Difference between revisions of "Veronica hederifolia agg. in Mitteleuropa (M. Fischer 1974)"

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Seit der Abtrennung der tetraploiden (Chromosomenzahl: 2n = 36) ''Veronica sublobata'' {{smallcaps|M. FISCHER}} (= ''V. hederifolia'' {{smallcaps|L.}} subsp. ''lucorum'' ({{smallcaps|KLETT & RICHTER}}) {{smallcaps|HARTL}}) von der hexaploiden (2n = 54) ''Veronica hederifolia'' {{smallcaps|L.}} s.str. ({{smallcaps|FISCHER}} 1967) sind Beobachtungen aber die geographische und ökologische Verteilung der beiden Sippen interessant geworden. Über die Verhältnisse in Nord- und Nordwesteuropa geben einige Verbreitungskarten bereits Aufschluß ({{smallcaps|NORDENSTAM & NILSSON}} 1969, {{smallcaps|SAARISALO}} 1971, {{smallcaps|PEDERSEN}} 1972), über Deutschland ist dagegen erst sehr wenig bekannt. Im südlichen und besonders südöstlichen Mitteleuropa gibt es noch eine dritte Sippe: ''V. triloba'' ({{smallcaps|OPIZ}}) {{smallcaps|KERNER}} (diploid: 2n = 18), die früher oft mit ''V. hederifolia'' verwechselt worden ist (vgl. {{smallcaps|SPETA }}1970: erster zuverlässiger Nachweis für Oberösterreich). ''V. triloba'' ist bisher aus Deutschland nur von sehr wenigen Punkten nachgewiesen (Pfalz, Oberpfalz, Raum Ulm), denn alle älteren Angaben bedürfen der Überprüfung. Möglicherweise ist die Art in Äckern niederer, wärmerer Lagen in ganz Süddeutschland verbreitet.
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Die drei Sippen sind genetisch gut voneinander getrennt und verdienen den Rang von Kleinarten. Dennoch erfordert die sichere morphologische Unterscheidung etwas Übung, da viele Differentialmerkmale recht variabel sind und ihre Abänderungsspielräume sich sogar gegenseitig zum Teil überlappen. Das darf allerdings kein Grund sein, auf die Unterscheidung dieser auch pflanzensoziologisch interessanten Taxa zu verzichten. Die folgenden Hinweise sollen dazu anregen, sich die entscheidenden Merkmale und deren Variationsbreite einzuprägen, denn besonders für den Feldfloristen sind die zwei bzw. drei Sippen dann ohne Schwierigkeiten anzusprechen.
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Beim Bestimmen müssen stets '''mehrere Merkmale''' sorgfältig beachtet werden. Das sei besonders deshalb betont, weil die Artengruppe um ''Veronica agrestis'' (''V. persica'', ''V. polita'', ''V. agrestis'', ''V. opaca'') konstantere Unterscheidungsmerkmale zeigt, weswegen dort an Hand von ein oder zwei Schlüsselmerkmalen eine eindeutige Bestimmung immer leicht möglich ist. In der ''Hederifolia''-Gruppe sind dagegen die meisten Unterschiedungsmerkmale von quantitativer Natur und schlecht zu beschreiben, und außerdem variieren sie stärker. Der Anfänger wird daher bloß mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels nicht immer ans Ziel kommen. Es empfiehlt sich deshalb - so paradox das klingt -, zunächst beide Arten (bzw. alle drei) gleichzeitig zu untersuchen und die angegebenen Unterscheidungsmerkmale aus dem Vergleich kennenzulernen. Zu diesem Zweck gehe man folgendermaßen vor: Zur Blütezeit im Frühling (Ende März bis Ende April) achte man auf die '''Blütenfarben''' und auf den Standort: ''V. sublobata'' hat '''kleine, blaß-lila''' Kronen (die gegen Abend meist ausbleichen) mit '''16-19 lila Adern'''; ''V. hederifolia'' hat '''hell-violettblaue''' Kronen mit einem sich deutlich abhebenden weißen Zentrum und '''20-22 dunkelblauen Adern''', die Antheren sind meist auffallend himmelblau; ''V. triloba'' hat kleine, dunkelblaue Kronen (die ihre Farbe behalten) mit 20-22 dunkelblauen Adern. - Auf schattigen Standorten, unter Gebüsch, in Wäldern und als Gartenunkraut findet sich fast ausschließlich ''V. sublobata''. Auf Äckern ist auch ''V. hederfolia'' zu erwarten und hier oft wohl häufiger als ''V. sublobata''. In warmen Lagen ist zusätzlich mit ''V. triloba'' zu rechnen, die auch in Trockenrasen angetroffen werden kann.
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Hat man auf diese Weise Vertreter zumindest der beiden häufigen Arten (''V. sublobata'' und ''V. hederifolia'') kennengelernt, dann untersuche man an mehreren Exemplaren und in mehreren Populationen (eine kleinräumige Population kann aufgrund der Selbstbestäubung oft sehr einheitlich sein) die unten angegebenen übrigen Differentialmerkmale. Man wird sich dann sehr rasch über die charakteristischen Unterschiede klar werden und nach ein wenig Einübung keinerlei Schwierigkeiten mehr bei der Unterscheidung dieser Sippen haben.
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Bei der Feldarbeit beachte man, daß besonders die Länge der Blütenstiele von den Standortsverhältnissen modifikativ beeinflußt wird: ''V. sublobata'' hat auf offenen, sonnigen Standorten (Äcker) relativ kurze Blütenstiele und wird dadurch in diesem Merkmal der ''V. hederifolia'' ähnlich!
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Die verläßlichsten und daher besten Unterscheidungsmerkmale sind nach meiner Erfahrung (vor allem im östlichen Österreich): die Farbe der Blumenkrone, die Tiefe der Einschnitte zwischen Mittellappen und den obersten Seitenlappen (nach einiger Erfahrung prägt man sich den Grenzwert leicht ein), die Gestalt und Farbe der Samen und die Länge der Kelchwimpern. Dagegen ist die Behaarung der Blütenstiele außerhalb der Haarleiste zwar für ''V. sublobata'' sehr charakteristisch (bei ''V. hederifolia'' tritt sie nur sehr selten auf und dann besonders an für diese Art untypischen schattig-feuchten Standorten), aber keineswegs konstant: In der Umgebung Wiens zeigen durchschnittlich 30-40% der Individuen von ''V. sublobata'' nur einzeilig behaarte Blütenstiele (die Haare der Haarleiste sind im Durchschnitt allerdings kürzer als bei ''V. hederifolia'').
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==Bestimmungsschlüssel==
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{{Lead|1 |'''Kelchblätter''' auf der Fläche '''kurzhaarig''' (Lupe!); auch die oberen Blätter deutlich breiter als lang, meist 3-lappig, die Lappen sehr tief eingeschnitten; Farbe der Blätter tief dunkelgrün, Konsistenz auffällig dicklich, fast sukkulent und starr; '''Blütenstiele''' nach der Blütezeit '''kurz''' bleibend: 1 bis 2,5 mal so lang wie der Kelch. Wimperhaare der Kelchblätter kurz (0,5 - 0,8 mm), zart und relativ dicht; Griffel 0,7 - 1,1 mm lang; frische reife Samen graugelblich, meist etwas länglich, Rippen deutlich und bis an die Mündung der Aushöhlung heranreichend.
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{{Lead|3 (2)|Mittellappen der obersten (blütentragenden) Blätter deutlich breiter als lang, die meisten Blätter 3-5-1appig, die beiden (vorderen) seitlichen '''Lappen relativ tief eingeschnitten'''; Farbe der Blätter dunkelgrün, Konsistenz etwas dicklich und steif; Blütenstiele nach der Blütezeit (mit schon deutlich entwickelter unreifer bis reifer Kapsel) 2 bis 4 mal so lang wie der Kelch, '''Wimperhaare der Kelchblätter 0,9 - 1,2 mm lang'''; '''Griffel 0,7 - 1,1 mm lang'''; frische reife '''Samen blaßgelb''', Rippen ± undeutlich bis an die Mündung der Aushöhlung heranreichend, Mündungsrand '''nicht''' weißlich.
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{{Key End}}
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==Literatur==
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*{{smallcaps|FISCHER, M.}}, 1967: Beiträge zur Cytotaxonomie der ''Veronica hederifolia''-Gruppe (''Scrophulariaceae''). Österr. Bot. Z. '''114''', 189-233.
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*{{smallcaps|NORDENSTAM, B.}}, a. {{smallcaps|Ö. NILSSON}}, 1969: Taxonomy and distribution of ''Veronica hederifolia'' s.l. (''Scrophulariaceae'') in Scandinavia. - Bot. Notiser '''122''', 233-247.
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*{{smallcaps|PEDERSEN, A.}}, 1972: Krat-Aerenpris, ''Veronica hederifolia'' ssp. ''lucorum'' i Danmark. - Flora og Fauna '''78''' (3),74-78.
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*{{smallcaps|SAARISALO, A.}}, 1971: The ''Veronica hederifolia'' aggregate in eastern Fennoscandia. - Ann. Bot. Fenn. '''8''', 1952-155.
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*{{smallcaps|SPETA, F.}}, 1970: ''Veronica hederifolia'' agg. in Oberösterreich. - Mitt. Bot. Linz '''2''', 19-22.
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| File:Flor.Rundbr._8,95-98_Fischer_1974_Veronica_hederifolia_agg_1200dpiSW.png | Merkmalsvergleich ''V. triloba'', ''V. hederifolia'' und ''V. sublobata''
 
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[[Kategorie:Alle_Bestimmungsschlüssel]]<!-- enthält Bestimmungsschlüssel!-->
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[[Kategorie:Floristische Rundbriefe (Web und PDF)]]

Latest revision as of 03:52, 4 November 2021

Quelle: Fischer, M. 1974: Veronica hederifolia agg. in Mitteleuropa . Flor. Rundbr. 8,95-98. (Die Arbeit liegt auch als PDF-Datei vor.) (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf M. Fischer beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Hinweis: Der vorliegende Artikel wird unverändert bereit gestellt. Bei älteren Arbeiten ist zu beachten, dass unter Umständen neuere Erkenntnisse zum Thema vorliegen!

Seit der Abtrennung der tetraploiden (Chromosomenzahl: 2n = 36) Veronica sublobata M. FISCHER (= V. hederifolia L. subsp. lucorum (KLETT & RICHTER) HARTL) von der hexaploiden (2n = 54) Veronica hederifolia L. s.str. (FISCHER 1967) sind Beobachtungen aber die geographische und ökologische Verteilung der beiden Sippen interessant geworden. Über die Verhältnisse in Nord- und Nordwesteuropa geben einige Verbreitungskarten bereits Aufschluß (NORDENSTAM & NILSSON 1969, SAARISALO 1971, PEDERSEN 1972), über Deutschland ist dagegen erst sehr wenig bekannt. Im südlichen und besonders südöstlichen Mitteleuropa gibt es noch eine dritte Sippe: V. triloba (OPIZ) KERNER (diploid: 2n = 18), die früher oft mit V. hederifolia verwechselt worden ist (vgl. SPETA1970: erster zuverlässiger Nachweis für Oberösterreich). V. triloba ist bisher aus Deutschland nur von sehr wenigen Punkten nachgewiesen (Pfalz, Oberpfalz, Raum Ulm), denn alle älteren Angaben bedürfen der Überprüfung. Möglicherweise ist die Art in Äckern niederer, wärmerer Lagen in ganz Süddeutschland verbreitet.

Die drei Sippen sind genetisch gut voneinander getrennt und verdienen den Rang von Kleinarten. Dennoch erfordert die sichere morphologische Unterscheidung etwas Übung, da viele Differentialmerkmale recht variabel sind und ihre Abänderungsspielräume sich sogar gegenseitig zum Teil überlappen. Das darf allerdings kein Grund sein, auf die Unterscheidung dieser auch pflanzensoziologisch interessanten Taxa zu verzichten. Die folgenden Hinweise sollen dazu anregen, sich die entscheidenden Merkmale und deren Variationsbreite einzuprägen, denn besonders für den Feldfloristen sind die zwei bzw. drei Sippen dann ohne Schwierigkeiten anzusprechen.

Beim Bestimmen müssen stets mehrere Merkmale sorgfältig beachtet werden. Das sei besonders deshalb betont, weil die Artengruppe um Veronica agrestis (V. persica, V. polita, V. agrestis, V. opaca) konstantere Unterscheidungsmerkmale zeigt, weswegen dort an Hand von ein oder zwei Schlüsselmerkmalen eine eindeutige Bestimmung immer leicht möglich ist. In der Hederifolia-Gruppe sind dagegen die meisten Unterschiedungsmerkmale von quantitativer Natur und schlecht zu beschreiben, und außerdem variieren sie stärker. Der Anfänger wird daher bloß mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels nicht immer ans Ziel kommen. Es empfiehlt sich deshalb - so paradox das klingt -, zunächst beide Arten (bzw. alle drei) gleichzeitig zu untersuchen und die angegebenen Unterscheidungsmerkmale aus dem Vergleich kennenzulernen. Zu diesem Zweck gehe man folgendermaßen vor: Zur Blütezeit im Frühling (Ende März bis Ende April) achte man auf die Blütenfarben und auf den Standort: V. sublobata hat kleine, blaß-lila Kronen (die gegen Abend meist ausbleichen) mit 16-19 lila Adern; V. hederifolia hat hell-violettblaue Kronen mit einem sich deutlich abhebenden weißen Zentrum und 20-22 dunkelblauen Adern, die Antheren sind meist auffallend himmelblau; V. triloba hat kleine, dunkelblaue Kronen (die ihre Farbe behalten) mit 20-22 dunkelblauen Adern. - Auf schattigen Standorten, unter Gebüsch, in Wäldern und als Gartenunkraut findet sich fast ausschließlich V. sublobata. Auf Äckern ist auch V. hederfolia zu erwarten und hier oft wohl häufiger als V. sublobata. In warmen Lagen ist zusätzlich mit V. triloba zu rechnen, die auch in Trockenrasen angetroffen werden kann.

Hat man auf diese Weise Vertreter zumindest der beiden häufigen Arten (V. sublobata und V. hederifolia) kennengelernt, dann untersuche man an mehreren Exemplaren und in mehreren Populationen (eine kleinräumige Population kann aufgrund der Selbstbestäubung oft sehr einheitlich sein) die unten angegebenen übrigen Differentialmerkmale. Man wird sich dann sehr rasch über die charakteristischen Unterschiede klar werden und nach ein wenig Einübung keinerlei Schwierigkeiten mehr bei der Unterscheidung dieser Sippen haben.

Bei der Feldarbeit beachte man, daß besonders die Länge der Blütenstiele von den Standortsverhältnissen modifikativ beeinflußt wird: V. sublobata hat auf offenen, sonnigen Standorten (Äcker) relativ kurze Blütenstiele und wird dadurch in diesem Merkmal der V. hederifolia ähnlich!

Die verläßlichsten und daher besten Unterscheidungsmerkmale sind nach meiner Erfahrung (vor allem im östlichen Österreich): die Farbe der Blumenkrone, die Tiefe der Einschnitte zwischen Mittellappen und den obersten Seitenlappen (nach einiger Erfahrung prägt man sich den Grenzwert leicht ein), die Gestalt und Farbe der Samen und die Länge der Kelchwimpern. Dagegen ist die Behaarung der Blütenstiele außerhalb der Haarleiste zwar für V. sublobata sehr charakteristisch (bei V. hederifolia tritt sie nur sehr selten auf und dann besonders an für diese Art untypischen schattig-feuchten Standorten), aber keineswegs konstant: In der Umgebung Wiens zeigen durchschnittlich 30-40% der Individuen von V. sublobata nur einzeilig behaarte Blütenstiele (die Haare der Haarleiste sind im Durchschnitt allerdings kürzer als bei V. hederifolia).

Bestimmungsschlüssel

By: M. Fischer
(Geographic scope not specified) — Source: M. Fischer Flor. Rundbr. 8,95-98Collaboration limited to: M. Fischer
1
Kelchblätter auf der Fläche kurzhaarig (Lupe!); auch die oberen Blätter deutlich breiter als lang, meist 3-lappig, die Lappen sehr tief eingeschnitten; Farbe der Blätter tief dunkelgrün, Konsistenz auffällig dicklich, fast sukkulent und starr; Blütenstiele nach der Blütezeit kurz bleibend: 1 bis 2,5 mal so lang wie der Kelch. Wimperhaare der Kelchblätter kurz (0,5 - 0,8 mm), zart und relativ dicht; Griffel 0,7 - 1,1 mm lang; frische reife Samen graugelblich, meist etwas länglich, Rippen deutlich und bis an die Mündung der Aushöhlung heranreichend. 
  Veronica triloba (OPIZ) KERNER
1
Kelchblätter auf der Fläche kahl oder (bei V. sublobata manchmal) mit nur sehr wenigen (bis ca. 6) Haaren   ► 2
2 (1)
Blüten- und Fruchtstiele mit einer Haarleiste und einzelnen Haaren außerhalb der Haarleiste. 
  Veronica sublobata M. FISCHER
2
Blüten- und Fruchtstiele nur mit einer Haarleiste, sonst aber völlig kahl   ► 3
3 (2)
Mittellappen der obersten (blütentragenden) Blätter deutlich breiter als lang, die meisten Blätter 3-5-1appig, die beiden (vorderen) seitlichen Lappen relativ tief eingeschnitten; Farbe der Blätter dunkelgrün, Konsistenz etwas dicklich und steif; Blütenstiele nach der Blütezeit (mit schon deutlich entwickelter unreifer bis reifer Kapsel) 2 bis 4 mal so lang wie der Kelch, Wimperhaare der Kelchblätter 0,9 - 1,2 mm lang; Griffel 0,7 - 1,1 mm lang; frische reife Samen blaßgelb, Rippen ± undeutlich bis an die Mündung der Aushöhlung heranreichend, Mündungsrand nicht weißlich. 
  Veronica hederifolia L. s.str.
3
Mittellappen der obersten Blätter so lang oder etwas länger als breit, die meisten Blätter 5-lappig, einige 7-lappig oder -zähnig, die beiden vorderen seitlichen Lappen weniger tief eingeschnitten, die untersten Lappen oft undeutlich; Farbe der Blätter hellgrün, matt, Konsistenz dünn, weich, Blütenstiele nach der Blütezeit (vgl. oben) 3,5 bis 7 mal so lang wie der Kelch. Wimperhaare der Kelchblätter kürzer: 0,5 - 0,9 mm lang; Griffel 0,3 - 0,7 mm lang; frische reife Samen rötlichbraun, Rippen schwach und nicht bis an die Mündung der Aushöhlung heranreichend, der Mündungsrand hebt sich deutlich als weißliche, schwach durchscheinende, leicht glänzende Ringzone ab. 
  Veronica sublobata M. FISCHER

Literatur

  • FISCHER, M., 1967: Beiträge zur Cytotaxonomie der Veronica hederifolia-Gruppe (Scrophulariaceae). Österr. Bot. Z. 114, 189-233.
  • NORDENSTAM, B., a. Ö. NILSSON, 1969: Taxonomy and distribution of Veronica hederifolia s.l. (Scrophulariaceae) in Scandinavia. - Bot. Notiser 122, 233-247.
  • PEDERSEN, A., 1972: Krat-Aerenpris, Veronica hederifolia ssp. lucorum i Danmark. - Flora og Fauna 78 (3),74-78.
  • SAARISALO, A., 1971: The Veronica hederifolia aggregate in eastern Fennoscandia. - Ann. Bot. Fenn. 8, 1952-155.
  • SPETA, F., 1970: Veronica hederifolia agg. in Oberösterreich. - Mitt. Bot. Linz 2, 19-22.


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