Martin Pflanzennamen 1851
Vorrede.
Ohne Zweifel ist es nicht unwichtig für diejenigen, welche sich mit Pflanzenkunde beschäftigen, daß sie die Namen der Pflanzen, die sie kennen lernen, nicht als einen bloßen Schall, ohne wesentlichen Zusammenhang mit den bezeichneten Gegenständen, hinnehmen, sondern im Stande sind, die Beziehungen derselben zu den Pflanzen selbst aufzufassen. Und dochs ist für die Meisten der Zugang zur Kenntniß der eigentlichen Bedeutung dieser Namen äußerst schwierigz dies nicht allein für die, welche ohne ausreichende Kenntniß der classischen Sprachen Botanik treiben, wie Gärtner, Forstmänner, Pharmaceuten u. A. Denn selbst das verhältnißmäßig am leichtesten zu erlangende Verständniß der Pflanzennamen, die aus griechischen Wörtern eigens mit Bezug auf Bestimmungen der wissenschaftlichen Pflanzenkunde oder auf augenfällige Eigenschaften gebildet sind, ist z. B. Von Studirenden der Medicin oder der Naturwissenschaft fast immer nur mit so vielem Aufwande von Mühe zu erlangen, daß bedeutender Eifer dazu gehören würde, der Sache nicht bald überdrüssig zu werden. Und so zeigt es sich häufig genug-, daß sogar in botanischen Werken lateinische und griechische Namen beharrlich falsch geschrieben werden, wo man z. B. Absynthium, Amaranthus, Drymeia, Halymus, Hypochaeris, Mesembryanthemum Und anderes dgl. vielfältig lesen kann.
Man hat aus das oben erwähnte Bedürfniß mehrfach in Handbüchern der beschreibenden Botanik Rücksicht genommen; jedoch ist meist nur Ungenügendes dafür geschehen. Theils blieben viele Namen unerklärt, theils sagte man höchstens, dieser oder jener Name sei bei Griechen oder Römern ein Pflanzenname gewesen, theils gab man viele unrichtige und nicht selten lächerliche Erklärungen (wie einige davon gelegentlich angeführt sind), die sich freilich mitunter durch ihr hohes Alter empfahlen. Aus diese Weise konnte natürlich die Wißbegierde der Lernenden nur abgestumpft werden.
Das vorliegende Schriftchen soll diesem Mangel in dem Kreise abhelfen, wo er am meisten fühlbar wird, nämlich im Bereiche der vaterländischen phanerogamischen Flora. Es erklärt in alphabetischer Folge die Namen der Gattungen mit ihren wichtigeren Synonymen, dazu auch diejenigen Artennamen, welche als Substantive Apposition bilden. Jedoch sind die Gattungen, welche seit den Anfängen der neuern wissenschaftlichen Pflanzenkunde nach Botanikern benannt worden sind, um die häufige Wiederholung dieser Angabe zu Vermeiden, in einen besondern Anhang zusammengestellt Die deutschen Uebersetzungen botanischer Namen, welche sich vorfinden, sollen nicht etwa als deutsche Benennungen in Vorschlag gebracht sein, sondern nur die Bedeutung der fremden Veranschaulichen.
Wirkliche Berichtigungen in diesem Werkchen aufgestellter Erklärungen werden höchst willkommen sein und dankbar angenommen werden.
Halle, im August 1851.
D.V.