Nicandra physaloides – Giftbeere (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers, JKI)

Nicandra physaloides (= N. physalodes), die Giftbeere, gehört zur Familie der Solanaceae (Nachtschattengewächse). Die englischen Namen sind Apple of Peru, Shoo-fly Plant. EPPO-Code NICPH.

Die Giftbeere ist seit dem 18ten Jahrhundert in unseren Gärten zu finden, allerdings trotz ihrer schönen Blüten selten, da sie giftig ist und auch unangenehm riecht. Ihr Herkunftsland ist Peru. Weltweit, so auch in Nordamerika und Europa, ist sie aber verwildert, weniger in Deutschland als in Groß-Britannien, Belgien und den Niederlanden. In Australien wächst sie vor allem an der Ostküste, in Neuseeland auf der nördlichen Insel. In den letzten vierzig Jahren hat sie sich in wärmeren Klimaten, auch in den Tropen, stärker ausgebreitet und kann vor allem in Mais den Kulturpflanzen ein starker Konkurrent sein. Sie wächst viel am Weg und auf gestörten Flächen, auch an Gewässer- und Waldrändern.

Die einjährige Pflanze kann 2 m hoch werden, in den Tropen sogar 3 m. Die Blätter können 10 cm breit und mit Stiel 35 cm lang sein. Sie sind spitz auslaufend und grob gezähnt. Die 2 bis 4 cm großen Blüten sind glockenartig, hängen aber nicht. Sie sind hellblau mit einem weißen Grund, selten auch ganz weiß. Blütezeit ist Juni bis September. Die Samen sind von einem ballonartigen Fruchtkelch umgeben, ähnlich den Blasenkirschen der Gattung Physalis, daher der Artname physaloides (und nicht grammatisch verkehrt physalodes ohne i!).

Nicandra physaloides verursacht klinische Störungen nach Aufnahme großer Pflanzenmengen. Die Gattung ist benannt nach Nicander von Colophon, einem Griechen des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts. Die Giftbeere kannte er allerdings nicht. In seinem Werk „Alexipharmaca“ geht es um Gifte, deren Wirkung und um Gegenmittel. Der englische Name Shoo-fly weist darauf hin, dass die Pflanze Insekten verscheuchen soll.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. Mai 2018.

Fotos von Pollen der Giftbeere siehe bei PalDat - einer palynologischen Datenbank.