Zweig anliegen. (Foto: PIW-Kurs)
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Seitenknospen eines Langtriebs abstehend 
  Rotbuche – Fagus sylvatica L.
Bis 40 m hoher Baum mit wechselständiger Blatt-/Knospenstellung [Abb. 44]. Braun-rötliche, mehrschuppige Knospen von länglicher, spitz-zulaufender (lanzettartiger) Form [Abb. 45]. Knospenschuppen können an der Spitze weißlich gefärbt sein [Abb. 46]. Knospen gestielt, weit vom Zeig abstehend [Abb. 44].
Abb. 45: Lanzettenartig spitz-zulaufende Knospen der Rotbuche. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 45: Lanzettenartig spitz-zulaufende Knospen der Rotbuche. (Foto: PIW-Kurs)
Abb. 46: Rotbuche: Knospenschuppen mit weißlich gefärbten, spitz-zulaufenden Enden und leichter Behaarung. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 47: Rotbuche: Häufig finden sich noch Zweige mit altem Laub vom Vorjahr. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 47: Rotbuche: Häufig finden sich noch Zweige mit altem Laub vom Vorjahr. (Foto: T. Ayoub)
47 Fagus sylvatica 01 (Gehölze im Winter).JPG
Abb. 44: Die Knospen der Rotbuche stehen wechselständig und weit abgespreizt vom Zweig. (Foto: PIW-Kurs)
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Schwach-kantige, braune, eikegelförmige Knospen; Endknospen nicht größer als Seitenknospen; Knospenschuppenrand schwach bewimpert (Lupe!); Knospen am Zweigende gehäuft 
  Stieleiche – Quercus robur L.
Sommergrünes Laubgehölz, bis zu 50 m hoch. Knospen: wechselständig, braun, mehrschuppig, spitz-eiförmig. Knospenschuppenränder oft mit kurzer weißer Behaarung [Abb. 48]. Endknospen am Zweigende gehäuft [Abb. 49]. Seitenknospen nicht kleiner als Endknospen.
Abb. 49: Gehäufte Endknospen der Stieleiche. (Foto: T. Ayoub)
Abb. 49: Gehäufte Endknospen der Stieleiche. (Foto: T. Ayoub)
51 Quercus robur 01 (Gehölze im Winter).jpg
Abb. 48: Stieleiche: Spitz-eiförmige, braune Knospen mit an den Knospenschuppen häufig vorkommender kurzer, weißer Behaarung. (Foto: T. Ayoub)
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eikegelförmige Knospen, NICHT gekantet; Endknospen > Seitenknospen, Knospenschuppenrand leicht bewimpert (Lupe!); Knospen am Zweigende gehäuft 
  Traubeneiche – Quercus petraea (MATTUSCHKA) LIEBL.
Bis zu 40 m hoher Baum mit wechselständiger Blatt-/Knospenstellung. Knospen: braun, spitz-eiförmig, mehrschuppig, mit kurzer weißer Behaarung an den Knospenschuppenrändern. Seitenknospen schlank und kleiner als Endknospen!
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Häufige Gehölze im Winter bestimmen (Kurs „Pflanzen im Winter“, Universität Tübingen) (Zuletzt geändert:
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29 Februar 2016 12:43:58). Abgerufen am 21. November 2017, 20:55 von http://offene-naturfuehrer.de/web/Häufige_Gehölze_im_Winter_bestimmen_(Kurs_„Pflanzen_im_Winter“,_Universität_Tübingen)