Exkursions-Bestimmungsschlüssel der Sphagnen Mitteleuropas (Gerhard Ludwig)
von XXXXXX
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Bestimmungsschlüssel für die Gattung Sphagnum verweisen den Benutzer bisher weitgehend auf mikroskopische Merkmale. Im Feldschlüssel für Moose schreibt WATSON (1981), dass eine Unterscheidung der Torfmoose nicht möglich sei. Für eine effektive Feldarbeit ist hingegen ein Schlüssel notwendig, der dennoch eine erste Einordnung und in vielen Fällen auch eine exakte Bestimmung mit der Lupe erlaubt.
TUOMIKOSKI (1946) bemühte sich mit seinem Schlüssel „Finnische Torfmoose und ihre Bestimmung ohne Mikroskop“, diesem Bedürfnis als Erster entgegenzukommen. In der Übersetzung aus dem Finnischen von HUBER gab TUOMIKOSKI´s Arbeit die entscheidende Anregung zu diesem Schlüssel (LUDWIG 1986; HILL 1976 war damals übersehen worden). Die Erfahrungen aus der vegetationskundlichen Feldarbeit und kritische Rückmeldungen führten zu zwei weiteren Auflagen (LUDWIG 1987 und 1988). Mittlerweile sind einige weitere Schlüssel für den Gebrauch im Gelände erschienen (MCQUEEN 1990, HODGETTS & PAYNE 1992, FLATBERG 1994a und ZECHMEISTER 1995). Die Auswertung dieser Publikationen und die langjährige Erfahrung bildeten die Grundlage einer gründlichen Überarbeitung.
Der vorliegende Schlüssel behandelt alle 40 in Mitteleuropa nachgewiesenen Torfmoose ergänzt um die leichter kenntlichen aus ganz Europa. Auf die übrigen wird an geeigneter Stelle kurz mit einem Verweis auf die entsprechende Literatur hingewiesen.
Für Europa wurden bisher ca. 200 Arten und eine Unzahl infraspezifischer Sippen beschrieben (vgl. WARNSTORF 1911 und ISOVIITA 1966). Bei den meisten beschriebenen Sippen handelt es sich um Modifikationen. Mit der Feststellung ihrer taxonomischen Bedeutungslosigkeit geriet die Kenntnis über die morphologische Bandbreite häufig in Vergessenheit (z. B. rein grüne Formen vonS. russowii, deren apikaler Stammblatteinschnitt fast die Größe von S. girgensohnii erreicht).
Der vorliegende Schlüssel versucht die sehr ausgeprägte Variabilität vieler Arten weitgehend zu berücksichtigen. Dies findet bereits in der groben Gliederung des Schlüssels seinen Niederschlag, die sich einerseits an leicht auffälligen Merkmalen (Färbung, abweichende Wuchsform) und andererseits an gut kenntlichen Sektionen (Sect. ‘‘Sphagnum’’ und Sect. Polyclada) ausrichtet. Da die meisten rötlichen oder bräunlichen Arten unter ökologisch nicht optimalen Bedingungen auch grünliche Modifikationen ausbilden können, sind diese dort nochmals aufgeschlüsselt.
Die Zeichnungen hat Frau E. Schodl (Bonn) angefertigt. Die Fotos haben Herr M. Lüth (Freiburg), Frau B. Dierßen (Kiel) und Herr P. Wolff (Saarbrücken) zur Verfügung gestellt; die Abbildungsreihenfolge richtet sich nach der Nennung im Bestimmungsschlüssel. Für die kritische Durchsicht danke ich Frau Dr. M. Koperski (Bremen).
Taxonomie und Namensgebung
Heute können 38–40 Sippen in Mitteleuropa (vgl. KOPERSKI & al. 2000, SCHNYDER & al. 2004 und GRIMS 1999) und 52–62 in Europa (FLATBERG 1994a und DANIELS & EDDY 1990) als nachgewiesen und anerkannt gelten. Nomenklatorisch folgt der Schlüssel für in Deutschland vorkommende Sippen KOPERSKI & al. (2000) sowie für die weiteren europäischen Sippen FLATBERG (1994a) und DANIELS & EDDY (1990) oder dort genannter Originalliteratur.
Bei den Pflanzennamen wird auf die Nennung der Autoren verzichtet.
Bemerkungen zur Bestimmung
Bevor man mit der Bestimmung im Gelände beginnt, sollte man sich zunächst mit einigen Sphagnen aus jeder großen Sektion durch mikroskopische Bestimmung vertraut machen. Zu verweisen ist hier insbesondere auf HUBER (1998), DIERSSEN (1996), HILL (2004), CRUM (1984), BOUMAN (2002), DANIELS & EDDY (1990) und NYHOLM (1969) sowie für einzelne Hinweise auf WEDDELING & al. (2005). Eine allgemeine, deutschsprachige Einführung geben PAUL (1931) und HUBER (1998). Sehr gute Fotos finden sich bei FLATBERG (1994a; alle europäische Arten außer S. skyense und S. lenense) und LÜTH (2004a, 2004b).
Der vorliegende Schlüssel sollte zunächst nur dazu verwendet werden, die bereits durch mikroskopische Untersuchungen oder Vermittlung durch eine/n Spezialistin/en bekannten Arten im Gelände wieder zu erkennen. Jede Bestimmung im Gelände sollte nachträglich überprüft werden! Hat man so erst einmal genügend Erfahrung gesammelt, wird es, von einigen Ausnahmen abgesehen, möglich sein, mit diesem Schlüssel fast alle Arten – aber nicht jede Probe! – zu bestimmen. Es sollten möglichst optimal entwickelte und gefärbte Pflanzen zur Bestimmung verwendet werden. Stammblättchen werden am besten unterhalb des zu entfernenden Schopfes untersucht. Um trockene Pflanzen zu erhalten reicht es eine kleine Probe in die Hosentasche zu stecken und nach einigen Minuten wieder hervorzuholen.
Wasserformen bereiten oft große Bestimmungsschwierigkeiten, speziell bei S. fallax / cuspidatum / majus (vgl. z. B. ITJESHORST 1984) und den Varietäten von S. denticulatum (vgl. ÅBERG 1940). Hier und in allen Zweifelsfällen ist eine mikroskopische Untersuchung unumgänglich und führt auch dann nicht immer zum Ziel einer eindeutigen Bestimmung.
Notwendiges Material
- 20fach-Lupe mit Messeinrichtung (Teilung 1/10 mm) oder 20fach-Lupe und Fadenzähler (Teilung 1/10 mm) mit mind. 10fach Lupe,
- dunkler Tintenstift,
- Pinzette (z. B. Dumont 5), Taschenmesser (sehr scharf!) und
- Tropffläschchen mit KOH (oder anderer alkalischer Lösung).
Bestimmungsschlüssel
(Geltungsbereich nicht angegeben) — Zusammenarbeit: offen
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(Geltungsbereich nicht angegeben) — Zusammenarbeit: offen
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