Wiesen-Rispengras (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Wissenswertes

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Stichwort Teil der Pflanze Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes
Etymologie des Gattungsnamens; umgangssprachliche Artnamengesamte Pflanze;Graßmann (1870), Seite 249 in Deutsche Pflanzennamen: »784. Poa der Rispel, [Köne 27], aus Rispengras, dem allgemein verbreiteten Namen für diese Gattung. Weniger empfiehlt es sich die Namen Rispen oder Raspen (die wohl als Plurale zu fassen sind) von Avena fatua [N.] hier zu übertragen, da Rispe der botanischen Kunstsprache verbleiben muß. Die Fetsch [Du. für P. annua] scheint sich auf die bis 2 Fuß hohen, dünnen und zum Binden geeigneten Halme der P. annua zu beziehen; denn die Fetsche (lat. fascia) ist nach Grimm eine Wickelschnur für Kinder, und fetschen (lat. fasciare) bedeutet überhaupt einbinden, windeln. Für Sclerochloa, wenn dies als Gattung ausgesondert wird, würde sich dieser Name allenfalls eignen. Sonst könnte man hierfür aus Hartgras [Ga.], was eine Uebersetzung des passend gewählten griechischen Namens ist, etwa der Härtling bilden.«
umgangssprachliche Artnamengesamte Pflanze;
Unterscheidung ähnlicher Grasartengesamte Pflanze;Sinclair & Friedrich (1826), Seite 155, in Hortus Gramineus Woburnensis: »Bemerkung. Dieſes Gras unterſcheidet ſich von dem gemeinen Riſpengraſe (Poa trivialis) durch ſeine ſtarken, kriechenden Wurzeln, und glatte Blattſcheiden; da hingegen die Blattſcheiden bei dem gemeinen Riſpengraſe rauh anzufühlen ſind. Beim Wieſen-Riſpengraſe iſt ferner die Blattſcheide ſtumpf, beim gemeinen Riſpengraſe aber ſpitzig; und eben ſo ſind auch die Blätter dieſes Graſes lang zugeſpizt, während jene des Wieſen-Riſpengraſes ſtumpf ſind. Engl. Bot. 1073. Hort. Hew. I. p. 155. Curt. Lond.«

Röhling u.a. (Bd.1, 1823), Seite 612 in Deutschlands Flora: »Kommt in verschiedenen Formen vor, welche zum Theil als eigene Arten angenommen und beschrieben worden. Es gibt aber allenthalben eine Menge von Mittelgestalten, welche auſser Zweifel setzen, daſs alle diese verschiedenen Formen zu ein- und derselben Art gehören. Man muſs jene sogar, um sie wenigstens in einem auffallendern Exemplare für das Herbarium zu sammeln, oft aus einer Menge von Individuen, welche weder zu der einen noch zu der andern Form genau gerechnet werden können, heraussuchen. Alle diese Formen unterscheiden sich von der vorhergehenden P. trivialis durch folgende Merkmale: die Wurzel macht, besonders in lockerm Boden, viele lange Ausläufer; die Halme und die obern Blattscheiden sind vollkommen glatt, nur die untersten Blattacheiden sind zuweilen scharf oder schärflich; das Blatthäutchen, auch an den obersten Scheiden, ist stets kurz und abgestutzt; die Rispe ist gedrungener mit Aehrchen besetzt, und nach dem Verblühen zusammengezogener; die untere Spelze hat auf dem Rückennerven und am Rande einen ziemlich breiten, von der Basis bis zur Mitte der Spelze hinaufreichenden Streifen von längern weichen, nicht ganz dicht aufliegenden Haaren. Das oberste Halmblatt ist, wie bei der vorigen Art, meistens viel kürzer als seine Scheide.«

Ökologie von Gräsern; Zusammenhang Bodenwasser und Gräserwachstumgesamte Pflanze;Graebner & Meyer (1909), Seite 155, in Die Pflanzenwelt Deutschlands: »Weber hat interessante Beobachtungen über die Zusammensetzung der Wiesen bei verschiedenem Grundwasserstande angestellt, so fand er, daß im Graslande der hohen Geest das Wiesenrispengras Poa pratensis dominierte, wenn das Grundwasser im Durchschnitt etwa 2—3 m unter der Erdoberfläche sich befand; war dieses nur 1—1,5 m tief, so wurde die Art durch Poa trivialis ersetzt, war dagegen das Grundwasser selbst in den trockenen Monaten Juni und Juli nur 0,4 — 0,7 m unter der Oberfläche zu finden, so dominierte die Rasenschmiele Aera caespitosa
Ökologie von Gräserngesamte Pflanze;Sturm & Lutz (Bd.3, 1900), Seite in Jacob Strum’s Flora von Deutschland: »Die Poa-Arten stäuben am frühesten, schon zwischen 4 und 5 Uhr morgens […]. Selbstbestäubung soll Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Poa pratensis ist homogam, da jedoch die Narben lange empfängnisfähig bleiben, ist Fremdbestäubung begünstigt. Auf dem Wiesen-Rispengras ist der Blattkäfer Chrysomela cerealis L. nicht selten.«

Weiterführende Literatur

Boswell, J. T., Sowerby, J., Sowerby, J. d. C., Salter, J. W. & Sowerby, J. E. 1872: English Botany; or Coloured Figures Of British Plants. 3. Auflage. Bd. 11, Robert Hardwicke, London, S. 1-218; MDCLXXXVI-MDCCCXXIV (=1686-1824) (Graminahttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​186196, abgerufen am 28. Mai 2019).
Graebner, P. & Meyer, F. G. 1909: Die Pflanzenwelt Deutschlands. Lehrbuch der Formationsbiologie. Eine Darstellung der Lebensgeschichte der wildwachsenden Pflanzenvereine und der Kulturflächen. Quelle & Meyer, Leipzig (Mit 129 Abbildungenhttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​44852).
Grassmann, H. 1870: Deutsche Pflanzennamen. Druck von R. Graßmann, Stettin, doi:10.5962/bhl.title.95544.
Jessen, K. F. W. 1863: Deutschlands Gräser und Getreidearten zu leichter Erkenntniss nach dem Wuchse, den Blättern, Blüthen und Früchten zusammengestellt und für die Land- und Forstwirtschaft nach Vorkommen und Nutzen ausführlich beschrieben. 2. Auflage. T. O. Weigel, Leipzig (Mit 208 Holzschnittenhttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​52987).
Krafft, G. 1876: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. 1. Auflage. Bd. 2, Wiegandt, Hempel & Parey, Berlin, S. I-VIII, [1-3], 4-252 (http:/​/​www.​deutschestextarchiv.​de/​krafft_​landwirthschaft02_​1876, abgerufen am 20. August 2019).
Reichenbach, H. G. L. 1844: Flora Saxonica. Die Flora von Sachsen, ein botanisches Excursionsbuch für das Königreich Sachsen, das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herzogthümer Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Meiningen, die Fürstlich-Schwarzburgischen und Reußischen Lande, die Herzogthümer Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen, die Provinz Sachsen und die Preußische Lausitz. Nebst Schlüssel zum erleichterten Bestimmen der Gattungen nach Linnee's Sexualsystem. 2. Auflage. Arnoldische Buchhandlung, Dresden, Leipzig („mit vollständigem Register der deutschen und lateinischen Namen und ihrer Synonymen“https:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​29480).
Röhling, J. C., Mertens, F. C. & Koch, W. D. J.; Wilmans, F. (Hrsg.) 1823: J. C. Röhlings Deutschlands Flora. Nach einem veränderten und erweiterten Plane bearbeitet. Bd. 1, Frankfurt am Main (https:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​94877, abgerufen am 1. August 2019).
Schmeil, O. & Fitschen, J. 1913: Pflanzen der Heimat. Eine Auswahl der verbreitetsten Pflanzen unserer Fluren in Wort und Bild. 2. Auflage. Quelle und Meyer, Leipzig (2. Aufl. des gleichnamigen Werkes v. O. Schmeilhttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​44791).
Sinclair, G. & Schmidt, F.; J. G. C. Buchhandlung (Hrsg.) 1826: Hortus gramineus Woburnensis oder Versuche über den Ertrag und die Nahrungskräfte verschiedener Gräser und Pflanzen, welche zum Unterhalt der nützlichern Hausthiere dienen, veranstaltet durch Johann, Herzog von Bedford. mit vielen Abbildungen der Pflanzen und Samen erläutert, womit diese Versuche gemacht wurden, nebst praktischen Bemerkungen über ihre natürlichen Eigenschaften, und die Erdarten, welche am besten für sie taugen; sammt Angaben über die besten Gräser für dauernde Weiden, bewässerte Wiesen, hochliegendes Weideland, und zur Wechselwirthschaft, begleitet mit den unterscheidenden Merkmalen der Arten und Abarten. Stuttgart und Tübingen, S. I-XIX,[XX], 1-418 (Ist eine Übersetzung George Sinclairs Englischen Originalshttps:/​/​books.​google.​de/​books?id=​3EZXAAAAcAAJ&hl=​de, abgerufen am 29. Juli 2019).
Sturm, J.; Lutz, K. G. (Hrsg.) 1900: J. Sturms Flora von Deutschland in Abbildungen nach der Natur. Echte Gräser, Gramineae. 2. Auflage. Bd. 3, Verlag von K. G. Lutz, Stuttgart (Mit 56 lithogr. Tafeln und 9 Abbildungen im Texthttps:/​/​biodiversitylibrary.​org/​page/​55370102, abgerufen am 24. September 2018).
Weber, C. 1892: Über die Zusammensetzung des natürlichen Graslandes in Westholstein, Dithmarschen und Eiderstedt. In: Schriften des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein. Bd. 9, S. 179-217 (https:/​/​www.​zobodat.​at/​pdf/​Schr-Naturwiss-Ver-Schleswig-Holstein_​9_​0179-0217.​pdf, abgerufen am 5. September 2019).
Willkomm, M. 1901: Bilder-Atlas des Pflanzenreichs nach dem natürlichen System. 4. Auflage. J.F.Schreiber, Esslingen, München, doi:10.5962/bhl.title.56595 („124 feine Farbendrucktafeln mit über 600 Abbildungen und 143 Seiten beschreibender Text“).
Quelle: Offene Naturführer, Das Wiki zu Bestimmungsfragen: Wiesen-Rispengras (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Wissenswertes (Zuletzt geändert:
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