Ficaria verna (= Ranunculus ficaria L.), das Scharbockskraut, auch Feigwurz oder Frühlings-Scharbockskraut genannt, gehört zur Familie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse). Die englischen Namen sind Lesser Celandine, Pilewort, Fig Buttercup. EPPO-Code FICVE.
Das Scharbockskraut ist weit verbreitet. In Deutschland kommt es eigentlich überall vor. Seine Heimat ist Europa und Westasien, nach Nordamerika wurde es verschleppt, wächst dort aber nur im mediterranen Californien. Verschleppt wurde es ebenso nach Neuseeland, während es in Australien kaum vorkommt. Im Norden findet man es noch viel bis nach Mittelschweden hinauf, bis zum 62. Breitengrad, aber auch noch weiter nördlich in Finnland. Es wächst in Wäldern, an Gewässern, auch im Halbschatten und ist viel in Gärten mit lehmigen Böden und in feuchten, nur wenig gemähten Rasen zu finden. Auf staunassen, auch stark gegüllten Weiden unter Bäumen vermehrt es sich gut und kann zu Problemen führen, da es giftig ist.
Die mehrjährige, ganz unbehaarte Pflanze ist nur im Frühjahr zu sehen. Sie treibt aus kleinen Wurzelknollen, den Feigen, aus, verbreitet sich mit oberirdischen Ausläufern und kann andere Arten zumindest kurzfristig unterdrücken. Das Scharbockskraut blüht März bis Anfang Mai, reift und vertrocknet dann, sodass es ab Juni oberirdisch nicht mehr zu finden ist. Da es nur maximal 15 cm hoch wird, stört es in Gärten unter Sträuchern nicht, bietet dort aber Insekten Nahrung. Es gibt daher auch Zuchtformen mit größeren Blüten.
Die jungen Blätter sind Vitamin-C-haltig und wurden gegen Scharbock eingesetzt, das ist ein Trivialname für Skorbut. Einer der englischen Namen weist auf eine andere Nutzung hin. Die Blätter wurden zerstoßen und auf Hämorrhoiden (piles) aufgetragen: daher pilewort (wort für Pflanze, im Deutschen ähnlich dem Wort Wurzel). In Salaten werden junge Blätter auch roh verzehrt, zumindest wenn sie vor der Blüte gepflückt werden, und geben eine pikante Note. Ältere Blätter und alle anderen Teile des Scharbockskrauts enthalten Protoanemonin. Er wird deshalb als schwach giftig eingestuft und ist daher im Grünland nicht gerne gesehen. Es kommt allerdings auch nur auf sehr vernässten Wiesen vor.
Die Blüten des Scharbockskrauts werden häufig als Beispiel für ultraviolettgefärbte Blütenblätter gegeben, mit denen sie Insekten anlocken. Das Innere der Kronblätter absorbiert UV-Strahlung und erscheinen Insekten daher dunkel, die äußere Hälfte reflektiert es und erscheint daher hell.
| Das Scharbockskraut ist viel an feuchten Stellen zu finden, hier zusammen mit dem Lerchensporn. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| In Rasen auf lehmigen Böden unter Bäumen kann es sich stark ausbreiten, wenn wenig gemäht wird. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Ende April stirbt es ab und verunziert den Rasen mit seinen vergilbenden Blättern. (Bild: W. Wohlers) |
| Aus den 1cm langen Wurzelknollen treibt die Pflanze im Frühjahr aus. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Junge Wurzelknollen werden zusammen mit dem Trieb gebildet. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Aus den sich bewurzelnden Knoten entstehen mehrere Seitentriebe. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| In den Blattachseln bildet sich in der Regel eine Brutknolle. (Bild: W. Wohlers) |
| Die weiße Bulbille ist etwas jünger als die braune. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Hier entsteht im April offensichtlich eine längliche Wurzelknolle. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Im April/Mai vergilben die Blätter. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Den Sommer und Winter überstehen die Pflanzen mit den Bulbillen. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Aus der neun Monate überdauernden Knolle sprießt Anfang März eine neue Pflanze. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Ausläufer können 20 cm lang werden. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Das Blätterdach wird sehr dicht. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blätter sind nieren- oder herzförmig. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blattstiele sind halb stängelumfassend und haben eine kleine Blattscheide. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die zuletzt gebildeten Blätter sind kürzer gestielt und nicht mehr rund, sondern haben eine Spitze und sind sogar gelappt.(Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Am Blattrand gibt es helle, Chlorophyll-freie Zellen, mit denen Wasser ausgeschieden wird, die Hydathoden. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Erste Triebe mit jeweils einer Knospe. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine Knospe kurz vor dem Öffnen. Der Rand der Kelchblätter ist häutig und gelb. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Kronblätter erscheinen. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Der häutige Rand der Kelchblätter rollt sich ein. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Am Grund der Kelchblätter befinden sich Ausstülpungen, die wahrscheinlich die Blüten bei Überschwemmungen über Wasser halten. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Über dem dichten Blätterdach schweben die leuchtendgelben Blüten. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Morgens um 8 Uhr öffnen sich die Blüten. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Mittags sind die Blüten weit geöffnet. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die 1,5 bis 2 cm großen Blüten bestehen aus acht Kronblättern, die nicht alle gleich groß sein müssen. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Kronblätter können auch unregelmäßig angeordnet sein. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Eine Blüte von unten. Kelch- und Kronblätter sind auf der Außenseite ähnlich grünlich gefärbt. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Kronblätter haben eine glänzende Oberfläche. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Sechszehn Antheren. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Antheren wie auch die Pollen sind gelb. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Anthere oben reißt gerade auf. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Narben sitzen unterhalb der Antheren eng beieinander. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Verblüht. Die Fruchtknoten schwellen an. Sie sind anfangs grün. (Bild: W. Wohlers) |
| Die hier glänzenden Flächen auf den Kronblättern werden wohl UV-Licht absorbieren. (Bild: W. Wohlers) |
| Nur wenige Samen reifen heran. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Zellen der Oberfläche eines Samen. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Samen sind schütter und kurz behaart. Einige Samen werden nicht reif. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Ansatzstelle der ca 2 mm großen Samen ist verlängert, der Griffel jedoch kurz – ungewöhnlich für Hahnenfußgewächse. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Samen keimen im folgenden Jahr, wenn die Temperaturen 5 °C überschreiten. (Bild: W. Wohlers) |
| Die beiden Keimblätter haben eine glänzende Oberfläche und sind zusammengewachsen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Primärblätter sehen aus wie alle weiteren Blätter. (Bild: W. Wohlers) |
| Sechs Wochen nach der Keimung sind die ersten länglichen Knollen entwickelt und die zweiten erscheinen auch schon. (Bild: W. Wohlers) |
| Auf einem Gemälde von Hieronymus Bosch sind Blätter des Scharbockskraut zu sehen. Er weist damit wohl auf ihre Heilkräfte hin, siehe auch hier. (Bild: W. Wohlers) |
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Verfasser: Wohlert Wohlers. Februar 2020.
Eine detaillierte Beschreibung mit schönen Fotos gibt es beim finnischen NatureGate.
Viele Bilder vom Pollen des Scharbockskrauts siehe bei PalDat, einer palynologischen Datenbank.