Difference between revisions of "Bestimmungshilfen für Schwarz-Pappel und deren Hybriden (A. Förster 2010)"

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Einfache Hilfen zum Bestimmen der „Echten“ Schwarzpappel, Populus nigra L.
By: Achim Förster
Es wird auch eine Version der Bestimmungshilfen für Schwarz-Pappel und deren Hybriden als PDF angeboten.
Geographic Scope: Deutschland — Collaboration: openContributors: A. Förster, A. Chodura
Von den in Mitteleuropa vorkommenden heimischen und eingeführten Pappeln werden hier nur die schwer zu unterscheidenden Bäume, die oft fälschlicherweise Schwarz-Pappeln genannt werden aber Hybriden sind, vorgestellt. Diese Gruppe kann aber leicht von den Balsam-, Grau-, Silber-, Simons-, Zitterpappeln und weiteren selteneren Pappeln unterschieden werden.
Die Schwarz-Pappel, Populus nigra L. war 2006 Baum des Jahres. Seither hat die Suche nach dieser Baumart auch genetisch untersuchte Neufunde für Berlin und Brandenburg erbracht. Zu den klassischen Fundorten gehören längere Zeit vernachlässigte Flussufer. Schwarz-Pappeln wurden aber auch jüngst auf bebauten Innenstadtbereichen mit hinterlassenem Bauschutt in Gewässernähe in Berlin und Potsdam, sowie auf dem ehemaligen Grenzstreifen um Berlin gefunden.
Sogenannte Kanadische-Pappeln, Populus x canadensis Moench. wurden vor über 200 Jahren eingeführt und sind sehr häufig. Es sind Kreuzungen zwischen der Kanadischen-Schwarz-Pappel, Populus deltoides Bartram ex Marshall und der europäischen Schwarz-Pappel, Populus nigra L. Es gibt unterschiedliche Sorten und Übergangsformen, bei denen mal das eine mal ein anders Merkmal überwiegt, was die Bestimmung erschwert.
Häufig ist auch die Berliner-Pappel, P. x berolinensis (K. Koch), Dippel eine seit weit über 100 Jahren gepflanzte Kreuzung der aus Ostasien stammenden Lorbeerblättrigen-Pappel, Populus laurifolia Ledeb. mit der Säulen-Pappel, Populus nigra‚Italica’.
Die (übliche) Pyramiden-, besser Säulen-Pappel, Populus nigra‚Italica’ wird seit über 200 Jahren in Brandenburg gepflanzt und wurde über Südosteuropa eingeführt. Weitere Säulen-Pappeln werden hier nicht erwähnt. Die Wuchsform der Berliner-Pappel als auch der Säulen-Pappel ,Italica’ reicht von schmal säulenförmig bis breiter wüchsig, immer jedoch mit vielen Wurzelausläufern. Alle Mitglieder dieser Gruppe wachsen oft nebeneinander, zusammen mit weiteren Pappeln, weil ohne Unterscheidung Steckhölzer nachgepflanzt worden sind.
Zur Bestimmung der Schwarz-Pappeln müssen möglichst viele Merkmale mit den aufgeführten Merkmalen übereinstimmen. Einzelmerkmale sind nie hinreichend zur eindeutigen Bestimmung einer Schwarz-Pappel. Die folgende Tabelle soll eine erste Einarbeitung ermöglichen.
MERKMAL und Bemerkungen „ECHTE“ SCHWARZ-PAPPEL Populus nigra L. KANADAPAPPEL P. x canadensis und BERLINER -PAPPEL P. x berolinensis
Habitus, die Gestalt des Baumes: Die Baumkrone

Merkmalbewertung: Gut

In der Krone werden deutlich einzelnene starke, aufrechtstrebende Äste sichtbar, sieht aus wie eine aufrecht gehaltenen Hand mit abgespreizten Fingern. Ähnliche: Alte Silberweiden und Berliner Pappeln. Kanada-Pappel: Die Krone sieht runder, geschlossener aus.

Die Krone der Berliner-Pappel kann der Krone der Schwarz-Pappel ähnlich sehen.

Habitus, Ansicht im Sommer:

Abb. links: Schwarz-Pappeln am Wannsee, südl. Strandbad in Berlin. Der große Baum im Vordergrund links ist 11-stämmig. Der Baum im Hintergrund rechts ist 1-stämming. Merkmalbewertung: Gut

Populus nigra Habitus (Achim Förster).png Populus x canadaensis Habitus (Achim Förster).png
Kanada-Pappeln in Brandenburg, westl. Werder.
Habitus, Ansicht im Winter und Mistelbefall:

Mistelbefall ist (bisher) ein sicheres Merkmal für Kanada-Pappeln und Berliner-Pappeln, kann aber auch bei diesen fehlen. An Schwarz-Pappeln dürfen keine Misteln vorhanden sein. Vogelnester sind häufig!
Abb. links: Schwarz-Pappel in Berlin-Siemensstadt.
Für Jungbäume ist dieses Merkmal nicht zutreffend.
Merkmalbewertung für Mistelbefall: Sehr gut

Populus nigra Habitus 2 (Achim Förster).png Populus x canadaensis Habitus 2 (Achim Förster).png
Mehrstämmige Kanada-Pappel mit Misteln am Wannsee.
Stamm:


Hier sind Übergangsstrukturen von der Schwarz-Pappel zu den Hybriden möglich. Der untere Stammbereich der Berliner Pappel kann ähnlich wie der Stamm der Schwarz-Pappel aussehen.
Merkmalbewertung: Sehr unzuverlässig

Schwarz-Pappeln sind vielfach mehrstämmig oder der Stamm ist tief unten verzweigt. Der Stamm ist oft krumm. Gerade Stämme sind selten und bei Schwarz-Pappeln zu finden, die mit anderen Bäumen in Konkurrenz aufgewachsen sind.


Hinweis: Der gerade Stamm der Säulenpappel, P. nigra ,Italica‘ hat Brettwurzel ähnliche Stammanläufe. Stammanläufe können auch bei sehr schief stehenden Schwarz-Pappeln an der Zugseite vorkommen.

Kanada-Pappel: Der Stamm (angebauter Sorten) ist Gerade und weniger verzweigt. Selten mehrstämmig. Aber: Der Stamm „verwilderter“ Altbäume der Kanada-Pappel kann dem Stamm der Schwarz-Pappel sehr ähnlich sehen.


Berliner Pappeln: Der Stamm erinnert etwas an Schwarz-Pappeln, ist jedoch heller grau.

Stamm, Borke:


Kanada-Pappeln können in Ausnahmen auch Borkenstrukturen wie die Schwarz-Pappel haben (Abb. links aus Werder, Brandenburg). Auch Schwarz-Pappeln können mehr parallele Borkenwülste aufweisen, derartig tiefe Borkenwülste wie bei der Abb. rechts treten jedoch nur bei Kanadapappeln auf.
Für Jungbäume ist dieses Merkmal nicht zutreffend.
Merkmalbewertung: Gut, manchmal unzuverlässig

Populus nigra Borke (Achim Förster).png
Die Wülste der Borke verlaufen über kreuz. Borkenwülste verlaufen bis in die oberen Äste weit in die Krone.
Populus x canadaensis Borke (Achim Förster).png
Kanada-Pappel: Die Wülste der Borke verlaufen mehr oder weniger parallel. Die oberen Äste haben glatte, graue Borke.
Stammreiser und Maserknollen:


Abbildung der alten Schwarz-Pappel, südlich der Glienicker Brücke, mit riesigen Maserknollen und Stammreisern. Letztere werden von Gärtnern immer wieder aus Unkenntnis beseitigt, obwohl sie zu echten Schwarz-Pappeln gehören und keine gefährlichen Geschwüre sind. Im Schatten von Nachbarbäumen aufgewachsene Schwarz-Pappeln haben weniger Maserknollen und Stammreiser. Jungbäume haben kaum oder kleine Maserknollen, aber büschelweise Stammreiser.
Merkmalbewertung: Gut, manchmal unzuverlässig

Populus nigra Stammreiser Maserknollen (Achim Förster).png
Maserknollen und Stammreiser sollten fast immer vorkommen. Schwarz-Pappelstämme ohne Maserknollen sind selten, Jungbäume ausgeschlossen.
Stammreiser sind bei (angebauten) Kanada-Pappeln selten. Maserknollen fehlen ganz oder bleiben meist klein.


Bei „verwilderten“ Kanada-Pappeln können Maserknollen fast so groß wie bei Schwarz-Pappeln werden.
Die Berliner Pappel hat ähnliche Stammreiser und Maserknollen wie die Schwarz-Pappel und damit ein sehr ähnliches Rindenbild.

Zweige, Kurz- und Langtriebe:


Merkmalbewertung: Gut
Die Stellung der Winterknospen wird als sehr unzuverlässiges Merkmal hier nicht erwähnt.

Die frischen Austriebe und dünnen Zweige sind rund (mit den Fingern erfühlen). Nur an extremen Langtrieben, z.B. nach Stammeinkürzungen können fühlbare Kanten und Furchen auftreten. Kanada-Pappel: Die Austriebe sind oft furchig und haben Kanten. Deutlich sichtbar an Langtrieben.
Samenkapseln: Die Samenkapseln entlassen im Mai die Pappelwolle, bei Kanada-Pappeln (daher der amerikanische Name Cotton Wood) ist das oft sehr viel mehr Wolle als bei Schwarz-Pappeln.


An einem Strang können bei Kanada-Pappeln 2 und mehrklappige Kapseln sitzen.
Kapselklappen kann man eventuell das ganze Jahr noch finden, da sie sich schlecht zersetzten.
Merkmalbewertung: Sehr gut, allerdings nur bei weiblichen Bäumen.

Populus nigra Samenkapseln (Achim Förster).png
Alle Kapseln haben 2 Klappen.
Populus x canadaensis Samenkapsel (Achim Förster).png
Kanada-Pappel: Viele Kapseln haben 2 Klappen, aber auch einige haben 3 oder 4 Klappen.
Blätter, Blattstielgallen:


Schwarz-Pappeln haben fast immer Blattstielgallen. Der Befall ist aber unterschiedlich stark und von Baum zu Baum verschieden. Besonders Jungbäume können wie übersät aussehen, während Nachbarbäume nur 1 bis 3 Gallen haben. In manchen Jahren kann er ganz ausbleiben. Wenn Blattstielgallen vorhanden sind, und die anderen Merkmale auch stimmen, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Schwarz-Pappel (oder Berliner-Pappel). Blattstielgallen treten ab Mai oft nur im unteren Bereich auf und werden von Blattläusen Pemphigus spirothecae Pass. hervorgerufen, die im Innern des „Knotens“ sitzen.
Merkmalbewertung: Sehr gut

Populus nigra Blattstielgalle (Achim Förster).png
Blattstielgallen kann man auch gut an Blättern der Säulen-Pappel ,Italica‘ studieren.
Kanada-Pappeln haben (bisher) nie Blattstielgallen. Bei Berliner-Pappeln sind Blattstielgallen ebenso häufig wie bei Schwarz-Pappeln.
Blätter, Drüsen:


Besonders bei den Blättern der Langtriebe der Kanada-Pappeln können (Petiolar-) Drüsen direkt am Ansatz des Blattstieles an der Blattspreite auftreten.
Merkmalbewertung: Gut, manchmal unzuverlässig

Bei Schwarz-Pappeln fehlen diese Drüsen generell oder befinden etwas weiter vom Blattstielansatz entfernt. Populus x canadaensis Drüsen (Achim Förster).png
Kanada-Pappel: Petiolardrüsen sind die winzigen, dunklen Punkte am Blattstielansatz. In Natura sind diese oft rötlich, auch mehrfach vorhanden. Eine 10-fache Vergrößerung ist ausreichend. Blätter aus der Krone, von Kurztrieben haben oft keine Drüsen.
Blätter, Farbe durch gelb-braunen Befall mit Rostpilzen:


Bei vielen Schwarz-Pappeln färben sich die Blätter schon ab August erst gelblich, dann bräunlich, und fallen schon teilweise Mitte September ab. Der „Rost“, die Sporen, die in regenarmen Jahren wie gelbbraunes Mehl stauben und kleben können, stammen vom Pilz, Melampsora larici populina Kleb.
Merkmalbewertung: Gut

Populus nigra Rostpusteln(Achim Förster).png
„Rost-Pusteln“ auf der Blattrückseite, Schwarz-Pappel
Etwas später als bei der Schwarz-Pappel, jedoch nicht so stark befällt der gleiche Rostpilz die Berliner Pappeln.


Kanada-Pappeln werden kaum befallen und fallen durch ihr intensiv grünes Laub auf.

Blätter, Wimpern:


Abb. rechts: Auf dem Blattrand der Kanada-Pappeln sitzen winzige, einzelne Härchen, Wimpern genannt.
Bei älteren Blättern können diese abgefallen sein. Auch erfordert die Erkennung bei üblicher nur 10-facher Vergrößerung einige Übung.
Merkmalbewertung: Sehr gut

Der Blattrand der Schwarz-Pappeln hat keine Wimpern und erscheint glatt. Populus x canadaensis Wimpern (Achim Förster).png
Blattrand einer Kanada-Pappel mit winzigen, kommaförmigen Wimpern.
Blätter, Form der Blattspreite 1:


Allgemein sind die Blätter der Kanada-Pappel größer und haben eine nicht so lang ausgezogene Blattspitze. Jedoch variieren die Blätter schon an jedem Baum sehr stark.
Zum (ersten) Studium der Blätter der Schwarz-Pappeln eignen sich auch die Blätter der Säulen-Pappel ,Italica‘.
Merkmalbewertung: Unzuverlässig.

Populus nigra Blattspreite (Achim Förster).png
Alle Blätter dieser Abb. stammen vom gleichen Baum, der Schwarz-Pappel an der Glienicker Brücke in Berlin, und wurdenam gleichen Tag gepflückt.

Die weißen Pünktchen sind Sporenträger des Pappelrostes.

Populus x canadaensis Blattspreite (Achim Förster).png
Blätter einer Kanada-Pappel, alle stammen vom gleichen Baum.
Blätter, Form der Blattspreite 2:


Die Blattformen der Kanada- und Schwarz-Pappeln reichen von delta-förmig (besonders häufig bei Kanada-Pappeln) bis rhombisch und langgestreckt mit langer Spitze, letzteres ist besonders häufig bei Schwarz-Pappeln.
Merkmalbewertung: Die Blattform und Färbung der Berliner-Pappel ist sehr typisch und kann kaum zu Verwechslungen mit den anderen Arten führen.

Populus nigra Blattspreite 2 (Achim Förster).png
Gegenüberstellung


Links: Drei Blätter einer Schwarz-Pappel.
Rechts: 2 Blätter einer Kanada-Pappel.

Blätter der Berliner Pappel
Der abgerundete Spreitengrund ist typisch für die Berliner Pappel. Bei sehr wenigen Blättern ist der Spreitengrund spitzwinklig mit geraden Flanken.


Die Blattfarbe ist farbintensiver, oft gelblicher und erscheint allgemein frischer als bei Schwarzund Kanada-Pappeln.



Die Auswahl und Kommentierung der Merkmale erfolgte nach eigenen und praktisch bewährten Beobachtungen an Pappeln, die hauptsächlich im Raum Berlin-Brandenburg wachsen.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Professor H.-F. Joachim, der mir die Einarbeitung ermöglichte und bei Fragen geholfen hat.

Text, Gestaltung und Bilder: Achim Förster, Juli 2010