Blattspreite (Grasartige)

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Blattspreite: Bei in Spreite und Scheide gegliederten Blättern der obere, vom Trieb mehr oder weniger abgespreizte Teil des Blattes, sie wird, vor allem in Wortzusammensetzungen auch kurz als „Blatt“ bezeichnet: Blattgrund, das dem Trieb nahe Ende der Spreite; Blattober-, -unterseite, Ober- bzw. Unterseite der Spreite usw. In den Grund verschmälert ist eine Spreite, wenn sie entfaltet am Blattgrund wesentlich schmaler ist als an der breitesten Stelle. Im übrigen ist die allgemeine Form der Spreite als Bestimmungsmerkmal wenig brauchbar. Dagegen ist die durch Längsfaltung hervorgerufene Ausbildung des Blattquerschnitts wichtig. Der Querschnitt kann meist leicht aus dem Erscheinungsbild des Blattes erschlossen werden, ohne tatsächlich einen Querschnitt anzufertigen. Dies ist aber mitunter bei sehr schmalen Spreiten ratsam und wird erforderlich, wenn es auf die Lage der Gefäßbündel zur Blattoberfläche ankommt. Als Normalfall bei den behandelten Arten kann das flache (grasartige) Blatt gelten, das gewöhnlich einfach oder doppelt gefaltet ist (Abb. 1). Sehr schmale Blätter sind im Querschnitt gewöhnlich nicht flach sondern dreieckig oder halbrund mit flacher oder rinniger Oberseite (Abb. 2), diese Blätter werden borstlich genannt. Breite Blattspreiten können auch dick und mit schwammigem Mark erfüllt sein (Abb. 3). Schließlich kann die Spreite drehrund oder seitlich abgeflacht sein und ist dann nicht in Ober- und Unterseite differenziert oder die Oberseite ist als Rinne angedeutet (Abb. 4): binsenartiges Blatt. Die Oberfläche der Spreite kann glänzend oder matt sein. „Matt“ ist das völlige Fehlen von Lichtreflexen, mitunter erscheinen die Nerven in einer matten Oberfläche als glänzende Linien. „Glänzend“ umfasst dagegen einen weiten Bereich von schwachem Seidenglanz bis zum Lackglanz der (trockenen!) Oberfläche. In der Regel steht nicht die Frage an, ob die Blätter der einen Art glänzen, die der anderen Art matt sind, sondern die leichtere, ob in dem einen Fall die Oberseite, im anderen die Unterseite glänzen. Unabhängig vom Glanz können Oberflächen Rippen und/oder Riefen (Furchen) zeigen. Von diesen sind Streifenmuster, die lediglich durch Farbe oder Helligkeit entstehen, sorgfältig zu unterscheiden. Ein Kiel ist eine stark hervortretende Mittelrippe der Blattunterseite. Der Blattrand kann entweder ganz glatt oder durch feine Zähnchen rau sein. Die Rauigkeit ist nicht immer mit dem Finger fühlbar (wohl mit Lippen oder Zunge fühlbar, das ist wegen der Verletzungsgefahr aber nicht zu empfehlen). Entscheidend ist, ob bei Lupenvergrößerung Zähnchen erkennbar sind. Bei einem abwärts rauen Rand sind die Zähnchen zur Blattspitze, bei einem aufwärts rauen Rand zum Blattgrund gerichtet. Die Richtung der Zähnchen kann vom Blattgrund zur Spitze wechseln. — Quelle: Foerster 2008