Benutzer:Andreas Plank/Materialien für das Flechten
Pflanze | Stichwort | Teil der Pflanze | Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes | ||
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Brennesselschnüre, Anleitungen: | |||
Stängel | Anregung aus Hegi 1907, 2, S. 29: der umgangssprachliche Name (Gebiet Unterweser) »Stoolruschen [für S. carinatus, Verwendung zu Stuhlgeflechten!]« | ||||
; | Stängel | Anregung aus Sinclair & Friedrich (1826) – Hortus Gramineus Woburnensis, S.197: »Die Halme ſind zur Verfertigung von Strohhüten, nach Art der Livorneſer, ſehr ſchäzenswerth.« Siehe auch Anhang II selbiges Buch ab Seite 411ff.. | |||
Stängel | Anregung aus Graßmann (1870), Seite 249 in Deutsche Pflanzennamen: »784. Poa der Rispel, [Köne 27], aus Rispengras, dem allgemein verbreiteten Namen für diese Gattung. […] Die Fetsch [Du. für P. annua] scheint sich auf die bis 2 Fuß hohen, dünnen und zum Binden geeigneten Halme der P. annua zu beziehen; denn die Fetsche (lat. fascia) ist nach Grimm eine Wickelschnur für Kinder, und fetschen (lat. fasciare) bedeutet überhaupt einbinden, windeln.« | ||||
Stängel | Anregung aus Braune 1797, Bd.1, S. 48: »Die Holländer verfertigen Fußdecken, oder Bodenmatten daraus. Nach Gmelins Bericht, pflegen die Tartarn sich davon Decken zu flechten, worauf sie sich im Sommer der Kühle wegen legen.« | ||||
Stängel | Binse allgemein (Juncus) Anregung aus Hegi 1907, 2, S. 148: »Kinder flechten aus den Binsen allerlei Spielzeug wie kleine Hüte, Körbchen, Stühlchen etc.« | ||||
Kopfried (Schoenus sp.) | Stängel | Anregung aus Martin 1851, S.101: der Name Schoenus bedeutet flechten (https://biodiversitylibrary.org/page/52901951)
Anm.: benutzbar zum Flechten oder wurde es benutzt? | |||
; ; | Blätter | Anregung aus Dietrich Bd.1. 1833, Tafel 25 (https://biodiversitylibrary.org/page/33111500 und nachfolgende Seiten): »Aus den Blättern flechten die Holländer Matten und Körbe«
Anm.: Vorkommen wohl nur in der Ebene; nicht geschützt aber Bestände zurückgehend(!!) | |||
; ; | Blätter | Anregung aus Engler u.a. (Das Pflanzenreich, Heft 38, 1909, S.27) (https://biodiversitylibrary.org/page/31618172): »Aus den zäheren Blattern von Carex vulpina L. […] werden Bänder und Matten verfertigt.«
Anm.: nicht geschützt aber Bestände größtenteils gefährdet(!!) | |||
; ; | Blätter | Anregung aus Engler u.a. (Das Pflanzenreich, Heft 38, 1909, S.27) (https://biodiversitylibrary.org/page/31618172): »Aus den zäheren Blattern von […] [Carex] paniculata L. […] werden Bänder und Matten verfertigt.« | |||
; | Zweige | Anregung aus Daffner 1893: Die an Ufern von Flüssen, Bächen und Gewässern stehenden Silberweide deren Zweige man zum Korbflechten gebraucht(e) | |||
; | junge Zweige | Anregung aus Hegi 1927 5-3, S. 1920 zur Gattung der Eschen allgemein »In Kiautschau werden die jungen Zweige auch zum Korbflechten benutzt« | |||
Schneeball (Viburnum sp.) | ; | Zweige | Anregung dem Namen nach aus Hegi 1918, 6-1, S.241 »Die Ableitung, des Namens vom lat. viére (= binden, flechten) oder von vímen (= Flechtwerk) würde auf die zähen, biegsamen Sprosse dieses Strauches gut passen.« | ||
Birke (Betula sp.) | ; | Rinde | Englisches Handbuch: Yarish, V., Hoppe, F. & Widess, J. 2009: Plaited Basketry with Birch Bark. Sterling Publishing Co, Inc., ISBN 978-1-4027-4809-7 (https://archive.org/details/Plaited_Basketry_with_Birch_Bark_by_Vladimir_Yarish_Flo_Hoppe_Jim_Widess/page/n1, abgerufen am 29. Juli 2019). (Übersetzung: Flechtende Korbflechtkunst mit Birkenborke) Siehe auch Bilder in Commons-Kategorie „Aus Birke gemacht“: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Made_of_birch_bark |
Inhaltsverzeichnis
Gräser als Materialien für Strohhüte
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Sinclair & Friedrich (1826) – Hortus Gramineus Woburnensis, Anhang II, ab Seite 411ff. (Auszug aus Scan-Texterkennung)
Von den Gräſern, welche das beſte Stroh zu Livorneſer Strohhüten geben
Strohgeflechte, nach Art der Livorneſer, wurden längſt in England gemacht; allein dieſe Arbeit beſchränkte ſich blos auf die Strohhut-Fabrikanten in der Hauptſtadt. Vor ungefähr ſiebzehn Jahren wurde ein Stück Land zu Ampthill, auf den Gütern des verſtorbenen Grafen von Upper Oſſery gemiethet, um Stroh zu dieſem Zwecke darauf zu ziehen; und vor einigen Jahren er hielt die Herzogin von Bedfort einen ſehr ſchönen Strohhut von Leighton Buzzard, wo er aus engliſchem Stroh gemacht wurde. Vor etwa drei Jahren ſchickte Miß Woodhouſe, die Tochter eines Pächters in Connecticut, einen nach Art der Livorneſer gemachten Strohhut an die Geſellſchaft zur Aufmunterung der Künſte nach London, welcher aus Wieſen-Riſpengras und ſo hübſch gemacht war, daß ihr die Geſellſchaft eine Medaille zuerkannte. Herr Cobbett machte dieſen Umſtand in ſeiner „Cottage Economy und zugleich ſeine Erfahrung bekannt, die er in der Auswahl und dem Bleichen der Gräſer zum Behufe der Strohhüte erworben hatte, wofür ihm die Geſellſchaft eine Medaille ertheilte.
Die Frau des ehrwürdigen Herr Morrice von Great Brickhill, Bucks, verfertigte einen ſehr ſchönen Strohhut, nach Art der Livorneſer, aus dem gemeinen Kammgraſe, wofür die Geſellſchaft der Künſte ihr ebenfalls eine Medaille zuerkannte. Dieſer Hut war beſonders hübſch gemacht.
Madame Grant von Leighton Buzzart hat ſehr gelungene Verſuche mit dem Bleichen und der Auswahl des Strohes aus den perennirenden Gräſern für Strohgeflechte gemacht; und von Herrn Grant’s ausgedehnten Kenntniſſen in den engliſchen Gräſern läßt ſich mancher Aufſchluß erwarten. Da der Herzog und die Herzogin von Bedford den Wunſch hegten, das Strohflechten nach der italieniſchen Methode unter den armen Kindern zu Woburn einzuführen, und zu dieſem Behufe eine Schulanſtalt errichten wollten, worin zugleich religiöſer und moraliſcher Unterricht ertheilt werden ſollten; ſo erhielt ich den Auftrag mit dem Anbau ſolcher Gräſer zu beginnen, welche das beſte Stroh liefern. Der von Herrn Cobbett empfohlene Weizen, welche der nämliche ſeyn ſollte, den man in Italien zu den berühmten Livorneſer Strohgeflechten nimmt, wurde den 27. Mai auf einen ziemlich armen, und kieshaltigen Boden geſäet; und außer dieſem wurden auch fünf verſchiedene Haferſorten und eine beträchtliche Anzahl verſchiedener dauernder Gräſer auf beſondern Grundſtücken gezogen.
Zum Weizen nahm ich zwei beſondere Stückchen Land, und [– 412 –] beſäete ſie mit 10 und 15 Buſchel Samen dem Acker nach; und jedes Stückchen Land theilte ich wieder in zwei Theile ab, um die eine Hälfte zu drillen, und die andere mit der Hand anzuſäen. Auf dieſelbe Weiſe verfuhr ich mit dem Hafer. Sobald der Weizen anfieng zu blühen, zeigte es ſich, daß es der gewöhnliche Cap-Weizen war, der in dieſem Clima häufig vom Roſte befallen wird; weshalb er zu dem vorgeſezten Zwecke nicht taugt.
Ebenſo empfieng ich von Herrn Taunton in Briſtol eine Probe von dem vermeinten italieniſcheu Weizen, welches eine Art Triticum spelta war. In Italien ſoll der zu Strohgeflechten beſtimmte Weizen zwei bis drei Mal abgeſchnitten werden, damit das Stroh deſto feiner wird. Der lange italieniſche Sommer erlaubt dieſe Verfahrungsweiſe, die man in dieſem Clima nicht nachahmen kann. Das Haferſtroh war zu grob, wie jenes das von Herrn Cobbetts Weizen erhalten wurde; und Alles genau erwogen, iſt es augenſcheinlich, daß die dauernden Gräſer ein weit wohlfeileres und feineres Stroh zum Flechten liefern, als man bei den ſchönſten italieniſchen Strohhüten ſehen kann. Die meiſten dieſer Gräſer ſind bereits weiter oben abgehandelt worden; weil ſie aber alle einen verſchiedenen Boden verlangen, ſo wird es nicht unangemeſſen ſeyn, dieſen Umſtand hier näher zu bezeichnen, damit diejenigen, die ſich damit abgeben wollen, einen ſo ſchätzbaren Fabrikzweig im Lande einzuführen, keinem Verluſte von dieſer Seite ausgeſezt ſind.
Heide- oder ſchwarzer kieſiger Moorboden.
- Festuca ovina, Schaaf-Schwingel. Stroh ſehr ſchön und rein.
- Festuca duriuscula, härtlicher Schwingel. Stroh lang, gleich und rein, aber gröber, als jenes vom Schaaf-Schwingel,
- Festuca ovina hordeiformis, gerſtenförmiger Schaaf-Schwingel. Stroh lang, rein und gleich.
- Nardus stricta, ſteifes Borſtengras. Stroh lang, ohne Knoten, ſehr ſchön, gleich und zäh; vielleicht das beſte zu Strohhüten.
Trockener Boden.
- Cynosurus cristatus, gemeines Kammgras. Stroh fein, ſtark und zäh, und für Livorneſer Strohgeflechte ſehr geſchickt allein es verliert häufig die Farbe, beſonders nach der Blüthe
- Poa angustifolia, ſchmalblättriges Riſpengras. Stroh ſehr lang, fein und rein, weit beſſer als das vom Wieſen-Riſpel graſe, woraus der von Miß Woodhouſe eingeſchickte Hut ge macht war.
- Hordeum pratense, Wieſengerſte. Strohfein, zäh und rein, und zu Strohhüten ganz gut.
- Anthoxanthum odoratum, Ruchgras. Stroh rein und gerade; allein es iſt öfters ſehr grob.[– 413 –]
- Agrostis lobata, gelapptes Straußgras. Stroh kurz; allein es iſt ſehr fein, rein und zäh.
- Agrostis spica venti, ein jähriges Gras, deſſen Stroh lang, fein und rein iſt.
- Avena flavescens, gelblicher Hafer. Stroh gewöhnlich fein, läßt ſich gut bleichen, und iſt gleich und zäh.
- Agrostis vulgaris mutica, gemeiner Windhalm. Stroh fein, bleicht ſich gut, iſt aber ziemlich kurz.
- Avena pubescens, kurzhaariger Hafer. Stroh im Allgemeinen fein, lang und von ſchöner Farbe.
- Festuca heterophyllea. Das Stroh gleicht jenem von Festuca duriuscula.
Feuchter oder naſſer Boden.
- Agrostis canina fascicularis, var. Gemeiner Windhalm. Stroh ſehr fein und weiß.
- Agrostis canina mutica, var. gemeiner Windhalm. Stroh länger, als beim vorigen, übrigens aber ganz gleich:
- Agrostis stolonifera angustifolia, ſchmalblättriges Straußgras. Stroh lang, zäh, und bleicht ſehr weiß.
- Agrostis alba, weißer Windhalm. Stroh fein, zäh und bleicht gut.
- Agrostis stricta, Felſen-Straußgras. Stroh fein, gerade und zäh.
- Agrostis repens, kriechender Windhalm. Stroh lang und gleich, und bleicht ſich gut; iſt aber im Allgemeinen nicht ſo fein, als andere Sorten.
- Poa nemoralis angustifolia, ſchmalblättriges Hain-Riſpengras. Stroh ſehr gleich, fein und zäh; allein nicht ſo lang zwi ſchen den Knoten, als einige andere Arten.
- Agrostis stolonifera aristata, begranntes wurzelſproſſendes Straußgras. Stroh lang, gleich, und bleicht ſehr weiß, wird aber zu weich und flach im Geflechte.
Außer dieſen gibt es noch viele andere unter den dauernden Gräſern, welche feines Stroh haben, und daher zu den bereits genannten gezählt werden könnten; allein dieſe ſind genau unterſucht worden, und enthalten die erforderlichen Eigenſchaften. Andere von den dauernden Gräſern, welche zur nemlichen Zeit blühen, und gleichen Boden lieben, könnte man zugleich damit ſäen, weil man ſie doch in die Länge nicht allein ziehen kann, aus Urſachen, die bereits zu Anfang dieſes Werkes angegeben wurden.
Die Ergebniſſe aller meiner Verſuche, die ich mit den Gräſern zu dem vorliegenden Zwecke gemacht habe, beweiſen, daß die Blüthezeit, oder wenn die Blüthe anfängt abzufallen, der geeignetſte Zeitpunkt iſt, wenn man das Strohſchneiden muß. Wenn man das Livorneſer Strohgeflechte unterſucht, ſo hat es ein [– 414 –] mildes, ſanftes Anſehen, während die engliſchen Geflechte glänzend ſind. Vergleicht man aber die Grashalme mit einander, welche zur Blüthe- und Samenzeit geſchnitten werden, ſo haben die erſtern nach dem Bleichen ebenfalls ein mildes Anſehen, wie das Stroh bei den Livorneſer Hüten, während die leztern glänzend ſind. Die Halme in der Blüthezeit ſind auch weniger hohl, haben mehr Sub ſtanz, und ſind zäher und biegſamer, als jene, die bereits reifen Samen tragen. Es iſt vielleicht nicht nöthig anzuführen, daß das glänzende Anſehen des reifen Strohes von der darin enthaltenen Kieſelerde herrührt, und einen Beſtandtheil deſſelben ausmacht, um ihm Stärke zu verleihen, den Samen zu tragen. Von der Blüthezeit vorwärts bildet ſich dieſer Beſtandtheil in den Halmen mehr aus, und das glänzende Anſehen vermehrt ſich.
Cobbett hat, folgende Bleichmethode angegeben: Nachdem das Stroh ſortirt - und in ein Gefäß geſtellt iſt, wird ſiedendes Waſſer darüber hingegoſſen, bis es damit bedeckt iſt. In dieſem Waſſer bleibt es zehn Minuten lang, worauf man es heraus nimmt, und auf einem Grasplatze ausbreitet, um es zu bleichen. Dieß iſt gewöhnlich in ſieben oder acht Tagen geſchehen, wenn man das Stroh alle Tage einmal umwendet. Meiner Erfahrung zufolge kann aber das Bleichen in viel kürzerer Zeit verrichtet werden. Statt das Stroh blos zehn Minuten lang im ſieden den Waſſer zu laſſen, muß es eine bis zwei Stunden lang da rin bleiben, worauf man es auf einem Grasplaze ausbreitet, und regelmäßig befeuchtet, wenn es trocken wird, auch zwei Tage lang jeden Tag einmal umwendet. Nach dieſer Zeit wird es zuſammen genommen und abgewaſchen; worauf man es, ſolange die Halme noch feucht ſind, in ein wohl verſchloſſenes Gefäß bringt, und Schwefeldampf zwei Stunden lang darauf wirken läßt. Dieß iſt hinlänglich, um das Stroh vollkommen zu bleichen. Grüne Halme, die man zehn Minuten lang in eine Auflöſung von Eſſigſäure taucht, und dann in Schweſeldämpfe bringt, ſind in einer halben Stunde gebleicht. Taucht man ſie fünfzehn Minuten lang in Salzſäure, welche mit zwanzig mal ſo viel Waſſer verdünnt worden, und breitet ſie dann auf dem Grasplatze aus, ſo ſind ſie in vier Tagen eben ſo gut gebleicht, als wenn ſie abgebrüht werden, und acht Tage lang auf dem Graſe liegen bleiben. Durch keine dieſer Methoden wird die Textur der Strohes beſchädigt; und die Schwefeldämpfe insbeſondere verſchönern die Farbe deſſelben ungemein, weil die an den Halmen ſitzende Feuchtigkeit die Dämpfe gierig verſchluckt, wodurch eine ſchwefelichte Säure entſteht, welche die im Stroh enthaltene Farbe zerſtört.
Das Einweichen des Strohes in verdünnte Säuren muß geſchehen, ſo lange es noch ganz iſt; denn wenn es geſchnitten wird, dringt die Säure in den hohlen Raum des Halmes, wo ihre Wirkung nicht erforderlich iſt.
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