Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Weißfische (Karpfenfische) Baden-Württembergs nach äußeren Merkmalen (Sven Gemballa)

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Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Sven Gemballa (Zoologisches Institut, Universität Tübingen) beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!
Diese Arbeit ist eine Originalarbeit, die erstmalig hier publiziert ist.
Zitiervorschlag: Gemballa, Sven 2011. Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Weißfische (Karpfenfische) Baden-Württembergs nach äußeren Merkmalen. http:/​/​offene-naturfuehrer.​de/​wiki/​Bestimmungsschlüssel_​für_​die_​häufigsten_​Arten_​der_​Weißfische_​(Karpfenfische)_​Baden-Württembergs_​nach_​äußeren_​Merkmalen_​(Sven_​Gemballa)
Weißfische Baden-Württembergs (Fische)
Von: Sven Gemballa
In Baden-Württemberg sind im Verlauf der letzten 100 Jahre 28 Weißfischarten nachgewiesen worden. Von diesen gehört 1 Art ( Blaubandbärbling) nicht zur ursprünglichen Fischfauna des Gebietes. Die Bestände dieser Art haben sich aber sehr stabil entwickelt, so dass sie hier berücksichtigt wird. Andere eingeführte Arten (Gras-, Marmor- und Spiegelkarpfen) sind nach ihrer Einfuhr gezielt wieder zurückgedrängt worden und nur noch in Restbeständen präsent. Sie finden hier keine Berücksichtigung. Einige einheimische Arten hingegen sind aus verschiedenen Gründen verschwunden oder verschollen und werden daher nicht mehr berücksichtigt (Frauennerfling, Zährte, Zobel) finden ebenfalls keine Berücksichtigung. Die verbleibenden 22 Arten werden aufgeschlüsselt. Der Gebrauch des Schlüssels kann es ermöglichen, Fische auch im Aquarium oder nach einem Tauchgang zu bestimmen. Gerade bei Weißfischen ist das jedoch nur mit viel Erfahrung sicher möglich. Zum Erlernen der einheimischen Weißfischfauna bleibt es unerlässlich, die Bestimmung mit Handexemplaren einzuüben.

Als aktuelle Literatur zum baden-württembergischen Weißfischbestand wird Dubling & Berg (2001) [Fische in BW, Min. f. Ernährung und Ländl. Raum, Stuttgart] empfohlen.

Abkürzungen: A= Analis, Afterflosse; C= Caudalis, Schwanzflosse; D= Dorsalis, Rückenflosse; P= Pectoralis, -ia, Brustflosse(n); V= Ventralis, -ia, Bauchflosse(n), K= Körper; S= Schnorcheln; T= Tauchen
Geographischer Geltungsbereich: Baden-Württemberg — Quelle: Älterer Schlüssel von S. Gemballa, Stand Dezember 2001 — Zielgruppe: Allgemein • insbesondere auch Taucher und Schnorchler — Mitarbeit begrenzt auf: Sven Gemballa
1a
mit 2 oder 4 Barteln   ► 2
1b
ohne Barteln   ► 5
2a
mit 4 Barteln; in Flussmittelläufen, nicht gefährdet; L: V-VII (Abb. 1) 
  Barbe (Barbus barbus)
2b
mit 2 Barteln   ► 3
3a
Körper flachrückig, spindelförmig, kleinwüchsige Tiere; schwarzes gezacktes Längsband an k-seiten; in mäßig bis kräftig strömenden Fließgewässern; nicht gefährdet; L: V-VI(Abb. 2) 
  Gründling (Gobio gobio)
3b
andere Merkmalskombination   ► 8
4a
Tiere großschuppig, hochrückig,, Basis der D lang; weichgründige, warme, stehende Gewässer mit Pflanzen; Zuchtform häufig; Wildform gefährdet; L: V-VI (Abb. 3) 
  Karpfen (Cyprinus carpio)
4b
Tiere kleischuppig, Basis der D kurz; weichgründige, warme, stehende Gewässer mit Pflanzen; nicht gefährdet; L: V-VI (Abb. 4) 
  Schleie (Tinca tinca)
5a
Basis D sehr lang, etwa 1/4 der Körpergesamtlänge einnehmend   ► 6
5b
Basis D max. 1/6 der Körpergesamtlänge einnehmend   ► 7
6a
Rand von D leicht konvex gebogen; Bauchfell hell; außerhalb des Bodenseesystems stark gefährdet; stehende Gewässer, Überlebenskünstler; L: V-VI (Abb. 5) 
  Karausche (Carassius carassius)
6b
Rand von D gerade oder leicht konkav gebogen; Bauchfell dunkel; nicht gefährdet; L: Weibchen zusammen mit anderen Cypriniden, deren Spermien nur den Entwicklungsanstoß auslösen (Gynogenese) (Abb. 6) 
  Giebel (Carassius auratus)
7a
Kleinwüchsige Arten von nicht mehr als 15 cm   ► 8
7b
Arten größer 15 cm   ► 12
8a
K hochrückig; stehende pflanzenbewachsende, schlammige bis sandige Gewässer; Teichmuschelvorkommen für Laichakt nötig; Weibchen legt Eier über Legeröhre in Mantelraum; vom Aussterben bedroht; L: IV-VIII (Abb. 7) 
  Bitterling (Rhodeus amarus)
8b
K spindelförmig   ► 9
9a
Maul oberständig zur Aufnahme von Anflugnahrung   ► 10
9b
Maul endständig   ► 11
10a
Schwarmfisch der oberen Wasserschicht, stehende pflanzenreiche Gewässer, gefährdet; L: V-VII (Abb. 8) 
  Moderlieschen (Leucaspius delineatus)
10b
Schwarmfisch der oberen Wasserschicht, stehende Gewässer, nicht gefährdet; L: IV-VI (Abb. 9) 
  Ukelei (Alburnus alburnus)
11a
Schuppen klein, kaum sichtbar; schwarmbildende Art in sauberem, sauerstoffreichem Wasser; wenig gefährdet; L: IV-VI (Abb. 10) 
  Elritze (Phoxinus phoxinus)
11b
Schuppen deutlich; silbrig mit dunklem Längsband, aus Asien eingeführt, Status noch unklar; in allen Gewässertypen; L: mehrfach von III-VII (Abb. 11) 
  Blaubandbärbling (Pseudprasbsora parva)
12a
Basis der A lang, gut zweimal so lang wie die Höhe des Schwanzstieles   ► 13
12b
Basis der A kurz, etwa der Höhe des Schwanzstieles entsprechend   ► 14
13a
Abstand Kopfspitze bis Augenvorderrand größer als Augendurchmesser, in stehenden Gewässern und größeren Fließgewässern; anspruchslos, nicht gefährdet; L: V-VII (Abb. 12) 
  Brachsen (Abramis brama)
13b
Abstand Kopfspitze bis Augenvorderrand kleiner oder gleich Augendurchmesser, in stehenden Gewässern und größeren Fließgewässern; anspruchslos, nicht gefährdet; stärker ufergebunden als Brachsen, L: V-VII (Abb. 13) 
  Güster, Blikke (Abramis bjoerkna)
14a
unterständiges Maul unter einem „nasenartigen“ Vorsprung, scharfkantige, hornige Unterlippe; Art sauberer kräftig strömender Gewässer, stark gefährdet; L: III-IV (Abb. 14) 
  Nase (Chondrostoma nasus)
14b
Maul endständig, ohne „nasenartigen“ Vorsprung   ► 15
15a
saubere, strukturreiche, schnellfließende Gewässer; vom Aussterben bedroht; L: III-V (Abb. 15) 
  Strömer (Leuciscus souffia)
15b
Seitenlinie in Doppelreihe dunkler Punkte eingefasst; strömende mittelgroße Fließgewässer; gefährdet; L: V-VI (Abb. 16) 
  Schneider (Alburnoides bipunctatus)
16a
Hinterrand der A im ausgebreiteten Zustand konkav gebogen; Flüsse mit kiesig bis sandiger Stromsohle; kaum gefährdet; L: III-IV (Abb. 17) 
  Hasel (Leuciscus souffia)
16b
Hinterrand der A im ausgebreiteten Zustand konvex gebogen; anspruchslose Art vieler Gewässerformen; nicht gefährdet; L: IV-VI (Abb. 18) 
  Döbel (Leuciscus cephalus)
17a
größere mäßig strömende Fließgewässer, stark gefährdet; L: IV-VI (Abb. 19) 
  Aland (Leuciscus idus)
17b
Freiwasser tieferer Flüsse; einziger räuberischer Weißfisch; nicht gefährdet; L: III-V (Abb. 20) 
  Rapfen (Aspius aspius)
18a
Vorderrand der Basis von V steht unter dem Vorderrand der Basis von D; Auge rot; typischer Bewohner stehender und größerer langsam fließender Gewässer; nicht gefährdet; L: IV-V (Abb. 21) 
  Plötze, Rotauge (Rutilus rutilus)
18b
Vorderrand der Basis von V steht vor dem Vorderrand der Basis von D; Auge nicht rot; typischer Bewohner stehender Gewässer; nicht gefährdet; L: IV-V (Abb. 22) 
  Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus)
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Bestimmungsschlüssel für die häufigsten Arten der Weißfische (Karpfenfische) Baden-Württembergs nach äußeren Merkmalen (Sven Gemballa) (Zuletzt geändert:
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