Acker-Knautie (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)

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Pflanzentafel von Natura Miriquidica e.V. (kammbegegnungen.de) aus Offene Naturführer (offene-naturfuehrer.de) erarbeitet von Plank, A. u.a. (4/2019)
Pflanzenfamilie: Geißblattgewächse
Acker-Knautie: links Einzelblüten und Früchte, rechts oberer Stengel der Pflanze, Hintergrund untere Blätter (Knautia arvensis beschrieben als Scabiosa arvensis aus English botany 1877)
Blüte JFMAMJJASOND

Acker-Knautie, Acker-Wittwenblume und Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis (L.) Coult., Familie Geißblattgewächse=Caprifoliaceae, Synonym: Scabiosa arvensis L.) Wortherkunft: Knautia benannt von Linné nach Christopher Knaut, Leibarzt des Herzogs zu Anhalt-Köthen und Autor eines Pflanzenkataloges aus der Umgebung von Halle; arvensis bedeutet auf dem Feld, Acker lebend (Boswell u.a. 1877; Hegi 1918)

Merkmale

Ausdauernde Halbrosettenpflanze, die Form der Blätter ist vielgestaltig, ganze Pflanze mehr oder weniger borstig behaart; die Pflanze ist außerordentlich formenreich (Hegi; Düll & Kutzelnigg 1994)

Größe: 30 bis 150 cm Blume (Blütenstand): das Blütenköpfchen besteht aus vielen kleinen Blüten (  1, 2 u. 3), das auf einem langen, behaarten, drüsigen oder drüsenlosen Stiel gewachsen ist; Köpfchen 2 bis 4 cm breit; es gibt weibliche Köpfchen mit nur weiblichen Blüten (55 bis 60), die nur Fruchtknoten haben und zwittrige Köpfchen, mit Fruchtknoten und Staubblättern zusammen in einer Blüte (85 bis 100 kleine Blüten); die Randblüten strahlen nach außen. Die Farbe reicht von blaulila, seltener rotlila bis gelblichweiß bis rein weiß; Hüllblätter um und unter dem Köpfchen mehrreihig, aus eiförmigem Blattgrund lanzettlich, reichlich angedrückt langhaarig. Früchte: 5 bis 6 mm lange Schließfrucht (=Achäne;   4, 5 u. 6 ist Querschnitt), dicht mit aufwärts gerichteten Haaren besetzt (ca. 5 bis 6 mm lang und 2 mm breit); die Außenseite kann sogar noch nach dem Abfallen der Frucht Sonnenlicht zur eigenen Nahrung umwandeln; Frucht mit Ölkörper deshalb auch von Ameisen verbreitet, sonst durch Tiere auch ausgestreut und „verschleudert“. Fruchtreife: September Blätter: mehr oder weniger graugrün, glanzlos, im Umriss spatelförmig, lanzettlich, im vorderen Drittel am breitesten, fast kahl bis ziemlich reichlich behaart; verschiedene Blätterformen: leierförmig bis fiederspaltig (selten einfach und ungeteilt), kerbig bis gesägter Rand, mit stumpfen bis schwach zugespitzten Abschnitten, die wie kleine Lanzen aussehen (lanzettlich) Stängel: aufrecht, stielrund oder mehr oder weniger gefurcht, einfach oder ästig, beblättert, unten von nach rückwärts gerichteten Borsten zottig, oben kahl Wurzelstock: ästig, mit starker Pfahlwurzel, seitlich vom blütentragenden Stängel nach dem Blühen überwinternde Blattrosetten treibend aus deren Mitte im nächsten Jahr der Blütenstängel sprosst; zur Blütezeit demnach am Grund des Blütenstengels die oft schon vergilbten Rosettenblätter vorhanden und daneben einzelne noch wenig entwickelte Blattrosetten

Vorkommen, Verbreitung

Wegränder (Ruderalstandort), Wiesen und Weiden

Häufig und verbreitet auf trockenen, sonnigen Wiesen mit einem tiefgründigen, guten Boden, seltener auf Äckern, Brachen, an Wegrändern, Rainen, buschigen Stellen; von der Ebene bis in die Voralpen, aber etwas wärmeliebend; auf nährstoffreichen und basischen Böden, zeigt Lehm an (Hegi; Düll)

Verbreitung: Ganz Europa mit Ausnahme der Arktis; Kaukasien, westliches Sibirien

Zum Schutz: nach Bundesartenschutzverordnung nicht besonders geschützt (Floraweb 2018)

Wissenswertes

Viele Schmetterlingsarten ernähren sich vom Nektar der Blumen (bis über 80 sind bekannt s. Floraweb 2018) aber auch verschiedene Raupen fressen von der Acker-Knautie. Den Bienen bieten die Blüten auch eine willkommene Nahrung.

Zum Namen beschreibt Hegi 1918 eine reichhaltige Benennung der Volksnamen, einige bezeichnen den knopfähnlichen Blütenstand: Kneef, Kneefchen, Judenkneefchen (Nordostdeutschland, ehem. Preußen), Knapblaume, Knaphoste (Göttingen), Knopfblume (Schweiz: Zürich), Domhärenkneipe [Domherrnknöpfe] (Westfalen) usw., andere Namen beziehen sich auf die Form und Farbe der Blüten: Hühner (ehem. Nordböhmen), Fotzmäuler (Österreich), Krähenschnabel (Schweiz: Emmental) usw.. In manchen Gegenden glaubt(e) man, dass das Abreißen der Pflanze ein Gewitter nach sich ziehe, daher Donnerblume (Vogtland, Niederbayern), Rege(n)-Rose (Schweiz: Obwalden). Andere Volksnamen sind schließlich noch Wilde Aster (Schweiz: Thurgau), Rösli, Haselöffel, Haselatsch, Hasenohren (Schweiz), Schmalzweichla [auch der Rückstand beim Schmalzauslassen] (Schwäbische Alb).

Verwendung

Stichworte: Tee-Ersatz

Hegi schreibt: die Pflanze liefert wegen ihrer groben Konsistenz und ihrer rauen Behaarung sowohl grün als auch dürre ein schlechtes, zähes und hartes Futter, das vom Vieh ungern aufgenommen wird und einen geringen Nährwert besitzt. Die Blätter fanden früher als Tee-Ersatz (=Teesurrogat) sowie in der Heilkunde (Herba Scabiosae) zur Reinigung und Heilung von Geschwüren Verwendung. Baxter 1837 beschreibt, dass die Blüten sich angeblich in „wunderschönstes grün“ verfärbten, hält man sie in Tabakrauch.

Umseitige Bildtafel: A blühende Pflanze. 1 Blüte vom Fruchtknoten losgerissen; 2 ganze Blüte; 3 Blütenlängsschnitt (der Außenkelch ist dunkelgrün); 4 Frucht im Außenkelch; 5 Frucht im Außenkelch nach Abwerfen des gezähnten Kelchsaumes; 6 Längsschnitt durch die Frucht im Außenkelch. 1 bis 6 vergrößert – Abbildung aus Thomé & Müller (1905)

 

A blühende Pflanze. 1 Blüte vom Fruchtknoten losgerissen; 2 ganze Blüte; 3 Blütenlängsschnitt (der Außenkelch ist dunkelgrün); 4 Frucht im Außenkelch; 5 Frucht im Außenkelch nach Abwerfen des gezähnten Kelchsaumes; 6 Längsschnitt durch die Frucht im Außenkelch. 1 bis 6 vergrößert – Abbildung aus Thomé & Müller (1905); Acker-Knautie, Acker-Wittwenblume, Wiesen-Witwenblume
A blühende Pflanze. 1 Blüte vom Fruchtknoten losgerissen; 2 ganze Blüte; 3 Blütenlängsschnitt (der Außenkelch ist dunkelgrün); 4 Frucht im Außenkelch; 5 Frucht im Außenkelch nach Abwerfen des gezähnten Kelchsaumes; 6 Längsschnitt durch die Frucht im Außenkelch. 1 bis 6 vergrößert – Abbildung aus Thomé & Müller (1905)
Pflanze in Teilen genießbar
Standort: Fettwiesen, Weiden
Standort: Wegraine
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FeuchteFeuchte
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