Einführung in die Pflanzenbestimmung (Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve)

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Quelle: Heinrich Hofmeister & Eckhard Garve (2006). Lebensraum Acker. Verlag N. Kessel, ISBN-13: 978-3-935638-61-6; ISBN-10: 3-935638-61-2. Die vorliegende Zweitpublikation erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren und des Verlages. (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Heinrich Hofmeister, Eckhard Garve beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!

Für alle, die sich mit den Pflanzen der Äcker näher beschäftigen wollen, ist eine gute Artenkenntnis unerlässlich. Das Buch "Lebensraum Acker" bietet daher die Möglichkeit, unbekannte Ackerpflanzen zu bestimmen und ihre wesentlichen Merkmale kennenzulernen. Im Bestimmungsteil wurden 306 Ackerwildkrautarten und 36 Kulturpflanzenarten aufgenommen, wobei die beiden Gruppen nicht immer scharf gegeneinander abgegrenzt werden können, da manche Kulturpflanzen nach einem Fruchtwechsel im Folgejahr als Ackerwildkräuter auftreten (z. B. einige Klee-Arten). Für die Auswahl wurden Veröffentlichungen über Ackerpflanzen aus Deutschland und den angrenzenden Gebieten sowie eigene Beobachtungen herangezogen. Einige auf Äckern extrem seltene Arten, z. B. das Lauch-Hellerkraut (Thlaspi alliaceum), und einige bundesweit ausgestorbene Ackerwildkräuter, z. B. die Flachs-Seide (Cuscuta epilinum), fehlen dem Bestimmungsteil, sind aber im Buch in Tabelle 32 berücksichtigt.

Zur Identifizierung unbekannter Ackerpflanzen dienen die Tabellen zum Bestimmen der Pflanzenfamilien, die einzelnen Pflanzenarten sowie bei schwer bestimmbaren Artengruppen spezielle Bestimmungshilfen im Text. Für das Erkennen morphologischer Unterschiede benötigt man eine Lupe mit 8–10-facher Vergrößerung. Wer ohne größere botanische Vorkenntnisse den Bestimmungsteil benutzen will, sollte sich zunächst mit dem Aufbau der Blütenpflanzen und den verwendeten Abkürzungen vertraut machen. Während der Bestimmung kann auf die Erklärung botanischer Fachausdrücke zurückgegriffen werden. Für weitere Fachtermini wird auf das "Wörterbuch der Botanik" (Wagenitz 1996) verwiesen.

Die Tabellen zum Bestimmen der Pflanzenfamilien sind so aufgebaut, dass dem Benutzer immer zwei Merkmalspaare zur Wahl gestellt werden. Es ist unbedingt erforderlich, die beiden gegensätzlichen Fragestellungen sorgfältig zu lesen, weil die Gegenfrage den wesentlichen Unterschied oft erst richtig verdeutlicht. Nach der jeweiligen Entscheidung wird man anhand der Zahlen am rechten Seitenrand Schritt für Schritt durch den Bestimmungsschlüssel geleitet. Auf diese Weise ist es möglich, den Namen der entsprechenden Pflanzenfamilie zu ermitteln. Mit Hilfe der Familienmerkmale, die sich nicht nur auf Ackerpflanzen, sondern auf alle mitteleuropäischen Arten beziehen, kann man die Richtigkeit überprüfen. Zur Bestimmung der Gattung und Art wird die Pflanze dann auf den angegebenen Seiten mit den einzelnen Pflanzenarten verglichen.

Die Beschreibungen der einzelnen Arten enthalten folgende Angaben: deutscher und wissenschaftlicher Artname einschließlich wichtiger Synonyme, Höhe der Pflanze, wichtige Merkmale von Stängel, Blatt, Blüte und Frucht, Lebensform, Blütezeit, Häufigkeit in Deutschland, Standort, pflanzensoziologische Einstufung, Gefährdungskategorie der aktuellen Roten Liste Deutschlands (Korneck et al. 1996) und Status (Archäophyt, Neophyt oder Anökophyt; weitgehend nach Schneider et al. 1994; Bässler et al. 1996; Sukopp & Scholz 1997). Bei den Kulturpflanzen sind weitere wissenswerte Informationen, z. B. zu Herkunft, Anbau und Ertrag, angefügt.

Die Nomenklatur der wissenschaftlichen Artnamen orientiert sich an der neuen Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (Wisskirchen & Haeupler 1998), doch wurde nicht in allen Fällen den neuen Gliederungskonzepten umfangreicher Gattungen (z. B. Polygonum) gefolgt. Die deutschen Pflanzennamen wurden mit wenigen Ausnahmen der niedersächsischen Florenliste (Garve & Letschert 1991) entnommen. Die systematische Reihenfolge der Pflanzenfamilien entspricht weitgehend der Exkursionsflora von Rothmaler (Bässler et al. 1996). Die Schwarz-Weiß-Abbildungen der Ackerpflanzen stammen in erster Linie aus der "Illustrierten Flora" von Garcke (Weihe 1972), dem "Hegi-Illustrierte Flora von Mitteleuropa" und der "Flora der Schweiz" von Hess, Landolt und Hirzel (1976 ff.). Besonderer Wert wurde auf die Darstellung von Details (z. B. Blüten, Früchte) gelegt, um möglichst viele Bestimmungsmerkmale abzubilden. Die Detailabbildungen einiger Arten (z. B. der Gattung Veronica) wurden den "Göttinger Floristischen Rundbriefen" entnommen.

Die Bestimmungsmethode dieses Buches soll am Beispiel des bekannten Klatsch-Mohns (Papaver rhoeas) genauer erläutert werden. Wir beginnen mit Tabelle 1 (Haupttabelle) auf Seite 26. Bei der Alternative 1 und 1* entscheiden wir uns für 1*, weil unsere Pflanze Blüten und Früchte besitzt. Wir werden so zum Fragenpaar 2 und 2* gelenkt. Aufgrund der fiedernervigen und geteilten Blätter sowie der 4 Kronblätter gehört der Klatsch-Mohn zu den Zweikeimblättrigen Pflanzen. So gelangen wir zu 3 und 3* und stellen fest, dass an den Blüten nur ein Kreis von Blütenblättern vorhanden ist. Wir werden auf Tabelle 3, Merkmalspaar 8 und 8*, verwiesen. Wegen der krautigen Wuchsform des Mohns gelangen wir zu 9 und 9*. Die Blätter sind nicht quirlständig angeordnet, sondern wechselständig. Dieser Befund führt zu 10 und 10*. Da die Blüten nicht in Köpfchen angeordnet sind, entscheiden wir uns für 12 und 12* und anschließend aufgrund des vorhandenen Milchsaftes für 13 und 13*.

Die großen, roten Blüten erleichtern uns die Entscheidung zugunsten der Mohngewächse (Papaveraceae). Durch die Gegenüberstellung unserer Pflanze mit der Beschreibung der Familienmerkmale unter 43 wird die Richtigkeit der Bestimmung bestätigt. Wir können nun die Beschreibungen und Abbildungen der auf dem Acker vorkommenden Vertreter der Mohngewächse mit unserer Pflanze vergleichen. Dieses Verfahren wird durch die Bestimmungshilfe für Mohn-Arten erleichtert. Da die Fruchtkapsel kahl ist, die Staubfäden gleichmäßig dick und die Blütenstiele oben abstehend behaart sind, gelangen wir über 1* und 2 zum Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas).