Difference between revisions of "Ein Fund von Mimulus moschatus Douglas ex Lindley (E. Savelsbergh 1975)"

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| Autor = E. Savelsbergh
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Am 14. Juli 1975 zeigte mir H. Mertens, Aachen, an einer etwas schattigen und feuchten Ruderalstelle seines Gartens (MTB 5202/2) einige Pflanzen, die auf Anhieb nicht ohne weiteres zu identifizieren waren. Die wenigen Blüten auf relativ langen und fädlichen Stielen erinnerten zunächst habituell stark an ''Gratiola''. Die Bestimmung führte schließlich zur Gattung ''Mimulus'' (Gauklerblume), die ihren Verbreitungs schwerpunkt im westlichen Nordamerika hat.
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Von den beiden in Mitteleuropa hin und wieder eingebürgerten oder auch verwildert auftretenden Arten schied ''Mimulus guttatus'' {{smallcaps|DC.}} (Gelbe oder Gefleckte Gauklerblume) wegen des mehr oder weniger kahlen Stengels und der Blütengröße sofort aus. Für die andere Art, ''Mimulus moschatus'' {{smallcaps|DOUGL. ex LINDL.}} (Moschus-Gauklerblume), wird in den einschlägigen Florenwerken als besonderes Kennzeichen "Moschusgeruch" angeführt, der an den untersuchten Pflanzen jedoch in keinem Fall festzustellen war. Außerdem sollen die Laubblätter dieser Art ausschließlich mit Drüsenhaaren besetzt sein, was sich an Hand mikroskopischer Untersuchungen als durchweg nicht zutreffend herausstellte.
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In {{smallcaps|HEGI}} VI/I (Lieferung 4, 1969) wird darauf hingewiesen, daß sämtliche gegenwärtig kultivierten und viele freiwachsenden Individuen dieser Art geruchlos sind, wobei die Frage nach dem Grund für das Schwinden des charakteristischen Geruches noch nicht geklärt ist.
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Das Bestimmungsmerkmal "Moschusgeruch" erweist sich demnach zumindest für Pflanzen hiesiger Verhältnisse als unbrauchbar. Man sollte ohnehin mit "Geruchsqualitäten" vorsichtig sein, denn einerseits dürfte wohl den meisten Menschen z.B. Moschusduft unbekannt sein, und andererseits ist das Geruchsvermögen und -empfinden individuell sehr verschieden.
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Angeblich wurde früher ''Mimulus moschatus'' {{smallcaps|DOUGL. ex LINDL.}} wegen ihres Duftes viel im Garten und Zimmer gehalten. Wohl mit als Folge des Duftverlustes dürfte die Kultur in jüngerer Zeit stark zurückgegangen sein. Auf welche Weise diese Pflanzen in den oben genannten Garten gelangt sind, läßt sich kaum rekonstruieren, zumal weit und breit keine weiteren Fundstellen im Aachener Raum bekannt geworden sind.
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In der greifbaren Literatur fehlen fast ausnahmslos Abbildungen zu dieser Pflanze - selbst in der Neubearbeitung von {{smallcaps|HEGI}} VI/1 vermißt man sie -, und auch die Beschreibungen sind durchweg recht knapp gehalten. Es folgt daher eine kurzgefaßte Artdiagnose:
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'''Rhizom''': dünn.<br/>
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'''Hauptachse''': kriechend oder niederliegend, gegen die Spitze hin aufsteigend, bis 60 cm lang (vielleicht nur bei Schattenformen, sonst kürzer), klebrig-zottig behaart.<br/>
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'''Laubblätter''': von gelbgrüner Färbung, gekreuzt gegenständig, bis etwa 5 cm lang und 2,5 cm breit, jeweils kurz gestielt (0,2 bis 1,0 cm), klebrig-zottig behaart (auf der Unterseite weit stärker als auf der Oberseite), bogenförmig verlaufende Seitennerven, Spreitenrand glatt oder unregelmäßig weit gezähnt. <br/>
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'''Infloreszenz''': wenigblütig, locker traubig, Blütenstiel bis 1,8 cm lang, dünn bis fädlich, drüsig-zottig.<br/>
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'''Kelch''': bis 1 cm lang, schwach dorsiventral, zottig behaart.<br/>
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'''Blumenkrone''': bis 2 cm lang, oft fast radiär erscheinend(!), gelb, außen schwach behaart, Schlund rotbraun punktiert bzw. gestrichelt und mit zwei stark gehärteten Wülsten, außen braun längsstreifige Kronröhre, Kronzipfel abgerundet, alle fast gleichgestaltet.<br/>
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'''Staubblätter''': von der Blumenkrone eingeschlossen, Theken behaart und etwa parallel liegend.<br/>
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'''Fruchtknoten''': schmal, eiförmig, kahl.<br/>
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'''Griffel''': weißlich, kahl<br/>
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'''Narbe''': mit zwei breiten etwas gefransten Lappen<br/>
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'''Frucht''': eiförmig, grün<br/>
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'''Samen''': ca. 0,2 bis 0,3 cm lang, fast kugelig, dunkelgelb bis braun<br/>
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'''Gesamthabitus''': Die Pflanzen wirken sehr zerbrechlich; wenn man die Art der Blüten und die Blattfärbung außer Betracht läßt, ähneln manche Exemplare je nach ihrem Stadium verblüffend den ebenfalls aus Amerika stammenden ''Galinsoga''-Arten.
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==Literatur:==
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*{{smallcaps|FITTER, R. u. A.}}, 1974: The wild flowers of Britain and Northern Europe. - London.
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*{{smallcaps|HEGI, G.}}, 1969: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Bd. VI/I, Lieferung 4. München.
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*{{smallcaps|SCHMEIL, O.}} u. {{smallcaps|J. FITSCHEN}}, 1968: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. - Heidelberg.
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*{{smallcaps|TROLL, W.}} u. {{smallcaps|K. HÖHN}}, 1973: Allgemeine Botanik, 4. Auflage. - Stuttgart.
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{{Gallery | title = Als Bilddatei vorliegende Abbildungen aus dieser Arbeit
 
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[[Kategorie:Floristische Rundbriefe (nur als PDF)]]
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[[Kategorie:Floristische Rundbriefe (Web und PDF)]]

Latest revision as of 02:35, 4 November 2021

Quelle: Savelsbergh, E. 1975: Ein Fund von Mimulus moschatus Douglas ex Lindley. Flor. Rundbr. 9: 89-81. (Die Arbeit liegt auch als PDF-Datei vor.) (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf E. Savelsbergh beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Hinweis: Der vorliegende Artikel wird unverändert bereit gestellt. Bei älteren Arbeiten ist zu beachten, dass unter Umständen neuere Erkenntnisse zum Thema vorliegen!

Am 14. Juli 1975 zeigte mir H. Mertens, Aachen, an einer etwas schattigen und feuchten Ruderalstelle seines Gartens (MTB 5202/2) einige Pflanzen, die auf Anhieb nicht ohne weiteres zu identifizieren waren. Die wenigen Blüten auf relativ langen und fädlichen Stielen erinnerten zunächst habituell stark an Gratiola. Die Bestimmung führte schließlich zur Gattung Mimulus (Gauklerblume), die ihren Verbreitungs schwerpunkt im westlichen Nordamerika hat.

Von den beiden in Mitteleuropa hin und wieder eingebürgerten oder auch verwildert auftretenden Arten schied Mimulus guttatus DC. (Gelbe oder Gefleckte Gauklerblume) wegen des mehr oder weniger kahlen Stengels und der Blütengröße sofort aus. Für die andere Art, Mimulus moschatus DOUGL. ex LINDL. (Moschus-Gauklerblume), wird in den einschlägigen Florenwerken als besonderes Kennzeichen "Moschusgeruch" angeführt, der an den untersuchten Pflanzen jedoch in keinem Fall festzustellen war. Außerdem sollen die Laubblätter dieser Art ausschließlich mit Drüsenhaaren besetzt sein, was sich an Hand mikroskopischer Untersuchungen als durchweg nicht zutreffend herausstellte.

In HEGI VI/I (Lieferung 4, 1969) wird darauf hingewiesen, daß sämtliche gegenwärtig kultivierten und viele freiwachsenden Individuen dieser Art geruchlos sind, wobei die Frage nach dem Grund für das Schwinden des charakteristischen Geruches noch nicht geklärt ist.

Das Bestimmungsmerkmal "Moschusgeruch" erweist sich demnach zumindest für Pflanzen hiesiger Verhältnisse als unbrauchbar. Man sollte ohnehin mit "Geruchsqualitäten" vorsichtig sein, denn einerseits dürfte wohl den meisten Menschen z.B. Moschusduft unbekannt sein, und andererseits ist das Geruchsvermögen und -empfinden individuell sehr verschieden.

Angeblich wurde früher Mimulus moschatus DOUGL. ex LINDL. wegen ihres Duftes viel im Garten und Zimmer gehalten. Wohl mit als Folge des Duftverlustes dürfte die Kultur in jüngerer Zeit stark zurückgegangen sein. Auf welche Weise diese Pflanzen in den oben genannten Garten gelangt sind, läßt sich kaum rekonstruieren, zumal weit und breit keine weiteren Fundstellen im Aachener Raum bekannt geworden sind.

In der greifbaren Literatur fehlen fast ausnahmslos Abbildungen zu dieser Pflanze - selbst in der Neubearbeitung von HEGI VI/1 vermißt man sie -, und auch die Beschreibungen sind durchweg recht knapp gehalten. Es folgt daher eine kurzgefaßte Artdiagnose:

Rhizom: dünn.
Hauptachse: kriechend oder niederliegend, gegen die Spitze hin aufsteigend, bis 60 cm lang (vielleicht nur bei Schattenformen, sonst kürzer), klebrig-zottig behaart.
Laubblätter: von gelbgrüner Färbung, gekreuzt gegenständig, bis etwa 5 cm lang und 2,5 cm breit, jeweils kurz gestielt (0,2 bis 1,0 cm), klebrig-zottig behaart (auf der Unterseite weit stärker als auf der Oberseite), bogenförmig verlaufende Seitennerven, Spreitenrand glatt oder unregelmäßig weit gezähnt.
Infloreszenz: wenigblütig, locker traubig, Blütenstiel bis 1,8 cm lang, dünn bis fädlich, drüsig-zottig.
Kelch: bis 1 cm lang, schwach dorsiventral, zottig behaart.
Blumenkrone: bis 2 cm lang, oft fast radiär erscheinend(!), gelb, außen schwach behaart, Schlund rotbraun punktiert bzw. gestrichelt und mit zwei stark gehärteten Wülsten, außen braun längsstreifige Kronröhre, Kronzipfel abgerundet, alle fast gleichgestaltet.
Staubblätter: von der Blumenkrone eingeschlossen, Theken behaart und etwa parallel liegend.
Fruchtknoten: schmal, eiförmig, kahl.
Griffel: weißlich, kahl
Narbe: mit zwei breiten etwas gefransten Lappen
Frucht: eiförmig, grün
Samen: ca. 0,2 bis 0,3 cm lang, fast kugelig, dunkelgelb bis braun
Gesamthabitus: Die Pflanzen wirken sehr zerbrechlich; wenn man die Art der Blüten und die Blattfärbung außer Betracht läßt, ähneln manche Exemplare je nach ihrem Stadium verblüffend den ebenfalls aus Amerika stammenden Galinsoga-Arten.

Literatur:

  • FITTER, R. u. A., 1974: The wild flowers of Britain and Northern Europe. - London.
  • HEGI, G., 1969: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Bd. VI/I, Lieferung 4. München.
  • SCHMEIL, O. u. J. FITSCHEN, 1968: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. - Heidelberg.
  • TROLL, W. u. K. HÖHN, 1973: Allgemeine Botanik, 4. Auflage. - Stuttgart.