Adonis aestivalis – Sommer-Adonisröschen (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: Arno Littmann)

Adonis aestivalis, das Sommer-Adonisröschen auch Blutströpfchen oder Kleines Teufelsauge gehört zur Familie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse). Englische Namen sind Summer Adonis, Summer Pheasant’s Eye. EPPO-Code ADOAE.

Das Sommer-Adonisröschen ist eine einjährige Pflanze, die kalkhaltige und nährstoffreiche Böden liebt und zumindest schon seit dem Mittelalter in Mitteleuropa auf Getreidefeldern auftrat. Es wächst nicht überall in Deutschland Es war die Blume des Jahres 1984. Durch intensive Saatgutreinigung, andere Anbaumethoden wie engerer Halmbesatz im Getreidebestand, d.h. hohe Konkurrenz um Licht, und durch Herbizideinsatz war es fast völlig von unserem Kulturland verschwunden. Die Ackerrandstreifenprogramme haben seit den neunziger Jahren wieder etwas zu ihrer Vermehrung geführt. Dabei wird Landwirten für das Nichtbehandeln eines bis zu vier Meter breiten Streifens am Rand des Getreidefelds ein Ausgleich für Ertragsausfälle gezahlt. Das Sommer-Adonisröschen wird als gefährdet auf der Roten Liste geführt.

Das Sommer-Adonisröschen kann bis zu 50 cm hoch werden und durch die bis zu 80 cm lange Wurzel auch in trockenen Sommern und auf trockenen Standorten, auf steinigen Ton- oder Lehmböden gut gedeihen. Der Stängel ist unbehaart und meist aufrecht, wenig verzweigt. Die Blätter stehen wechselständig und sind zwei- bis vierfach gefiedert, lineal mit einem ganzrandigen Teilblättchen. Die Blüten stehen einzeln am Ende des Stängels, also nicht versteckt. Dadurch ergibt sich auch die Assoziation der Blutstropfen im Getreidebestand und daher einer der Namen. Blütezeit ist Mai bis Juli. Die Kelchblätter sind hellgrün und kahl. Die Blütenfarbe ist zinnoberrot mit einem schwarzen Grund. Es gibt eine blassgelb blühende Form: var. citrina. Der lang gestreckte Fruchtstand besteht aus dicht gedrängten Nüsschen mit einer markanten Spitze.

Das Sommer-Adonisröschen wird als schwach giftig eingestuft. Der Glykosidgehalt des Krauts ist während der Blütezeit am höchsten, etwa 0,2 bis 0,4 % Cardenolide, im Wesentlichen Adonitoxin und Cymarin. Die Blätter wurden wie Digitalis zur Herztherapie eingesetzt, die Wurzeln und Samen als Abführmittel.

Zum Namen nur eine der vielen Geschichten: Adonis ist in der griechischen Mythologie das Sinnbild für männliche Schönheit. Er wurde aus einem Ast des Myrrhebaumes geboren. Er war Geliebter der Liebesgöttin Aphrodite. Ihr Ehemann Ares, der Kriegsgott, war eifersüchtig und verwandelte sich in einen Eber, um ihn zu töten. Aphrodite ließ aus ihren Tränen um seinen Tod Blumen sprießen, die von seinem Blut rot gefärbt wurden. Es muss in einem Getreidefeld gewesen sein.

Das Sommer-Adonisröschen hat zwei verwandte, ebenfalls rot blühende Arten, nämlich Adonis annua, das Herbst-Adonisröschen und Adonis flammea, das Feuerrote Blutströpfchen, die auch auf Äckern auftreten, aber noch seltener sind als das Sommer-Adonisröschen. Während bei A. aestivalis der Kelch anliegt und kahl ist, steht der kahle Kelch von A. annua deutlich von der Krone ab. Bei A. flammea ist der Kelch etwas behaart und der Fruchtstand hat eine sichtbare Achse. Außerdem werden in Gärten zwei weitere Arten angepflanzt: der recht giftige Adonis vernalis und der extrem frühblühende Adonis amurensis. Beide blühen gelb und sind mehrjährig. Es gibt insgesamt dreißig Arten der Gattung Adonis.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. April 2010