Daffner - Die Voralpenpflanzen 1893

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Daffner, F. 1893: Die Voralpenpflanzen. Bäume, Sträuche [sic], Kräuter, Arzneipflanzen, Pilze, Kulturpflanzen, ihre Beschreibung, Verwertung und Sagen. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, doi:10.5962/bhl.title.9644.

Stichworte: VoralpenpflanzenBäumeSträucherKräuterArzneipflanzenPilzeKulturpflanzenSagen von PflanzenPflanzenbeschreibungenVerwendung von PflanzenVerwendung von Heilpflanzen

Zusammenfassung: (aus automatischer Texterkennung)

Vorwort.

Der aufmerksame Beobachter, der sieh unserer Alpenkette nähert, wird finden, dass mit dem Annähern an dieselbe eine gewisse Unruhe, eine wellenförmige Bewegung in dem vorgelagerten Terrain auftritt, dass nicht plötzlich aus der Ebene die hohen Berge aufsteigen, sondern durch mehr oder minder sanfte Ansteigungen ein wohlthuender Übergang vermittelt wird. Zuerst Hügel, dann weniger hohe, dann die hohen Berge. Und so wie mit dem Terrain als Untergrund, so sieht es auch mit dem Gewand desselben aus: von der Flora der Ebene kommen wir ganz allmälig zur Vorgebirgs- und von ihr zur eigentlichen Gebirgsflora, welche mit 1800 m — einer der Benediktenwand bei Benedi ktbeuern entsprechenden Höhe — beginnend angenommen wird. Es ist daher klar, dass sich unter der Vorgebirgsflora viele Pflanzen finden, welche auch in der Ebene vorkommen, indem eine genaue Abgrenzung derselben nicht möglich. Ohne der Systematik bei dem Mangel eines durchgeheuds gültigen Systems (ich gab die Familie bei den einzelnen Arten an) die leitende Stelle einzuräumen, war ich darauf bedacht, von einem festen Standort — und zwar Benediktbeuern (626 m), daher hier immer Benediktbeuern bedeutet — die einzelnen Vorgebirgspflanzen mögliehst getreu nach der Natur zu beschreiben und nicht nur eine trockene Aufzeichnung zu liefern, sondern, auf volkstümliche Sagen und Dichtungen und nicht minder auf praktische Verwertung Bezug nehmend, auch dem Nichtfachmann eine angenehme Lektüre zu bieten und Lust und Freude zu der schönen friedlichen Wissenschaft der Pflanzenkunde in ihm zu wecken. Ebenso habe ich auf die Abstammung der Benennungen besondere Rücksicht genommen — spiegelt sich doch in den Namen der Pflanzen die Anschauung, der Gedanke jenes Teiles des Volkes, das sich mit ihnen vorzugsweise beschäftigt, wohin namentlich Hirten und Jäger gehören, von welchen daher viele noch, heute gebräuchliche Namen herrühren. Und in den Sagen klingt manches Lied und manche Erinnerung an frohe Kinderjahre traulich wider. Bei keinem andern Volk ist aber das menschliche Leben so innig und sinnig in Dichtung und Sage mit der Pflanzenwelt verweben wie gerade bei dem deutschen Volke. „Merkwürdig ist auch die verbreitete Auffassung der Beziehung zwischen Blumen und Tod; die Blumen, die frischen Kinder eines neu erwachenden Lebens, des Frühlings, und der Tod, das Ende des Erdenseins, der Vernichter des Lebens — zwischen dem einen und dem andern so wenig Beziehung und Zusammenhang — und dennoch liegt dieser Auffassung die sinnige deutsche Weise zu gründe. Die Blume welkt und verblüht in kurzer Zeit, doch erst nachdem sie den Samen, die Verheissung eines neuen Lebens, der Erde übergeben ; so stirbt auch der Mensch, aber in seinem Samen, seinen Worten oder seinen Werken, lebt er wieder auf, und wohl ihm, wenn beide von guter Art waren. Oder — die Blume welkt wohl im Herbst, aber sie stirbt nicht, denn ihr edelster Teil, die Wurzel, schläft nur unter der Erde, um mit dem erwachenden Frühling neues Leben zu treiben ; auch der Tod knickt nur den sichtbaren Teil des Lebens, der edlere und unsichtbare lebt in einen neuen schöneren Frühling hinein.“ Habent sua fata libelli — möge auch dieses Buch ein freundliches Schicksal haben.

München, im Januar 1893.

Dr. Franz Daffner.



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