Wurzel- und Knollenfrüchte (Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve)

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Quelle: Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve (2006). Lebensraum Acker. Verlag N. Kessel, ISBN-13: 978-3-935638-61-6; ISBN-10: 3-935638-61-2. Die vorliegende Zweitpublikation erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren und des Verlages. (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Heinrich Hofmeister, Eckhard Garve beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!

Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. altissima; Familie: Gänsefußgewächse, Chenopodiaceae) 50–150 cm; Wurzel rübenförmig, weißschalig, bis 10 % aus dem Erdboden herausragend; Blätter fleischig, wellig, bis 50 cm lang; Gesamtblütenstand rispig verzweigt; Blüten einzeln oder zu 2–8 geknäuelt, zwittrig; Blütenblätter 5, grün, 2–3 mm lang, mit dem Fruchtknoten verwachsen; zweijährig, selten einjährig; VII-IX. – Bevorzugt angebaut auf tiefgründigen humosen, nährstoff und basenreichen Lehmböden, besonders in Lößgebieten; Aussaat März bis Mai, Ernte Mitte September bis November; erste Zuckerrübenfabrik 1802 in Schlesien, seit 1850 wird Rübenzucker in großem Umfang hergestellt und verdrängte den Rohrzucker; Anbaufläche der Zuckerrübe in Deutschland 1836/37 1040 ha, 1951 ca. 430 000 ha, 1995 513 000 ha; Zuckergehalt anfangs 5 %, durch Züchtungen heute 18–22 %; dient auch zur Alkoholherstellung; Rückstände aus der Rübenzuckergewinnung (Melasse) und Blätter werden als Viehfutter verwendet; Wildform (Beta vulgaris subsp. maritima) an süd- und westeuropäischen Küsten bis Helgoland.

Futterrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. rapacea) Unterschiede zur vorigen Sippe: Rübe gelb- oder rotschalig, zu 50–70 % aus dem Erdboden herausragend. – Gegenüber Standortbedingungen weniger anspruchsvoll als Zuckerrübe; Verwendung heute nur für Futterzwecke; als Kulturpflanze seit dem 15. Jh. bekannt, seit Beginn des 18. Jh. feldmäßiger Anbau als Futterpflanzen; starker Anbaurückgang seit 1950 wegen arbeitsaufwendiger Anbautechnik zugunsten von Silo-Mais.

Kohlrübe (Brassica napus subsp. rapifera; Familie: Kreuzblütengewächse, Brassicaceae) Unterschiede zum Raps: Wurzel und Stängelgrund rübenförmig verdickt; winterannuell bis zweijährig; VI. – Als wenig anspruchsvolle Futter- und Gemüsepflanze vor allem in kühlen und feuchten Klimaten kultiviert (erst seit dem 17. Jh. bekannt), meist als Zwischenfrucht zwischen zwei Getreidefolgen; Setzlinge werden im Mai gesteckt ("Steckrübe"), Ernte Oktober/November; wird besonders in Skandinavien angebaut.

Garten-Möhre (Daucus carota subsp. sativa; Familie: Doldengewächse, Apiaceae) 30–120 cm; Wurzel fleischig, orange, essbar (Karotte, Mohrrübe); Blätter 2–4-fach gefiedert; Dolde zur Blütezeit flach, zur Fruchtzeit tief eingesenkt (vogelnestartig); Hüllblätter zahlreich, fiederteilig, zur Fruchtzeit oft zurückgeschlagen; Hüllchenblätter meist ungeteilt; Krone weiß, die mittlere Blüten der Dolde mitunter schwärzlich ("Mohrenblüte"); Frucht 3–4 mm lang, mit vielen widerhakigen Stacheln; ein- bis zweijährig; VI-IX. – Als Gemüse-, Salat- und Futterpflanzen besonders auf humosen, tiefgründigen, nicht staunassen Böden kultiviert; Aussaat ab März, Ernte von Ende Mai bis Oktober; Verwendung der Speicherwurzel roh oder gekocht, auch als Saft und Färbemittel, wegen hohen Carotingehalts (Provitamin A) beliebte Babykost, alte Heilpflanze; Stammform ist die auch in Mitteleuropa heimische Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota).

Kartoffel (Solanum tuberosum; Familie: Nachtschattengewächse, Solanaceae) 30–100 cm; Pflanzen mit unterirdischen Sprossknollen; Blätter gefiedert mit kleinen und großen Fiederblättchen; Krone weiß, rötlich oder blau, 2–3 cm breit; Frucht eine grüne Beere; krautig-ausdauernd; VI-VII. Als stärke- und Vitamin-C-reiches Grundnahrungsmittel angebaut auf frischen, nährstoffreichen, lockeren, mäßig sauren Lehm- und Sandböden, frostempfindlich; Pflanzung April/Mai (unter Folie eher), Ernte Juni (Frühkartoffeln) bis September/Oktober (Winterkartoffeln); alte Kulturpflanze aus den Hochlagen der Anden, wurde um 1570 nach Europa eingeführt, erst seit dem 18. Jh. von wirtschaftlicher Bedeutung; vielseitige Verwendung zu Speise- und Futterzwecken sowie Industrieerzeugnissen (Alkohol, Stärke, Puddingpulver, Klebstoff); um 1910 war Deutschland das kartoffelreichste Land mit 1/3 der Weltproduktion (ca. 46 Mill. Tonnen); seit 1950 starker Rückgang des Anbaus aufgrund veränderter Essgewohnheiten der Bevölkerung (jährlicher Kartoffelverbrauch pro Kopf 1950 202 kg, 1984 74 kg), in den Industrieländern erneut steigende Bedeutung durch fritierte Kartoffelerzeugnisse (Pommes frites, Kartoffelchips).