Botanischer Schlüssel für krautige, blühende Pflanzen im Großraum Nürnberg (Matthias Görtz)

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Quelle: M. Görtz 2000 Botanischer Schlüssel für krautige, blühende Pflanzen im Großraum Nürnberg, Eigenverlag; Druck: Spanhel Herzogenaurach. – Gültig für krautige, blühende Pflanzen im Raum Nürnberg – Erlangen – Fürth (bis etwa Lauf, Ansbach, Schwabach, Neustadt a. A.) (Autorisierte Zweitpublikation)
Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit dem Autornamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Matthias Görtz beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen!

Vorbemerkung

Der vorliegende Schlüssel wurde zunächst und in erster Linie mit Blick auf Schüler/innen der 6. Jahrgangsstufe an Gymnasien gestaltet – einfach deshalb, weil es der Lehrplan dort so vorsieht. Der Kreis derjenigen, die ihn mit Gewinn nutzen können, ist indes viel größer, nämlich jede/r, der/die im Großraum Nürnberg blühende Pflanzen sicher bestimmen möchte.

Die sicherste Bestimmung bietet zweifellos der Gebrauch eines wissenschaftlichen Schlüssels (Rothmaler, Oberdorfer, Schmeil-Fitschen ...), der aber vielen furchteinflößend dick und unbebildert erscheint, der Fachkenntnisse und Übung voraussetzt und den die meisten ohnehin gar nicht kennen. Reich bebilderte, handelsübliche Bestimmungsliteratur hingegen bietet schnelle Freude am Ergebnis, doch läuft man damit allzu oft in die Irre – denn erstens wird durch die enge Auswahl der aufgenommenen Arten vielleicht eben die gesuchte verschwiegen, zweitens auf die Verwechslungsmöglichkeiten mit ähnlich aussehenden Gewächsen, evtl. aus ganz anderen Familien, fast nie hingewiesen. Außerdem vermittelt eine Bestimmung nach Bildern oder gar Blütenfarbe keinen oder sogar einen falschen Eindruck von verwandtschaftlichen Zusammenhängen und der Bedeutung pflanzlicher Merkmale. Nebenbei bemerkt ist es in den Zeiten knapper Finanzen kaum erschwinglich, ganze Klassensätze davon anzuschaffen.

Daher dieser Schlüssel. Er ist beschränkt auf das, was in unserer Gegend wächst und von Schülern als "Blume" s. l. ernstgenommen wird.

Gültigkeitsbereich des Schlüssels

  • Krautige Landpflanzen mit gut erkennbarer Blüte (oder Blütenkörbchen), d. h. mit mindestens einfacher Blütenhülle und > 1 mm Durchmesser. Mit aufgenommen sind Stauden und Zwergsträucher, die man damit verwechseln kann[1].
  • Raum ER/N/FÜ/ERH, Umkreis von 20–40 km bzw. Mittelfränkisches Becken und Aischgrund (Topographische Kartenblätter TK25: 6329–6332; 6429–6433; 6529–6533; 6629–6633)

Auch dieser Schlüssel führt nicht in alle Gattungen, ja nicht einmal in alle Familien hinein! Um übersichtlich zu bleiben, wurde auf die Aufschlüsselung derjenigen Taxa verzichtet, die nur durch erfahrene Beurteilung schwieriger Merkmale (halbunterständiger Fruchtknoten, falsche Scheidewände ...) zu behandeln wären und daher mit Schüleraugen und Lupen nicht bestimmbar sind.

Vielleicht stößt es manchem sauer auf, daß diesem Kriterium so wichtige Familien wie die Rosaceen zum Opfer gefallen sind. Schafft es nicht jedes Schulbuch, einfache Schlüssel dazu zu erstellen? Bei genauerem Hinsehen bestehen diese allerdings auch nur aus Äpfeln und Erdbeeren. Und die Antwort, wie man die Familie absolut sicher erkennt, bleiben sie alle schuldig.

Wo immer so eine Sackgasse im Schlüssel besteht, wird darauf hingewiesen, welche Möglichkeiten noch verbleiben. Dem ambitionierten Bestimmer ist es überlassen, hier weiterführende Literatur zu Rate zu ziehen. Oft sind noch Merkmale angegeben, mit der sich der Kreis der verbleibenden Möglichkeiten weiter einengen läßt.

Die etwa 920 im Gebiet vorkommenden krautigen Arten[2] gehören zu 69 Familien. Nur etwa 150 Arten aus den Rosaceen, Caryophyllaceen, Ranunculaceen, Euphorbiaceen und Primulaceen lassen sich nicht zuverlässig bestimmen[3]. Von den verbleibenden 770 Arten lassen sich ca. 600 der Art bzw. Gattung zuordnen, ansonsten immerhin die Familie bestimmen. Der Schlüssel soll durch seinen Umfang, seine Beschränkungen und seinen dichotomen Aufbau leichten Erfolg beim sicheren Bestimmen vermitteln – und dadurch Freude am Botanisieren – und eine tragfähige Brücke zu wissenschaftlichen Werken schlagen.

Übung ist freilich auch hier das hilfreichste Werkzeug!

Danksagungen

Viele haben zu diesem Schlüssel beigetragen, ihn erprobt, gelesen, Ideen gehabt, Kritik geübt, Fehler gesucht und auch gefunden:

  • Schülerinnen und Schüler der 6. Jgst. (96/97) am Herzogenauracher Gymnasium sowie (99/00) am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium, Schwabach.
  • AK Botanik (99/00) am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums, Schwabach.
  • Dr. U. Teckelmann (WEG Schwabach), Dr. W. Welß (Uni Erlangen), Dr. F. Steiner (ENG Erlangen), W. Oestreicher (ENG Erlangen)

Danke!

Regeln zum Bestimmen

0. Besorge eine Lupe und ein Lineal.

1. Pflücke so wenig wie möglich! Viele Pflanzen können bestimmt werden, ohne daß man große Teile davon zerstört. Wenn Du sie hinterher mitnehmen willst, um sie für das Herbar zu pressen, ist das in Ordnung – vorausgesetzt, es handelt sich nicht um geschützte oder seltene Pflanzen (Ob eine Pflanze geschützt ist, weiß man nicht immer vorher – nimm deshalb nur Pflanzen mit, die an diesem Standort häufig sind!).

2. Kein Geschmackstest! Die meisten Pflanzen sind ungiftig, manche sind sogar sehr schmackhaft. Trotzdem solltest Du keinesfalls eine gefundene Pflanze probieren. Hinter harmlosen Namen wie "bittersüßer Nachtschatten" oder "Hundspetersilie" verbergen sich schwere Gifte. Außerdem kannst Du nie sicher sein, daß Du völlig richtig bestimmt hast. Auch mit diesem Schlüssel können Fehler passieren.

3. So funktioniert's: Der Schlüssel ist wie ein Buchspiel aufgebaut. Es werden immer zwei alternative Beschreibungen (a und b) geboten, von denen nur eine auf Deine Pflanze zutrifft. Hinter der richtigen Beschreibung steht eine Nummer, wo es weitergeht – also:

Beispiel bei der Bestimmung einer Tulpe
20a
Die Blüte hat 4 oder 6 Kronblätter   ► 21
20b
Die Blüte hat eine andere Kronblattzahl   ► 22
21a
Die Blüte hat 6 Staubblätter und drei Fruchtknoten   ► 48
21b
Die Beschreibung stimmt nicht   ► 69

Wo geht es weiter? Richtig, bei Frage 69. Tulpen haben zwar 6 Staubblätter, aber nur einen Fruchtknoten. Also stimmt die Beschreibung 21a) nicht.

4. Beginne jede Bestimmung ganz am Anfang des Schlüssels!

5. Arbeite gründlich! Lies immer beide Alternativen sorgfältig durch, bevor Du Dich entscheidest, wo es weitergeht. Wenn keine von beiden stimmt, ist irgendwo etwas falsch: in diesem Schlüssel oder bei Deiner Bestimmung. Fange dann nochmals ganz von vorne an und überlege auch die Antworten gut, die auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen. Fast immer muß eine Blüte zur Bestimmung zerlegt werden.

6. Chinesisch? Erklärungen für Fachausdrücke findest Du hier.

7. und noch eine Warnung... Informiere Dich vor Beginn, wie der Große Bärenklau (auch Herkulesstaude genannt) aussieht! Diese Pflanze hat an Blättern und Stängeln rauhe Drüsenhaare, die bei Berührung schwere Verätzungen hervorrufen. Nicht anfassen!

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Verzeichnis der zur Erstellung dieses Schlüssels verwendeten Literatur

  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora, Band 2 und 3, Volk und Wissen Verlag GmbH, Berlin 1991, 8. Aufl.
  • div. Auteurs: Guide des plantes sauvages, Sélection du Reader's Digest, Paris 1987, 2. Aufl.
  • Peter Schönfelder, Andreas Bresinsky (Hrsg.): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns, Ulmer Verlag, Stuttgart 1990, 1
  • Schmeil/Fitschen: Flora von Deutschland, Quelle & Meyer Verlag, Heidelberg 1988, 88. Aufl.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Ulmer Verlag, Stuttgart 1990, 6. Aufl.
  • Strasburger: Lehrbuch der Botanik, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1991, 33. Aufl.
  • Gaston Bonnier: Flore complète portative de la France [...], Editions Belin, Paris 1986
  • Wilhelm Barthlott (Hrsg.): Pflanzen-Enzyklopädie, DuMont Verlag, Köln 1998, 1. Aufl.
  • Floristische Rundbriefe: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen der BRD, Verlag E. Goltze, Göttingen 1993
  • Aichele: Was blüht denn da? Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1994, 2. Aufl.


Fußnoten

  1. Xanthium str. und Ambrosia artem. kommen an jeweils zwei Stellen synanthrop oder unbeständig vor und sind nicht berücksichtigt
  2. dazu werden hier auch viele Arten gerechnet, die als Zwergsträucher oder ihrer grünen Stängel (Rosen) wegen von Schülern nicht unbedingt als verholzte Pflanzen erkannt werden
  3. Die hohe Zahl kommt vor allem von den unzähligen Arten mancher schwer unterscheidbarer Gattungen (Brombeeren, Frauenmantel, Sternmiere, Hornkraut, Hahnenfuß)