Mercurialis annua L., das Einjährige Bingelkraut gehört zur Familie der Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse). Der englische Name ist Annual Mercury. EPPO-Code MERAN.
Das Einjährige Bingelkraut kommt aus dem Mittelmeerraum, ist aber seit ein paar Jahrhunderten in Mitteleuropa weit verbreitet, in Deutschland allerdings weniger im Norden und Osten, noch in Bayern. Nach Nordamerika wurde es verschleppt. Es wächst auf offenen, auch leicht schattigen Flächen in Wäldern, sowie in Gärten, Weinbergen und auf Äckern, die mit Hackfrüchten bestellt sind, im Herbst auch auf Stoppelfeldern, wenn dort im Jahr zuvor z.B. Zuckerrüben gestanden haben. Es bevorzugt lehmhaltige, eher feuchte Standorte und braucht Wärme, vor allem zum Keimen. Das Einjährige Bingelkraut gehört zu den ein Dutzend Pflanzenarten, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft gefördert wurden.
Wie der Name sagt, ist die Pflanze einjährig. Sie ist stark verzweigt, nur am Blattrand leicht behaart und kann bis zu 50 cm hoch werden. Die Stängel sind kantig. Die Blätter sind breit lanzettförmig und gesägt. Weibliche und männliche Blüten treten auf getrennten Pflanzen auf. Die Blüten erscheinen vom Mai, je nach Temperatur, bis zum Frost. Die beborsteten Früchte enthalten jeweils zwei Samen. Pro Pflanze können über tausend Samen produziert werden. Das Einjährige Bingelkraut riecht leicht süßlich bis unangenehm, wie Katzenurin.
Von der Gattung Mercurialis gibt es in Mitteleuropa drei Arten, neben dem seltenen Mercurialis ovata noch M. perennis, das Mehrjährige oder Wald-Bingelkraut, das dunkelgrün gefärbt und nicht so stark verzweigt ist wie M. annua. M. perennis ist stark giftig. Trotzdem die Gattung zu den Wolfsmilchgewächsen gehört, tritt bei allen drei Arten keine Milch aus, wenn sie verletzt werden.
Das frisch gepflückte Einjährige Bingelkraut ist ebenfalls giftig und kann für Haustiere gefährlich werden. Getrocknet sind die kritischen Inhaltsstoffe nicht mehr vorhanden. Es enthält Saponine, Methylamin und Trimethylamin. Früher wurde es gegen Frauenleiden und als Laxativ eingesetzt und war wohl im Mittelalter Bestandteil der Liebestränke, was doch irgendwie mit einem Laxativ nicht zusammenpasst: wohl eine andere Dosis. Benannt wurde die Pflanze nach dem Götterboten Merkur, der die Heilkraft der Pflanze entdeckte. Der deutsche Name soll von altgermanisch Bingel = Hoden stammen und beschreibt die paarigen, behaarten Früchte.
| Auf Zuckerrübenfeldern wächst das Einjährige Bingelkraut häufig, aber auch in Kartoffeln. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Auf Stoppelfeldern gedeiht es gut und kann sich auch aussamen, wenn nicht gleich gepflügt wird. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Links männliche, rechts weibliche Pflanzen des einjährigen Bingelkrauts. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blätter sind breit lanzettförmig mit einem gesägten Rand. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blätter sind gestielt und können 7 cm lang werden, am Rand leicht behaart. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Der Stängel ist kantig. Oben die Stiele der Blätter, wohl mit kleinen Nebenblättern. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Aus den Blattachseln entsprießen Seitentriebe. Vorne links ein langer männlicher Blütenstängel. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Männliche Blütenknospen am Triebende. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die offenen männlichen Blüten stehen über dem Triebende. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die einfache Blütenhülle ist geöffnet, hier mit noch geschlossenen Antheren. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die typischen Blütenknäuel von Mercuriales. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Blüte ist 4 bis 5 mm groß. Der Pollen ist hellgelb. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die kurz gestielten weiblichen Blüten bilden sich in den Blattachseln der noch kleinen Blätter. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Oberfläche der Narbe ist durch Auswüchse stark vergrößert. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Neben den behaarten Fruchtknoten sind noch taube Filamente zu sehen, die Staminodien. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Haare der Früchte haben eine ausgeprägte Basis. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Meistens werden nur zwei Samen pro Blüte gebildet, hier aber drei. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Beim Aufplatzen der Samenhülle wird der Samen weggeschleudert. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Typisch für Früchte der Euphorbien ist das Mittelsäulchen, an dessen Grund hier der Samenansatz zu sehen ist. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Samen sind knapp 2 mm groß. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
| Die Keimblätter sind hier 1,3 cm lang. Sie sind anfangs fast rund, dann aber an der Spitze stumpf und haben eine auffallende Aderung. (Bild: W. Wohlers, JKI) |
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Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. September 2012.