Rhinanthus minor – Kleiner Klappertopf (JKI-Pflanzenportraits)

From Offene Naturführer
Jump to: navigation, search
Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers, JKI)

Rhinanthus minor L. (= Alectorolophus minor, Fistularia crista-galli, Rhinanthus crista-galli), der Kleine Klappertopf oder nur die Kleine Klapper, gehört zur Familie der Orobanchaceae (Sommerwurzgewächse), die alle Halb- oder Vollparasiten an Wurzeln sind. Die englischen Namen sind Cockscomb Rattleweed, Lesser Yellow Rattle. EPPO-Code RHIMI.

Der Kleine Klappertopf ist in Europa weit verbreitet, ebenso in Deutschland, obwohl es Gebiete gibt, wo er nicht auftritt. In Nordamerika gilt er als einheimisch (Unterart groenlandicus – Arctic Rattlebox) aber andere Unterarten auch als eingeführt. Es werden ein Dutzend Unterarten unterschieden. Im Norden ist er noch viel nördlich des Polarkreises zu finden, hier eine Karte von Finnland. Er wächst bevorzugt auf mageren Böden und verträgt auch Nässe. Im Grünland ist er nicht gern gesehen, weil er giftig ist - allerdings nur schwach giftig - und den Ertrag mindert.

Die einjährige Pflanze ist ein Halbschmarotzer, der sich die Nahrung aus den Wurzeln der Nachbarpflanzen holt, vielfach Gräser, die deshalb keinen vollen Ertrag liefern. Aber auch Leguminosen, deren Wurzeln wenig durch die Haustorien verholzen. Der Klappertopf ist zu Photosynthese fähig und kann auch alleine überleben, bleibt dann allerdings wesentlich kleiner. Die ca 15 cm lange Blütentraube fällt durch die grün-gelblichen Kelchblätter in einer Wiese auf. Die Ober- und Unterlippe der Blüte sind goldgelb mit dunklen Stellen am Rand und an den Zähnen der Oberlippe. Hauptblütezeit ist Mai bis Juli. In den beiden Kelchblättern bleiben die Samen und klappern, wenn sie trocken sind und geschüttelt werden. Daher der Name.

Eine Wiese mit dichtem Bestand riecht angenehm würzig-süßlich. Der Kleine enthält ebenso wie der Zottige Klappertopf das Iridoid-Glycosid Aucubin (Rinanthin), das die Schleimhäute reizt, Koliken hervorruft und die Nieren schädigt. Im Heu ist Klappertopf unschädlich. Da er leicht zerbricht, geht er bei der Ernte verloren und der Ertrag ist stark reduziert. Eine rechtzeitige Mahd vor der Samenreife verhindert seine Ausbreitung. In der Naturmedizin wird der Kleine Klappertopf gegen Erkrankungen der Atemwege eingesetzt.

Verfasser: Wohlert Wohlers. März 2020.

Fotos vom Pollen des Kleinen Klappertopfs siehe bei PalDat, einer palynologischen Datenbank.

Eine detaillierte Beschreibung mit schönen Fotos gibt es beim finnischen NatureGate.

Literatur zu Rh. serotinus und Rh. minor und deren Hybridisierung Vielleicht ist es doch nur eine Art.