Wald-Schlüsselblume (Pflanzentafel Natura Miriquidica e.V.)/Beschreibung
Stichwort | Teil der Pflanze | Quellenangaben, Anmerkungen, Weiterführendes |
---|---|---|
Blüten; Kelch | Willkomm (1901), S. 99: »… Die meisten Arten wachsen in den Alpen und anderen Hochgebirgen, die gemeinsten sind die auf Wiesen oft in großer Menge vorkommenden, gelbblumigen Himmelschlüssel, deren es zwei Arten gibt: P. officinalis und P. elatior. Von beiden werden die wohlriechenden Blüten zu Thee benutzt. P. officinalis besitzt weite, fast aufgeblasene, fünfkantige Kelche, P. elatior enge Kelche und größere aber schwefelgelbe Blumen. Auch die ebenfalls gelbblumige P. acaulis pflegt Himmelschlüssel genannt zu werden. Aus ihr, sowie aus P. elatior sind durch Kultur und Kreuzungen die ebenfalls mit verschiedenfarbigen Blumen begabten Gartenprimeln entstanden. …« | |
Blätter; Blüten; Früchte; Wurzel; gesamte Pflanze | Dietrich (Flora Regni Borussici Bd. 12, 1844), Tafel 793: »In schattigen Gebüschen … Blüht vom März bis Mai. ♃. Die Wurzel fast abgebissen, etwas schief und höckerig, an der Spitze schuppig, mit starken weiſslichen Fasern besetzt, die ziemlich tief in die Erde gehen, einen Büschel von Wurzelblättern und einen oder mehrere Schafte treibend. Die Blätter alle wurzelständig, lang gestielt, mit einem 2—3 Zoll langen, dicken, fleischigen, sehr hellgrünen, fast halbstielrunden, durch die herablaufende Blattsubstanz geflügelten Blattstiel, der sich an der Basis fast scheidenartig erweitert und umfassend ist; die Platte 2—3 Zoll lang und halb so breit, länglich, stumpf, an der Basis in den Blattstiel auslaufend, aber vor der Verschmälerung doch zuweilen an jeder Seite in ein kurzes Läppchen ausgehend und daher herzförmig erscheinend, am Rande mehr oder weniger wellenförmig oder fast eingeschnitten-gekerbt, auf der Oberfläche etwas runzelig, zottig, matt und dunkeler grün, auf der Unterfläche heller und fast grau grün und ebenfalls zottig. Der Schaft länger als die Blätter und oft zwei bis dreimal so lang, aufrecht, selten etwas gebogen an der Spitze, einfach, stielrund, zottig weichhaarig oder besser kurzhaarig, an der Spitze eine einzelne, von einer Hülle unterstützte, einfache Dolde tragend. Die Hülle ist vielblätterig, viel kürzer als die Blumenstielchen, und besteht aus ungleich langen, lanzettförmigen, pfriemenförmig zugespitzten, aufrechten und kurzhaarigen Blättchen. Die Blumen stehen in der Dolde an einfachen, kürzeren oder längeren, fadenförmigen, kurzhaarigen Blumenstielen, die ziemlich aufrecht oder doch nur schwach nach einer Seite hingeneigt sind. Der Kelch einblätterig, einen halben Zoll lang, röhrenförmig, etwas aufgeblasen, schwach eckig-gefaltet, kurzhaarig, bleibend, mit fünfzähniger Mündung, deren Zähne aus einer eirunden Basis verlängert-zugespitzt und aufrecht sind. Die Blumenkrone rein schwefelgelb, einblätterig, präsentirtellerförmig, ein Drittheil länger als der Kelch; die Röhre kaum länger als der Kelch, unten ziemlich walzenförmig, nach oben zu wenig erweitert und dann in den aufgeblasenen, offenen Schlund übergehend; der Saum flach ausgebreitet, 8—10 Linien im Durchmesser, ungefleckt, fünflappig, mit umgekehrt-eirunden, an der Spitze ausgerandeten Lappen. Staubgefäſse fünf, in dem erweiterten Schlunde eingesetzt und in demselben verborgen ; die Staubfäden sehr kurz; die Staubbeutel aufrecht, länglich, zweifächerig. Stempel einer; der Fruchtknoten kugelrund; der Griffel fadenförmig, kürzer als die Blumenkronenröhre; die Narbe kopfförmig und kugelrund. Die Kapsel oval, etwas bauchig, an der Basis verdünnt, mit dem Kelche bedeckt, einfächerig, vielsamig, an der Spitze mit einem kurzen pyramidenförmigen Deckel und zehn etwas auswärtsgebogenen Zähnen aufspringend; der Samenträger mittelständig, frei und fast keulenförmig. Die Samen rundlich-zusammengedrückt.« Anm.: ♃ bedeutet ausdauernde Pflanze | |
Blätter; Blüten; gesamte Pflanze | Röhling u.a. (Bd. 2, 1826), S. 108f.: »587. Primula elatior. Jacquin. Garten—Primel. Die Blätter eyrund, gezähnt, runzlich, auf beiden Seiten kurzzottig; die Dolde vielblüthig, die äussern Blüthen hangend; die Kelche kantig, mit langgespitzten Zähnen; der Blumensaum flach. […] Tr. u. a. Nam. Langschaftige Primel. Erhabenere Schlüsselblume. Groſse Waldschlüsselblume. Bergsanickel. Geruchlose Primel. Folgende Merkmale unterscheiden die gegenwärtige Art von der vorhergehenden: Die Blätter sind gröſser, auf beiden Seiten kurzzottig, doch sind diese Haare wie die des Stengels, der Blüthenstiele und der Kelche länger, daher mehr zottig , jene der P. officinalis [=P. veris] sind so kurz und so dicht gestellt, daſs dadurch ein feiner Filz gebildet wird. Die innern Blüthen der Dolde stehen aufrecht, und nur die äuſsern nicken, der Kelch ist nur auf den Kanten besonders zottig, die Zähne desselben laufen in eine lange Spitze aus, die Blume ist geruchlos, schwefelgelb, viel röſser, der Saum flach, die Zipfel sind nicht so tief ausgerandet. Die Blume ist gewöhnlich nur am Schlunde ein wenig dunkler, sie ändert aber auch ab mit einem dottergelben Kreise am Schlunde, und selbst in der Wildniſs, mit: β rothen Blumen, die jedoch in den Gärten in groſser Farbenmannichfaltigkelt vorkommen. Eine durch die Kultur entstandene, von Einigen zur folgenden Species gerechnete Abart:
Der Kelch hat sich in eine wahre Korolle verwandelt, und auch die Farbe derselben angenommen, so daſs nur eine Blume in einer andern zu stecken scheint.
Das Verhältniſs der Lage der Geschlechtstheile bei den beiden Formen ist gerade wie bei P. officinalis [=P. veris], auch die Blattform ändert auf dieselbe Weise ab. Wir haben Exemplare mit mehr herzförmigen Blättern und mit solchen gefunden, welche allmählig in den Blattstiel ausliefen, auch mit schwächer oder stärker ausgerandeten Blumenzipfeln, wissen aber nicht, ob wir gerade die von Lehmann in der Monngr. p. 54. erwähnte Abart δ vor uns hatten, besondere Abarten möchten Wir aus den so eben erwähnten Modificationen nicht festsetzen. Aus der Flora von Göttingen und von Spa haben wir eine s.g. Abart uniflora, — wohl nur eine Verkümmerung! In schattigen Gehölzen auf fettem Boden und feuchten Wald- und Bergwiesen, in ganz Deutschland, und bis über 6200″ [= 1.574,8 m; 1 Zoll, 1 ″ = 2,54 cm ] über die Meeresfläche aufsteigend. März, April, auch wohl noch einmal im Sept. und Oct. ♃.« Anm.: ♃ bedeutet ausdauernde Pflanze, Röhling u.a. (Bd. 1, 1823), S. 108: »Man bezeichnet sie, wenn blos ihre Wurzel im Winter lebt, die Theile über der Erde aber absterben, mit dem Zeichen des Jupiters ♃ …« | |
gesamte Pflanze | Daffner (1893), S. 91 »Der hohe Himmelschlüssel, Primula elatior s. veris, perennierend, mit grundständigen, eiförmigen, am Grunde plötzlich in den Stiel zusammengezogenen, runzeligen, auf der Unterseite kurzhaarigen Blättern. Blüten auf 15—30 cm hohem, kurzhaarigem Stengel (gemeinschaftlichem Blütenstiel) in einfacher Dolde. Auf feuchten Wiesen und im Walde. Blüht März und April, sowie, selten, zum zweiten Male Ende September und anfangs Oktober. Blumenkrone, gebildet durch die ziemlich weitgehende Verwachsung der Glieder des Blumenblattkreises unter einander, von schwefelgelber Farbe. In mancherlei Abänderungen oder Spielarten unter dem Namen Schlüsselblume oder Gartenprimel in Gärten.« | |
gesamte Pflanze | Boswell u.a., Bd. 7, 1867 S. 135 «Leaves ovate-oval or oval-obovate, abruptly or rather abruptly contracted at the base into winged petioles, rounded at the apex or subobtuse, irregularly erose-denticulate, rugose. Umbel raised on a scape; pedicels about equal to the calyx, more or less drooping. Calyx 5-sided-prismatic; teeth nearly half the length of the tube, broadly oblong-lanceolate, acuminate, acute. Corolla with the limb narrower across than the length of the tube, widely funnelshaped ; segments obovate-quadrate, flat; throat not contracted, without any folds. Capsule oblong-ovoid, longer than the tube of the calyx. Pubescence of the scape, pedicels, and calyx of rather long shaggy jointed hairs. In woods and meadows on clay soil. Local. Plentiful in some parts of Essex, Suffolk, and Cambridge. Jaquin’s Oxlip French, Primevère inodore. German, hoher Himmelschlüssel.» (Übersetzt: »Blätter eiförmig-oval oder eiförmig verkehrt-eiförmig, an der Basis abrupt oder ziemlich abrupt in geflügelte Blattstiele zusammengezogen, an der Spitze abgerundet oder mehr abgestumpft, unregelmäßig erosiv gezähnt, runzelig. Dolden auf einem Stiel aufgerichtet; Stiele etwa gleich groß wie der Kelch, mehr oder weniger herabhängend. Kelch 5-seitig-prismatisch; Zähne fast halb so lang wie die Röhre, breit länglich-lanzettlich, zugespitzt, spitz. Blumenkrone mit dem Schenkel schmaler in der Breite als die Länge der Röhre, weit trichterförmig; Segmente verkehrt-eiförmig-vierkantig, flach; Schlund nicht zusammengezogen, ohne Falten. Kapsel länglich-eiförmig, länger als die Röhre des Kelchs. Behaarung des Blütenstiels, der Blütenstiele und des Kelchs aus ziemlich langen, zotteligen, gegliederten Haaren. In Wäldern und Wiesen auf Lehmboden. Lokal. Reichlich in einigen Teilen von Essex, Suffolk und Cambridge. | |
gesamte Pflanze | Hoffmann & Dennert (1911), S. 201 »Schaft lang mit Dolde, Blatt unten abgestutzt (Taf. 59, 4), wenn dann die Krone doppelt so lang wie der gelbweisse Kelch: hoher H. [Himmelschlüssel], P. elátior Jacq., Taf. 59, 4, schwefelgelb, gefleckt, fast geruchlos, häufig, auf mehr feuchten Wiesen, in Wäldern, ♃, bis 30 cm, März u. April, Stammpflanze wie oben Zier-P.« | |
gesamte Pflanze | Sturm (Abt. 1 Bd. 14 1803) »PRIMULA elatior. Hohe Schlüſſelblume. Mit geſtielten en förmigen gezähnten, auf beyden Seiten etwas rauhhaarigen Blättern, aufrecheten Blüthendolden, flachen Blumenplatten, und länglichten Blumenröhren. Diere Art wächſt in ganz Deutſchland in Wäldern auf fetten Boden und blühet im April. Die Wurzel iſt zaſerigt; an derſelben ſitzen die Blätter in der Runde herum. Sie ſind geſtielt, eyförmig, gezähnt, auf beyden Seiten rauhhaarig und laufen in den Blattstiel aus. Der Schaft iſt einen Fuß lang, rund, rauhhaarig. An der Spitze deſſelben ſitzen die Blüthen doldenförmig, ſie ſind lang geſtielt und ſtehen faſt alle aufrecht. Der Kelch iſt trichterförmig, und bis zur Hälfte fünfſpaltig; die Theile ſehr ſpitzig. Die Blumen haben keinen Geruch, ſind ſchwefelgelb, fünfſpaltig; die Lappen flach, ausgerandet, und einfärbig. Die Röhre iſt trichterförmig. Die Geſchlechtstheile ſitzen in der Röhre verborgen, und ſind wie bey der officinellen Schlüſſelblume beſchaffen. Auch in Rückſicht des Gebrauches kommt ſie faſt mit derſelben überein.« | |
Blüten; gesamte Pflanze | Schmeil & Fitschen (Pflanzen der Heimat, 1913), Nr. 41: »Die hohe Schlüsselblume. (Primula elátior Jacquin.) Die Schlüsselblume oder Primel vermag so früh im Jahre zu erscheinen, weil sie eine ausdauernde pflanze ist, die in dem unterirdischen Stamme reichlich Baustoffe aufgespeichert hat. Es ist dies ein kurzes, dickes, mit zahlreichen Wurzeln und Blattresten besetztes Gebilde, das sich in jedem Jahre am oberen Ende um ein Stück verlängert und am entgegengesetzten allmählich abstirbt. Die jungen Blätter stehen senkrecht, und ihre Flächen sind nach der Unterseite zu eingerollt: beides Einrichtungen, die eine starke Verdunstung und damit ein rasches Austrocknen der noch zarten Gebilde verhindern. Eine gleiche Bedeutung hat auch die Runzelung der Blattfläche. Da ein feuchter Körper um so mehr Wasser verliert, je mehr ihn die Luft umspült, wird ein gerunzeltes Blatt, das dem Winde eine geringere Fläche darbietet als ein gleichgroßes, aber ausgebreitetes, unter denselben Verhältnissen auch weniger Wasser verdunsten als dieses. Größer geworden, verlassen die Blätter die senkrechte Stellung; die am Blattstiele herablaufenden Blattflächen breiten sich aus, und ihre Runzelung verschwindet. Aus der Mitte der Blattrosette erhebt sich ein blattloser Stengel (Schaft), der am oberen Ende die Blütendolde (s. S. 37) trägt. Die schwefelgelbe Blumenkrone hat die Form einer langen Röhre, die sich oben etwas erweitert und in fünf Zipfel gespalten ist. Untersucht man die Blüten mehrerer Exemplare, so findet man eine merkwürdige Verschiedenheit: Neben solchen Pflanzen, deren sämtliche Blüten lange Griffel besitzen, und bei denen sich die Staubblätter in der Blütenröhre befinden, trifft man andere an, bei denen der Griffel kurz ist und die Staubblätter am Ende der Blütenröhre stehen. Saugt z.B. eine Hummel an einer langgriffeligen Form, so muß sie mit dem Kopfe die gerade im Eingange zur Blütenröhre stehende Narbe, mit der Mitte des Rüssels dagegen die Staubbeutel berühren. Hält sie darauf bei einer kurzgriffeligen Blüte Einkehr, so berührt sie umgekehrt mit dem Kopfe die Staubblätter, mit der Rüsselmitte dagegen die Narbe, an der sie den mitgebrachten Blütenstaub abstreift. Fliegt die Hummel endlich, am Kopfe mit Blütenstaub beladen, wieder zu einer langgriffeligen Blüte, so wird sie diese gleichfalls bestäuben. Das Tier wird demnach den Staub von der langgriffeligen Form zur kurzgriffeligen und umgekehrt tragen, also fortgesetzt Fremdbestäubung beider Formen vermitteln. Durch Versuche wurde nun festgestellt, daß die Fruchtbarkeit der Schlüsselblume am größten ist, wenn eine solche wechselseitige Bestäubung erfolgt. Die „Verschiedengriffeligkeit“ gibt sich demnach als eine jener Einrichtungen zu erkennen, durch die eine für die Samenbildung günstige Fremdbestäubung herbeigeführt wird. Wiesen, Gebüsche, verbreitet. 3—5. H. 10—30 cm. — Schlüsselblumengewächse. | |
gesamte Pflanze | Braune, Bd. 1, 1797 »162 Höhere Schlüſſelblume. Primula elatior Die Blätter runzlicht., gezähnt; der Gehalt vielblüthig: die äuſſern Blüthchen überhangen, die innern aufrecht; der Blumenrand flach wegſtehend. Wohenort Allenthalben auf Feldern, und Wieſen, an Bächen. ✻. | |
gesamte Pflanze | Sturm (Bd. 9 1901), S. 160f. »Grosse Schlüsselblume, Primula elátior ¹) Stengel 5—30 cm hoch, meist doldig-reichblütig, seltener arm- oder einblütig. Auch auf einblütigen Stengeln steht der Blütenstiel in der Achsel eines kleinen Hochblattes an der Stengelspitze. Kelche walzenförmig, bleich mit grünen Kanten und kurz zugespitzten Zähnen, Saum der Krone von 15 bis 20 mm Durchmesser, flach oder etwas konkav, schwefelgelb oder etwas dunkler, am. Schlunde mit orangefarbenem Ring. Blumen meist geruchlos, seltener stark duftend (fragrans). Blätter erst nach der Blütezeit entfaltet, länglich-verkehrteiförmig, mehr oder weniger plötzlich in den geflügelten Stiel zusammengezogen, gezähnt, unterseits kurzhaarig, oherseits behaart odor kahl. Reife Früchte länger als der Kelch. — Kulturrassen haben meist gelbrote Blumen, zuweilen kronenartige Kelche (calycantha). ♃. 3—5, selten einzeln gegen den Herbst. In Laubwäldern, seltener auf Wiesen; fehlt in Ostpreussen, Westpreussen und Brandenburg, kommt in Posen nur im Cybinathal, Kreis Posen-Ost, vor, sonst meist nicht selten, strichweise häufig. Auch kultiviert.« Anm.: ¹) Höher | |
gesamte Pflanze | Thomé & Müller (1905), S. 24: »Blüten in einer 15 bis 30 cm hohen Dolde. Blütenstielchen kaum länger als der Kelch. Blätter eiförmig, plötzlich in den Blattstiel zusammengezogen, unterseits nebst dem Blütenschafte und den Blütenstielchen kurzhaarig. Krone anfangs grünlich-gelb, dann blassgelb und am Grunde der Zipfel dunkler bis fast orangegelb; geruchlos. — Heterostyl. Blütezeit März, April, ♃. Auf Wiesen und in Wäldern gemein. (P. veris β. P. elatior L.) Primula elatior Jacquin. Hoher Himmelsschlüssel.« | |
gesamte Pflanze | Hegi u.a. (Bd. 5.3., 1927), S. 1735: »Die hochsteigende Primula elatior blüht in der Niederung schon im März; auf den Alpenhöhen finden wir sie noch im August blühend.« | |
gesamte Pflanze | Schkuhr (Botanisches Handbuch Bd. 1, 1808), S. 108: »345. Prim. veris elatior Wilde, frühzeitige, große Waldschluſſelblume, Bergſanikel, Fasten-Handschuh-Hof-Lerchen und Osterblume, nach Linné und andern als eine Abart der vorigen, mit welcher sie zu gleicher Zeit oder früher auf Wieſsen und in Waldungen ganz Dl. ♃ an etwas feuchten Orten blühet; ſie gleichet der vorigen, nur ihre Theile werden etwas größer, und die baßgelben Blumen haben keinen Geruch. Der nackte Stängel wird faſt 1′ [1 Fuß = 30,48 cm] hoch. Die äuſſern Blumen der Dolde hängen unterwärts, die übrigen ſind aufwärts gerichtet.« | |
Blätter; Blüte; Früchte; gesamte Pflanze | Hegi u.a. (Bd. 5.3., 1927), S. 1746: »2161. Primula elátior (L.) Schreber. Hohe Schlüsselblume. (…) Ausdauernd, mit kräftigem Wurzelstock. Grüne Pflanzenteile mit gegliederten, langen (1⁄4 bis 3⁄4 mm) Haaren bedeckt; letztere am Kelch und an den Laubblättern auf den Rippen besonders lang und dicht stehend; Blattoberseite später oft verkahlend. Laubblätter in der Knospenlage nach rückwärts eingerollt, ± runzelig, in der Jugend unterseits etwas grau-grün, häutig, eiförmig oder eiförmig-länglich, vorn abgerundet, am Grunde beim Typus rasch in den geflügelten Blattstiel verschmälert, zur Blütezeit 3 bis 6 cm lang, später vergrössert, mit welligem, durch die vortretenden Blattnervenenden unregelmässig spitz gezähntem Rand; Anastomosen zwischen den Seitennerven 1. Ordnung in ihrem ganzen Verlaufe gleich stark, meist einfach oder wenig verzweigt. Blütenschaft 6 bis 30 cm lang, meist länger als die Laubblätter mit einseitswendiger, vielblütiger Dolde. Hüllblätter etwas trockenhäutig, lanzettlich oder aus eiförmigem Grunde pfriemlich, 4 bis 6 mm lang oder die untersten länger, kürzer als die 0,5 bis 2 cm langen Blütenstiele. Kelch walzen-förmig, eng anschliessend, scharfkantig, an den Kanten grün, die übrigen Teile blassgelb, 8 bis 14 mm lang, auf 1⁄3 bis 1⁄2 eingeschnitten, mit lanzettlichen, zugespitzten Zähnen. Krone geruchlos, selten etwas wohlriechend, meist Schwefelgelb, getrocknet oft grünlich; Kronröhre so lang wie der Kelch oder etwas länger; Schlund mit grünlichgelbem bis hellorangefarbenem Ringe; Kronsaum flach oder weit trichterförmig, von 1,5 bis 2,5 cm Durchmesser, mit verkehrt-herzförmigen Zipfeln. Kapsel zylindrisch oder nach oben etwas verschmälert, 11 bis 15 mm lang, den Kelch ± überragend. Samen zirka 1,5 mm lang, dunkelbraun, stark warzig. — III bis V (bis VIII). Auf frischem Boden in Wiesen, Gebüschen, Laub Wäldern (vor allem Auenwäldern), von der Ebene bis in die alpine Stufe. Im Gebirgsland durch ganz Mitteleuropa häufig, im Tiefland seltener und stellenweise fehlend (z. B. im nordöstlichen Deutschland), vor allem in den Flussauen herabsteigend. Zeigt Vorliebe für feuchte Schattenlagen und Nordhänge. Deutschland: Fehlt in Ost- und Westpreussen; in Posen nur im Cybinatal (wohl verwildert), in Pommern selten (Köslin [Glötzin], Belgard, Rügen); für Brandenburg zweifelhaft (an den Süd- und Westgrenzen); in der Provinz Sachsen in der Altmark und Magdeburg; in Mecklenburg nur in der Nordwestecke; in Nordwest- und Mitteldeutschland stellenweise verbreitet (in ganz Ostfriesland fehlend); häufig in der Eifel; in Schlesien nur im Bergland. Häufiger in Süddeutschland, besonders in den Gebirgsgegenden (Vogesen, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bayerische Hochebene, Alpen bis 2200 m steigend, aber im Bayerischen Wald, wie im grösseren Teil des nördlichen Bayerns zerstreut). Selten in der Rheinebene. — In Oesterreich in allen Gebirgsgebieten verbreitet, auch im Bergland, doch im Tiefland fehlend oder selten, besonders in den Flussauen (Donau, March, Mur, Drau). Steigt in Niederösterreich (Schneeberg) bis 1950 m, in Steiermark bis 2200 m, in Nordtirol bis 2250 m (Rofanspitze), in Vorarlberg 2400 m (Tilisuna), in Südtirol (subsp. intricata) bis 2400 m (Schierngebiet). Fehlt im Küstentande; in Krain verbreitet in den Voralpen; in Kärnten zerstreut bis 2200 m. — In der Schweiz im Tessin wenig beobachtet von 205 bis 1600 m; selten im Puschlav; fehlt in der trockenen Talebene des inneren Wallis; bevorzugt in Bünden den Buchenbezirk und ist im Föhrengebiet spärlich und nur subalpin bis alpin; sonst durch das ganze Gebiet verbreitet und meist häufig. Steigt im Wallis bis 2280 m, im Berner Oberland (Lauter, brunnental) bis 2600 m, in St. Gallen bis 2200 m, in Graubünden (Aroser Weisshorn) bis 2645 m (Lägerflur). Allgemeine Verbreitung: Durch das ganze mittlere Europa vom südlichen England (in der Bretagne fehlend) bis nach Südrussland, nach Norden bis ins südliche Schweden (Schonen), doch die Polargrenze der Buche nicht erreichend, auf den südeuropäischen Gebirgen (subsp. intricata), Kaukasus, Armenien, Nordpersien, Ural, Altai, Sajansk-Gebirge (var. Palläsii [Lehm.] Pax und var. cordifólia [Rupr.] Pax.). Eigenartig ist die Verbreitung von Primula elatior in England, wo sie sich nur in der Umgebung von Cambridge auf Kalkboden in 2 grösseren und einer Anzahl sehr kleiner Distrikte findet und früher als P. veris × P. vulgaris betrachtet wurde. Innerhalb des Areals ist die Art in Menge vorhanden in Gehölzen und seltener längs der Flüsse in feuchten Wiesen. Die Grenzen des Kalkbodens werden von ihr nirgends überschritten. Ringsum kommt überall Primula vulgaris vor, die aber nicht innerhalb des Verbreitungsgebietes von Primula elatior auftritt. Dagegen finden sich an den Arealgrenzen sehr zahlreich Bastarde der beiden Arten. Nach Chr. Miller (Journ. of Ecology 10, 1922), müssen wir im Areal von Primula elatior Reste eines früheren ausgedehnteren Verbreitungsgebietes erblicken, das eingeengt und zerstückelt worden ist durch die später eingewanderte und sich mächtig ausbreitende Primula vulgaris. Die Ursache dazu erblickt er in den Bastardierungsvorgängen. Die Bastarde sind nach Miller unfruchtbar (vgl. dagegen pag. 1785). Durch ihre Erzeugung wird längs der Arealgrenzen Primula elatior in der Reproduktionskraft geschwächt, geht schliesslich ein, und da sie dadurch keine Ausbreilungskraft besitzt, so verliert sie den Boden Schritt für Schritt an die vorrückende Primula vulgaris; sie wird „ausbastardiert“. Uebrigens ist Primula veris im Gebiet der P. elatior auf Wiesen überall verbreitet, bastardiert aber nur sehr selten mit ihr. Nur in den kleineren Enklaven des P. elatior. Areals finden sich merkwürdigerweise auch diese Bastarde sehr häufig, vor allem in den sumpfigen Ufer wiesen. Ob Miller’s Erklärung richtig ist, muss die weitere Beobachtung lehren; wir verweisen namentlich darauf, dass die neuen Untersuchungen von Ernst (vgl. pag. 1727) die Möglichkeit einer hybridogenen und polytopen Entstehung von P. elatior, die auch schon früher behauptet wurde, als möglich erscheinen lassen. (…) Auch diese Art ist ein ausgesprochener Frühblüher, merklich früher als Primula veris (siehe pag. 1751), und da sie hoch ins Gebirge hinaufsteigt, so verlängert sich die Blühperiode vom März bis in den Juni und Juli hinein, am Weissbirg 2400 bis 2600 m längs Schneeflecken bis in den August (Lüdi, 1926). Anderseits beginnt sie unter günstigen Verhältnissen mit dem Blühen schon viel früher. So blühte sie im Winter 1924/25 in Adelboden (Berner Oberland) in 1400 bis 1500 m Meereshöhe um Neujahr reichlich an Sonnenhängen, die infolge einer längeren Föhnperiode wieder schneefrei geworden waren (Lüdi), und Hegi fand sie am Starnbergersee sogar im Herbst blühend (26. X. 1925). — Die aufrechte Stellung der jungen Blätter, die Einrollung und starke Runzelung werden als Mittel aufgefasst, um die Verdunstung durch die zarte Oberhaut zu vermindern. Später erstarkt das Blatt, breitet sich aus, legt sich wagrecht aus und verliert die Runzelung zum grossen Teil. Die Standorte von Primula elatior sind sehr mannigfaltig. Stets verlangt sie einen wenigstens im Frühling und Vorsommer frischen Boden, gedeiht sogar im Sumpfboden längs Bächen, in Quellfluren, am Gehänge, solange dieser nicht versauert ist. Im Gegensatz zu Primula vulgaris ist sie aber nicht thermophil und deshalb viel weiter verbreitet. Höck zählt sie zu seinen Buchenbegleitern, was in bezug auf die Uebereinstimmung der Areale im westlichen, mittleren und südlichen Europa annähernd zutrifft. Wie die Buche flieht sie den kontinentalen Osten, bleibt aber im Norden und zum Teil auch im Osten und Süden hinter der Buchengrenze zurück. Dagegen besitzt sie, zwar in neuen Varietäten, in Vorder- und Zentralasien ein zweites Areal. Was die Standorte anbetrifft, so findet sich die Art allerdings in Zentraleuropa häufig in lichten Buchenwäldern (Fig. 2743) mit frischem Boden und krautigem Unterwuchs; aber wie schon angedeutet, ist dies nur ein Standort unter den vielen. Sie ist noch heimischer in Auenwäldern aller Art, in Gebüsch auf etwas feuchtem Boden (z. B. im Weidengebüsch, subalpin vor allem in den Grünerlenbeständen), auch in lichten subalpinen Fichtenwäldern mit krautigem Unterwuchs, ferner in Hochstaudenbeständen (so gibt K. Müller [bei Karsten und Sehendes Vegetationsbilder] für den subalpinen Schwarzwald als Begleiter an Caltha palustris, Aconitum Lycoctonum, Ranunculus aconitifolius, Aruncus Silvester, Daphne Mezereum, Adenostyles albifrons, Petasites albus, Mulgedium alpinum, Prenanthes purpurea, und in den Alpen können wir gleiche Listen erhalten) und schliesslich in zahlreichen Rasenbeständen in Sumpfwiesen mit unversauertem Boden (Quellfluren, Bachränder, Gehängesümpfe), in Frischwiesen und Fettwiesen von der Ebene bis weit in die alpine Stufe hinauf.« | |
Blätter; Blüte; Früchte; gesamte Pflanze | Ennet u.a. (1990: Heilpflanzen und Drogen), S. 290: »Hohe Schlüsselblume, Gewöhnliche Schlüsselblume‚ Hohe Primel, Waldprimel, Waldschlüsselblume, Primula elatior: ausdauernde, bis 30 cm hohe Pflanze aus der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Die H. S. besitzt rosettenförmig angeordnete eiförmige Blätter, die allmählich in den Blattstiel verschmälert sind. Die Unterseite der Blätter ist kurz behaart. Die hellgelben, doldig angeordneten Blüten befinden sich am Ende des blattlosen Blütenschaftes. Sie haben einen flachen Kronsaum und sind am Schlund orangegelb gefleckt. Der Kelch ist walzig, weißlich und besitzt grüne Kanten. Die Blüten sind geruchlos. Die Frucht ist eine Kapsel. (…) Blütezeit: März bis Mai. Vorkommen: die H. S. ist in Europa und Westasien heimisch. Sie kommt in krautreichen Laubwäldern und auf nährstoffreichen Wiesen vor.« | |
Blätter; Blüten; Früchte; Stängel; Wurzeln; gesamte Pflanze | Hayne (Bd. 3, 1813), Nr. 35: »PRIMULA ELATIOR […] Der Kelch 1-blättrig, 5-zähnig. Die Blumenkrone 1-blättrig mit walzenförmiger Röhre und erweitertem Schlunde. Die Kapsel 1-fächrig, vielsamig, an der Spitze in zehn Zähne aufspringend. Primula elatior mit wellenförmigen, gezähnten, runzligen Blättern, flachem Rande der Blumenkrone und halbkugelförmig-erweitertem Schlunde. […] Garten-Primel, wilde Schlüsselblume, frühzeitige Schlüsselblume, groſse Waldschlüsselblume, Fastenblume, Handschuhblume, Hofblume, Lerchenblume, Osterblume, Bergsanikel. Wächst fast in ganz Deutschland, so wie in den mehresten der übrigen Länder Europens, in Laubwäldern. Blühet im April und May. ♃. Die Wurzel fast abgebissen, gewöhnlich schief, etwas höckrig, mehrere Wurzelfasern austreibend, oben mit einigen, den aufsteigenden Stock umgebenden Schuppen begabt Der Schaft. Einer oder, wie gewöhnlich, auch mehrere aus einer Wurzel, aufrecht, einfach, stielrund, glatt, zottig-weichhaarig, fest, bey α. [α. longiscopa] sechs bis zehn Zoll hoch, bey β. [β. breviscapa] abgekürzt, nicht aus der Erde hervorragend. Die Blätter wurzelständig, gestielt, in einen Büschel zusammengestellt, eyrund, oder auch umgekehrt-eyrund, gegen die Basis gewöhnlich zusammengezogen, an dem Blattstiel herablaufend, stumpf, doppelt -gezähnt, etwas wellenförmig, aderig, runzlich auf der Oberseite fast kahl, auf der Unterseite weichhaarig und blasser. Die Blumen in einer einfachen gipfelständigen, vielblumigen, gehüllten übergebogenen Dolde. Die Blumenstielchen weichhaarig; die äuſsern übergebogen, bey verschiedener Länge meistens kürzer als die Blumen; das mittlere fast aufrecht, ungefähr von der Länge der Blume. Die Hülle vielblättrig, viel kürzer als die Blumenstielchen, mit ungleichen lanzettförmigen, an der Spitze pfriemförmig-verdünnten, weichhaarigen, aufrechten Blättchen. Der Kelch. Eine einblättrige, röhrenartige, gefaltet-fünfeckige, fünfzähnige, wenig weichhaarige, bleibende Blüthendecke mit spitzigen, aufrechten, an der Röhre der Blumenkrone anliegenden Zähnen. Die Blumenkrone einblättrig, aus dem Schwefelgelben etwas ins Citronengelbe fallend. Die Röhre walzenförmig, länger als der Kelch, sich erweiternd in den halbkugelförmigen, offnen Schlund. Der Rand flach, fünftheilig, mit umgekehrt-herzförmigen Zipfeln. Die Staubgefäſse. Staubfäden fünf, sehr kurz, im Schlunde der Blumenkrone. Die Staubbeutel aufrecht, länglich, zweyfächrig, eingeschlossen. Der Stempel. Der Fruchtknoten kugelrund. Der Griffel fadenförmig, von der Länge des Kelchs. Die Narbe kugelrund. Die Fruchthülle. Eine stielrunde, etwas bauchige, mit dem Kelche bedeckte, einfächrige Kapsel, kürzer als der Kelch, an der Spitze aufspringend in einen kleinen, kurzen, fünfeckig-pyramidalischen Deckel und zehn zurückgekrümmten Zähnen, von denen je zwey und zwey an der Basis mehr Zusammenhängen. Der Samenträger rundlich-eyförmig, säulenständig, frey. Die Samen mehrzählig, rundlich, zusammengedrückt. Die Lage der Staubgefäſse und die davon abhangende Form der Röhre der Blumenkrone kommt bey den Varietäten α. und β. der Primula elatior eben so verschieden vor, wie bey der Primula veris. […] Nach einigen wurden von der Primula elatior in altern Zeiten die Wurzel, Blätter und Blumenkronen gesammelt, und in den Apotheken unter den Nahmen Radix, Herba et Flores Paralyseos aufbewahrt, andre hingegen wollten, daſs sie von der Primula veris genommen werden sollten.« |