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== Hinweise zum Entwerfen von Bestimmungsschlüsseln ==
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=== 1.Die Zielgruppe ===
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Der erste und wichtigste Faktor, den man berücksichtigen sollte ist: '''"wer wird den Bestimmungsschlüssel nutzen"'''. Die Erfordernisse und Fähigkeiten dieser Nutzer sind vorrangig.
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Ein Schlüssel, der komplexe Fachausdrücke enthält ist beispielsweise für Schulkinder, die nur einfache Ausdrücke verstehen äußerst ungeeignet. Für Experten hingegen, die im selben Fachbereich arbeiten sind diese Fachausdrücke bestens geeignet.
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Der Bestimmungsschlüssel muss auch für die vorliegenden Aufgabe angepasst sein. Die Zielgruppe könnte z.B. nur die Artengruppe (z.B. die Gattung oder Familie) und nicht bis auf Artebene bestimmen wollen.
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Bevor Sie mit dem Entwurf eines Bestimmungsschlüssels beginnen, sollte sie die Zielgruppe festlegen und sich über den Fähigkeiten und Anforderungen klar werden.
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=== 2. Die Schrittabfolge beim Bestimmungsschlüssel ===
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====Schrittabfolge====
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Die Schrittabfolge des Bestimmungsschlüssels hat einen ausschlaggebenden Effekt auf dessen Gesamtstruktur und darauf wie gut er zu benutzen ist. Wie wählen sie also die Reihenfolge aus , in der die einzelnen Schritte angeordnet werden müssen?
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Für jeden Bestimmungsschlüssel gibt es mehrere funktionierende Alternativen in Bezug auf die Anordnung der einzelnen Schritte. Das
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Ergebnis hängt letztlich vom eigenen Vorlieben des Schlüsselerstellers ab, trotzdem gibt es einige Punkte die man beachten sollte:
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Ein Bestimmungsschlüssel, beim der bei jedem Schritt die verbleibenden Arten in - in etwa gleichgroße - Gruppen aufspaltet, wird als leichter benutzbar empfunden als einer, der immer eine einzelne Art abspaltet. Er erlaubt es dem Nutzer bei jedem Schritt die maximale mögliche Anzahl an Arten auszusondern.
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Nicht alle Merkmale sind gleich nützlich oder verlässlich. Es ist eine gute Idee, die klar abgegrenzten Merkmale im Bestimmungsschlüssel früh unterzubringen und die weniger klar abgegrenzten Merkmale eher gegen Ende des Schlüssels. Diese Methode reduziert die Wahrscheinlichkeit von Fehlbestimmungen.
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Es gibt sicher Situationen, in denen aus praktischen Gründen die Schrittreihenfolge festlegen wollen. Zum Beispiel Untersuchung der Merkmale das Objekt beschädigt. Eine Frucht muss geöffnet werden, um ihre Samen freizulegen. Die Eigenschaft Frucht-Größe sollte daher Bestimmungsschlüssel früher auftauchen als die Samen-Anzahl.
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Schwierig zu unterscheidende Arten sollten eventuell gesondert behandelt werden (siehe Schwierige Arten weiter unter).
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In der Praxis ergeben sich Blöcke eines Bestimmungsschlüssels von selbst. Gruppen sehr ähnlicher Arten neigen dazu sich als Block auszuschlüsseln, da sie in vielen Merkmalen übereinstimmen.
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Versuchen Sie die Blöcke durch ändern der Schrittfolge so zu verschieben das sie die bestmögliche Anordnung innerhalb des Schlüssel erreichen.
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'''Kontrast'''
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Es ist entscheidend, dass die Aussagen dem Nutzer bei jedem Schritt eine klar verständliche und eindeutige Auswahlmöglichkeit gewähren. Das kann am besten dadurch erreicht werden, dass sichergestellt wird, dass die Aussagen sich stark unterscheiden. Am besten ist es, wenn die zweite Aussage das genaue Gegenteil der ersten Aussage ist. Mehr darüber können sie unter Auswahl und Ausdrücken von Merkmale weiter unten lesen.
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Für jeden Schritt gilt, dass die erste der Alternativen den Schlüsselendpunkt (z.B. den Artnamen) enthalten sollte während die zweite Alternative im Schlüssel weiterführt.
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Beispiel
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Blätter immergrün, dornig.......................................................................Quercus ilex
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Blätter sommergrün, nicht dornig...................................................weiter mit nächstem Schritt
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'''Schwierige Arten'''
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Einige Arten können Probleme in Schlüsseln bereiten.
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* Sehr variable Arten können bei jedem Schritt zu beiden Aussagen passen oder lange, komplexe Aussagen benötigen, die ihre Merkmale beschreiben.
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* Oft ist es das Beste diese so früh wie möglich auszuschlüsseln, um den restlichen Bestimmungsschlüssel zu vereinfachen.
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* Einige Autoren lassen bewusst schwere oder verwirrende Arten bis zum Schluss im Entscheidungsbaum. Dadurch erhöhen sich die Chancen der Nutzer, ihre Arten zu identifizieren, bevor sie mit einer schweren Entscheidung konfrontiert werden.
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* Häufig anzutreffende oder leicht kenntliche Arten können ganz zu Beginn ausgeschlüsselt werden. Das spart dem Nutzer Zeit und strapaziert ihn weniger.
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'''Mehrere Endpunkte für dieselbe Art'''
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Erzwingen Sie nicht, dass Arten nur an einer Stelle im Bestimmungsschlüssels auftauchen. Arten die nur durch Kombinationen von Merkmale bestimmbar sind können und sollten mehrere Male im Schlüssel Erwähnung finden. Das selbe gilt für sehr variable Arten.
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'''Auswahl und Beschreibung der Merkmale'''
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Merkmalsarten
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Es gibt keinen Unterschied beim Bestimmungswert zwischen qualitativen Merkmalen (z.B. die Blumen - Farbe) und quantitativen Merkmalen (z.B. Ausmaße).
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Für jedes Merkmal sollte jedoch eine klare Unterscheidung zwischen der Beschaffenheit oder den Ausmaßen geben, ohne dass Überschneidungen bestehen.
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Beispiel
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Gut
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Früchte 5-10 cm, kugelförmig, rot wenn reif
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Früchte 2-3cm, eiförmig, gelb wenn reif
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Schlecht
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Blüten 10-15 mm im Durchmesser, weiss oder rosa
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Blüten bis zu 12mm im Durchmesser, rosafarben
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Merkmalsverlässlichkeit
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Lernen Sie, welche Merkmale verlässlich sind. Einige Merkmale sind nicht besonders verlässlich, weil sie schwer zu quantifizieren sind, z.B. Der Grad der Behaarung.
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Andere sind schlecht , weil sie sehr variabel sind. Im Hinblick auf Pflanzen sind Blütenaufbau und -größe, die Fruchtform und -größe und die Anordnung Blätter konservativ und daher verlässlich. Die Blattgröße und die Blattform können dagegen beträchtlich variieren, je nach Alter und Wachstumsbedingungen der Pflanze und sind daher weniger verlässlich.
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Nutzen Sie mehr als ein Merkmal
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Wo auch immer möglich sollten Sie mehr als ein Merkmal pro Aussage benennen. Das ermöglicht es dem Nutzer seine Entscheidung zu untermauern und ist besonders nützlich, wenn das Hauptmerkmal nicht verfügbar ist, z.B. Frucht - Merkmale während des Frühlings.
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Merkmalsanordnung innerhalb von Aussagen
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Innerhalb einer Aussage ist es sinnvoll die verlässlicheren Merkmale als erste zu nennen und dann die weniger verlässlichen.
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Beispiel
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Blüten mit 5 Blütenblättern und einem Griffel; Blätter gewöhnlich unterseits weisshaarig; Früchte weiss, manchmal rot oder purpur
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In diesem Beispiel wird der Nutzer, der nur Zugang zu den Blättern hat daran erinnert, dass er möglicherweise eine Bestimmung vornimmt, die nicht zu 100 % verlässlich ist.

Revision as of 11:02, 23 August 2010

Hinweise zum Entwerfen von Bestimmungsschlüsseln

1.Die Zielgruppe

Der erste und wichtigste Faktor, den man berücksichtigen sollte ist: "wer wird den Bestimmungsschlüssel nutzen". Die Erfordernisse und Fähigkeiten dieser Nutzer sind vorrangig.

Ein Schlüssel, der komplexe Fachausdrücke enthält ist beispielsweise für Schulkinder, die nur einfache Ausdrücke verstehen äußerst ungeeignet. Für Experten hingegen, die im selben Fachbereich arbeiten sind diese Fachausdrücke bestens geeignet.

Der Bestimmungsschlüssel muss auch für die vorliegenden Aufgabe angepasst sein. Die Zielgruppe könnte z.B. nur die Artengruppe (z.B. die Gattung oder Familie) und nicht bis auf Artebene bestimmen wollen.

Bevor Sie mit dem Entwurf eines Bestimmungsschlüssels beginnen, sollte sie die Zielgruppe festlegen und sich über den Fähigkeiten und Anforderungen klar werden.


2. Die Schrittabfolge beim Bestimmungsschlüssel

Schrittabfolge

Die Schrittabfolge des Bestimmungsschlüssels hat einen ausschlaggebenden Effekt auf dessen Gesamtstruktur und darauf wie gut er zu benutzen ist. Wie wählen sie also die Reihenfolge aus , in der die einzelnen Schritte angeordnet werden müssen?

Für jeden Bestimmungsschlüssel gibt es mehrere funktionierende Alternativen in Bezug auf die Anordnung der einzelnen Schritte. Das Ergebnis hängt letztlich vom eigenen Vorlieben des Schlüsselerstellers ab, trotzdem gibt es einige Punkte die man beachten sollte:

Ein Bestimmungsschlüssel, beim der bei jedem Schritt die verbleibenden Arten in - in etwa gleichgroße - Gruppen aufspaltet, wird als leichter benutzbar empfunden als einer, der immer eine einzelne Art abspaltet. Er erlaubt es dem Nutzer bei jedem Schritt die maximale mögliche Anzahl an Arten auszusondern.

Nicht alle Merkmale sind gleich nützlich oder verlässlich. Es ist eine gute Idee, die klar abgegrenzten Merkmale im Bestimmungsschlüssel früh unterzubringen und die weniger klar abgegrenzten Merkmale eher gegen Ende des Schlüssels. Diese Methode reduziert die Wahrscheinlichkeit von Fehlbestimmungen.

Es gibt sicher Situationen, in denen aus praktischen Gründen die Schrittreihenfolge festlegen wollen. Zum Beispiel Untersuchung der Merkmale das Objekt beschädigt. Eine Frucht muss geöffnet werden, um ihre Samen freizulegen. Die Eigenschaft Frucht-Größe sollte daher Bestimmungsschlüssel früher auftauchen als die Samen-Anzahl.

Schwierig zu unterscheidende Arten sollten eventuell gesondert behandelt werden (siehe Schwierige Arten weiter unter).

In der Praxis ergeben sich Blöcke eines Bestimmungsschlüssels von selbst. Gruppen sehr ähnlicher Arten neigen dazu sich als Block auszuschlüsseln, da sie in vielen Merkmalen übereinstimmen.

Versuchen Sie die Blöcke durch ändern der Schrittfolge so zu verschieben das sie die bestmögliche Anordnung innerhalb des Schlüssel erreichen.


Kontrast Es ist entscheidend, dass die Aussagen dem Nutzer bei jedem Schritt eine klar verständliche und eindeutige Auswahlmöglichkeit gewähren. Das kann am besten dadurch erreicht werden, dass sichergestellt wird, dass die Aussagen sich stark unterscheiden. Am besten ist es, wenn die zweite Aussage das genaue Gegenteil der ersten Aussage ist. Mehr darüber können sie unter Auswahl und Ausdrücken von Merkmale weiter unten lesen.

Für jeden Schritt gilt, dass die erste der Alternativen den Schlüsselendpunkt (z.B. den Artnamen) enthalten sollte während die zweite Alternative im Schlüssel weiterführt.

Beispiel Blätter immergrün, dornig.......................................................................Quercus ilex Blätter sommergrün, nicht dornig...................................................weiter mit nächstem Schritt

Schwierige Arten Einige Arten können Probleme in Schlüsseln bereiten.

  • Sehr variable Arten können bei jedem Schritt zu beiden Aussagen passen oder lange, komplexe Aussagen benötigen, die ihre Merkmale beschreiben.
  • Oft ist es das Beste diese so früh wie möglich auszuschlüsseln, um den restlichen Bestimmungsschlüssel zu vereinfachen.
  • Einige Autoren lassen bewusst schwere oder verwirrende Arten bis zum Schluss im Entscheidungsbaum. Dadurch erhöhen sich die Chancen der Nutzer, ihre Arten zu identifizieren, bevor sie mit einer schweren Entscheidung konfrontiert werden.
  • Häufig anzutreffende oder leicht kenntliche Arten können ganz zu Beginn ausgeschlüsselt werden. Das spart dem Nutzer Zeit und strapaziert ihn weniger.

Mehrere Endpunkte für dieselbe Art Erzwingen Sie nicht, dass Arten nur an einer Stelle im Bestimmungsschlüssels auftauchen. Arten die nur durch Kombinationen von Merkmale bestimmbar sind können und sollten mehrere Male im Schlüssel Erwähnung finden. Das selbe gilt für sehr variable Arten.

Auswahl und Beschreibung der Merkmale Merkmalsarten Es gibt keinen Unterschied beim Bestimmungswert zwischen qualitativen Merkmalen (z.B. die Blumen - Farbe) und quantitativen Merkmalen (z.B. Ausmaße).

Für jedes Merkmal sollte jedoch eine klare Unterscheidung zwischen der Beschaffenheit oder den Ausmaßen geben, ohne dass Überschneidungen bestehen.

Beispiel

Gut Früchte 5-10 cm, kugelförmig, rot wenn reif Früchte 2-3cm, eiförmig, gelb wenn reif

Schlecht Blüten 10-15 mm im Durchmesser, weiss oder rosa Blüten bis zu 12mm im Durchmesser, rosafarben

Merkmalsverlässlichkeit Lernen Sie, welche Merkmale verlässlich sind. Einige Merkmale sind nicht besonders verlässlich, weil sie schwer zu quantifizieren sind, z.B. Der Grad der Behaarung. Andere sind schlecht , weil sie sehr variabel sind. Im Hinblick auf Pflanzen sind Blütenaufbau und -größe, die Fruchtform und -größe und die Anordnung Blätter konservativ und daher verlässlich. Die Blattgröße und die Blattform können dagegen beträchtlich variieren, je nach Alter und Wachstumsbedingungen der Pflanze und sind daher weniger verlässlich.

Nutzen Sie mehr als ein Merkmal Wo auch immer möglich sollten Sie mehr als ein Merkmal pro Aussage benennen. Das ermöglicht es dem Nutzer seine Entscheidung zu untermauern und ist besonders nützlich, wenn das Hauptmerkmal nicht verfügbar ist, z.B. Frucht - Merkmale während des Frühlings.

Merkmalsanordnung innerhalb von Aussagen Innerhalb einer Aussage ist es sinnvoll die verlässlicheren Merkmale als erste zu nennen und dann die weniger verlässlichen. Beispiel Blüten mit 5 Blütenblättern und einem Griffel; Blätter gewöhnlich unterseits weisshaarig; Früchte weiss, manchmal rot oder purpur In diesem Beispiel wird der Nutzer, der nur Zugang zu den Blättern hat daran erinnert, dass er möglicherweise eine Bestimmung vornimmt, die nicht zu 100 % verlässlich ist.