Avena sativa – Hafer (JKI-Pflanzenportraits)

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Kulturpflanzen
Kulturpflanzen im Julius Kühn-Institut
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(Bild: W. Wohlers, JKI)

Avena sativa, der Hafer gehört zur Familie der Poaceae (Süßgräser). Der englische Name ist Oats.

Hafer, häufig auch Saat-Hafer genannt, wächst seit der Bronzezeit in Europa. Er ist eine sekundäre Kulturpflanze, da er wahrscheinlich als Beimischung, als Unkraut, mit Gerste und Weizen aus Mesopotamien gekommen ist. Dort wurde er nicht angebaut, aber sein Vorfahre wuchs dort. Hafer wie auch Flughafer stammen von Avena sterilis, dem Tauben Hafer ab, und sind beide polyploid, haben also das Mehrfache des Erbmaterials von A. sterilis.

Hafer kann bis zu anderthalb Meter hoch werden und ist im Sommer an der typischen Rispe leicht zu erkennen. Er wächst besonders gut in den kühlen und feuchten Sommern des nördlichen Europas. Seine Regenfestigkeit ist einer seiner Vorteile. Allerdings verfärben sich die Spelzen in unseren regenreichen Sommern leicht und dies ist auch bei den Flocken zu sehen. Deshalb kommen Haferflocken meistens aus dem Ausland, vielfach aus Australien. Hafer gilt im Hinblick auf die Nährstoffversorgung als eher anspruchslos, auch auf schlechteren Böden, da er, mehr noch als anderes Getreide, ein ausgedehntes Wurzelsystem hat. Bei Trockenheit reagiert er jedoch empfindlich. Winterfest ist er nicht, erst seit ein paar Jahren gibt es Winterhafersorten.

Hafer wird in Deutschland nur noch auf 141.000 ha (2010) angebaut, weniger als ein Zehntel der Gerstenanbaufläche, siehe Statisches Jahrbuch 2010. Vor zwanzig Jahren betrug die Anbaufläche noch 339.000 ha. Der Ertrag betrug 2010 42,6 dt/ha. Er schwankt je nach Witterung von Jahr zu Jahr: 2004 waren es 52,1 dt/ha. 2010 wurden in Deutschland 600.000 t Hafer geerntet, weltweit ca 20 Millionen t (2008). Hauptproduzent ist mit 5,83 Mio. t Russland, vor Polen (1,26 Mill. t), Finnland (1,21 Mill. t), Australien (1,12 Mill. t) und Spanien (1,15 Mill. t), siehe die Statistiken der FAO. 80% der Ernte wird in Deutschland verfüttert, nur 20 % werden für unsere eigene Ernährung verwendet. Als Schon- und Diätkost wird Hafer bei verschiedenen Beschwerden empfohlen. Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Hafer auf den Cholesterinspiegel des Blutes senkend wirkt. Früher war Hafer die wichtigste Transport-Energiequelle: Pferde wurden mit Hafer gefüttert.

Hafer ist eine Kulturart mit großem, bisher noch nicht ausgeschöpftem Potential mit einer weiten Variabilität. Die vom JKI-Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen geführte Europäische Avena-Datenbank stellt Passport-, Charakterisierungs- und Evaluierungsdaten zu genetischen Ressourcen des Hafers zur Verfügung.

Verfasser: Wohlert Wohlers, JKI. Mai 2011