Lamium purpureum – Purpurrote Taubnessel (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers)

Lamium purpureum, die Purpurrote Taubnessel gehört zur Familie der Lamiaceae (Lippenblütler). Die englischen Namen sind Purple Archangel und Red Dead-nettle. EPPO-Code LAMPU.

Die Purpurrote Taubnessel ist in ganz Europa verbreitet, so auch in Deutschland. Nach Nordamerika wurde sie verschleppt und ist dort auch häufig. Im Süden kommt sie zwar in Neuseeland und Australien vor, aber nur wenig. In Skandinavien wächst sie auch noch am 66sten Breitengrad, kaum darüber hinaus. Sie gedeiht gut auf Äckern und lückigen Wiesen, unter Sträuchern und an Wegrändern. Sie bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige bis schwach saure Böden. Sie gehört zu den wenigen Pflanzen, die mit der Intensivierung der Landwirtschaft seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zugenommen haben.

Die einjährige Pflanze wird bis zu 30 cm hoch und ist behaart. Die jungen Blätter sind häufig rötlich. Daher auch der Name. Sie sind nur gekerbt und nicht eingeschnitten und unterscheiden sich dadurch von der Eingeschnittenen Taubnessel Lamium hybridum. Die Blätter erinnern in ihrer Form an die der Brennnesseln, sind aber taub ohne Brennhaare und wesentlich kleiner mit nur 1,5 cm Länge. Sie sind dreieckig oder herzförmig, runzlig, gesägt und haben Stiele. Die Blüten sind rosa bis violett, wobei die Oberlippe in der Regel dunkler ist. Sie können über 1 cm lang werden und stehen in Scheinqirlen. Sie blühen das ganze Jahr über in der frostfreien Zeit.

Hauptkeimperiode ist bei der Purpurroten Taubnessel April. Sie keimt aber häufig gleichzeitig mit Raps im Herbst. Ertragverluste wird sie kaum verursachen, da sie so klein ist. Aber sie blüht im nächsten Frühjahr zur der Zeit, in der gegen den viel auftretenden Rapsglanzkäfer (Meligaethus aeneus) mit Insektiziden gespritzt wird. Leben Bienenvölker in der Nähe, so besteht die Gefahr einer Schädigung, da die Bienen die blühenden Taubnesseln aufsuchen. Es muss dann mit bienenungefährlichen Insektiziden behandelt werden.

Zu Lamium pupureum wurden lange viele Unterarten gezählt, die aber heute als eigenständig gesehen werden: Lamium hybridum, siehe dazu den offenen Naturführer.

Die Purpurrote Taubnessel wird in der Naturheilkunde gegen verschiedene Leiden eingesetzt, da sie viele Gerbstoffe und ätherische Öle enthält. Sie wird getrocknet und als Tee eingenommen.

Verfasser: Wohlert Wohlers. Mai 2019.

Fotos von Pollen der Purpurroten Taubnessel siehe bei PalDat, einer palynologischen Datenbank.

Eine detaillierte Beschreibung mit schönen Fotos gibt es beim finnischen NatureGate.