Getreidearten (Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve): Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 13. Februar 2011, 14:44 Uhr
Quelle: | Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve (2006). Lebensraum Acker. Verlag N. Kessel, ISBN-13: 978-3-935638-61-6; ISBN-10: 3-935638-61-2. Die vorliegende Zweitpublikation erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren und des Verlages. (Autorisierte Zweitpublikation) |
Hinweis: | Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Heinrich Hofmeister, Eckhard Garve beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen! |
Getreidearten (Familie: Süßgräser, Poaceae)
Saat-Hafer (Avena sativa) 50–150 cm; Blätter am Grund ohne Öhrchen; Ährchen 2–3 blütig, nickend, mit 0–1 Granne; Deckspelze am Grunde kahl (vgl. Flug-Hafer ); einjährig (annuell); VI-VII. – Sommergetreide mit hohem Wasserbedarf, besonders auf basenarmen Böden; Aussaat März/April, Ernte August/September; seit der Bronzezeit Kulturart in Mitteleuropa mit abnehmender Bedeutung; Anbau heute vorwiegend als Futtergetreide (Pferde) oder Grünfutterpflanze, geringer Anteil für menschliche Ernährung (Haferflocken, Haferbrei, Hafergrütze); Hafer hat höchsten Fett- und Mineralstoffgehalt aller Getreidearten; Stammform ist Flug-Hafer (A. fatua) oder der südeuropäische Taub-Hafer (A. sterilis).
Roggen (Secale cereale) 50–170 cm; Blätter am Grund mit kahlen Öhrchen; Ähre dicht walzenförmig; Ährchen meist 2-blütig; Hüllspelze 1-nervig, Deckspelze 3–7 cm lang begrannt; einjährig (annuell) bis winterannuell; V-VI. – Wintergetreide mit besonderer Kälteresistenz, selten als Sommergetreide angebaut; besonders auf basenarmen Sand- und Lehmböden; sehr gute Wassernutzung durch kräftiges Wurzelsystem; Aussaat September/Oktober (Winterroggen), Ernte Juli/August; Roggen ist als einzige Getreideart auf Fremdbestäubung angewiesen; Bedeutung als Brotgetreide abnehmend, Anbau außerdem als Grünfutterpflanze und zur Herstellung von Kornbranntwein; kann vom Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) befallen werden. Kreuzungen zwischen Roggen (♂) und Weizen (♀) werden unter dem Namen Triticale (x Triticosecale) gezüchtet und als Sommer- oder Wintergetreide angebaut. Ziel ist die Schaffung eines "Supergetreides", das die Eigenschaften des Roggens (Anspruchslosigkeit, Frostresistenz) mit denen des Weizens (Kornqualität, Krankheitsresistenz) vereint. Merkmale intermediär: Öhrchen bewimpert, untere Deckspelze lang begrannt, obere kurz begrannt.
Saat-Weizen (Triticum aestivum) 60–150 cm; Blätter am Grund mit bewimperten Öhrchen; Ähre dicht walzenförmig, mit zäher, nicht zerbrechlicher Achse; Ährchen 2–5-blütig, der Ährenachse zugewandt; Hüllspelzen mehrnervig; Deckspelzen meist unbegrannt, bei Sommerweizen selten begrannt ("Bartweizen"); Frucht zur Fruchtzeit aus den Spelzen ausfallend; einjährig (annuell) bis winterannuell; VI. – Meist als Winter-, seltener als Sommergetreide angebaut; anspruchsvoll, besonders auf wärmebegünstigten, nicht zu trockenen, basen- und nährstoffreichen Lehmböden, nach entsprechender Düngung auch auf lehmigem Sand; Aussaat Oktober (Winterweizen), Ernte August; eine der ältesten Kulturpflanze der Welt (Nachweis in Vorderasien vor 8000 Jahren); wichtigstes Brotgetreide, Anbauflächen und Erträge ständig zunehmend, in der Weltgetreideproduktion steht Weizen heute an erster Stelle vor Reis, Mais, Gerste und Hafer; Verwendung auch zur Herstellung von Stärke, Weizenbier und Kornbranntwein.
Der ähnliche Dinkel (Triticum spelta) ist anspruchsloser, hat eine lockere Ähre mit zerbrechlicher Achse, die Frucht bleibt zur Fruchtzeit von den Spelzen umschlossen (schwierigere Verarbeitung) und die Deckspelzen sind bis 10 mm lang begrannt. Seit der Jungsteinzeit wichtiges Wintergetreide, Anbau war in Deutschland fast völlig erloschen, seit dem Aufkommen von "Bioläden" wieder häufiger kultiviert (Dinkelbrot, Grünkern).
Vielzeilige Gerste (Hordeum vulgare; syn.: H. polystichon) 50–120 cm; Pflanzen hellgrün; Blätter am Grund mit sehr langen kahlen Öhrchen; Frucht-Ähre 4–6-zeilig; Ährchen 1-blütig, meist 3 beisammen (alle fertil); Hüllspelzen am Rand kahl; Deckspelzen lang begrannt (bis 15 cm); meist winterannuell; V-VI. – Wintergetreide, anspruchsloser als Weizen; Aussaat September, Ernte Juli/August; eine der ältesten Kulturpflanze der Welt; Verwendung zu Futterzwecken und zur Herstellung von Graupen; Anbauflächen In den letzten Jahrzehnten stark zunehmend; Stammform ist das ostmediterrane Hordeum spontaneum.
Die Zweizeilige Gerste (Hordeum distichon) hat eine 2-zeilige Frucht-Ähre: an der 2 der 3 zusammenstehende Ährchen verkümmert sind. Vorwiegend Sommergetreide; zum großen Teil Verwendung als Braugerste, auch als Brotgetreide.
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