Onopordum acanthium L., die Eselsdistel oder Wolldistel, gehört zur Familie der Asteraceae oder Compositae (Korbblütler). Die englischen Namen sind Scotch Thistle, Cotton Thistle. EPPO-Code ONRAC.
Die Eselsdistel ist in Europa und Westasien heimisch. In Deutschland ist sie weit verbreitet, aber nicht überall zu finden. Nach Nordamerika wurde sie verschleppt, wächst dort vor allem in Massachusetts sowie in den westlichen Staaten, wo sie als ‚noxious weed‘ eingestuft ist. In Australien kommt sie im Südosten vor, in Neuseeland nur wenig. Im Norden kommt sie zur Zeit nur vereinzelt bis zum 60sten Breitengrad vor. Sie gedeiht gut auf sonnigen Standorten mit sandigen Lehm- und Kalkböden mit ausreichender Feuchtigkeit; auf trockenen Standorten wie Wegrändern erreicht sie nicht ihre beeindruckende Größe von 3 m. Manchmal kann man sie auf Feldern sehen, wobei Raps mit seiner langen Vegetationszeit besonders für sie geeignet scheint.
Die meistens zweijährige Pflanze bildet eine Rosette mit den typischen silbergrauen Blättern, für die auch die ganze Pflanze bekannt ist. Deshalb und aufgrund ihrer dekorativen Größe wird sie in Gärten herangezogen. Die Farbe kommt von wollartigen, langen, weißen Haaren, die die ganze Pflanze filzartig überziehen. Die Blätter haben breit herablaufende Ränder, sodass die Stängel geflügelt sind. Außerdem sind sie mit vielen 1 bis 2 cm langen Dornen besetzt, darauf weist der lateinische Artname acanthium hin. Esel werden die Distel kaum fressen. Bei Plinius (23 – 79 n. Chr.) wird sie bereits mit dem Namen Onopordum erwähnt, was sich aus Griechisch όνος (ónos = Esel) und πέρδω (pérdo = furzen) zusammensetzt. Wahrscheinlich, weil sie so häufig auftrat und grau ist wie ein Esel.
Der englische Name Scotch Thistle hat seinen Grund in einer Geschichte, nämlich dass in Schottland einfallende Wikinger durch ein Feld mit dieser Distel liefen, auch noch barfuß, und Schmerzensschreie ausstießen, sodass sie von den Einheimischen früh entdeckt wurden und ihr Angriff erfolgreich abgewehrt werden konnte. Ob es wirklich die Eselsdistel war, ist fraglich. Denn die botanischen Kenntnisse waren damals nicht sehr ausgeprägt. Aber daher soll die Distel als Nationalpflanze Schottlands kommen. Den schottischen Distelorden gibt es seit Beginn des 9ten Jahrhundert.
| Eselsdisteln im Weizen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Eselsdistel in einem Rapsfeld kurz vor der Ernte. (Bild: W. Wohlers) |
| Am Rand des Rapsfeldes befand sich eine ganze Gruppe der Eselsdistel. (Bild: W. Wohlers) |
| Eselsdisteln am Rand einer Autobahn, aus dem fahrenden Wagen fotografiert und leider unscharf. (Bild: W. Wohlers) |
| Selten kann man sie im Rasen sehen, wo sie die Gräser im Frühsommer überrundet – bis sie gemäht werden. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine noch kleine Rosette einer wohl im Spätfrühjahr gekeimten Pflanze Anfang August. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine phantastisch große Rosette; die Pflanze beginnt gerade zu schossen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die oberen Stängelblätter sind breit, aber spitz zulaufend und groß gezähnt. (Bild: W. Wohlers) |
| Alle Blätter laufen am Stängel herab, wodurch dieser geflügelt wird. Deutlich die versenkten Blattadern. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Stängelblätter ganz oben sind nur noch schmal, aber wie die ganze Pflanze mit langen, harten Stacheln besetzt. (Bild: W. Wohlers) |
| Die langen Stacheln sind die verlängerten Adern. Hier die filzartig behaarte Blattunterseite mit dem leicht gewölbten Rand. (Bild: W. Wohlers) |
| Auch die Blattoberseite ist filzartig behaart. Der weiße Filz gibt der Eselsdistel das silbrig-graue Aussehen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Filzhaare laufen vielfach auf die Stacheln zu, bzw. von ihnen weg. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Blattadern sind versenkt, hier die Oberseite. (Bild: W. Wohlers) |
| Auf der Blattunterseite verlaufen die Haare an der Mittelrippe und am Stängel alle parallel. (Bild: W. Wohlers) |
| Das untere Ende eines Blattflügels ragt aus den Parallelhaaren der Mittelrippe. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Stacheln ragen 1 cm aus dem Blatt heraus. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Stacheln vor allem der Blattflügel sind nicht nur Auswüchse des Blattrandes. (Bild: W. Wohlers) |
| In den Blattachseln bilden sich Seitentriebe, unten nur kurze. (Bild: W. Wohlers) |
| Insgesamt verzweigt sich die Eselsdistel nur oben, bei kleinen, wahrscheinlich erst im Frühjahr gekeimten Pflanzen auch nur wenig. (Bild: W. Wohlers) |
| Der Blütenkorb ist fast kugelrund. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Hüllblätter öffnen sich bzw. werden auseinander gedrückt. (Bild: W. Wohlers) |
| Die noch geschlossenen Blüten werden sichtbar. (Bild: W. Wohlers) |
| Auf den Blütchen befinden sich kleine, weiße Blasenhaare. (Bild: W. Wohlers) |
| Auf der Außenseite der Hüllblätter sind kleine Blasenhaare zu erkennen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Hüllblätter tragen am Rand Borsten und auf der Breitseite Blasenhaare. (Bild: W. Wohlers) |
| Ein einziges Hüllblatt mit den Borsten am Rand und den hier nur beschränkt zu sehenden Blasenhaaren. (Bild: W. Wohlers) |
| Die unteren Hüllblätter tragen ein Gespinst von langen Haaren. (Bild: W. Wohlers) |
| Borsten am Rand, Blasenhaare und Filzhaare an den unteren Hüllblättern. (Bild: W. Wohlers) |
| Hier der Übergang vom Stängel zum Blütenkorb mit den weniger werdenden Filzhaaren. (Bild: W. Wohlers) |
| Ganz oben am Korb, direkt an den Blütchen, gibt es schmale Hüllblätter, die keine Borsten tragen. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Blütchen stehen alle parallel. (Bild: W. Wohlers) |
| Der weit geöffnete Blütenkorb. Weiter wird er nicht. (Bild: W. Wohlers) |
| Aus den fünf Blütenblättern schiebt sich die Antherenröhre. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Antherenröhre öffnet sich und gibt die weißen, durchsichtigen Pollenkörner frei. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Pollen wird von den Narben nach außen geschoben. (Bild: W. Wohlers) |
| Hier die weißen, schmalen Narben haben zwei, kaum zu sehende Äste, nur ganz rechts bei einer Narbe. (Bild: W. Wohlers) |
| In dem Blütenkorb ernähren sich Rapsglanzkäfer Brassicogethes aeneus vom Pollen. Diese Pflanze stand immerhin im Raps! (Bild: W. Wohlers) |
| Die Narben verbräunen mit zunehmendem Alter. (Bild: W. Wohlers) |
| Diese Pflanze hat es auf fast 3 m gebracht, gut gedüngt im Rosarium Sangerhausen. Man ließ sie stehen, weil sie so schön ist. (Bild: W. Wohlers) |
| Der Blütenkorb verschließt sich mit den vertrockneten Narben und Blütenblättern. (Bild: W. Wohlers) |
| Das typische Bild im Juli kurz vor der Ernte. Die reifenden Samenkörbe stehen eng zusammen auf einem Stiel. (Bild: W. Wohlers) |
| Drei Samenkörbe stehen zusammen auf kurzen Stielen. (Bild: W. Wohlers) |
| Es fiel kaum auf: Auf dem Foto war eben eine Spinne zu sehen, ein Weibchen der Braunweißen Kugelspinne Phylloneta impressa. (Bild: W. Wohlers) |
| Auf einem anderen Korb bewachte die Spinne ihren Nachwuchs. Er wird von der Mutter sogar gefüttert. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Spinnenmutter ist oben im Nest nur zu erahnen. Die Kleinen sind wahrscheinlich kurz vor der ersten Häutung. (Bild: W. Wohlers) |
| Nach der ersten Häutung verbreiten sich die kleinen Spinnchen. (Bild: W. Wohlers) |
| Der Korb wird von den herausquillenden Samen geöffnet. (Bild: W. Wohlers) |
| Der Samen ist 5 mm lang, der leicht rötlich gefärbte Pappus 10 mm. (Bild: W. Wohlers) |
| Die Samen färben sich ziemlich schnell dunkel. (Bild: W. Wohlers) |
| Im leeren Korbboden sind die sechseckigen Samenansätze zu sehen. (Bild: W. Wohlers) |
| Der leere Korb von der Seite fotografiert, darunter ein kleines Baldachinnetz oder dessen Reste von Phylloneta impressa. (Bild: W. Wohlers) |
| Die gestielten Keimblätter sind knapp 10 mm lang. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine Aufnahme mit Blitz von den nachts zusammengefalteten Blättern. (Bild: W. Wohlers) |
| Die ersten Blätter einer zehn Tage alten Keimpflanze. (Bild: W. Wohlers) |
| Haare auf der Oberseite der Primärblätter. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine Rosette im Spätsommer. (Bild: W. Wohlers) |
| Die gleiche Pflanze im nächsten März. Alles neue Blätter, die alten waren von Schnecken gefressen worden, wie während des Aprils die ganze Pflanze. (Bild: W. Wohlers) |
| Eine britische 1-Pfund-Münze mit den Symbolen der Landesteile, für Schottland eine stilisierte Distel, deren Blätter keine Stacheln bekommen hat. (Bild: R. Wohlers) |
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Verfasser: Wohlert Wohlers. Juli 2017.
Mehr zur Braunweißen Kugelspinne Phylloneta impressa oder bei Wikipedia mit einem weiteren Bild.
Fotos vom Pollen der Eselsdistel zeigt PalDat, eine palynologische Datenbank.
Eine detaillierte Beschreibung mit schönen Fotos gibt es beim finnischen NatureGate.