Difference between revisions of "Zur Unterscheidung von Equisetum arvense L. und Equisetum pratense Ehrh. (H. E. Weber 1975)"

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| Formatierter Haupttitel = Zur Unterscheidung von ''Equisetum arvense'' {{smallcaps|L.}} und ''Equisetum pratense'' {{smallcaps|Ehrh.}}
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| Formatierter Untertitel = (H. E. Weber 1975)
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| Autor = H. E. Weber
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| Quelle = {{Smallcaps|Weber, H. E.}} 1975: Zur Unterscheidung von ''Equisetum arvense'' {{smallcaps|L.}} und ''Equisetum pratense'' {{smallcaps|Ehrh.}}. Flor. Rundbr. 9: 35-39. (Die Arbeit liegt auch als [[:File:Flor.Rundbr._9,35-39_Weber_1975_Equisetum_arvense,_pratense.pdf|'''PDF-Datei''']] vor.)
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{{Unveränderte ältere Arbeit}}
 
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Die Unterscheidung der Schachtelhalme bereitet im allgemeinen keine besonderen Schwierigkeiten, wenn man von der wichtigsten Ausnahme absieht, der morphologischen Trennung des Acker- und des Wiesenschachtelhalms. Zwar sind auch diese beiden Arten in typischer Wuchsausprägung kaum zu verkennen, sofern man die robusten Exemplare sonniger Standorte von ''E. arvense'' mit ihren aufstrebenden Seitenästen und die eher an ''E. sylvaticum'' erinnernden zarten Pflanzen des ''E. pratense'' vor sich hat. Allerdings gibt es standörtliche Überschneidungen, da auch ''E. arvense'' regelmäßig in jene halb- oder vollschattigen Wald- und Gebüschstandorte vordringt, die normalerweise gerade für ''E. pratense'' typisch sind. Hier finden sich dann jene zarten Schattenformen des Ackerschachtelhalms, die mehr oder minder durch die f. ''nemorosum'' {{smallcaps|A.BR.}} repräsentiert werden, und die sich von der typischen Wuchsforrn durch längere Internodien und schlaffere, knickig überhängende Äste unterscheiden und somit leicht für den Wiesenschachtelhalm gehalten werden können.
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Auf die besondere Gefahr der Verwechslung dieser beiden Schachtelhalmarten, wie sie eben durch derartige grob-habituelle und standörtliche Überschneidungen zustande kommen kann, ist schon wiederholt hingewiesen worden (u.a. von {{smallcaps|BUCHENAU}} 1894, {{smallcaps|LUDWIG}} 1962, {{smallcaps|WÖLDECKE}} 1968). Die Bestimmungsschlüssel - soweit sie sich nur auf die sterilen Teile beziehen - sind nicht eindeutig. Auch ein neuerer Versuch einer Verschlüsselung der Schachtelhalme nach vegetativen Merkmalen durch {{smallcaps|RAABE}} u. {{smallcaps|USINGER}} (1970) erweist sich gerade in Bezug auf den Acker- und Wiesenschachtelhalm als unpraktikabel. Die Ursache dafür liegt vor allem darin, daß die wichtigen Merkmale der Zahnformen (Blätter) an ein und derselben Pflanze gesetzmäßig sehr stark wechseln, indem nämlich diese Zähne an den oberen Scheiden des Sprosses zunächst kürzer und breiter beginnen und nach unten zu immer länger und damit relativ dünner werden. Umgekehrt beginnen die Scheiden der unteren Nodien der Seitenäste mit kurzen, breiten Zähnen, die sich zur Spitze dieser Äste hin immer mehr verlängern. So kann eine bestimmte Zahnform gegebenenfalls für beide Arten mehr oder minder zutreffen. Wenn man jedoch die erwähnten Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt und '''definierte Abschnitte der Pflanzen zugrundelegt''', kommt man zu überraschend eindeutigen Ergebnissen, durch die die Unterscheidung dieser beiden Arten gänzlich unproblematisch wird (siehe tab. Übersicht und Abb.).
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Das neben den Zahnformen besonders klare Merkmal der unterschiedlichen Kieselhöcker an den Sproßrippen kommt sehr schön erst bei stärkerer Vergrößeung zum Vorschein. Es ist aber auch deutlich genug als Silhouette mit der Lupe zu erkennen, wenn der Sproß gegen das Licht gehalten wird. Dieses ohnehin sehr typische Kennzeichen gewinnt noch dadurch an Bedeutung, daß ''E. arvense'' anscheinend nur bei genügender Besonnung und an trockeneren Standorten deutlich entwickelte Kieselhöcker ausbildet. Schattenformen (f. ''nemorosum'') dagegen, die ja eigentlich nur für eine Verwechslung mit ''E. pratense'' in Betracht kommen, scheinen dagegen - soweit wir sahen - entweder überhaupt keine, oder doch kaum sichtbare Höcker zu entwickeln, während unter den gleichen Standortsbedingungen ''E. pratense'' sehr deutlich seine charakteristischen "Spikes" ausbildet.
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Die in der Übersicht und in den Abbildungen dargestellten Merkmale ließen sich noch um weitere vermehren. So sind etwa die verwachsenen Partien der Zähne (Scheide) beim Wiesenschachtelhalm nicht nur zwischen den Zähnen eingefaltet (Commissuralfurchen), sondern im Gegensatz zum Ackerschachtelhalm jeweils auch auf dem Rücken mit einer deutlichen Furche ausgestattet (Carinalfurchen). Es ist aber nicht notwendig, das Gedächtnis mit einer Vielzahl von Merkmalsdaten zu belasten. Nach unseren Beobachtungen ist bereits ein einziges der charakteristischen Merkmale - vor allem die gänzlich unterschiedliche Form der Zähne an den Seitenästen (aber auch die Kieselhöckerform) vollständig zur Trennung beider Arten ausreichend.
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Die bisherigen Bestimmungsprobleme mögen dazu geführt haben, daß ''E. pratense'' übersehen wurde und tatsächlich weiter als bekannt verbreitet ist. Zwar zeigt die Art entsprechend ihrer allgemein nördlichen Verbreitungstendenz von Schleswig-Holstein aus (wo sie "ziemlich häufig" ist und "nichts Besonderes" darstellt - {{smallcaps|RAABE}} u. {{smallcaps|USINGER}} 1970) nach Niedersachsen hin ein deutliches Verbreitungsgefälle, doch fehlt sie auch hier nicht ganz ({{smallcaps|WÖLDECKE}} 1968). Sicher aber ist sie dort häufiger als bislang angenommen, und bei einer genaueren Durchforschung könnten auch alte, bislang für unwahrscheinlich gehaltene Angaben vielleicht bestätigt werden, wie das Beispiel von {{smallcaps|GRIESEBACH}} (1846) zeigt. Seine Fußnote auf S. 44, daß ''E. pratense'' "in dichterem Eichengebüsch auf bewachsenen Dünen bei Lingen" vorkäme, ist bislang stets bezweifelt und zumeist auf Verwechslung mit ''E. arvense'' f. ''nemorosum'' zurückgeführt worden ({{smallcaps|BUCHENAU}} 1894, {{smallcaps|BUSCHBAUM}} 1891, {{smallcaps|KOCH}} 1934, 1958). Am 4.8.1972 hatte der Verf. jedoch Gelegenheit, unter der freundlichen Führung von Rektor a.D. F. Busche (Lingen) den "Biener Busch" bei Lingen (3409/2) aufzusuchen und konnte dabei hier ein von Busche entdecktes reichliches Vorkommen des Wiesenschachtelhalms bestätigen. Zwar handelt es sich beim "Biener Busch" - auf etwas hügeligem Gelände unmittelbar in Nähe der Ems - um einen bodensauren Eichen-Hainbuchen-Wald mit Obergängen zum Buchen-Eichenwald und nicht etwa um dürren Dünensand, den man nach {{smallcaps|GRIESEBACHs}} Angabe vermuten würde, doch dürfte es sich durchaus um dieses alte Vorkommen handeln. Dieser Fundort ist somit der nördlichste in einer Kette von Standorten, die im Bereich der mittleren Eros bislang vorwiegend in Westfalen ({{smallcaps|RUNGE}} 1972), aber auch bis Listrup bei Salzbergen (bereits Niedersachsen, 3610/1, nach {{smallcaps|BROCKHAUSEN}} 1912/13) bekannt geworden sind. In jenen Eros-begleitenden Auen- und Eichen-Hainbuchen-Wäldern scheint die Art keineswegs selten zu sein, ja, es könnte sogar die zunächst unwahrscheinlich klingende Schilderung von {{smallcaps|BROCKHAUSEN}} (1926) nicht einmal übertrieben sein, der über den Wiesenschachtelhalm in diesem Gebiet mitteilt: "Bei Rheine begleitet er den Bentlagerbusch und das anliegende Emsufer wohl auf 1 km Entfernung und steht dort so dicht gedrängt, daß wir in der Kriegszeit, in der die Nachfrage nach Schachtelhalmen groß war, ganze Wagenladungen dort gesammelt haben".
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Ein zweites, im nördlichsten Niedersachsen ganz isoliert liegendes Vorkommen fanden wir 1966 im Nordahner Gehölz bei Nordahn, Krs. Land Hadeln (2320/1 - 1972! dort noch vorhanden und anläßlich einer Exkursion dem Naturwisse Verein zu Bremen vorgeführt). Auch hier handelt es sich um einen Eichen-Hainbuchen- Wald, der an dieser Stelle inselartig in einer weiten ehemaligen Heide- und Moorlandschaft gelegen ist, und der sich - bedingt durch besondere Bodeneigenschaften - durch eine überraschende Fülle von in jenem Landstrich sonst seltenen oder fehlenden Arten (z.B. ''Hepatica nobilis'') auszeichnet. Entsprechende Beobachtungen in ähnlichen Wäldern des nordwestdeutschen Tieflands werden sehr wahrscheinlich noch weitere Vorkommen des Wiesenschachtelhalms aufdecken können.
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!''Equisetum arvense''
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!''Equisetum pratense''
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|Zähne der '''mittleren''' Sproßscheiden (Maße für 8.-10. Wirtel von oben)<br/>Länge<br/>Länge : Breite<br/>Form<br/>Farbe, Konsistenz
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|2 - 3,5 mm<br/>  6 - >8 : 1 <br/> lang, pfriemlich spitz <br/> krautig grünlich bis bräunlich, ohne deutlichen Bautrand, derb, nie hyalinhäutig
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|nur bis ca. 1,5 mm <br/> nur ca. 3 : 1 <br/> schlank dreieckig, gelegentlich mdt austretendem, feinem Spitzehen <br/>zart, nie krautig, hyalin-weißlich durchsichtig, mit mehr oder mdnder deutlicher dunkelbrauner Zeichnung, die aber immer noch einen deutlichen weißlichen Hautrand übrigläßt (erinnert in Farbe und Konsistenz an die Spelzen mancher ''Carex''-Arten)
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|Zähne der '''oberen''' Sproßscheiden (Maße für 4. Wirtel von oben)<br/>Länge<br/>Länge : Breite<br/>Form<br/>Farbe, Konsistenz
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|2 - 2,5 mm<br/> 4 - 5 : 1 <br/> lang, pfriemlich spitz <br/> krautig grünlich, nicht oder kaum hautrandig
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|nur ca. 0,5 - 1 mm <br/> nur bis ca. 2 : 1 <br/> breit dreieckig <br/>zarthäutig, nie krautig; entweder ganz hyalin-weißlich durchsichtig oder mit dunkelbrauner Mittelzeichnung
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|Zähne an der '''2. Scheide der mittleren Seitenäste''' (= 3. Scheide, wenn die unmittelbar dem Hauptsproß aufsitzende Scheide an der Basis der Seitenäste mitgerechnet wird)<br/>Zahl<br/> Länge<br/> Länge : Breite <br/> Form
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|4 <br/> ca. 2 mm <br/> 4 - 6 : 1 <br/> pfriemlich spitz
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|3 <br/> kaum 1 mm <br/>nur etwa so lang wie breit <br/> sehr breit, mit feiner, etwas aufgesetzter (meist brauner) Spitze oder stumpf
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|Querschnitt der Seitenäste
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|4-kantig (immer, oder nur weitaus überwiegend?)
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|3-kantig
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|Form der Kieselhöcker auf den Rippen des Sprosses zwischen dem 4. und 10. Wirtel von oben (Profilansicht)
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|viel breiter als hoch, plattenartig, oft kaum oder (an feucht-schattigen Standorten) gar nicht entwickelt
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|zapfenförmig ("spikesartig"), viel hoher als breit (auch an schattigen Standorten
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==Literatur==
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*{{smallcaps|BROCKHAUSEN, H.}}, 1912/13: Neue Fundorte höherer Pflanzen in der Umgegend von Rheine. - Jahresber. Bot. Sekt. Westfäl. Provinzial-Ver. Wisse u. Kunst '''41''', 193-194.
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* - 1926: Pflanzenwelt Westfalens. Paderborn, 235 S.
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*{{smallcaps|BUCHENAU, F.}}, 1894: Flora der Nordwestdeutschen Tiefebene. - Leipzig, 550 S.
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*{{smallcaps|BUSCHBAUM, H.}}, 1891: Flora des Regierungsbezirks Osnabrück. - Osnabrück, 377 S.
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*{{smallcaps|GRIESEBACH, H.R.A.}}, 1846: Über die Bildung des Torfs in den Emsmooren aus deren unveränderter Pflanzendecke. Nebst Bemerkungen über die Kulturfähigkeit des Bourtanger Hochmoors. - Göttingen, 118 S.
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*{{smallcaps|KOCH, K.}}, 1934: Flora des Regierungsbezirks Osnabrück und der benachbarten Gebiete. - Osnabrück, 579 s.
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* - 1958: desgl., 2. Aufl., - Osnabrück, 543 S.
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*{{smallcaps|LUDWIG, W.}}, 1962: Neues Fundorts-Verzeichnis zur Flora von Hessen. Teil 1. Jahrbücher Nassauisch. Ver. f. Naturkunde '''96''', 5-45.
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*{{smallcaps|RAABE, E.W.}} u. {{smallcaps|H. USINGER}}, 1970: Bemerkungen zu den Equiseten in Schleswig-Holstein. - Kieler Notizen z. Pflanzenkunde Schleswig-Holsteins '''1970'''(6), 9-15.
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*{{smallcaps|RUNGE, F.}}, 1972: Die Flora Westfalens. 2. Aufl. - Münster, 550 s.
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*{{smallcaps|WÖLDECKE, K.}}, 1968: Bunter Schachtelhalm und Wiesen-Schachtelhalm - ein Beitrag zur Verbreitung in Niedersachsen. - Gött. Flor. Rundbr. 1968, 3-6.
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| File:Flor.Rundbr._9,35-39_Weber_1975_Equisetum_arvense,_pratense_1200dpiSW.png | Merkmalsvergleich  ''Equisetum arvense'' und ''Equisetum pratense''.
 
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<!-- Tabelle -->
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Latest revision as of 03:30, 4 November 2021

Quelle: Weber, H. E. 1975: Zur Unterscheidung von Equisetum arvense L. und Equisetum pratense Ehrh.. Flor. Rundbr. 9: 35-39. (Die Arbeit liegt auch als PDF-Datei vor.) (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf H. E. Weber beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Hinweis: Der vorliegende Artikel wird unverändert bereit gestellt. Bei älteren Arbeiten ist zu beachten, dass unter Umständen neuere Erkenntnisse zum Thema vorliegen!

Die Unterscheidung der Schachtelhalme bereitet im allgemeinen keine besonderen Schwierigkeiten, wenn man von der wichtigsten Ausnahme absieht, der morphologischen Trennung des Acker- und des Wiesenschachtelhalms. Zwar sind auch diese beiden Arten in typischer Wuchsausprägung kaum zu verkennen, sofern man die robusten Exemplare sonniger Standorte von E. arvense mit ihren aufstrebenden Seitenästen und die eher an E. sylvaticum erinnernden zarten Pflanzen des E. pratense vor sich hat. Allerdings gibt es standörtliche Überschneidungen, da auch E. arvense regelmäßig in jene halb- oder vollschattigen Wald- und Gebüschstandorte vordringt, die normalerweise gerade für E. pratense typisch sind. Hier finden sich dann jene zarten Schattenformen des Ackerschachtelhalms, die mehr oder minder durch die f. nemorosum A.BR. repräsentiert werden, und die sich von der typischen Wuchsforrn durch längere Internodien und schlaffere, knickig überhängende Äste unterscheiden und somit leicht für den Wiesenschachtelhalm gehalten werden können.

Auf die besondere Gefahr der Verwechslung dieser beiden Schachtelhalmarten, wie sie eben durch derartige grob-habituelle und standörtliche Überschneidungen zustande kommen kann, ist schon wiederholt hingewiesen worden (u.a. von BUCHENAU 1894, LUDWIG 1962, WÖLDECKE 1968). Die Bestimmungsschlüssel - soweit sie sich nur auf die sterilen Teile beziehen - sind nicht eindeutig. Auch ein neuerer Versuch einer Verschlüsselung der Schachtelhalme nach vegetativen Merkmalen durch RAABE u. USINGER (1970) erweist sich gerade in Bezug auf den Acker- und Wiesenschachtelhalm als unpraktikabel. Die Ursache dafür liegt vor allem darin, daß die wichtigen Merkmale der Zahnformen (Blätter) an ein und derselben Pflanze gesetzmäßig sehr stark wechseln, indem nämlich diese Zähne an den oberen Scheiden des Sprosses zunächst kürzer und breiter beginnen und nach unten zu immer länger und damit relativ dünner werden. Umgekehrt beginnen die Scheiden der unteren Nodien der Seitenäste mit kurzen, breiten Zähnen, die sich zur Spitze dieser Äste hin immer mehr verlängern. So kann eine bestimmte Zahnform gegebenenfalls für beide Arten mehr oder minder zutreffen. Wenn man jedoch die erwähnten Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt und definierte Abschnitte der Pflanzen zugrundelegt, kommt man zu überraschend eindeutigen Ergebnissen, durch die die Unterscheidung dieser beiden Arten gänzlich unproblematisch wird (siehe tab. Übersicht und Abb.).

Das neben den Zahnformen besonders klare Merkmal der unterschiedlichen Kieselhöcker an den Sproßrippen kommt sehr schön erst bei stärkerer Vergrößeung zum Vorschein. Es ist aber auch deutlich genug als Silhouette mit der Lupe zu erkennen, wenn der Sproß gegen das Licht gehalten wird. Dieses ohnehin sehr typische Kennzeichen gewinnt noch dadurch an Bedeutung, daß E. arvense anscheinend nur bei genügender Besonnung und an trockeneren Standorten deutlich entwickelte Kieselhöcker ausbildet. Schattenformen (f. nemorosum) dagegen, die ja eigentlich nur für eine Verwechslung mit E. pratense in Betracht kommen, scheinen dagegen - soweit wir sahen - entweder überhaupt keine, oder doch kaum sichtbare Höcker zu entwickeln, während unter den gleichen Standortsbedingungen E. pratense sehr deutlich seine charakteristischen "Spikes" ausbildet.

Die in der Übersicht und in den Abbildungen dargestellten Merkmale ließen sich noch um weitere vermehren. So sind etwa die verwachsenen Partien der Zähne (Scheide) beim Wiesenschachtelhalm nicht nur zwischen den Zähnen eingefaltet (Commissuralfurchen), sondern im Gegensatz zum Ackerschachtelhalm jeweils auch auf dem Rücken mit einer deutlichen Furche ausgestattet (Carinalfurchen). Es ist aber nicht notwendig, das Gedächtnis mit einer Vielzahl von Merkmalsdaten zu belasten. Nach unseren Beobachtungen ist bereits ein einziges der charakteristischen Merkmale - vor allem die gänzlich unterschiedliche Form der Zähne an den Seitenästen (aber auch die Kieselhöckerform) vollständig zur Trennung beider Arten ausreichend.

Die bisherigen Bestimmungsprobleme mögen dazu geführt haben, daß E. pratense übersehen wurde und tatsächlich weiter als bekannt verbreitet ist. Zwar zeigt die Art entsprechend ihrer allgemein nördlichen Verbreitungstendenz von Schleswig-Holstein aus (wo sie "ziemlich häufig" ist und "nichts Besonderes" darstellt - RAABE u. USINGER 1970) nach Niedersachsen hin ein deutliches Verbreitungsgefälle, doch fehlt sie auch hier nicht ganz (WÖLDECKE 1968). Sicher aber ist sie dort häufiger als bislang angenommen, und bei einer genaueren Durchforschung könnten auch alte, bislang für unwahrscheinlich gehaltene Angaben vielleicht bestätigt werden, wie das Beispiel von GRIESEBACH (1846) zeigt. Seine Fußnote auf S. 44, daß E. pratense "in dichterem Eichengebüsch auf bewachsenen Dünen bei Lingen" vorkäme, ist bislang stets bezweifelt und zumeist auf Verwechslung mit E. arvense f. nemorosum zurückgeführt worden (BUCHENAU 1894, BUSCHBAUM 1891, KOCH 1934, 1958). Am 4.8.1972 hatte der Verf. jedoch Gelegenheit, unter der freundlichen Führung von Rektor a.D. F. Busche (Lingen) den "Biener Busch" bei Lingen (3409/2) aufzusuchen und konnte dabei hier ein von Busche entdecktes reichliches Vorkommen des Wiesenschachtelhalms bestätigen. Zwar handelt es sich beim "Biener Busch" - auf etwas hügeligem Gelände unmittelbar in Nähe der Ems - um einen bodensauren Eichen-Hainbuchen-Wald mit Obergängen zum Buchen-Eichenwald und nicht etwa um dürren Dünensand, den man nach GRIESEBACHs Angabe vermuten würde, doch dürfte es sich durchaus um dieses alte Vorkommen handeln. Dieser Fundort ist somit der nördlichste in einer Kette von Standorten, die im Bereich der mittleren Eros bislang vorwiegend in Westfalen (RUNGE 1972), aber auch bis Listrup bei Salzbergen (bereits Niedersachsen, 3610/1, nach BROCKHAUSEN 1912/13) bekannt geworden sind. In jenen Eros-begleitenden Auen- und Eichen-Hainbuchen-Wäldern scheint die Art keineswegs selten zu sein, ja, es könnte sogar die zunächst unwahrscheinlich klingende Schilderung von BROCKHAUSEN (1926) nicht einmal übertrieben sein, der über den Wiesenschachtelhalm in diesem Gebiet mitteilt: "Bei Rheine begleitet er den Bentlagerbusch und das anliegende Emsufer wohl auf 1 km Entfernung und steht dort so dicht gedrängt, daß wir in der Kriegszeit, in der die Nachfrage nach Schachtelhalmen groß war, ganze Wagenladungen dort gesammelt haben".

Ein zweites, im nördlichsten Niedersachsen ganz isoliert liegendes Vorkommen fanden wir 1966 im Nordahner Gehölz bei Nordahn, Krs. Land Hadeln (2320/1 - 1972! dort noch vorhanden und anläßlich einer Exkursion dem Naturwisse Verein zu Bremen vorgeführt). Auch hier handelt es sich um einen Eichen-Hainbuchen- Wald, der an dieser Stelle inselartig in einer weiten ehemaligen Heide- und Moorlandschaft gelegen ist, und der sich - bedingt durch besondere Bodeneigenschaften - durch eine überraschende Fülle von in jenem Landstrich sonst seltenen oder fehlenden Arten (z.B. Hepatica nobilis) auszeichnet. Entsprechende Beobachtungen in ähnlichen Wäldern des nordwestdeutschen Tieflands werden sehr wahrscheinlich noch weitere Vorkommen des Wiesenschachtelhalms aufdecken können.

Equisetum arvense Equisetum pratense
Zähne der mittleren Sproßscheiden (Maße für 8.-10. Wirtel von oben)
Länge
Länge : Breite
Form
Farbe, Konsistenz
2 - 3,5 mm
6 - >8 : 1
lang, pfriemlich spitz
krautig grünlich bis bräunlich, ohne deutlichen Bautrand, derb, nie hyalinhäutig
nur bis ca. 1,5 mm
nur ca. 3 : 1
schlank dreieckig, gelegentlich mdt austretendem, feinem Spitzehen
zart, nie krautig, hyalin-weißlich durchsichtig, mit mehr oder mdnder deutlicher dunkelbrauner Zeichnung, die aber immer noch einen deutlichen weißlichen Hautrand übrigläßt (erinnert in Farbe und Konsistenz an die Spelzen mancher Carex-Arten)
Zähne der oberen Sproßscheiden (Maße für 4. Wirtel von oben)
Länge
Länge : Breite
Form
Farbe, Konsistenz
2 - 2,5 mm
4 - 5 : 1
lang, pfriemlich spitz
krautig grünlich, nicht oder kaum hautrandig
nur ca. 0,5 - 1 mm
nur bis ca. 2 : 1
breit dreieckig
zarthäutig, nie krautig; entweder ganz hyalin-weißlich durchsichtig oder mit dunkelbrauner Mittelzeichnung
Zähne an der 2. Scheide der mittleren Seitenäste (= 3. Scheide, wenn die unmittelbar dem Hauptsproß aufsitzende Scheide an der Basis der Seitenäste mitgerechnet wird)
Zahl
Länge
Länge : Breite
Form
4
ca. 2 mm
4 - 6 : 1
pfriemlich spitz
3
kaum 1 mm
nur etwa so lang wie breit
sehr breit, mit feiner, etwas aufgesetzter (meist brauner) Spitze oder stumpf
Querschnitt der Seitenäste 4-kantig (immer, oder nur weitaus überwiegend?) 3-kantig
Form der Kieselhöcker auf den Rippen des Sprosses zwischen dem 4. und 10. Wirtel von oben (Profilansicht) viel breiter als hoch, plattenartig, oft kaum oder (an feucht-schattigen Standorten) gar nicht entwickelt zapfenförmig ("spikesartig"), viel hoher als breit (auch an schattigen Standorten


Literatur

  • BROCKHAUSEN, H., 1912/13: Neue Fundorte höherer Pflanzen in der Umgegend von Rheine. - Jahresber. Bot. Sekt. Westfäl. Provinzial-Ver. Wisse u. Kunst 41, 193-194.
  • - 1926: Pflanzenwelt Westfalens. Paderborn, 235 S.
  • BUCHENAU, F., 1894: Flora der Nordwestdeutschen Tiefebene. - Leipzig, 550 S.
  • BUSCHBAUM, H., 1891: Flora des Regierungsbezirks Osnabrück. - Osnabrück, 377 S.
  • GRIESEBACH, H.R.A., 1846: Über die Bildung des Torfs in den Emsmooren aus deren unveränderter Pflanzendecke. Nebst Bemerkungen über die Kulturfähigkeit des Bourtanger Hochmoors. - Göttingen, 118 S.
  • KOCH, K., 1934: Flora des Regierungsbezirks Osnabrück und der benachbarten Gebiete. - Osnabrück, 579 s.
  • - 1958: desgl., 2. Aufl., - Osnabrück, 543 S.
  • LUDWIG, W., 1962: Neues Fundorts-Verzeichnis zur Flora von Hessen. Teil 1. Jahrbücher Nassauisch. Ver. f. Naturkunde 96, 5-45.
  • RAABE, E.W. u. H. USINGER, 1970: Bemerkungen zu den Equiseten in Schleswig-Holstein. - Kieler Notizen z. Pflanzenkunde Schleswig-Holsteins 1970(6), 9-15.
  • RUNGE, F., 1972: Die Flora Westfalens. 2. Aufl. - Münster, 550 s.
  • WÖLDECKE, K., 1968: Bunter Schachtelhalm und Wiesen-Schachtelhalm - ein Beitrag zur Verbreitung in Niedersachsen. - Gött. Flor. Rundbr. 1968, 3-6.