Vogel-Wicke (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Wissenswertes

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Stichwort Teil der Pflanze Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes
Ameisen als Pflanzenhüter; anlocken (Ameisen); Honig; Raupen; Knöllchenbakterien; Stickstoffanreicherung; Landwirtschaft; Vorkommen; Blütezeit; Wuchshöhegesamte PflanzeSchmeil & Fitschen (1913, Nr.31): »Die Vogelwicke. (Vicia cracca L.)

Betrachtet man die im Grase und Gebüsch, sowie an Zäunen nicht selten vorkommende Pflanze genauer, so findet man vielfach kaum ein Exemplar, das nicht von Ameisen besucht wäre. Die nach süßen Säften lüsternen Tiere werden durch den Honig angelockt, der von bräunlichen Drüsen auf der Unterseite der kleinen Nebenblätter oft in so reichem Maße abgesondert wird, daß er zu je einem großen, glänzenden Tropfen zusammenfließt. Während die Insekten beim Einsammeln des Blütenstaubes oder beim Saugen des Honigs — gewissermaßen als Gegendienst — die Bestäubung der Pflanzen vollziehen, scheint es hier, als ob die Ameisen, die nicht bis zu den Blüten vordringen und infolge ihrer Kleinheit und ihres glatten Körpers Überhaupt durchaus ungeeignet sind, die Rolle der Bestäuber zu übernehmen, sich an dem so bequem dargebotenen Safte sättigten, ohne dafür der Pflanze in irgendeiner Weise zu nützen. Nun ist aber längst bekannt, daß die Ameisen eifrige Vertilger von Raupen und anderen Pflanzenschädlingen sind. Die Gewächse, die von Ameisen fleißig besucht werden, sind deshalb vor denjenigen, die diese Besuche nicht erhalten, im Vorteil, weil jedes blattfressende Insekt, das sich auf ihnen ansiedelt, meist sofort eine Beute der bissigen Tiere wird. Die Ameisen werden daher gleichsam als eine Schutzgarde der Wicke betrachtet. Der Honig wäre dann das Mittel, die streitbaren Helfer anzulocken.

An den Wurzeln der Vogelwicke bilden sich zahlreiche Knöllchen deren Wesen und Bedeutung man erst in jüngerer Zeit erkannt hat. Sie werden durch Spaltpilze (Bakterien) verursacht, die imstande sind, den Stickstoff der atmosphärischen Luft aufzunehmen und in Eiweiß überzuführen. Nach einiger Zeit sterben die Spaltpilze ab, und die in ihnen aufgespeicherten Stoffe werden Von der Pflanze aufgesogen. Außer der Vogelwicke besitzt auch eine Anzahl anderer Schmetterlingsblütler (Erbse, Bohne, Lupine u.a.) die merkwürdige Fähigkeit, mit Hilfe von Bakterien den freien Stickstoff der Luft zu verarbeiten, während alle anderen Pflanzen das wertvolle Element den Bodensalzen entnehmen müssen. Einem Felde, dessen Stickstoffgehalt infolge früherer Ernten erschöpft ist, kann der für die Samenbildung besonders notwendige Baustoff also dadurch wieder zugeführt werden, daß man einen jener ›Stickstoffsammler‹ auf ihm anbaut und unterpflügt, eine Tatsache, die für die Landwirtschaft von höchster Bedeutung ist.

Wiesen, Gebüsch, Hecken, häufig. 5—8. H. 60—80 cm. — Schmetterlingsblütler.«

Schmetterlinge als BlütenbesucherBlütenJennersten (1984), S. 81ff.: »Three plant species, viz. Knautia arvensis, Vicia cracca and Centaurea jacea, received about 50 % of all visits [of butterflies]. … The degree of flower visiting dominance varied greatly among butterfly species (Fig. 4). Plebicula amanda was found to be a typical specialist, concentrating its visits to legumes, with Vicia cracca and Lathyrus pratensis receiving 93 % (93.9, 91.6) of all visits recorded.«

Drei Pflanzenarten, nämlich Knautia arvensis, Vicia cracca und Centaurea jacea, erhielten etwa 50 % aller Besuche [von Schmetterlingen]. … Der Grad der Dominanz der Blütenbesuche war bei den Schmetterlingsarten sehr unterschiedlich (Abb. 4). Plebicula amanda [Vogelwicken-Bläuling] erwies sich als ein typischer Spezialist, der seine Besuche auf Hülsenfrüchtler konzentrierte, wobei Vicia cracca und Lathyrus pratensis 93 % (93,9, 91,6) aller erfassten Besuche erhielten. (übersetzt mit Hilfe deepl.com)

Etymologie des GattungsnamensHegi u.a. (Bd. 4, 3. Teil, Dicotyledones, 1924), S. 1506: Vicia »Name einer Hülsenfrucht (wohl Vicia sativa) bei Varro, jedenfalls mit dem gleichfalls Hülsenfrüchte bezeichnenden gr. βικἱον [bikíon] und βἱκος [bíkos] verwandt. Ob vicia mit vincire = binden zusammenhängt (ähnlich wie Wicke mit wickeln), ist zweifelhaft. Als Wicke im engsten Sinn (franz.: Poisette) wird nur V. sativa verstanden. Die Arten der Untergattung Cracca, oft auch solche der Untergattung Ervum, werden meist als Vogelwicken (im Unterwallis Dzarjelya varcéli usw., im Puschlav Arbegliola salvadica) bezeichnet.«
Etymologie des GattungsnamensGraßmann (Deutsche Pflanzennamen, 1870), S. 71 f.: 173. Vicia die Wicke.     Das deutsche Wort ist aus dem lateinischen entstanden. Das griechische, erst spät vorkommende βωκἱον sieht ganz wie eine Umdeutung des lateinischen Namens aus, mit Anspielung auf das Diminutiv βικἱον, βικἱδον des schon bei Herodot vorkommenden βῖκος Gefäß. Jm Althochdeutschen findet sich ein ans vic-ia regelmäßig verschobenes, aber mit anderer Ableitendung gebildeter Name wih-unt vor, welcher mit sinonus gleichgefetzt wird, sinonus giebt aber Wicke (wiche) wieder. Wir haben also wih-unt mit vic-ia als urverwandt zu setzen; die Wurzel liegt vielleicht in dem lateinischen vincire umwinden, und konnte aus die Wickelranke einiger Arten hindeuten. Der Name die Kracke oder Krok [N.] fiir Vicia Cracca ist nur zu verwenden, wenn mit Garcke u.a. Cracca als Gattung ausgesondert wird. Er entspricht dem lateinischen Cracca (Plinius), dem slovenischen grah (Erbse), grahoriza (Wicke), böhm. hrach (Erbse), russ. goroch (Erbse, Wicke). Für das Lateinische ergiebt sich als muthtuaßliche Wurzel die altindische karç abmagern, aus welcher das altindische krçá-s mager, dünn, schlank, das altlateinische crac-entes (düun, schlank) stammen. [Curt. Gr. d. Et. 140.] Im klassischen Latein zeigt das zu dieser Wurzel gehörige grac-ilis (schlank) dieselbe Erweichung des Anlautes, wie die slavischen Wörter. Es könnte die Cracca wohl von ihren langen schlanken Blüthentrauben so genannt sein. Wollte man Faba [Mnch.] aussondern, so könnte man etwa die Freise von Phaseolus (n. 178) hier übertragen.
Etymologie des ArtnamensHegi u.a. (Bd. 4, 3. Teil, Dicotyledones, 1924), S. 1507: »Cracca bei Plinius eine unter Getreide auftretende Wickenart. Der Name hängt wohl zusammen mit altgr. κάχληεξ [káchlex] und κόχλαξ [kóchlax] = Steinchen, neugr. γράχος [gráchos], slovenisch grah, grahor, polnisch groch, russisch goroch, womit die Linse bezeichnet wird.«
Umgangssprachliche ArtnamenHegi u.a. (Bd. 4, 3. Teil, Dicotyledones, 1924), S. 1529: »Die Vogelwicke (hie und da auch volkstümlich) wird als für den menschlichen Gebrauch nicht in Betracht kommende Art den Vögeln überlassen; daher auch Vogelzok (Nordthüringen), Vogelheu (Schweiz). Der gleichen Anschauung liegt die Bezeichnung Rossarbeis [Rosserbse, für den menschlichen Genuss nicht geeignete Erbse] (Böhmerwald) zugrunde. Gehören Krokk (Mecklenburg), sowie Krakerlizen, Kracherlitzen [aus kroat. grasica, serb. grachoriza] (Kärnten) zusammen und bestehen Beziehungen zu dem lat. cracca ¹)? Niederdeutsche Benennungen sind Rîwe, Riggen (Westfalen). — Rätoromanische Benennungen Graubündens sind taja d'utschè, arveglia corv.

¹) Italienischer Name der Art, schon von Plinius für eine im Getreide auftretende Wicke gebraucht, die von den Tauben sehr gern gefressen wurde. Die Verwandtschaft des Namens ist unsicher. Entweder aus dem lateinischen Cracca oder aus den slavischen Sprachen (altslavisch grachu, vgl. oben) stammen Namen wie Kracker, Krack; holländisch Krok oder Drachtwicke. Hieronymus Bock führt folgende Namen an: Aphace, S. Christoffelskraut, Os mundi (wohl Prophetenname!), Schwartz Linsen. Dodoens und Thal nennen die Art Galega sylvestris, Tabernæmontan Vogelswicken, Aracus.«

Weiterführende Literatur

Grassmann, H. 1870: Deutsche Pflanzennamen. Druck von R. Graßmann, Stettin, doi:10.5962/bhl.title.95544.
Hegi, G., Gams, H. & Marzell, H. 1924: Illustrierte Flora von Mitteleuropa: mit besonderer Berücksichtigung von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz: zum Gebrauche in den Schulen und zum Selbstunterricht. Dicotyledones (II. Teil). Bd. 4., 3. Teil, J. F. Lehmanns Verlag, München, S. 1114-1748, Ill. (Volkstümliche Pflanzennamen gesammelt und bearbeitet von Dr. Heinrich Marzell in Günzenhausen (Bayern)http:/​/​nbn-resolving.​de/​urn:nbn:de:hbz:061:2-170678, abgerufen am 14. Juni 2020).
Jennersten, O. Juli 1984: Flower visitation and pollination efficiency of some North European butterflies. In: Oecologia. Bd. 63, S. 80–89, doi:10.1007/BF00379789. (Übersetzung: Blütenbesuch und Bestäubungseffizienz einiger Nordeuropäischer Schmetterlinge)
Schmeil, O. & Fitschen, J. 1913: Pflanzen der Heimat. Eine Auswahl der verbreitetsten Pflanzen unserer Fluren in Wort und Bild. 2. Auflage. Quelle und Meyer, Leipzig (2. Aufl. des gleichnamigen Werkes v. O. Schmeilhttps:/​/​www.​biodiversitylibrary.​org/​item/​44791).