Bärwurz (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Verwendung

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Stichwort Teil der Pflanze Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes
Dämpfigkeit in der Brust (Hildegard von Bingen); Fieber (Hildegard von Bingen); Gelbsucht (Hildegard von Bingen); Gewürzbestandteil; Gicht (Hildegard von Bingen); Migräne (Hildegard von Bingen) gesamte PflanzeBerendes & Bingen (Die Physica der heiligen Hildegard, 1898):
  • S. 42: »Cap.135. Berwurtz (Athamanta Meum). Der Bärenfenchel ist warm und hat eine trockene Kraft. Das Pulver ist ein Mittel gegen hochgradiges, hitziges Fieber und gegen Gicht. Die grüne Wurzel in Essig zerrieben, dient gegen Gelbsucht«
  • S. 55 f.: »Die Frucht, die Birne, ist schwer und rauh ; im Uebermaasse und roh genossen macht, sie Migräne und Dempfigkeit in der Brust, geschmort und gebraten sind die Birnen gesund und zuträglich. Eine Latwerge „utilius purissimo auro et pretiosius auro“, also sehr nützlich und kostbar, gegen Migräne, wird auf folgende Weise bereitet. Birnen werden ohne das Kernenhaus gekocht, ferner wird „Berwurcz“, Galgan, Süssholz, „Peterkrut“, in Ermangelung von Berwurcz Fenchelwurzeln mit, Honig erwärmt und dem Birnenbrei unter fleissigem Umrühren zugemischt. Davon soll man nüchtern einen kleinen Esslöffel voll, nach der Mahlzeit zwei und vor dem Schlafengehen drei Löffel voll nehmen.«
Auswurf fördernd (Volksheilkunde); Bienenpulver; Bleichsucht (Volksheilkunde); Blähungen lindernd (Volksheilkunde); Harnverhaltung (Volksheilkunde); Kultivieren der Pflanze; Milchförderung bei Kühen; Mutterbeschwerungen (Volksheilkunde); Schleimmittel (Volksheilkunde); Schweiß fördernd (Volksheilkunde); Verdauung; Wildgemüse- und Gewürzpflanze; Windkolik (Volksheilkunde); kalte Fieberbeschwerung (Volksheilkunde); reizendes Arzneimittel (Volksheilkunde); schleimige Engbrüstigkeit (Volksheilkunde); stärkendes Arzneimittel (Volksheilkunde) WurzelVietz u. a. (Bd.3 1806), S. 123 f. »Der Nutzen dieses Gewächses erstreckt sich eigentlich nur auf die Heilkunst. Man weiß zwar, daß die Wurzel desselben von den Holländern begierig gegessen wird; allein diese Gewohnheit wird sonst in keinem Lande nachgeahmt, folglich kommt sie als wirkliches Nahrungsmittel nicht in Betrachtung. Von den Aerzten wird vorzüglich die Wurzel, wegen ihrer würzhaften, harzigen, öhlichten und flüchtigen Bestandtheilen, als ein reizendes, stärkendes, den zähen Schleim zertheilendes, den Auswurf, die Blähungen, die monatliche Reinigung, den Schweiß und Harn befördendes Arzneymittel gerühmt. Man gebraucht sie daher gegen die schleimige Engbrüstigkeit, gegen dreytägige kalte Fieber-, Mutterbeschwerungen, gegen die Bleichsucht, Windkolik, Harnverhaltung u.d.gl. Die alten Aerzte pflegten sich derselben zu diesem Endzwecke nicht allein in Pulver, mit Wasser angerührt, oder in Wein und anderem Getränke eingeweicht, öfters zu bedienen, sondern sie wußten sie auch bey vielen zusammengesestzten Arzneyen, als beym Theriak und bey der Theriakessenz, zu gebrauchen. Ohne Vorschrift eines Arzneyverständigen will ich jedoch den Gebrauch derselben Niemanden anrathen, weil sie als ein stark wirksames reizendes und erhitzendes Mittel, wenn nicht eine wahre Anzeige zu ihrer Verordnung vorhanden ist, leicht schädlich werden könnte, was aber nur Aerzte zu unterscheiden und zu bestimmen im Stande sind. — Einige wollen auch von dieser Wurzel, wenn sie den Kindern äußerlich auf das Schambein aufgelegt wird, den nützlichen Erfolg gesehen haben, daß dadurch das Tröpfeln des Harns (incontinentia urinæ) geheilt worden wäre; allein ob sich diese gepriesene Wirkung wirklich bestättiget, kann ich wegen Mangel an zuverläßigen Erfahrungen nicht bestimmen.

Auch in der Thierarzneykunst wird die Bärwurzel zuweilen verwendet; so pflegen z.B. die Landwirthe in Mähren ihren Kühen einen Trank von dieser Wurzel zu geben, um ihnen die Milch zu vermehren, und sie überhaupt vor Krankheiten zu verwahren. Auch unter das sogenannte große und kleine Bienenpulver wird sie als ein Bestandtheil genommen.

Will man dieses Gewächs durch Kultur vermehren, so geschieht es entweder durch die Wurzel, welche man zu Ende des Septembers theilet, oder durch den Saamen, der gleich, nachdem er reif geworden ist, ausgesäet werden muß. Sonst hat die Bärwurzel keine sonderliche Pflege nothwendig, nur ist zu bemerken, daß sie das Zertheilen der Wurzeln nicht am besten verträgt, sondern ungleich leichter und vortheilhafter von Saamen gezogen wird.«

Gewürzbestandteil (Käse); Karminativum; Magenmittel; Verdauungsbeschwerden WurzelBoswell u.a., Bd. 4, 1877, S. 141: »In the Highlands, where it grows, the root is eaten, and is esteemed as a carminative and stomachic. The fruits have the same properties, and are aromatic and hot in taste. The whole plant possesses these qualities, and communicates them to milk and butter made from cows feeding on it. A strong infusion of the herb is said to give to cheese the taste and smell of the Swiss schabzieger or chapsegar, which is so highly esteemed. In the genuine cheese it is produced by the pressed flowers or bruised seeds of the Melilotus officinalis
(Übersetzt: In den Hochlandregionen, wo sie wächst, wird die Wurzel gegessen, die als Karminativum und Magenmittel geschätzt wird. Die Früchte haben die gleichen Eigenschaften, sind aromatisch und scharf im Geschmack. Die ganze Pflanze besitzt diese Eigenschaften und überträgt sie auf Milch und Butter von Kühen, die sich von ihr ernähren. Ein starker Aufguss des Krauts soll dem Käse den Geschmack und Geruch des so geschätzten Schweizer Schabziegers oder Chapsegars verleihen. Beim echten Käse wird er aus den gepressten Blüten oder gequetschten Samen des Melilotus officinalis hergestellt. Übersetzt mit Hilfe www.deepl.com)

Anm.: Karminativum = Mittel gegen Blähungen

Blähung (Volksheilkunde); Frauenleiden (Volksheilkunde); Nierenleiden (Volksheilkunde); Wildgemüse- und Gewürzpflanze; harntreibend (Volksheilkunde); reizendes Arzneimittel (Volksheilkunde) Blätter; Samen; WurzelLosch (1903, Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild), S. 103: Die Samen sammelt man im August, das Kraut in der Blüte, die Wurzel im Herbst. Die ganze Pflanze riecht, besonders getreten und gerieben, sehr stark, angenehm balsamisch; der Geschmack von Wurzel, Kraut und Samen ist gewürzhaft scharf. Anwendung. Früher war die Bärwurzel, Radix Mei, officinell. Sie wirkt reizend und blähung-treibend, und kam [sic], für giftwidrig geltend, zum Theriak; hat dieselben Eigenschaften, wie die Engelwurz. Der Name Bärwurz rührt von ihrer Wirkung auf die Gebärmutter her. Aus Kräuterbüchern: „Bärdillen, die Wurzel in Wein oder Wasser gesotten und getrunken, treibt den verstandenen Harn aus den verstopften Nieren und Blase. Desgleichen wirkt sie gepulvert eingenommen. Sie verteilt die Blähungen des Magens, stillt das Bauchgrimmen, heilt alle Gebrechen der Mutter. Die Wurzel wird in den edlen Theriak auch andere Arzneien, welche dem Gift Widerstand tun, gemischt. Den Weibern wird ihre Zeit gefördert, wenn sie von der abgesottenen Wurzel Dämpfe nehmen oder darin baden. Den jungen Kindern, welche den Harn beschwerlich lassen, hilft diese Wurzel, mit weißem Wein und Baumöl einmal aufgesotten und pflastersweise warm über die Blase geschlagen.“
Mutterzustände (Volksheilkunde); Wechselfieber (Volksheilkunde); Wildgemüse- und Gewürzpflanze; harntreibend (Volksheilkunde) Samen; WurzelLosch (1903, Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild), S. 103: »Gebrauch. Die Wurzel ist in den Apotheken unter den Namen Meum, Meo, oder Meu, gebräuchlich; (8 e.) der Saame hat einen scharfen Geschmack, und Geruch; er wird als harntreibend gerühmt; und in England bedienet man sich des Jnfusum bey Wechselfiebern; (8 f.) ferner in Mutterzuständen, dergleichen Krankheiten. (8 g.)«

Anm.: (8 e.) Linnè mat. med. 96.; (8 f.) Haller Hist a.a.O; (8 g.) Kroker. flor. fil. n. 415.

blutdrucksenkend (Volksheilkunde); blutreinigend (Volksheilkunde) WurzelRigat u. a. (2007), S. 274: Not or very scarcely documented popular use:
  • part used: root; to lower blood (antihypertensive); Preparation: decoction; Administration: internal; Reports: 9
  • part used: root; to clean blood (blood depurative); Reports: 1

(Übersetzt: Nicht oder kaum dokumentierter populärer Gebrauch:
  • verwendeter Teil: Wurzel; zur Senkung des Blutdrucks (Blutdrucksenker); Vorbereitung: Absud; Verabreichung: intern; Berichte: 9
  • verwendeter Teil: Wurzel; zur Reinigung von Blut (Blutreinigungsmittel); Berichte: 1
Appetit anregend; Aromaticum (Volksheilkunde); Fluor albus (Volksheilkunde); Frauenleiden (Volksheilkunde); Futterwürze im Weide-Heu; Gewürz bei Vergärung; Gewürzbestandteil; Hysterie (Volksheilkunde); Katarrh (Volksheilkunde); Leukorrhöe (Volksheilkunde); Menostase (Volksheilkunde); Schleimhautentzündung (Volksheilkunde); Schnapsherstellung; Stomachicum (Volksheilkunde); Suppe; Tonicum (Volksheilkunde); Uteruskrankheiten (Volksheilkunde); Wildgemüse- und Gewürzpflanze; Zierpflanze; ätherisches Öl Blätter; Wurzel; gesamte PflanzeHegi u.a. (1926), S. 1303: »Die Pflanze besitzt (besonders in der Wurzel und in der Frucht) einen durchdringenden, auch im getrockneten Zustande (im Herbarium) sich lange Zeit erhaltenden, gewürzhaften Geruch nach Fenchel (Foeniculum vulgare) und Bocksklee (Trigonella Fœnum Graecum) oder Schabziegerklee (Trigonella caerulea) und einen scharfen, fast brennenden Geschmack. Die getrocknete Wurzel war ehedem als Rádix Méi (athamántini) s. Radix Meu, r. Antéthi ursini, r. Foeniculi ursini, gleich der Frucht (Frúctus Méi [athamántini]) gebräuchlich. Beide haben einen balsamischen Geruch und einen scharf aromatischen Geschmack. Die Wurzel enthält 0,67 % ätherisches Oel (vom Geruch des Liebstöckelöles), Harz, Gummi, viel Stärke (28 %), Zucker, etwas fettes Oel, Wachs, Pektin usw., jedoch kein Umbelliferon. Sie wurde ehedem als Aromaticum, Stomachicum, Tonicum, bei Uteruskrankheiten, gegen Hysterie, Katarrh, Menostase, Fluor albus usw. angewendet; heute hat sie höchstens in der Tierarzneikünde noch einige Bedeutung. Die Früchte dienen gelegentlich zur Verfälschung der Fenchelfrüchte. Auch finden sie sich ab und zu in europäischen Grassaaten. Im Erzgebirge wird das Kraut als Einlage bei der Bereitung der „Köppernickelsuppe“ benützt, während die kräftig würzige Wurzel vielerorts zum Ansetzen eines magenstärkenden Schnapses verwendet wird. Vom Weidevieh wird die frische Pflanze gemieden, nicht aber die getrocknete, welche ihr würziges Aroma dem Heu mitteilt und deshalb in erster Linie den Charakter einer Futterwürze besitzt. Als solche übernimmt sie in den Mittelgebirgen öfters die Rolle der Muttern (Ligusticum Mutellina), ähnlich wie Angelica Pyrenaea in den Pyrenäen. Immerhin kann sie bei massenhaftem Auftreten den Heuertrag einer Wiese beeinträchtigen. In der Landschaftsgärtnerei wird die Bärwurz als Zierpflanze für Rasenflächen verwendet; als Deutsche Gartenpflanze (wohl zu Arzneizwecken?) wird sie bereits von Conrad Gesner (1561) erwähnt. Thal kennt sie für den Harz (1577) als wilde Pflanze unter dem Namen Libanotis narthekoeides maior. Im Herbarium von Rostius in Lund (1610) ist sie als Daucus Creticus, beren wurtzell, vertreten. Die Aussaat der Früchte geschieht nach der Samenreife; die Keimkraft hält 1 Jahr an, die Keimung erfolgt sehr unregelmässig.« Anm.:
Fluor albus 
s. Leukorrhöe (grch.), = Weißer Fluß, übermäßige Schleimabsonderung aus den weiblichen Geschlechtsteilen
Katarrh 
‘Schleimhautentzündung (besonders der Atmungsorgane) mit vermehrter Flüssigkeitsabsonderung’, in den Arzneibüchern zu Anfang des 16. Jhs. (wie umgangssprachlich vielfach noch heute) ‘Schnupfen’. Es ist aus lat. catarrhus, griech. katárrhūs (κατάρρους) ‘Schnupfen’, eigentlich ‘das Herabfließen’, entlehnt, zu griech. katarrhé͞in (καταρρεῖν) ‘herab-, herunterfließen’
Menostase 
(grch.), krankhafte Unterdrückung der Menstruation (Regelblutung)
Stomachicum 
(Medizin) Mittel, das den Appetit anregt u. die Verdauung fördert
Tonicum 
(v. lat. tonus) stärkend, spannend; tonische Mittel (Tonica)

Weiterführende Literatur

Berendes, J. & Bingen, H. 1898: Die Physica der heiligen Hildegard. Verlag der Wochenschrift „Pharmazeutische Post“, Druck F. Brück & Söhne, Wien (https:/​/​nbn-resolving.​org/​urn:nbn:de:gbv:084-10111808529, abgerufen am 15. Oktober 2020).
Boswell, J. T., Lankester, M., Sowerby, J., Sowerby, J. D. C., Salter, J. & Sowerby, J. E. 1877: English Botany; or Coloured Figures Of British Plants. 3. Auflage. Bd. 4, George Bell & Sons, York Street, Covent Garden, London, S. 1-265; CCCCXCI-DCLXXIX (Lythraceae to Dipsaceaehttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​101416, abgerufen am 30. Januar 2019).
Hegi, G., Berger, H. & Marzell, H. 1926: Illustrierte Flora von Mitteleuropa: mit besonderer Berücksichtigung von Deutschland, Österreich und der Schweiz: zum Gebrauche in den Schulen und zum Selbstunterricht. Dicotyledones (III. Teil). Bd. 5. 2. Teil, J. F. Lehmanns Verlag, München, S. 679-1562: Ill. (http:/​/​nbn-resolving.​de/​urn:nbn:de:hbz:061:2-170692, abgerufen am 30. Oktober 2018).
Losch, F. (Hrsg.) 1903: Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild. 2. Auflage. Verlag von J.F. Schreiber, Eßlingen, München, S. I-XVI, 1-209, I-XVII, doi:10.5962/bhl.title.39396 (86 Farbdrucktafeln enthaltend 460 genau nach der Natur gezeichnete Abbildungen und 246 Seiten Text mit 49 Illustrationen; mit Blüten- und Sammelkalender, Krankheitsregister).
Rigat, M., Bonet, M. À., Garcia, S., Garnatje, T. & Valles, J. 2007: Studies on pharmaceutical ethnobotany in the high river Ter valley (Pyrenees, Catalonia, Iberian Peninsula). In: Journal of Ethnopharmacology. Bd. 113, Nr. 2, S. 267–277, doi:10.1016/j.jep.2007.06.004.
Vietz, F. B.; J. Eder (Hrsg.) 1806: Abbildungen aller medizinisch-ökonomisch-technologischen Gewächse mit der Beschreibung ihres Gebrauches und Nutzens. Bd. 3, gedruckt mit d. Schönfeld’schen Schriften, in der Joseph Ederschen Kunsthandlung, Wien, S. I-VIII, 1-374 (https:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​28891, abgerufen am 11. Februar 2019).
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Bärwurz (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Verwendung (Zuletzt geändert:
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