Lamium album L., die Weiße Taubnessel, gehört zur Familie der Lamiaceae (Lippenblütler). Die englischen Namen sind White Dead-nettle, Deaf Nettle. EPPO-Code LAMAL.
Die Weiße Taubnessel ist in Europa und im westlichen Asien heimisch, kommt jetzt aber auch in weiten Teilen Canadas und einigen Staaten der USA vor. In Deutschland ist sie überall zu finden, bevorzugt an feuchten Stellen, etwa an Grabenrändern. Sie wächst an Weg- und Waldrändern, auch im Halbschatten, aber auch auf Schutt, sowie auf Wiesen und Weiden, wo sie als Unkraut gilt, das von den Weidetieren gemieden wird. Sie ist stickstoffliebend und gedeiht gut auf nährstoffreichen Lehm- und Moorböden.
Die mehrjährige Pflanze kann 60 cm oder höher werden. Die 3 bis 8 cm langen Blätter ähneln durch ihre Blattform - herzförmig bzw. ein am Blattstiel abgestumpftes Dreieck - und dem gezähnten Rand Brennnesselblättern. Aber, wie der Name sagt, sie sind taub und haben keine Brennhaare. Die ganze Pflanze ist kurz und weich behaart. Die ca 2 cm großen, weißen Blüten stehen in Scheinquirlen in den Blattachseln. Blütezeit ist April bis Oktober. Die Weiße Taubnessel vermehrt sich aber auch durch Ausläufer und bildet aufgrund ihrer hohen Konkurrenzkraft Areale, die dann nur von ihr besiedelt sind, auf Weiden manchmal zusammen mit Brennnesseln.
Die jungen Blätter der Weißen Taubnessel sollen früher als Gemüse verzehrt worden sein. Landkinder zogen die Blüten ab und nahmen den Blütengrund in den Mund und saugten daran, um den Nektar zu schmecken. Die ganze Pflanze riecht intensiv. Wer sie im Garten hat, erkennt sie sofort am Geruch, wenn sie angefasst wird. Die Weiße Taubnessel enthält Iridoidglykoside, auf die wohl zurückzuführen ist, dass Weidetiere sie meiden. Die Weiße Taubnessel wurde auch in der Volksmedizin eingesetzt.
| Die Weiße Taubnessel auf einer Pferdeweide. Sie wird offensichtlich nicht gefressen. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Eine Pferdeweide, die gemäht wurde, um Unkräuter zu bekämpfen. Dann sind Brennnessel und Taubnessel fast gleich hoch. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Mit den Ausläufern werden schnell größere Areale besiedelt. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Links oben Brennnessel, rechts unten Taubnessel, auf den ersten Blick nur durch die weißen Blüten zu unterscheiden. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blätter sind herzförmig und gezähnt. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blätter stehen gegenständig. Sie sind am Blattansatz meistens dunkel gefärbt. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| durch Nachtfröste im Frühjahr färben sich die jungen Blätter häufig rötlich. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Aus den unteren Blattachseln sprießen häufig Seitentriebe. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die ganze Pflanze ist behaart, hier Stängel und Blattstiel. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Auf der Blattoberseite sind kleine Warzen zu erkennen, die die Basis für sehr feine Haare sind. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Knospen wachsen in den Blattachseln und bilden Scheinquirle. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die zu Röhren zusammengewachsenen Kelchblätter mit langen Fortsätzen und die Kronblätter sind, zumindest außen, ebenfalls behaart. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die reinweißen Blüten sind knapp 2 cm lang und stehen aufrecht. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Unterlippe ist gespalten. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Unterlippe ist hellbraun markiert. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Typisch der Fortsatz in der Mitte, wie Zähnchen beidseitig. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Kelchblätter sind an der Basis dunkelrot. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Antheren sind stark behaart. Der Pollen ist gelb. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blüten öffnen sich an unteren Blättern zuerst. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
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Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. August 2012.