Schlüssel für die Umbelliferengattungen Mitteleuropas (Froebe und Schmitz)

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Hinweis: Dieser Schlüssel ist mit den Autorennamen gekennzeichnet und die Mitarbeit ist auf Hans Froebe, Joachim Schmitz beschränkt. Auf der Diskussionsseite sind Kritik und Verbesserungsvorschläge willkommen! Direkte Verbesserungen und Illustrationen sind insbesondere in der frei veränderlichen Version in offener Zusammenarbeit erwünscht: Apiaceae (Mitteleuropa).
Diese Arbeit ist eine Originalarbeit, die erstmalig hier publiziert ist.
Zitiervorschlag: Froebe, Hans & Schmitz, Joachim 2015. Ein Schlüssel für die Umbelliferengattungen Mitteleuropas. Zweitpublikation eines ursprünglich 1988 veröffentlichten Schlüssels. (Froebe und Schmitz) http:/​/​offene-naturfuehrer.​de/​wiki/​Ein_​Schlüssel_​für_​die_​Umbelliferengattungen_​Mitteleuropas (Froebe und Schmitz)

Einleitung

Die für die mitteleuropäische Region erstellten Florenwerke – Schmeil-Fitschen 1982, Oberdorfer 1983, Rothmaler 1982 – enthalten Umbelliferenschlüssel, die jeweils ihre spezifischen Stärken und Schwächen besitzen. Das naive Postulat, durch geringfügige Umstellungen die starken Seiten aller zu assimilieren und die Schwachstellen zu eliminieren, stellt sich bei näherer Kenntnis der Sachlage alsbald als unerfüllbar heraus, zumal sich Stärken und Schwächen häufig wechselseitig bedingen.

Allerdings gibt es nach dem übereinstimmenden Urteil vieler Benutzer – namentlich solcher, die nicht über eine ansehnliche Sammlung von Vergleichsmaterial verfügen – doch auch Schwachstellen, die generell allen Schlüsseln der genannten Floren eigentümlich sind. Sie beruhen auf dem Einsatz fruchtmorphologischer Merkmale als Hauptkriterium bei den Alternativen, und zwar teilweise sogar auch schon an verhältnismäßig basalen Stellen des „Entscheidungsbaums“. Wenn die anzusprechenden Strukturen sich erst spät an den reifen Früchten auszuprägen beginnen – so z.B. die Flügel bei Peucedanum – ist die Benutzbarkeit eines Schlüssels in solchen Fällen auf fruktifizierendes Material beschränkt, oder – um es deutlicher zu sagen – die Determination einer eben efflorierten Umbellifere ist in vielen Fällen gerade dann, wenn man es genau wissen will, nämlich unmittelbar „vor Ort“, gar nicht möglich. Dies ist lange bekannt. Weshalb im Vorspann der meisten Schlüssel ja auch darauf hingewiesen wird, dass man Definitives nur über reife Früchte erfahren könne. Das ist ein nützlicher, aber nichtsdestotrotz auch entmutigender Hinweis und bedeutet doch letztlich nichts anderes, als dass der Bearbeiter entweder vor dieser Schwierigkeit kapituliert hat oder sie – im Besitze von ausreichendem Vergleichsmaterial – als gering einschätzte. Ein besserer, zugleich aber auch aufwendigerer Weg, dieser Schwierigkeit zu begegnen, wird von vielen Floren durch die Beigabe charakteristischer Habituszeichnungen beschritten. Das Verfahren ist an sich brauchbar, könnte aber auch noch optimiert werden, indem nur die differentialdiagnostisch wichtigen Strukturen – die aber ganz genau – zeichnerisch erfasst werden. Die Qualität eines Schlüssels entscheidet sich aber letztlich nicht an der Qualität der beigegebenen Abbildungen. sondern an der Brauchbarkeit der Kriterien, denn wenn die letzteren nicht greifen, wird man auch mit Zeichnungen nicht viel ausrichten; und das Problem, das mit den erst postfloral identifizierbaren Strukturen aufgeworfen ist, wird auch durch gute Zeichnungen keineswegs entschärft. Wir haben daher versucht, neue Merkmale ausfindig zu machen und sie auf ihre Differenzierungsstärke geprüft. Eine diesbezüglich sehr hilfreiche und stimulierende Entdeckung war, dass auch die Blütenblätter der Umbelliferen strukturbietende Merkmale besitzen, die mit der Handlupe noch gut auszumachen sind. Die Kriterien sind im Detail bei Schmitz & Froebe (1986) dargestellt und diskutiert. Die Liste des von uns durchgesehenen Materials ist im Arnold Arboretum (A), Botan. Museum Berlin-Dahlem (B), Missouri Botanical Garden (MO) und New York Botanical Garden (NY) hinterlegt und bezieht sich sowohl auf die eben genannte als auch auf diese Arbeit.

Da der in der Flora von Deutschland von Schmeil-Fitschen (1982) enthaltene Umbelliferen-Schlüssel unseren Vorstellungen schon recht weit entgegenkommt – nämlich die fruchtmorphologischen Merkmale, wenn nicht überhaupt ganz zu eliminieren, so aber doch jedenfalls nicht mehr erstrangig einzusetzen (s. o.) –, waren wir der Einfachheit halber davon ausgegangen speziell diesen Schlüssel umzugestalten. Durch den automatischen Verdopplungseffekt haben sich freilich derartig viele Veränderungen ergeben, dass wir meinen, von einem neuen Schlüssel sprechen zu müssen, auch wenn in der Peripherie des Entscheidungsbaums (ab Nr. 76) einige Gruppen erhalten geblieben sind, deren Anordnung sich in dieser Form als zweckmäßig erwiesen hat.

Das Erbgut unseres geistigen Ahnen ist auch im ganzen Duktus leicht Wiederzuerkennen. Dies gilt auch für den Geltungsbereich des Schlüssels, der aus der Karte Abb. 1 abgelesen werden kann. Es ist dies etwa derjenige Bereich, der in der Vorspannkarte der von Rauh & Senghas erweiterten Flora von Deutschland (Schmeil-Fitschen 1982) angegeben wird. Was die „angrenzenden Gebiete" anlangt, so sind diese für die Umbelliferen im Westen – mit Ausnahme des Küstenbereichs – über die Benelux-Länder hinaus um das ganze NE-französische Becken zu erweitern und im Süden kann das Schweizer Alpenvorland einbezogen werden. Die Abgrenzung im Osten ist unklar. Um nicht auf irgendeinen Längengrad zwischen 16 und 25 zurückgreifen zu müssen, haben wir die in der o. a. Vorspannkarte eingezeichnete Gebietsumgrenzung übernommen, obschon wir sie angesichts der Sprach- und sonstigen Barrieren für unrealistisch halten. Denn in dieser Form ist es ja nur eine Reminiszenz der Ostgrenze des alten „Kgr. Preußen“ und seiner Folgeorganisationen bis 1945 und als solche eben nicht mehr aktuell. Eine zuverlässige Aussage darüber, ob der Schlüssel auch für Polen und Teile von W-Russland Geltung beanspruchen kann, liegt nicht im Rahmen unserer derzeitigen Möglichkeiten.

„Flügelung“ eines Kronblatts (so z.B. in Alternative 19) ist dann gegeben, wenn die beiden Kronblattsegmente, die durch die Einziehung der Kronblattspitze (Lobulum inflexum) notwendigerweise entstehen, eine auffällige Vergrößerung erfahren (vgl. hierzu Schmitz & Froebe 1986: 340 und Froebe, Adolf & Jahnke 1981: 249).

Übersicht über den Gültigkeitsbereich des Schlüssels (punktierte Fläche). Maßstab etwa 1:30000000


Der Schlüssel

Apiaceae (Doldenblütler; Apiales)
[Hinweise der Herausgeber zu den verwendeten Begriffen: Involucrum = Hochblatthülle um die Dolde, Involucralblätter = Hüllblätter, Involucellum = Hochblatthülle um die Döldchen; Involucellarblätter = Hüllchenblätter.]
Geographic Scope: Deutschland, Mitteleuropa — Source: Froebe, Hans & Schmitz, Joachim 1988. Ein Schlüssel für die Umbelliferengattungen Mitteleuropas. Bot. Jahrb. Systematik 109 (4) 451-467 (von den Autoren zur Zweitveröffentlichung hier freigegeben). — Collaboration: open
1
Pflanze von distelartigem Habitus; Blüten in Köpfchen mit ± auffälliger Hochblatthülle 
  Eryngium L.
1
Pflanze nicht von distelartigem Habitus; Blüten in einfachen oder zusammengesetzten Dolden, diese zuweilen köpfchenartig zusammengezogen   ► 2
2 (1)
Grund- und Stängelblätter pinnat gefiedert (Hochblätter können ungeteilt sein)   ► 11
2
Grund- und Stengelblätter ungeteilt oder digitat gefiedert; zuweilen nur die Grund- oder Stengelblätter ungeteilt oder digitat gefiedert   ► 3
3 (2)
Blüten in zusammengesetzten Dolden; Randblüten vergrößert, ihre Blütenkronblätter tief gespalten (Abb. 3a) und mind. 3 mm lang, oft wesentlich länger (zuweilen an Seitendolden auch schwächer) 
  Heracleum L.
3a Apiaceae.png
3
Alle Blüten ± gleich groß, in Köpfchen, einfachen oder zusammengesetzten Dolden; Blütenkronblätter kaum bis 2 mm lang   ► 4
4 (3)
Pflanze mit deutlich pinnat oder digitat gefiederten Blättern   ► 6
4
Alle Blätter mit ungefiederter Spreite   ► 5
5 (4)
Blätter peltat, gekerbt; Blüten weiß 
  Hydrocotyle vulgaris L.
5
Blätter nicht peltat, ± länglich, ganzrandig; Blüten gelb 
  Bupleurum L.
6 (4)
Blüten in zusammengesetzten Dolden, Döldchen ausgebreitet, nicht köpfchenförmig   ► 9
6
Blüten in ± köpfchenförmig zusammengezogenen Dolden, die von einer auffälligen Hochblatthülle (Involucrum) umgeben sind, oder in zusammengesetzten Dolden mit köpfchenartigen Döldchen   ► 7
7 (6)
Blüten gelb, in einfachen Dolden mit sehr großem Involucrum, das – sonst grün – transitorisch (während der Anthese) grünlich-gelb gefärbt ist; alle Blätter grundständig; im Gebiet nur in Schlesien 
  Hacquetia Necker
7
Blüten weiß oder rötlich   ► 8
8 (7)
Blüten gestielt, in Dolden mit auffälligem, weißem oder grünlichem oder rötlich überlaufenem Involucrum 
  Astrantia L.
8
Blüten sitzend, in kleinen köpfchenförmigen Döldchen; Involucrum unscheinbar, grün. 
  Sanicula L.
9 (6)
Obere Stengelblätter ungeteilt, gekerbt, tief herzförmig stängelumfassend, transitorisch (während der Anthese) gelb; Blütenkronblätter intensiv gelb 
  Smyrnium L.
9
Obere Stengelblätter nicht herzförmig stängelumfassend, stets grün; Blütenkronblätter weiß oder gelblich-weiß   ► 10
10 (9)
Involucellarblätter zahlreich; Blätter sehr groß (bis 60 cm lang); Blattscheiden bauchig aufgeblasen 
  Heracleum flavescens Willd. (= Heracleum sphondylium)
10
Involucellarblätter 0-2; Gewürzpflanze, besonders die Frucht nach Anis riechend 
  Pimpinella anisum L.
11 (2)
Involucralblätter fehlend oder ungeteilt (maximal kann ein Hüllblatt fiederspaltig sein)   ► 16
11
Alle Involucralblätter fiederspaltig   ► 12
12 (11)
Fruchtknoten borstig behaart 
  Daucus L.
12
Fruchtknoten kahl   ► 13
13 (12)
Blätter einfach gefiedert mit 7 und mehr Fiedern, ggf. Unterwasserblätter mehrfach gefiedert; Wasser- und Sumpfpflanze (Vgl. auch Nr. 33) 
  Sium L.
13
Blätter mehrfach gefiedert oder einfach gefiedert mit maximal 5 Fiedern; Landpflanze   ► 14
14 (13)
Die Mehrzahl der Blätter rosettig an der Sprossbasis entspringend; Gebirgspflanze (auch in subalpinen Lagen) 
  Ligusticum mutellinoides (Crantz) Villars
14
Blätter über die Sprossachse verteilt stehend   ► 15
15 (14)
Involucralblätter breit lanzettlich; Blätter; bis 100 cm lang, alle mehrfach gefiedert, Pflanze im Habitus wuchtig 
  Pleurospermum Hoffm.
15
Involucralblätter fädlich; Grundblätter einfach oder doppelt gefiedert; Habitus nicht wuchtig 
  Ammi L.
16 (11)
Grundblätter einfach bis mehrfach, jedoch nie 3-zählig gefiedert, zuweilen mit 3 gestielten Fiedern 1. Ordnung, die dann aber in mindestens 5 Fiedern 2. Ordnung aufgegliedert sind (Abb. 2a)   ► 23
2a Apiaceae.png
16
Fiederungsmuster der Grundblätter einfach (Abb. 2d) oder mehrfach 3-zählig (Abb. 2c), zuweilen auf der distalen Seite nicht vollständig gegliedert (Abb. 2b)   ► 17
2b Apiaceae.png
2c Apiaceae.png
2d Apiaceae.png
17 (16)
Grundblätter 4-6-fach gefiedert; Fiedern auffallend lang-lineal, 10-40mal so lang wie breit (Abb. 2c); Blüten gelb (wenn Fiedern breiter und Blüten grünlich: Vgl. Angelica archangelica Nr. 64) 
  Peucedanum officinale L.
2c Apiaceae.png
17
Grundblätter höchstens doppelt gefiedert; Blüten weiß oder rötlich   ► 18
18 (17)
Involucralblätter 0-2   ► 20
18
Involucralblätter 5 und mehr   ► 19
19 (18)
Fiedern lineal, wenigstens 5mal so lang wie breit, scharf gesägt mit grannenartigen Sägezähnen, meist bläulich-grün 
  Falcaria Bernh.
19
Fiedern eiförmig bis rundlich, 1-2mal so lang wie breit, grob gesägt 
  Laserpitium latifolium L.
20 (18)
Involucellarblätter gewimpert oder die randlichen Blüten deutlich vergrößert (mind. 3 mm lang) mit gespaltenen Blütenkronblättern (Abb. 3a)   ► 23
20
Involucellarblätter kahl oder fehlend; alle Blütenkronblätter kaum 2 mm lang   ► 21
21 (20)
Kelch deutlich 5-zähnig; Fiedern rundlich, meist 3-lappig, grob gekerbt, unterseits bläulich; Stängel fein gerillt, kahl; Frucht zusammengedrückt; Pflanze mit Kümmelgeruch 
  Laser Borkh. Ex Gaertner et al.
21
Kelch nicht deutlich. 5-zähnig, sondern nur saumförmig angedeutet; Fiedern eiförmig, zugespitzt, gesägt, beiderseits grün   ► 22
22 (21)
Involucellarblätter borstlich, hinfällig, Frucht linsenförmig; breit geflügelt; Fiedern breit ei-herzförmig, tief 2-3-spaltig (Abb. 2d) 
  Peucedanum ostruthium (L.) Koch
22
Involucellum fehlend; Frucht ungeflügelt; Fiedern des untersten Fiederpaares wieder 3-zählig gefiedert, zuweilen auch in den proximalen Fiederhälften die Fiederung nur angedeutet (Abb. 2b) 
  Aegopodium L.
23 (16, 20)
Grundblätter mehrfach gefiedert oder mehrfach fiederschnittig, zuweilen einfach gefiedert und dann Fiedern fast bis zum Grund geteilt mit schmaleiförmig oder linealen Abschnitten   ► 34
23
Grundblätter (bei Wasserpflanzen die direkt über dem Wasserspiegel befindlichen Blätter) einfach gefiedert: Fiedern zuweilen tief und dann oft digitat geteilt mit breiten, gekerbten oder gesägten, oft gelappten Abschnitten   ► 24
24 (23)
Mittlere Blüten der Döldchen fast sitzend, randliche Blüten deutlich gestielt; Fruchtknoten kahl; Kelch deutlich 5-zähnig; Wasser- oder Sumpfpflanze 
  Oenanthe L.
24
Pflanze nicht mit dieser Merkmalskombination   ► 25
25 (24)
Randblüten kaum vergrößert; Blütenkronblätter kaum bis 2 mm lang; Fruchtknoten kahl oder behaart, jedoch nie borstig-stachelig   ► 28
25
Randblüten deutlich vergrößert, ihre Blütenkronblätter meist mindestens 3 mm lang oder breit; Fruchtknoten zuweilen dicht borstig-stachelig   ► 26
26 (25)
Dolden 2- bis 5-strahlig; äußere Blütenkronblätter breiter als lang; Frucht stark bestachelt, Fruchtstacheln in Reihen angeordnet (wenn Fruchtstacheln regellos: vgl. Torilis, Nr. 62-) 
  Caucalis latifolia L.
26
Dolden vielstrahlig; äußere Blütenkronblätter länger als breit   ► 27
27 (26)
Involucralblätter 0-2 (-6); Blätter zuweilen sehr groß (bis 60 cm lang) und dann mit bauchig aufgeblasenen Blattscheiden; Frucht linsenförmig, breit geflügelt, jung behaart 
  Heracleum L.
27
Involucralblätter zahlreich; Frucht rundlich-elliptisch, auf der Außenseite mit kurzen Borstenhaaren; Doldenstrahlen dick, gleich den Blütenstielen mit aufrecht-abstehend, gekörnelten Börstchen. 
  Tordylium L.
28 (25)
Blütenkronblätter intensiv gelb, walzenförmig einwärts gekrümmt und mit der Spitze das Griffelpolster ± berührend 
  Pastinaca L.
28
Blütenkronblätter weiß, rötlich grünlich oder gelblich; stets abspreizend, zuweilen ± gespalten   ► 29
29 (28)
Involucralblätter 3 oder mehr   ► 31
29
Involucral- und Involucellarblätter 0-2   ► 30
30 (29)
Dolden auffallend kurz gestielt bis sitzend: Blütenkronblätter nicht deutlich gespalten; Blattfiedern rauten- oder keilförmig, tief eingeschnitten 
  Apium graveolens L.
30
Dolden mehrere cm lang gestielt; Blütenkronblätter stets ± gespalten, elliptisch bis herzförmig; Fiedern der Grundblätter im Umriss rundlich oder länglich-eiförmig. 
  Pimpinella L.
31 (29)
Blätter sehr groß (bis 60 cm lang) mit bauchig aufgeblasenen Blattscheiden; Blütenkronblätter ± grünlich bis gelblich; nur im NO des Gebietes 
  Heracleum flavescens Willd.
31
Blätter meist viel kleiner, zuweilen die proximalen Fiedern 2. Ordnung der Blattrhachis derart genähert, dass sie dort ein Kreuz bilden (Abb. 2e); Blütenkronblätter weiß oder rötlich   ► 32
2e Apiaceae.png
32 (31)
Fruchtknoten und Frucht dicht behaart (s. auch Nr. 40) 
  Libanotis Hill
32
Fruchtknoten und Frucht kahl   ► 33
33 (32)
Sprossachse aufrecht, gefurcht bis fein gerillt; Dolden stets mehrstrahlig; Involucralblätter stets vorhanden, zuweilen fiederspaltig; Spitze der Blütenkronblätter 180°-270° und mehr einwärts gebogen 
  Sium L.
33
Sprossachse niederliegend, flutend oder im Schlamm wurzelnd; Dolden 2- bis mehrstrahlig; Involucrum zuweilen fehlend; Spitze der Blütenkronblätter 0°-180°, selten bis 270° einwärts gebogen 
  Apium L.
34 (23)
Insertion der Grundblätter an der Sprossachse oberirdisch   ► 36
34
Insertion der Grundblätter an der Sprossachse unterirdisch, die Grundblätter daher meist deutlich mehrere cm von der Achse entfernt aus dem Boden tretend; Pflanze mit außen dunkler Hypocotylknolle; Frucht länglich, zur Reife schwarzbraun   ► 35
35 (34)
Nährgewebe der Merikarpien im Querschnittsbild stumpf 5-eckig, an der Fugenfläche abgeflacht; Sprossachse markig; Involucrum stets mehrblättrig 
  Bunium L.
35
Nährgewebe der Merikarpien im Querschnittsbild an der Fugenfläche tief gefurcht, nierenförmig; Sprossachse hohl; Involucrum fehlend bis mehrblättrig; im Gebiet nur Jütland, Insel Seeland, W-Harz und W-Europa 
  Conopodium Koch
36 (34)
Involucralblätter 0-2 (-3)   ► 51
36
Involucralblätter 4 und mehr   ► 37
37 (36)
Fruchtknoten kahl   ► 43
37
Fruchtknoten haarig, borstig oder stachelig   ► 38
38 (37)
Fruchtknoten borstig bis stachelig   ► 41
38
Fruchtknoten kurzhaarig   ► 39
39 (38)
Aus der grundständigen Rosette entspringen mehrere Infloreszenzachsen, bis 40 cm lang, fein gerillt, flaumig-zottig; Blätter graugrün, zottig-rauhaarig, fein zerteilt mit schmal-linealen Fiedern; Frucht dicht weißhaarig 
  Athamantha L.
39
Aus der grundständig Rosette entspringt meist nur eine Infloreszenzachse   ► 40
40 (39)
Basale Fiedern 2. Ordnung der Blattrhachis derart genähert, dass sie dort ein Kreuz bilden (Abb. 2e); Sprossachse fast kahl, tief kantig gefurcht, bis 1,2 m hoch; Blütenknospen nicht selten intensiv rot 
  Libanotis Hill
2e Apiaceae.png
40
Basale Fiedern 2. Ordnung anders angeordnet, nicht kreuzweise gestellt; Frucht schmal geflügelt; Sprossachse steifhaarig, kantig gefurcht, bis 1 m hoch 
  Laserpitium prutenicum L.
41 (38)
Randblüten mäßig vergrößert, ihre Blütenkronblätter kaum 2 mm lang; Fruchtstacheln regellos angeordnet 
  Torilis japonica (Houtt.) DC.
41
Randblüten stark vergrößert, ihre Blütenkronblätter bis über 10 mm lang oder bis über 4 mm breit; Fruchtstacheln in Reihen angeordnet   ► 42
42 (41)
Dolden 2- bis 5-strahlig; äußere Blütenkronblätter breiter als lang 
  Caucalis latifolia L.
42
Dolden vielstrahlig; äußere Blütenkronblätter sehr lang (bis 15 mm) 
  Orlaya Hoffm.
43 (37)
Involucellarblätter 3 (-4), einseitswendig, Dolden peripher abgespreizt (Abb. 3k), zuweilen am Grund verwachsen; Sprossachse kahl, bläulich bereift, an der Basis oft schmutzig-rot gefleckt; Frucht mit wellig gekerbten Kippen; Pflanze übelriechend 
  Conium L.
3k Apiaceae.png
43
Involucellarblätter allseitswendig   ► 44
44 (43)
Kelch fehlend oder als undeutlich 5-zähniger Saum ausgebildet   ► 47
44
Kelch deutlich 5-zähnig   ► 45
45 (44)
Frucht 8-flügelig, d.h. jedes Merikarp 4-flügelig 
  Laserpitium L.
45
Merikarpien nicht oder nur am Rand geflügelt   ► 46
46 (45)
Frucht im Alter linsenförmig zusammengedrückt, reife Merikarpien am Rand geflügelt; Blütenkronblätter nicht oder nur wenig länger als breit, ihr eingeschlagenes Ende ± riemenförmig mit breiter, stumpfer Spitze (Abb. 3b) 
  Peucedanum L.
3b Apiaceae.png
46
Frucht walzlich, an der Spitze mit halsförmiger Verschmälerung, vom Kelch gekrönt; Blütenkronblätter nicht selten deutlich länger als breit, elliptisch bis ± keilförmig, ihr eingeschlagenes Ende lang zugespitzt, seltener etwas riemenförmig (Abb. 3e); Sumpf- und Wasserpflanze 
  Oenanthe L.
3e Apiaceae.png
47 (44)
Blattfiedern letzter Ordnung haarfein, ± quirl- oder quastenförmig angeordnet   ► 50
47
Blattfiedern letzter Ordnung breiter, nicht haarfein, nicht quirlig oder quastenförmig angeordnet   ► 48
48 (47)
Blätter überwiegend am Grund der Sprossachse rosettig angeordnet: Gebirgspflanze alpiner und subalpiner Lagen 
  Ligusticum mutellinoides (Crantz) Villars
48
Blätter über die Sprossachse verteilt   ► 49
49 (48)
Involucralblätter zahlreich; 1-2 m hohe Gartenpflanze, beim Zerreiben nach Maggi riechend 
  Levisticum Hill
49
Involucralblätter wenige (selten bis zu 12); 30-60 cm hohe Wildpflanze 
  Cnidium Cusson ex DC.
50 (47)
Gesamtumriss der Blätter lineal bis dünn-walzlich (Abb. 2f) 
  Carum verticillatum (L.) Koch
2f Apiaceae.png
50
Gesamtumriss der Blätter breiter, eiförmig-länglich bis 3-eckig; Pflanze aromatisch riechend 
  Meum Mill.
51 (36)
Involucralblätter 3 oder mehr   ► 59
51
Involucellarblätter 0-2 (wenn 2 und diese in einseitswendiger Anordnung: siehe Bifora, Nr. 75)   ► 52
52 (51)
Fiedern letzter Ordnung ei- oder keilförmig oder lineal, jedoch nicht haarfein; Blütenkronblätter weiß, rötlich oder gelblich, meist ausgebreitet   ► 54
52
Fiedern letzter Ordnung haarfein; Blütenkronblätter intensiv gelb, walzenförmig einwärts gerollt und mit der Spitze das Griffelpolster ± berührend; Gartenpflanze   ► 53
53 (52)
Frucht ungeflügelt; Blattscheiden 3-5 cm lang; mützenförmig geöhrt; Blätter beim Zerreiben nach Fenchel riechend 
  Foeniculum Mill.
53
Frucht breit geflügelt, linsenförmig Blattscheiden kurz, an der Spitze mit 2 Öhrchen; Sprossachse mit heller Längsstriemung; Blätter beim Zerreiben nach Dill riechend 
  Anethum L.
54 (52)
Fruchtknoten länglich, zuweilen borstig behaart; Frucht 3-6mal so lang wie breit 
  Anthriscus Pers.
54
Fruchtknoten und Frucht linsen- oder eiförmig oder kugelig, höchstens 2mal so lang wie breit   ► 55
55 (54)
Blütenkronblätter ganzrandig oder etwas ausgerandet, weiß oder gelblich, zuweilen rötlich überlaufen   ► 57
55
Blütenkronblätter gekerbt oder bis zu 1/3 ihrer Länge gespalten, weiß oder rötlich   ► 56
56 (55)
Eingeschlagene Spitze der Blütenkronblätter riemenförmig, zuweilen etwas rinnig, ± gleichmäßig um (180°-)270° (-360°) einwärts gebogen, wodurch in der Seitenansicht eine ± weite Öffnung beobachtbar ist (Abb. 3d); proximales Fiederpaar 2. Ordnung der Blattrhachis derart genähert, dass es dort ein Kreuz bildet (Abb. 2e); besonders die Frucht mit Kümmelgeruch 
  Carum carvi L.
2e Apiaceae.png
3d Apiaceae.png
56
Eingeschlagene Spitze der Blütenkronblätter riemenförmig, meist deutlich rinnig, mit breiter, stumpfer oder geteilter Spitze, meist 1 abrupt um 180°-210° einwärts geknickt, wodurch in der Seitenansicht nur eine schmale, schlitzförmige Öffnung beobachtbar ist (Abb. 3e); proximales Fiederpaar 2. Ordnung in der Regel der Blattrhachis nicht deutlich genähert; Pflanze ohne Kümmelgeruch 
  Pimpinella saxifraga L.
3e Apiaceae.png
57 (55)
Fiedern letzter Ordnung breit, rundlich bis keilförmig; Blüten weiß; Gartenpflanze 
  Apium graveolens L.
57
Fiedern letzter Ordnung schmal-eiförmig bis lineal; Blüten ± gelblich; Wildpflanze (wenn Fiedern breit, Blütenkronblätter intensiv gelb und walzenförmig eingerollt; vgl. Pastinaca, Nr. 28)   ► 58
58 (57)
Sprossachse schon am Grund sparrig verzweigt; die meisten Blüten eingeschlechtlich; Pflanze meist zweihäusig 
  Trinia Hoffm.
58
Sprossachse erst oberwärts verzweigt; Blüten zwittrig 
  Peucedanum carvifolia Villars
59 (51)
Fruchtknoten und Frucht kahl, zuweilen mit höchstens 10 Reihen kurzer Borstenhaare besetzt und dann Kelch fehlend (Myrrhis, Scandix  ► 63
59
Fruchtknoten und Frucht dicht borstig, stachelig oder kurzhaarig, zuweilen Borsten locker in Reihen stehend, dann aber Kelch deutlich 5-zähnig und an der Frucht persistierend (Caucalis  ► 60
60 (59)
Fruchtknoten flaumig-kurzhaarig, im Alter zuweilen verkahlend 
  Seseli L.
60
Fruchtknoten und Frucht borstig oder stachelig   ► 61
61 (60)
Kelch undeutlich, allenfalls ± saumförmig; Frucht kurz geschnäbelt, Merikarpien mit aufwärts gekrümmten Borsten 
  Anthriscus Pers.
61
Kelch deutlich 5-zähnig (zuweilen Kelchzähne den Fruchtstacheln ähnlich und von diesen etwas verdeckt); Frucht ungeschnäbelt   ► 62
62 (61)
Fruchtstacheln in Reihen angeordnet, zuweilen nur als ± kurze Borsten ausgebildet 
  Caucalis L.
62
Fruchtstacheln regellos angeordnet 
  Torilis Adans.
63 (59)
Blütenkronblätter weiß oder rötlich (beim Trocknen zuweilen vergilbend!)   ► 68
63
Blütenkronblätter gelblich oder grünlich, zuweilen rötlich überlaufen, ganzrandig oder ± ausgerandet, jedoch nie herzförmig; Frucht eiförmig, linsenförmig oder elliptisch, höchstens doppelt so lang wie breit   ► 64
64 (63)
Pflanze meist mannshoch; Blattfiedern breit, gekerbt, gesägt 
  Angelica archangelica L.
64
Pflanze viel kleiner, höchstens 1 m hoch; Blattfiedern oft tief geteilt mit schmaleiförmigen bis linealen, seltener eiförmig-gezähnten (Petroselinum) Abschnitten   ► 65
65 (64)
Blattzipfel eiförmig gezähnt; Blätter meist kraus (nicht in eine Ebene ausbreitbar), beim Zerreiben mit Petersiliengeruch; Gartenpflanze 
  Petroselinum Hill
65
Blattzipfel schmal, nicht gezähnt; Wildpflanze   ► 66
66 (65)
Einwärts gebogenes Ende der Blütenkronblätter gleichmäßig in eine Spitze verschmälert (Abb. 3f); Grundblätter zweifach gefiedert mit tief geteilten Fiedern; im Gebiet nur in den Vogesen 
  Selinum pyrenaeum (L.) Gouan
(= Angelica pyrenaea (L.) Spreng.)
3f Apiaceae.png
66
Einwärts gebogenes Ende der Blütenkronblätter riemenförmig oder verbreiten, ein- bis vierspitzig (Abb. 3b)   ► 67
3b Apiaceae.png
67 (66)
Grundblätter 3- bis 4-fach gefiedert; Involucellarblätter mit sehr schmalem weißem Hautrand 
  Silaum Mill.
67
Grundblätter einfach gefiedert; Fiedern tief geteilt mit schmal-eiförmigen bis linealen Zipfeln 
  Peucedanum carvifolia Villars
68 (63)
Involucellarblätter 2- oder mehrspaltig, selten ungeteilt; die peripher stehenden Blütenkronblätter meist deutlich vergrößert, bis 4 mm lang, ungeteilt oder etwas ausgerandet (Abb. 3h); Frucht lang geschnäbelt (bis 6 cm lang) mit 2 Reihen kurzer Borsten auf dem Schnabel (Abb. 3i) 
  Scandix L.
3h Apiaceae.png
3i Apiaceae.png
68
Pflanze nicht mit diesen Merkmalen; Involucellarblätter stets ungeteilt; Frucht höchstens kurz geschnäbelt   ► 69
69 (68)
Fruchtknoten rundlich, Frucht linsenförmig, eiförmig oder kugelig, höchstens 2mal so lang wie breit; Kelch fehlend, undeutlich oder deutlich 5-zähnig   ► 74
69
Zumindest an älteren Blüten Fruchtknoten länglich, Frucht lineal bis länglich, 3- bis 6mal solang wie breit; Kelch stets undeutlich oder fehlend   ► 70
70 (69)
Blütenkronblätter vor allem am Rand deutlich bewimpert 
  Chaerophyllum hirsutum L. (s.l.)
70
Blütenkronblätter kahl   ► 71
71 (70)
Blütenkronblätter flach, etwas gewölbt oder an der Spitze höchstens um 90° (selten bis 180°) einwärts gebogen, nie deutlich herzförmig (Abb. 31) 
  Anthriscus Pers.
71
Blütenkronblätter in eine mindestens 180° einwärts gebogene Spitze verschmälert, oft deutlich herzförmig (Abb. 3g)   ► 72
3g Apiaceae.png
72 (71)
Frucht nur am kurzen Schnabel 10-rippig, sonst glatt, glänzend, kahl; Gartenpflanze 
  Anthriscus cerefolium (L.) Hoffm.
72
Frucht ungeschnäbelt, (im reifen und trockenen Zustand) der ganzen Länge nach gerippt; Wildpflanze (gelegentlich in Kultur genommen)   ► 73
73 (72)
Frucht bis 2 cm lang, reif glänzend braun, scharf gerippt, an den Kanten ganz kurz borstenhaarig; Blätter etwas zottig behaart, beim Zerreiben stark riechend 
  Myrrhis Mill.
73
Frucht kaum 1 cm lang, stumpf gerippt, kahl 
  Chaerophyllum L. em. Hoffm.
74 (69)
Involucellarblätter allseitswendig   ► 76
74
Involucellarblätter einseitswendig (Abb. 3k), meist 3; Blätter beim Zerreiben unangenehm riechend   ► 75
3k Apiaceae.png
75 (74)
Frucht doppelkugelig, etwa doppelt so breit wie lang, ohne Rippen; Zipfel der obersten Blätter fadenförmig 
  Bifora Hoffm.
75
Frucht etwa so lang wie breit, deutlich gerippt; Blätter glänzend-dunkelgrün 
  Aethusa L.
76 (74)
Kelch deutlich 5-zähnig; Kelchzähne zuweilen ungleich groß und den Blütenkronblätter gleichfarbig   ► 83
76
Kelch undeutlich 5-zähnig oder nur als Saum ausgebildet   ► 77
77 (76)
Fiedern letzter Ordnung 1,5-4 cm breit, ± scharf gesägt 
  Angelica sylvestris L.
77
Fiedern letzter Ordnung viel schmaler oder tief geteilt mit schmalen Abschnitten   ► 78
78 (77)
Sprossachse hohl; Blütenkronblätter stets abstehend und ausgebreitet   ► 80
78
Sprossachse markig; Blütenkronblätter häufig ± aufrecht stehend (Abb. 3m)   ► 79
3m Apiaceae.png
79 (78)
Sprossachse zur Gänze scharfkantig gefurcht; Fiedern letzter Ordnung mit weißer Stachelspitze; Blütenkronblätter stets aufrecht. fast zusammenneigend (Abb. 3m), geflügelt (Länge der Flügel ca. 1/2 des Blütenkronblattes); Fruchtrippen geflügelt 
  Selinum carvifolia (L.) L.
3m Apiaceae.png
79
Sprossachse höchstens im oberen Bereich gefurcht; Fiedern letzter Ordnung am Rand rau; Blütenkronblätter aufrecht oder ausgebreitet, Länge der Flügel höchstens 1/3; Fruchtrippen hohl, aufgeblasen; im Gebiet nur in Ostpreußen 
  Cenolophinum Koch
80 (78)
Fiedern letzter Ordnung haarfein (s. auch Nr. 50) 
  Meum Mill.
80
Fiedern letzter Ordnung breiter, nicht haarfein   ► 81
81 (80)
Blüten oft rötlich; Involucellarblätter lanzettlich, zuweilen hautrandig; Gebirgspflanze 
  Ligusticum mutellina (L.) Crantz
81
Blüten stets weiß; Involucellarblätter pfriemlich   ► 82
82 (81)
Pflanze 60-150 cm hoch; Fruchtrippen geflügelt, die randständig, breiter als die mittleren: Sprossachse bereift; Äste gefurcht; Blattscheiden aufgeblasen 
  Conioselinum Fisch.
82
Pflanze 30-60 cm hoch; Fruchtrippen schwach geflügelt 
  Cnidium Cusson ex DC.
83 (76)
Fiedern letzter Ordnung groß, herz-eiförmig (2-3 cm breit) oder schmal lanzettlich bis 6 cm lang   ► 86
83
Fiedern letzter Ordnung schmal-lineal, Blätter (wenigstens die mittleren Stängelblätter) fein zerteilt   ► 84
84 (83)
Frucht kugelig; Kelch 5-zähnig, die beiden äußeren Kelchblätter deutlich länger; Randblüten vergrößert; alle Teile unangenehm (nach Wanzen) riechend 
  Coriandrum L.
84
Frucht walzlich, vom persistierenden Kelch gekörnt   ► 85
85 (84)
Sumpfpflanze; Kelchzähne lang zugespitzt; Griffel aufrecht; Sprossachse und Blütenstiele zuweilen aufgetrieben; Randblüten zuweilen vergrößert 
  Oenanthe L.
85
Landpflanze; Kelchzähne dreieckig, kurz; Griffel zurückgebogen: Involucellarblätter zuweilen zu einer becherförmigen, am Rand gezähnten Scheide verwachsen; Randblüten nie deutlich vergrößert 
  Seseli L.
86 (83)
Fiedern letzter Ordnung schmal-lanzettlich, scharf gesägt; Stängelbasis in das aufrechte Rhizom übergehend, dieses hohl und durch Querwände gekammert, von möhrenartigem Geruch. Sumpfpflanze der Verlandungszone 
  Cicuta L.
86
Fiedern letzter Ordnung schief herz-eiförmig, Frucht eiförmig, geflügelt; feuchte Wiesen und Wälder 
  Angelica L.

Die Brauchbarkeit der Merkmale

Das Blatt ist nicht nur ein optisch auffälliges, sondern auch bestimmungstechnisch einfach zu handhabendes Merkmal, soweit ungeteilte, digitat oder dreizählig gefiederte Blätter in Betracht kommen. Hierher gehören an sich auch die einfach gefiederten Blätter vom pinnaten Typ, wobei es allerdings Varianten zu berücksichtigen gilt, die stark eingeschnittene Fiedern 1. Ordnung aufweisen, was im Extremfall bis zu doppelter Fiederung gesteigert sein kann. Dieser kontinuierliche Übergang belastet natürlich den Schlüssel, ist aber nicht zu umgehen, will man nicht auf die bequeme Ausgliederung so häufiger Taxa wie Pimpinella, Heracleum und Pastinaca verzichten.

Demgegenüber ist die Benutzung des Blattschnitts und des Gliederungsgrades nicht ideal, da das zweifach und höher (pinnat) gefiederte Blatt bekanntlich dem Großteil der hier in Betracht kommenden Umbelliferen eignet, der Grad der Fiederung vielfach doch beträchtliche Variationsbreite aufweist und die Form der Fiedern verbal nur unzureichend beschreibbar ist. Auch wenn wir uns um Zurückhaltung bei der Benutzung dieses Merkmalsbestandes bemüht haben. So zeigen doch die Nr. 16, 17, 19, 57, 86, dass man seiner kaum entraten kann. Durch Hilfskriterien und Hinweise auf Zeichnungen ist die Gefahr der Fehlbestimmung allerdings minimalisiert, und falls jemand durch die Alternative von Nr. 16 dennoch fehlgeleitet wird, führt ihn die Nr. 20 wieder auf den richtigen Weg zurück.

Involucral- und Involucellarblättchen sind hinsichtlich ihrer Anzahl und ggf. ihrer Fiederung zweifelsohne ein hervorragend gut geeigneter Merkmalskomplex, Wobei allerdings die diesbezügliche Variationsbreite mancher Arten dazu nötigt, sie entweder im Schlüssel doppelt zu führen oder sie dann doch mittels anderer Merkmale zu trennen.

Kronblattmerkmale sind an sich nicht ungeeignet selbst zur Auftrennung größerer Gruppen (z.B. Saniculoideen), werden hierfür aber nicht eingesetzt, da augenfälligere Charaktere hier gut greifen (bei den Saniculoideen z.B. die besondere Form der Infloreszenzen und die digitate Blattgliederung). Aber sie werden zur Auftrennung kleiner Gruppen erfolgreich eingesetzt (vgl. Nr. 56, 66, 71). A Das Nämliche gilt für die Benutzung der Blütenfarbe als Hauptkriterium. Dieses Merkmal ist – so verführerisch seine Benutzung für Frischmaterial erscheint für Herbar- oder gar Alkoholmaterial extrem problematisch.

Wenn man sich dieser Schwierigkeit bewusst ist, kann man aber die Hilfskriterien doch so einrichten, dass falsche Entscheidungen ausgeschlossen sind (vgl. Nr. 63). Die Fruchtmerkmale werden als erstrangige Kriterien dann benutzt, wenn sie am anthetischen Material bereits auszumachen sind. Dies zu betonen ist wichtig, weil man die diesbezüglichen Bemerkungen in der Einleitung möglicherweise dahingehend missdeuten könnte, dass es uns um die totale Eliminierung grundsätzlich aller fruchtmorphologischen Kriterien gehe. Das ist nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um den Versuch, ohne sie auszukommen, und zwar genau dann, wenn sie erfahrungsgemäß erst spät an den schon fast reifen Früchten auftreten. Bei Chaerophyllum, Anthriscus und Myrrhis ist die schlanke Form der Früchte aber schon bald nach dem Aufblühen erkennbar, weshalb die auch anderwärts (Schmeil-Fitschen 1982: 241, Nr. 56; Oberdorfer 1983: 694, Nr. 55) so gehandhabte Abtrennung dieser Gruppe beibehalten werden konnte. – In vielen Fällen lässt sich auch die Frage gut entscheiden, ob der Fruchtknoten mit Emergenzen besetzt oder kahl ist (Vgl. Nr. 37 und 59). Demgegenüber ist die Feststellung der speziellen Form der Emergenzen bei ganz jungem Material mit einigen Unsicherheiten belastet. Eine in diesem Sinne nicht ganz befriedigende Alternative ist die (aus Schmeil-Fitschen 1982: 244, Nr. 29 übernommene) Nr. 38, von der freilich nur eine kleine und ausgefallene Gruppe betroffen ist: Athamantha, Libanotis, Laserpitium prutenicum. – Dass die Fruchtmerkmale daneben weiterhin zur Abrundung und Ergänzung des differenzierenden Merkmalsbestandes nützlich sind und hier auch so eingesetzt werden, versteht sich von selbst.

Der Gesamtaufbau des Schlüssels im Vergleich

Da die Priorität der in dem vorgelegten Schlüssel verwendeten Bestimmungskriterien weitgehend anders gesetzt wurde als in den vergleichbaren Schlüsseln, sind in dessen Großstruktur auch wenig Beziehungen zu den anderen erkennbar. Übereinstimmung herrscht lediglich bei einigen Kleingruppen, wie z.B. Chaerophyllum-Anthriscus-Myrrhis sowie dem Schluss ab Nr. 76, der mit geringfügigen Änderungen aus Schmeil-Fitschen (1982: 241-242) übernommen wurde.

Insgesamt liegt die Anzahl der Großgruppen mit 11 in unserem Schlüssel fast doppelt so hoch wie bei den anderen. Dies verkürzt statistisch den Bestimmungsweg für das einzelne Taxon. Demgegenüber liegt unser Bestimmungsschlüssel mit 86 Dichotomien um 10 bis 20 Stellen höher, was den Gang statistisch verlängert. Dies wurde in Kauf genommen zugunsten einer verbesserten Sicherheit, derentwegen ungewöhnlich viele Gattungen zerlegt und viele Taxa doppelt und dreifach geführt sind. Wenn man die Bestimmungsbäume unter der Fragestellung vergleicht, wann ein Fruchtmerkmal in der Hauptlinie des Bestimmungsweges (also nicht am Ende von Seitenästen) erstrangig und unumgänglich eingesetzt ist, kommt man zu dem überraschenden Befund: Im Schlüssel von Schmeil-Fitschen (1982) schon bei der Dichotomie Nr. 4, im Schlüssel von Rothmaler 1982) bei Nr. 5, in dem von Oberdorfer (1983) bei Nr. 20, in unserem Schlüssel aber erst bei Nr. 59. – Bei genauerem Hinsehen kann man auch bemerken, dass in unserem Schlüssel der Bestimmungsweg im Höchstfall über vier Dichotomien mit fruchtmorphologischen Kriterien läuft – das gilt für Torilis div. spec., Caucalis, Chaerophyllum div. spec. und Myrrhis -, während dies bei Oberdorfer 5, bei Schmeil-Fitschen 6 und bei Rothmaler 7 sein können.

Das sind unseres Erachtens einige deutliche Verbesserungen sowohl für den Feldbiologen als auch den floristisch unerfahrenen Anfänger. Während mehrerer Jahre ist der Schlüssel in den von uns an der R.W.T.H. Aachen durchgeführten Pflanzenbestimmungsübungen sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene getestet worden.

Zusammenfassung

Es wird ein neuer Schlüssel für die mitteleuropäischen Umbelliferengattungen vorgestellt, der sich von den vergleichbaren Schlüsseln vor allem darin unterscheidet, dass er solche fruchtmorphologischen Merkmale als erstrangige Kriterien ausschließt oder wenigstens in periphere Äste des Entscheidungsbaums drängt, die noch nicht am blühenden Material direkt, sondern erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Fruktifikationsphase auszumachen sind. Stattdessen wird mit einigen neuerschlossenen Merkmalen aus dem Blütenbereich gearbeitet. Verweise an kritischen Stellen dienen als Sicherungen und erlauben sowohl dem Feldbiologen als auch dem weniger geübten Anfänger zuverlässige Determinationen.


Literatur

  • Froebe, H.A., Adolf, G. & Jahnke, Ch. 1981: Das Lobulum inflexum – ein vernachlässigtes Merkmal der Apiaceen-Blüten. – Beitr. Biol. Pflanzen 56: 243-274.
  • Fournier, P. 1977: Les quatres Flores de la France. 2. Aufl. – Paris.
  • Hess, H.E., Landolt, E & Hirzel, R. 1977; Flora der Schweiz und angrenzender Gebiete. 2. Aufl. – Basel & Stuttgart.
  • Lid, J. 1974: Norsk og Svensk Flora. – Oslo.
  • Oberdorfer, E. 1983: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, 5. Aufl. – Stuttgart.
  • Rothmaler, W. 1976: Exkursionsflora von Deutschland. Atlas der Gefäßpflanzen. 8. Aufl. – Berlin.
  • Rothmaler, W. 1982: Exkursionsflora von Deutschland. 11. Aufl. – Berlin.
  • Schmeil, O. & Fitschen, J. 1982: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 87. Aufl. – Heidelberg.
  • Schmitz, J. & Froebe, H.A. 1986: Bestandsaufnahme der Kronblattstrukturen der mitteleuropäischen Umbelliferen und die Frage ihrer taxonomischen Auswertung. – Bot. Jahrb. Syst. 106: 337-357.
  • Thellung, A. 1925: Umbelliferae. In: Hegi, G., Illustrierte Flora von Mitteleuropa V/2: 926-1537. – München.

Neben dem vorliegenden Schlüssel, basierend auf dem von Joachim Schmitz (Homepage) zur Verfügung gestellten Bestimmungsschlüssel Apiaceae Deutschland (PDF) gibt es auch noch eine erweiterte Version unter Einschluss der Niederlande, Belgiens, und Luxemburgs (PDF) auf Holländisch.