Öl- und Faserpflanzen (Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve)
Quelle: | Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve (2006). Lebensraum Acker. Verlag N. Kessel, ISBN-13: 978-3-935638-61-6; ISBN-10: 3-935638-61-2. Die vorliegende Zweitpublikation erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren und des Verlages. (Autorisierte Zweitpublikation) |
Hinweis: | Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Heinrich Hofmeister, Eckhard Garve beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen! |
Saat-Lein (Linum usitatissimum; Familie: Leingewächse, Linaceae) 25–80 cm; Blätter ungeteilt, wechselständig; Blüten 5-zählig; Kronblätter himmelblau, 12–15 mm lang; einjährig (annuell); VI-IX. – Kulturpflanze seit der jüngeren Steinzeit, 1872 in Deutschland noch 215 000 ha Anbaufläche; früher kultviert als Faser-Lein ("Flachs") zur Gewinnung von "Leinen" aus Stängelteilen, seltener als Öl-Lein zur Ölgewinnung aus den Leinsamen, nach verstärkter Einfuhr ausländischer Textilfasern und Herstellung synthetischer Fasern sowie aufgrund hoher Produktionskosten als Kulturpflanze in Deutschland völlig verschwunden, seit Mitte der 1980er Jahre erneuter Kulturbeginn von Öl-Lein, Verarbeitung zu technischen Ölen, Nahrungsmitteln (Leinsamenbrot) und Vogelfutter; Aussaat März/April, Ernte August.
Raps (Brassica napus subsp. napus; Familie: Kreuzblütengewächse, Brassicaceae) 70–200 cm; Blätter blaugrün, die unteren behaart, fiederspaltig und gestielt, die oberen kahl, gezähnt bis ganzrandig und halbstängelumfassend; Blütenknospen die geöffneten Blüten überragend; Kronblätter goldgelb, 10–15 mm lang; Frucht 5–10 cm lang mit 8–25 mm langem Schnabel; einjährig (annuell) bis winterannuell; IV-VI. Wichtigste Ölanbaupflanze Europas, meist als Winterraps auf tiefgründigen, nährstoff- und basenreichen, Z. T. sandigen Lehmböden in humider Klimalage (hohe Luftfeuchte, kühle Sommer) angebaut; Aussaat August/September (Winterraps), Ernte Juli/August; liefert als "nachwachsender Rohstoff" hochwertiges Samenöl für die menschliche Ernährung (Speiseöl, Margarine) und für technische Zwecke (z. B. Treibstoff "Biodiesel"), Pressrückstände sind eiweißreiches Kraftfutter, dient auch als Grünfutterpflanze, außerdem begehrte Bienenweide (Rapshonig); verwildert zunehmend mit Einbürgerungstendenz (vor allem an Verkehrswegen); Stammform der Kohlrübe; seit dem 16. Jh. Kulturpflanze, geht vermutlich auf Bastardierung (B. oleracea x rapa) von Gemüse-Kohl und Rübsen zurück.
Sonnenblume (Helianthus annuus; Familie: Korbblütengewächse, Asteraceae) 50–300 cm; Pflanzen rauhaarig; Köpfe meist einzeln, nickend, 5–30 cm breit; Zungenblüten gelb, 5–10 cm lang, Röhrenblüten rotbraun, zahlreich; Frucht 8–15 mm lang, grau, oft schwarz gestreift; einjährig (annuell); VI-IX. – Wirtschaftlich wichtige Ölpflanze – besonders in sommerwarmen Gebieten außerhalb Mitteleuropas – mit ähnlicher Verwendung wie Raps (Speiseöl, Margarine, technische Öle), Aussaat April/Mai, Ernte August/September; außerdem Grünfutterpflanze, Vogelfutterpflanze und Zierpflanze, wird zunehmend auch als Knabberkost (z. B. geröstet) angeboten; Heimat: Nordamerika (alte Kulturpflanze der Indianer), kam im 16. Jh. nach Europa.
Hanf (Cannabis sativa subsp. sativa; Familie: Hanfgewächse, Cannabaceae) 30–250 cm; Pflanzen zweihäusig; Blätter 5–11 zählig gefingert, Teilblätter grob gezähnt, unterschiedlich lang; ♂ Blüten in rispenartigen Blütenständen; ♀ Blüten zu 2 blattachselständig, von grünem Vorblatt umschlossen; einjährig (annuell) bis winterannuell; VII-IX. – Alte Öl- und Faserpflanze, in Mitteleuropa nur selten kultiviert, Blätter und ♀ Blüten – besonders von C. sativa subsp. indica – liefern Rauschgift (Marihuana, Haschisch), daher Anbau genehmigungspflichtig, Vogelfutterpflanze; Heimat vermutlich Mittelasien.
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