Hornklee (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)

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Pflanzentafel von Natura Miriquidica e.V. (kammbegegnungen.de) aus Offene Naturführer (offene-naturfuehrer.de) erarbeitet von Plank, A. u.a. (8/2019)
Pflanzenfamilie: Schmetterlingsblütengewächse
Teil einer Pflanze des Hornklees; Blütenkelch (1): eine röhrige Blütenhülle (Perianthum), unter der Mitte umgeben von einem hervorstehenden Ring aus 5 Zähnen, die borstenartig und ein kleinwenig haarig sind, die zwei obersten aufstrebend, die drei untersten zurückgebeugt. Blütenkrone (2): schmetterlingshaft und gelb: das Fähnchen zurückgebogen; auf seinem oberen Teil von oranger Farbe, darunter, an seiner Basis, mit etwa 8 Linien markiert: Flügel zwei, gelb und abgestumpft an den Spitzen: Schiffchen/Kiel buckelig darunter, aufstrebend und zugespitzt. Samen (11, 12): zahlreich, mehr als zwanzig, klein, etwas nierenförmig, und gepunktet.—Abbildung aus Curtis u.a. (1777, Bd.2, Tafel 56, Nr. 107)
Blüte JFMAMJJASOND

Gemeiner Hornklee, Gemeiner Schotenklee and Frauenschühlein (Lotus corniculatus L., Familie Schmetterlingsblütengewächse = Fabaceae) Wortherkunft: Lotus von griech. λω­τός [sprich lotós] oder arabischen Ursprungs: Name für mehrere sehr geschätzte Pflanzen (z.B. Homer rühmt einen λωτός der griechischen Wiesen als Pferdefutter (Hegi u.a. 1924); oder: in den griech. Mythen war Lotis eine Nymphe, die sich in einen Baum verwandelte, um der Verfolgung Priapus’ zu entgehen (Baxter 1839; Ovid: Metamorphosen, 1990: Kap. 43)); corniculatus lat. cornu = Horn nimmt Bezug auf der Früchte Form, daher umgangssprachliche Namen wie Frauenschühlein usw. (Kanngiesser 1908)

Merkmale

Größe: (5) 10–40 (60) cm Blume (Blütenstand): die Köpfchen meist fünfblütig; der Blütenstiel 4–5mal länger als das stützende Blatt; Kronblätter lebhaft gelb, außen oft mehr oder weniger rot gezeichnet, nach dem Trocknen allmählich grün werdend (Kronblätter aus: „Fahne“ oben mittig, „Flügel“ links/rechts, diese umschließen: „Schiffchen“ innen), das Schiffchen beinahe rautenförmig, vorne in einem rechten Winkel in den Schnabel aufsteigend; die Kelchzähne aus einer dreieckigen Basis pfriemlich, fast gleichlang, vor dem Aufblühen zusammenneigend; Früchte: die Hülsen linealisch, stielrund, gerade; Selbstverbreitung als Austrocknungsstreuer, bis 2 m Streuweite; Reife: Juli – Sept. Blätter: 5–zählig gefiedert, das unterste Paar nebenblattartig dicht am Stengel als Knospenschutz, Nebenblätter borstlich Stengel: aufsteigend bis aufrecht, oder niederliegend, kahl, oder rauhhaarig mit abstehenden Haaren Wurzel: lange, spindelförmig, senkrechte Pfahlwurzel ohne Bodenausläufer (Düll & Kutzelnigg 1994; Röhling u.a. 1839; Hegi)

Vorkommen, Verbreitung

Trocken- und Halbtrockenrasen, Wiesen und Weiden, Hochgebirge (auch in der Ebene) — Kommt auf allen möglichen Wiesentypen vor (=Rasenubiquist), er meidet nur stärker beschattete, stärker saure und dauernd überschwemmte Wiesentypen und wächst bis ins Hochgebirge (Iberische Halbinsel: 3500 m; Hegi). — Verbreitung: ganz Europa — Zum Schutz: keiner nach Bundesartenschutzverordnung (Floraweb 2019)

Wissenswertes
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Die Blüten haben, wie zuerst Delpino (1868) und H. Müller beschrieben haben, bei der Bestäubung eine typische Nudelpumpeneinrichtung (Hegi), bei der das mittlere Schiffchen die Nudelpumpe darstellt – voll mit Pollenmasse – durch ein herunterdrückendes Gewicht, z.B. eine Hummel oder Biene, drückt sich an der Spitze die teigige Pollenmasse heraus oder auch die Blütennarbe; ist die Biene, die der Blüte einen Besuch abgestattet hat, an der Bauchseite mit dem klebrigen Staub beladen, so kehren die Blütenteile wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück (Schmeil & Heubach 1911). Als Bestäuber erscheinen v.a. die Bienenverwandten, als „nutzlose“ Besucher wurden aber auch Käfer, Fliegen und zahlreiche Schmetterlinge festgestellt (Hegi). Zu den vielen umgangssprachlichen Namen schreiben Hegi u.a., der Name Hornklee, der sich auf die Gestalt der Hülsen bezieht, ist kaum volkstümlich. Viel näher liegt dem Volk ein Vergleich mit Schuhen oder den Füßen (Krallen) gewisser Tiere: Bandöffelchen (Gotha), Frauenschuacherl (bayerisch–österreichisch), Frauaschüali (Schweiz), Jungfernschüherl (bayerisch–österreichisch), Unserer lieben Frau Schouala (Böhmerwald), Herreschüeli (Schweiz), Himmelmutter–Pantoffeln (Niederbayern) usw., Engelsfüssle (Gotha), Taubenfüssl (Böhmerwald), Krahnfüsserl (Oberösterreich), Himmelszehe (Niederbayern), Hasenpfoten (Ober–Wallis). Auch Kropf und Schnabel der Taube muss zum Vergleich herhalten: Taubenkröpferl (Oberösterreich), Taubenschnäbel (Böhmerwald). Seltener ist der Vergleich der Blüten mit Schlüsseln: Schlüsselblume, Himmelsschlüsserl (z.B. Ober–Österreich, bayer. Schwaben) usw.. Die gelbe Blütenfarbe allein veranlasst die Benennungen Osterflämmken (Westfalen), Eierblum (fränkisch, lothringisch), Eierkuchen, Eierplatzla (früher Nordböhmen). Etwas prosaischer wird (besonders im Niederdeutschen) die Pflanze einfach als eine „Klee“–Art angesprochen: Goldklewer (Braunschweig), Steenklewer, grote Rëenklewer (Untere Weser), Steinklawer (Westfalen), Steinklee, Zeder(le)klee (Baden). … weiterlesen von Details & Anmerkungen

Verwendung
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Stichworte: Futterpflanze für Weidetiere; Bienenweide; Wildpflanzengärten; Bodenverbesserung und Nährstoffanreicherung; Anreicherung von Bodenstickstoff; Schützt die Haut (Kosmetik); Duftstoff (Kosmetik); krampflösend antispastisch, beruhigend (Volksheilkunde); Schlaflosigkeit, nervöse Störungen (Volksheilkunde); Giftigkeit durch zyanogene Glykoside — Der Hornklee ist leicht giftig, da er blausäurehaltige Zuckerstoffe (zyanogenes Glykosid: Lotaustralin) enthält, weswegen man ihn naiv nicht roh essen sollte (Osman u.a. 2013). In der Volksmedizin (Ti­ţă u.a. 2009: SW-Rumänien) werden die Blüten in verarbeiteter Form als Aufguss angewendet (krampflösend antispastisch, beruhigend; bei Schlaflosigkeit, nervösen Störungen). Einige geben an, dass die Blüten für Süßspeisen und die Blätter mitgekocht sparsam als Gewürz verwendbar seien (gartenjournal.net; Sommer, 2019), doch fachliche Quellen dazu sind kaum auszumachen. Für die Kosmetik – zum Schutz der Haut und als Duftstoff – wird aus den Blüten „Lotus Corniculatus Extract“ gewonnen (Bährle-Rapp 2012). Die Blüten geben ein vorzügliches Bienenfutter, was schon Gleditsch (1769) in seiner „Betrachtungen des Bienenstandes“ beschreibt – Braune ergänzt 1797 »Die Blumen ſind wohlriechend- und enthalten eine Menge ſüſſen Safts […]« – die gelbe Blütenfarbe übrigens teilt sich bei Verfütterung an Kühe auch der Milch mit, sodass die Butter hellgelb wird (Hegi). Von Fraßexperimenten im Freiland (Jones 1998) weiß man, dass er von Schnecken und Insekten gemieden und meistens erst angefressen wird, wenn keine blausäurefreien Pflanzen zur Verfügung stehen; bei Hasen allerdings fand man, dass sie blausäurehaltigen Weißklee mieden aber blausäurehaltige Hornklee aßen; allgemein zeigt sich die Anreicherung blausäurehaltiger Zuckerstoffe als sehr wirksam bei Tieren, die ihn gelegentlich fressen würden. Schon im 17. Jh. wurde der Anbau von Hornklee für Weidewiesen empfohlen (Curtis u.a. 1777) und Sinclair gibt 1826 eine Samenmischung an, zusammen mit Rotklee und anderen Gräsern, um Wiesen für Weidetiere in geeigneter Weise aufzubereiten, denn durch eine Pilz-Wurzel-Symbiose und stickstofffixierende Bakterien (Rhizobium sp., Lambert u.a. 1980; Schmeil & Heubach) kann er, wenn es über 12 °C warm bleibt, sich zusätzlich Luftstickstoff verschaffen (Kunelius & Clark 1970) aber auch der Boden wird im Laufe der Jahre in natürlicher Weise stickstoffreicher. So kann er sich in Sanddünen ringförmig ausbreiten und im Ringinneren können nach wenigen Jahren andere Pflanzen mit höherem Stickstoffbedarf nachwachsen, z.B. das Gras der Rotschwingel (Festuca rubra; Jones & Turkington 1986). … weiterlesen von Details & Anmerkungen

Umseitige Bildtafel: 1 Blühende Pflanze. 2 Blüte im Längsschnitt (3/1). 3 2 Staubblätter als freie Teile (10/1). 4 Reife Hülsen. 5 Samen (1/1 und 8/1).—Abbildung aus Mentz & Ostenfeld (Bd. 2, 1917ff., Tafel 324)

 

1 Blühende Pflanze. 2 Blüte im Längsschnitt (3/1). 3 2 Staubblätter als freie Teile (10/1). 4 Reife Hülsen. 5 Samen (1/1 und 8/1).—Abbildung aus Mentz & Ostenfeld (Bd. 2, 1917ff., Tafel 324); Gemeiner Hornklee, Gemeiner Schotenklee and Frauenschühlein
1 Blühende Pflanze. 2 Blüte im Längsschnitt (3/1). 3 2 Staubblätter als freie Teile (10/1). 4 Reife Hülsen. 5 Samen (1/1 und 8/1).—Abbildung aus Mentz & Ostenfeld (Bd. 2, 1917ff., Tafel 324)
Pflanze giftig bei übermäßigem Verzehr
Pflanze in Teilen genießbar
Standort: Fettwiesen, Weiden
Standort: Magerrasen
Zeigerwert Lichtzahl
Lichtzahl (7 bis 9)Lichtzahl (7 bis 9)Lichtzahl (7 bis 9)
Zeigerwert Feuchtezahl
Feuchtezahl (4-6)Feuchtezahl (4-6)
Zeigerwert Nährstoffzahl
Nährstoffzahl (1 bis 3)

Zeichnung zum Ausmalen

28cm Lineal
Hallo und einen Guten Tag! Darf ich mich vorstellen: Gemeiner Hornklee

Die Menschen nennen mich auch Gemeiner Schotenklee and Frauenschühlein oder Lotus corniculatus L., wie sie es auch hoch wissenschaftlich auszudrücken pflegen. Vielleicht findest Du mich in Deiner Welt und möchtest mich einmal genauer kennenlernen?

Suche mich und wenn Du mich gefunden hast, zeichne mich und male mich in Farbe ODER falls Du umseitig eine schwarz/weiß Zeichnung vor Dir hast, gib ihr einmal die Farbenpracht, die sie auch verdient. Hier möchte Ich Dir noch ein paar Hinweise mit auf den Weg geben:

  • meine Blütenfarbe beschreiben die Menschen mit: lebhaft gelb, außen oft mehr oder weniger rot gezeichnet, nach dem Trocknen allmählich grün werdend und meine Blütezeit ist (April…) Mai bis September
  • nach menschlichen Maßstäben bin ich (5) 10–40 (60) cm groß
  • mein Vorkommen – wo ich am liebsten wohne – beschreiben die Menschen so: Trocken- und Halbtrockenrasen, Wiesen und Weiden, Hochgebirge (auch in der Ebene)
28cm Lineal
Hallo und einen Guten Tag! Darf ich mich vorstellen: Gemeiner Hornklee

Die Menschen nennen mich auch Gemeiner Schotenklee and Frauenschühlein oder Lotus corniculatus L., wie sie es auch hoch wissenschaftlich auszudrücken pflegen. Vielleicht findest Du mich in Deiner Welt und möchtest mich einmal genauer kennenlernen?

Suche mich und wenn Du mich gefunden hast, zeichne mich und male mich in Farbe ODER falls Du umseitig eine schwarz/weiß Zeichnung vor Dir hast, gib ihr einmal die Farbenpracht, die sie auch verdient. Hier möchte Ich Dir noch ein paar Hinweise mit auf den Weg geben:

  • meine Blütenfarbe beschreiben die Menschen mit: lebhaft gelb, außen oft mehr oder weniger rot gezeichnet, nach dem Trocknen allmählich grün werdend und meine Blütezeit ist (April…) Mai bis September
  • nach menschlichen Maßstäben bin ich (5) 10–40 (60) cm groß
  • mein Vorkommen – wo ich am liebsten wohne – beschreiben die Menschen so: Trocken- und Halbtrockenrasen, Wiesen und Weiden, Hochgebirge (auch in der Ebene)

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Wenn Du mich gefunden hast, helfen Dir vielleicht die Fragen, um mich näher kennenzulernen:
Piktogramm/Logo
  • Wo hast Du mich gefunden? Bin ich alleine? Bin ich größer oder kleiner als die anderen Pflanzen?
  • Vorsicht mit Kosten, ich bin Dir nicht so schmackhaft und werde als schwach giftig beschrieben!
  • Was fällt Dir an mir auf? Habe ich auffallende Haare?
  • Kannst Du an mir riechen, ohne mich rauszureißen? Komm gerne auf meine Augenhöhe und rieche an meinen Blüten und Blättern. Vielleicht dufte ich sogar – wonach denn?
  • Wie fühlt sich Dir mein Körper an?
Piktogramm/Logo Piktogramm/Logo Piktogramm/Logo
  • Welche Tiere entdeckst Du an meinen Blüten oder Früchten? Was machen sie?
  • Habe ich schon Früchte? Wie sehen sie aus? Wie können sie sich verbreiten?
Piktogramm/Logo
  • Welche Tiere entdeckst Du an meinen Blättern? Was machen sie?
  • Wie fühlen sich Dir meine Blätter an?
  • Stehen sich meine Blätter genau gegenüber oder abwechselnd gegenüber?
  • Sehen sie alle gleich aus oder verschieden? Wie sieht der Rand meiner Blätter aus?
  • Welche Form haben meine Blätter?

    • Was ist Deine Lieblingspflanze?
    • Wie würdest Du meine Lebensgeschichte erzählen?
      Wer weiß: es kommt ein Gedicht
      daher und Dir in den Sinn …
      Hm, sooo schwer ist’s eigentlich nicht
      und schon fließen die Worte dahin …
Anregungen zur Weiterbeschäftigung, Mitempfindung (Synästhesie), zum kreativen Umgang usw.
Da Du ein Mensch bist und die Natur
Dir einen kreativen Geist geschenkt hat,
vermagst Du ja sogar noch mehr …
  • Fällt Dir an mir sonst noch etwas auf? Oder kann ich Dir vielleicht gar von Nutzen sein? Kommen Dir Ideen?
Abbildung modifiziert nach Thomé & Müller (Bd.3, Tafel 364, 1905): A Blütenzweig. 1 Blüte; 2 desgl. geöffnet; 3 Stempel; 4 Früchte, geschlossen und aufgerollt. 1 bis 3 vergrößert.; Gemeiner Hornklee, Gemeiner Schotenklee and Frauenschühlein
Abbildung modifiziert nach Thomé & Müller (Bd.3, Tafel 364, 1905): A Blütenzweig. 1 Blüte; 2 desgl. geöffnet; 3 Stempel; 4 Früchte, geschlossen und aufgerollt. 1 bis 3 vergrößert.