Schlüssel für Getreide und getreideartige Feldfrüchte (Karl Hammer)

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Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Karl Hammer beschränkt. Auf der Diskussionseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge jedoch sehr willkommen!
Zitiervorschlag: Hammer, Karl 2012. Schlüssel für Getreide und getreideartige Feldfrüchte. http:/​/​offene-naturfuehrer.​de/​web/​Schlüssel_​für_​Getreide_​und_​getreideartige_​Feldfrüchte_​(Karl_​Hammer)
Schlüssel für Getreide und Getreideartige Feldfrüchte (Poaceae)
Von: Karl Hammer
Dieser Schlüssel umfasst auch selten angebaute Arten und Sorten in Mitteleuropa und ist daher insbesondere für die Nutzung auf Museumsäckern oder in Sammlungen geeignet. Für eine Bestimmung der häufig angebauten Getreide könnte er vereinfacht werden.

Zur Bestimmung werden Pflanzen mit (fast) reifen Körner benötigt.

Domestikationsmerkmale sind immer kritisch für Bestimmungsschlüssel. Der hier vorgeschlagene Bestimmungsweg ist daher nicht in allen Fällen zuverlässig und problemlos zu beschreiten. Verbesserungsvorschläge, oder auch eigene, völlig anders strukturierte Bestimmungshilfen sind herzlich willkommen.
Geographischer Geltungsbereich: Deutschland und Österreich — Zusammenarbeit: offen
1
Blätter breit spießförmig bis pfeilförmig-dreieckig, Blütenblätter weiß oder rosa, Frucht 4 bis 6 Millimeter lang, scharf dreikantig (einer kleinen Buchecker ähnlich), gehört nicht zu den eigentlichen Getreiden (Süßgräsern), ist aber ein Körnerlieferant für die Graupen-, Grütze- und Mehlproduktion und wird als Pseudocerealie bezeichnet. Selten als Mehlfrucht, zur Gründüngung und als Heilpflanze angebaut 
 Buchweizen, Heidekorn  –  Fagopyrum esculentum L.
1‘
Blätter langgestreckt, lanzettlich bis linealisch, Blüten ohne deutlich gefärbte Blütenblätter, Früchte im Querschnitt nie dreikantig. Echte Getreide (Familie Süßgräser)   ► 2
2
Männliche Blütenstände als Doppel- oder Mehrfachtraube an der Spitze der Pflanze, weibliche Blütenstände achselständig (Kolben), Blätter auffallend lang (bis 1 m) und breit (bis 12 cm), Pflanzen bis 4 m hoch werdend. Wichtige Sortengruppen sind: convar. mays (Hartmais), convar. microsperma Koern. (Puffmais, Popcorn), convar. dentiformis Koern. (Pferdezahnmais, Zahnmais), convar. saccharata Koern. (Zuckermais), convar. amylacea (Sturt.) Greben. (Stärkemais). Bandmais (Z. vittata hort.) und einige andere Sippen werden als Zierpflanze angebaut, aber überwiegend wird Mais als Körnerpflanze, Grün- und Silofutter, Gemüse (Zuckermais) und Industriepflanze (nachwachsende Energiequelle) kultiviert. Sommerformen. Die Anbaufläche hat sich stark ausgeweitet 
 Mais, Welschkorn, Kukuruz  –  Zea mays L.
2‘
Zwittrige Blütenstände in endständiger Stellung, Blätter höchstens 1 cm breit   ► 3
3
Blütenstände als endständige Ähre (Ährengräser)   ► 4
3‘
Blütenstände in rispenartigen Blütenständen   ► 15
4
Ähren auf jeder Spindelstufe mit 3 Ährchen nebeneinander, Ährchen auf ein einzelnes Korn reduziert, meist mit bespelztem Korn (Spelzgersten): Ähren zweizeilig (die zwei Seitenährchen rudimentär, nicht fertil, convar. distichon (L.) Alef.), vier- oder sechszeilig (convar. vulgare). Gelegentlich Nacktgersten als Speisegersten und für die Herstellung von Malzkaffee: Ähren zweizeilig (var. nudum (L.) Alef.) oder mehrzeilig (var. coeleste L.). Begrannte und selten unbegrannte Sorten. Früher große Sortenvielfalt. Heute auf wenige Varietäten beschränkt, Winterformen meist bespelzt, mehrzeilig (var. hybernum Vib.), Sommerformen überwiegend bespelzt, zweizeilig (var. nutans (Rode) Alef.). Angebaut für Graupen und Grütze, Brot- (selten) und Futtergetreide, Brau- und Malzgerste (Sommergerste) und als Industriepflanze 
 Gerste, Saatgerste  –  Hordeum vulgare L.
4‘
Ähren auf jeder Spindelstufe mit einem, aus wenigstens 2 (meist mehreren) fertilen Blüten zusammengesetzten Ährchen   ► 5
5
Ährchen zweiblütig, mit 1 Korn (selten mit 2 Körnern), von den Spelzen fest umschlossen. Ähre beim Drusch in die Ährchen zerfallend. Ähren meist kurz begrannt. Meist Sommerformen. Altes Brot- und Futtergetreide. Nur noch in Sammlungen und Museen 
 Einkorn, Einkorn-Weizen  –  Triticum monococcum L.
5‘
Ährchen zwei- bis siebenblütig, mit zwei bis fünf Körnern   ► 6
6
Reife Körner beim Normaldrusch oder beim kräftigen Pressen mit dem Fingernagel in den Spelzen verbleibend (Spelzgetreide)   ► 7
6‘
Reife Körner beim Drusch oder beim kräftigen Biegen und Drücken der Ähre aus den Spelzen freikommend (Nacktgetreide)   ► 8
7
Ähre lang und relativ dünn, locker zweizeilig, am Grunde mit 1–4 verkümmerten (nicht fertilen) Ährchen, meist unbegrannt bis kurz begrannt, Pflanzen bis 1,4 m hoch werdend, Winter- und Sommerformen. Heute nur noch sehr selten im Anbau als Körnergetreide (Entspelzung der Körner mit speziellen Maschinen), unreife Körner in Südwestdeutschland als Grünkern, Futtergetreide 
 Dinkel, Spelz, Dinkel-Weizen  –  Triticum spelta L.
7‘
Ähre dicht zweizeilig, ähnlich Einkorn, aber Ährchen etwas größer mit meist 2 Körnern (Zweikorn), Ähren meist begrannt, Pflanzen oft hoch (bis 1,6 m), meist Sommerformen. Früher wichtige Getreideart. Heute nur noch sehr selten im Anbau, aber häufig in Sammlungen und Museen. Brot- (Entspelzung der Körner mit speziellen Maschinen) und Futtergetreide 
 Emmer, Emmer-Weizen  –  Triticum dicoccon Schrank
8
Hüllspelzen bis 40 mm lang, papierartig, meist deutlich länger als die Deckspelzen. Korn bis 12 mm lang. Meist Sommerformen. Früher seltenes Brotgetreide, heute in Sammlungen und Museen 
 Gommer, Polnischer Weizen  –  Triticum polonicum L.
8‘
Hüllspelzen nicht papierartig, deutlich kürzer   ► 9
9
Hüllspelzen schmal-lanzettlich, bis länglich-eiförmig, ohne Kiel   ► 10
9‘
Hüllspelzen eiförmig, ganz oder wenigstens im oberen Teil gekielt   ► 11
10
Ähre schlank, meist kurz begrannt, schon beim Blühen nickend. Pflanzen meist blaugrün bereift, hochwüchsig (bis 2 m), neuere Sorten aber auch viel kürzer, Winterformen, gelegentlich Sommerformen. Fremdbefruchter mit langen, beim Blühen aus den Spelzen hängenden Antheren. Wichtiges Brotgetreide (Anbau aber etwas zurückgegangen), Industriepflanze, Grünfutter (früher gelegentlich auch ausdauernde Formen, var. multicaule Metzg. ex Alef., aber auch als Körnergetreide) 
 Roggen, Saat-Roggen  –  Secale cereale L.
10‘
Ähre kompakter, weizenähnlich, meist kurz begrannt, erst bei der Reife nickend. Merkmale zwischen Roggen und Weizen stehend. Selbstbefruchter, Antheren mittellang aber noch aus den Spelzen hängend. 
 Tritikale, Triticale  –  ×Triticosecale neoblaringhamii A. Camus
Aus der vom Menschen initiierten Kreuzung zwischen Weizen und Roggen hervorgegangen. Bis 1,7 m hoch werdend, meist Winterformen. Die häufigste bei uns angebaute Sippe ist hexaploid (6 x = 42), es kommen aber auch octoploide (×Triticosecale rimpaui Wittm., Rimpauweizen) und tetraploide Sippen (×Triticosecale semisecale K. Hammer et A. Filat.) vor. Die morphologische Abgrenzung der Genomstufen ist schwierig aber möglich. Körner-, Brot- und Futtergetreide. Anbau in ständiger Ausweitung begriffen
11
Hüllspelze länglich-oval, mit scharfem Kiel über die gesamten Spelzenlänge   ► 12
11‘
Hüllspelze rundlich, nur im oberen Teil gekielt   ► 14
12
Korn lang (> 10 mm), alter Weizen aus Ägypten bis Mittelasien, erst nach dem zweiten Weltkrieg in Europa unter dem Namen Kamut eingeführt. Nur Sommerformen. Als Backweizen geeignet. 
 Kamut, Khorassan-Weizen  –  Triticum turanicum Jakubz.
12‘
Korn kürzer (< 10 mm)   ► 13
13
Ähre (ohne Grannen) 6–12 cm lang, Hüllspelzen 8–12 mm lang, Korn innen meist mehlig, Grannen rau, altes Brotgetreide, heute meist in Sammlungen und Museen, besonders eine Sippe mit verzweigter Ähre (Wunderweizen, convar. compositum (L.f.) A. Filat.), hochwüchsig, oft Winterformen, Futter- und Backweizen 
 Rauweizen, Englischer Weizen, Welscher Weizen  –  Triticum turgidum L.
13‘
Ähre (ohne Grannen) 4–6 cm lang, Hüllspelzen 6–8 mm lang, Korn innen glasig, Grannen mehr oder weniger glatt, aus wärmeren Gebieten stammend, auch Winterformen aber ohne große Winterhärte, bis etwa 1,5 m hoch werdend. Makkaroni-Weizen, im Süden auch Backweizen 
 Hart-Weizen, Makkaroni-Weizen  –  Triticum durum Desf.
14
Ähre mittellang bis lang (10 cm), mitteldicht bis locker, bei uns meist grannenlos (Kolbenweizen), selten begrannt (Bartweizen), Spelzen meist kahl, überwiegend Winterformen, wenige Sommerweizen, alte Sorten bis 1,6 m hoch werdend, neuere Züchtungen oft < 1 m. Wichtigstes Körner- und Brotgetreide, Industriepflanze. Von der früheren Formenvielfalt heute meist nur noch var. lutescens (Alef.) Mansf. (grannenlos, gelbe Spelzen kahl, rötliche Körner) im Anbau 
 Saat-Weizen  –  Triticum aestivum L.
14‘
Ähre kurz (bis 6 cm lang), dicht, mit langer Granne (Igel-Weizen) oder unbegrannt (Binkel-Weizen), kurzstrohig (bis 1 m), überwiegend Winterformen, alte Weizenrasse im Gebiet (archäologischer Weizen der Pfahlbauten – Triticum antiquorum Heer), heute selten in den Alpen, gelegentlich in Sammlungen und Museen, Körner- und Brotgetreide. Nahe mit dem Saat-Weizen verwandt und oft in diesen einbezogen 
 Zwerg-Weizen  –  Triticum compactum Host
15
Ährchen in dichter, ährenähnlicher Rispe (Ährenrispe), Rispenspindel oft erst bei Umbiegen sichtbar, Blütenstand mit Borsten, Früchte bei der Reife meist im Fruchtstand verbleibend. Fruchtstand bis 30 cm lang, Pflanzen bis 1,5 m hoch (Große Kolbenhirste, convar. italica) oder nur bis etwa 1 m mit kurzem Fruchtstand (< 6 cm) (Ungarische Kolbenhirse, convar. moharia (Alef.) Körn. ex Mansf.). Gelegentlich als Vogelfutter angebaut, früher auch als Getreide und Grünfutter. Überwiegend Sommerformen 
 Kolbenhirse, Kolben-Borstenhirse, Vogelhirse  –  Setaria italica (L.) P. Beauv.
15‘
Ährchen in langästiger Rispe oder Traube (Rispengräser)   ► 16
16
Körner kugelig bis eiförmig   ► 17
16‘
Körner deutlich länglicher   ► 18
17
Körner eiförmig bis fast kugelig, groß, 4–5,5 mm im Durchmesser, in dichten vielsamigen Fruchtständen, Pflanzen meist über 2 m hoch werdend, neuerdings als Silagepflanze, gelegentlich als Körnerfutterpflanze, nur Sommerformen, oft auch Hybriden mit anderen Sorghum-Arten 
 Mohrenhirse, Sorghum-Hirse  –  Sorghum bicolor (L.) Moench
17‘
Körner eiförmig, klein, < 2 mm im Durchmesser, in meist lockeren vielsamigen Fruchtständen, Rispe zusammengezogen oder ausgebreitet, oft überhängend, Pflanzen bis 1,5 m hoch werdend, heute selten als Vogelfutter, früher wichtige Getreidepflanze. Überwiegend Sommerformen 
 Rispenhirse, Echte Hirse  –  Panicum miliaceum L.
18
Reife Körner nackt, von den Spelzen nur locker umschlossen und beim Drusch oder beim Druck mit der Hand aus den diesen springend, früher gelegentlich im Anbau, Sommerformen, etwa 1,2 m hoch, heute gelegentlich wieder als Körnerfrucht, auch Futterpflanze (vergleiche auch den Chinesischen Nackt-Hafer, Avena chinensis Fisch. ex Roem. et Schult ., mit größerem Korn, gelegentlich angebaut) 
 Nackt-Hafer, Kleiner Nackt-Hafer  –  Avena nuda L.
18‘
Reife Körner bleiben nach dem Drusch bespelzt, mit der Hand nur schwer von den Spelzen zu lösen   ► 19
19
Deckspelzen im oberen Drittel lang begrannt, Ährenachse dünn, bis 1,5 m hoch werdend, Sommerformen, früher Körner- und Futtergetreide, heute selten in Sammlungen und Museen 
 Rau-Hafer, Sand-Hafer  –  Avena strigosa Schreb.
19‘
Deckspelzen unbegrannt, oder auf dem Rücken in der Mittel mit kurzer Granne, Ährenachse derb, bis 1,8 m hoch werdend, meist Sommerformen, verbreitet als Körner- und Futtergetreide, aber durch den Rückgang der Pferdehaltung nicht mehr sehr häufig. Meist als Gelbhafer im Anbau (var. aurea Körn., Spelzen gelb) gelegentlich als Weißhafer (var. mutica Alef., Spelzen weiß) 
 Saat-Hafer  –  Avena sativa L.
Quelle: http://offene-naturfuehrer.de/web/Schlüssel_für_Getreide_und_getreideartige_Feldfrüchte_(Karl_Hammer)
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