Lolium temulentum – Taumel-Lolch (JKI-Pflanzenportraits)

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Unkrautgarten
Aus dem Unkrautgarten des Julius Kühn-Institutes
Logo des Julius Kühn-Instituts (c) JKI
(Bild: W. Wohlers, JKI)

Lolium temulentum, der Taumel-Lolch, gehört zur Familie der Poaceae (Süßgräser). Die englischen Namen sind Darnel, Bearded Ryegrass. EPPO-Code LOLTE.

Der Taumel-Lolch gilt in Deutschland als ausgestorben bzw. verschollen. Nach Nordamerika wurde er verschleppt und wird in Arkansas und Süd-Carolina sogar als schädliches Unkraut eingestuft. Er war mit dem Ackerbau aus dem Mittelmeerraum zu uns gekommen. Früher war er ein häufiges Ackerunkraut. Man fand ihn auch auf Unland und Müllkippen, obwohl er auf nährstoffhaltigen Böden besser wächst.

Die einjährige Pflanze hat einen starren, aufrechten Wuchs und kann bis zu 90 cm hoch werden. Die Ährchen stehen wie bei allen Weidelgräsern, bei allen Lolchen, mit der Schmalseite zum Stängel ausgerichtet. Anhand der langen, bis zur Spitze der Ährchen reichenden oder noch längeren, oberen Hüllspelze kann der Taumel-Lolch gut erkannt werden. Die Deckspelzen können begrannt, aber auch unbegrannt sein. Blütezeit ist Juni bis August.

Der komische Name hat einen gar nicht witzigen Hintergrund. Die Pflanze wird von einem Pilz befallen, der Alkaloide produziert, unter anderem das Lolin, das bei Verzehr von mit dem Samen verunreinigtem Mehl zu Gleichgewichtsstörungen führte: man taumelte. Die Samen wurden wohl auch Bier beigemischt, um einen stärkeren Rausch zu verursachen. Die Giftigkeit kann aber mit dem Lolin alleine nicht erklärt werden. An Lolium-Arten gedeihen auch Corynebakterien, die Neurotoxine bilden.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. September 2012.